Akal – der Rapper mit der klaren Message

Akal fotografiert von Patrick Staudinger, z.V.g.

PRINT: Der St. Pöltner Rapper Akal veröffentlichte kürzlich seine Debut-EP „Sprach-Los“. Als Gründungsmitglied der Liquid Squad, die Ende der 90er Jahre lokalen HipHop erst etablierte, zählt Akal zu den Wortgewandtesten seiner Szene. Die EP erzählt vom politischen Aufbegehren, von Selbstermächtigung und vom Flow, den man unbedingt behalten muss.

Interview: Werner Harauer
Foto: Patrick Staudinger

 

City-Flyer: Wann hast du zu rappen begonnen?

Akal: Ich habe ca. 1996 zu rappen begonnen. 1998 oder 99 starteten wir mit der Liquid Squad.

CF: Was war die Liquid Squad und wer war noch dabei? Gibt’s noch Verbindungen zu den Mitgliedern? Was machen Kolega und Rolex heute?

Akal: Die Squad war in dieses Zeit eine fast unbeschreibliche Hip Hop Kombo bestehend aus DJ Dogma, Rolex, Kolega und mir. Natürlich besteht noch Kontakt zwischen den Mitgliedern der Squad. Rolex zum Beispiel arbeitet weiterhin fleißig an seinen Beats und verfeinert seine Flows. Kolega ist momentan mit diversen anderen Projekten beschäftigt. DJ Dogma mischt seit geraumer Zeit bei den verschiedensten Projekten in Sankt Pölten mit. Im Großen und Ganzen kann man sagen, es geht uns allen gut.

CF: Was hat sich in der Zeitspanne von fast 20 Jahren in der St. Pöltner Hip Hop Szene verändert?

Akal: Ich habe mich seit dem Ende der Liquid Squad nicht mehr großartig mit der Szene beschäftigt, habe aber dennoch weiter konzentriert an meiner Musik und meinen Texten gearbeitet.

CF: Was macht die Faszination von Hip Hop aus, dass du so lange dran bleibst?

Akal: Ich ohne Rap ist undenkbar für mich. Es ist ein hervorragendes Ventil, um diverse Eindrücke zu verarbeiten denen man in der heutigen Gesellschaft ausgesetzt ist. Außerdem bereitet mir das Rappen Freude, egal ob im Proberaum oder live on Stage.

CF: Wie ergab sich der Wandel von Füz (damaliger Name, d. Red.)  zu Akal? Was, außer dem Alter, unterscheidet die beiden?

Akal: Ich würde sagen durch einen langen Weg, viel Erfahrung.

CF: Obwohl deutscher Hip Hop boomt, gibt es nicht gerade viel Veranstaltungen in stp. Fehlt das interessierte Publikum? Fehlt die passende Location? Fehlt ein Organisationsteam, das Veranstaltungen plant?

Akal: Sankt Pölten ist kein einfaches Pflaster. Vielleicht fehlt von allem ein bisschen. Ich habe da eher wenig Einblick, aber Organisationsteams für HipHop Events sind definitiv vorhanden.

CF: Du hast am Voting für den „Melting Pot“ teilgenommen. Soweit ich mich erinnern kann, kamst du nicht zum Zug. Gibt es wirklich zu wenige Hip Hop Fans in St. Pölten und Umgebung?

Akal: Die Herausforderung, als einziger Rapper an dem Contest teilzunehmen, war groß und sehr spannend. Vielleicht wird es ja das nächste mal was. 🙂

CF: Kommen wir zu deiner ersten EP. Warum hat die so lange gedauert? Du hattest schließlich 20 Jahre Zeit 🙂

Akal: Nun, nach Liquid Squad ist einiges passiert und ich hatte diverse Projekte am Laufen. Natürlich hatte ich auch noch meine familiären Verpflichtungen, da ich im Laufe der Zeit auch Vater von zwei Kindern wurde. Mir genügte es einfach nur Musik zu machen ohne Druck und Öffentlichkeit.

CF: Wie lange hast du tatsächlich an der Produktion gefeilt?

Akal: Ich habe erst Ende des letzten Jahres entschieden eine EP zu machen. Die Tracks sind in den letzten fünf Jahren entstanden und wurden bereits einige Male live performt. Deshalb entstand auch die Idee für die EP. Außerdem arbeite ich bereits an einem neuen Album, das noch dieses Jahr erscheinen wird.

CF: ChiLL-iLL steuerte die Beats zu den Tracks „Peitschen“ und „One Day“ bei. Haben seine Beats eine eigene Färbung, einen unverkennbaren Charakter, den man raus hört?

Akal: Ich schätze ihn als Mensch und Musiker und wir haben gut zusammengearbeitet. Die Beats haben mich angesprochen und ich habe den Text danach geschrieben. Die Beats zu „One Day“ und „Peitschen“ fielen auf alle Fälle unter meine Favoriten.

CF: Wer außer ChiLL-iLL hat dir noch geholfen? Von wem stammen die Stimmen beim Track „Behalte deinen Flow“?

Akal: Schnicki ist eine wundervolle Sängerin, mit der ich schon damals mit dem HipHop-Musical „Die 4 Elemente“ zusammenarbeiten durfte, und Grillo ein guter Freund, mit dem ich auch schon an einigen Songs gearbeitet habe.

CF: Hast du vor, die EP auch zu promoten? Gibt es Live-Termine?

Akal: Ja, ist gerade alles in Arbeit. In den nächsten zwei Wochen sollte die CD fertig sein. Und vorerst sind zwei Gigs geplant. Nähere Infos folgen noch.

CF: Wie schaut es mit einem Video aus?

Akal: Ist in Planung

CF: Worum geht es in deinen Lyrics?

Akal: Muss man sich anhören. Jeder sollte sich da ein eigenes Bild machen. Im Grunde geht es darum, neue Perspektiven aufzuzeigen, die möglicherweise utopische Ansätze haben und manche Lösungen für gewisse Missstände bieten können.

CF: Die Lyrics sind politisch und sozial sehr engagiert. Kann Hip Hop die Welt verbessern?

Akal: Musik an sich kann meiner Meinung nach die Welt zum Guten beeinflussen wenn man sich darauf einlässt. Gerade HipHop und Rap sind dafür ein gutes Sprachrohr.

CF: Es geht in deinen Songs oft um Selbstermächtigung. Kann der Einzelne heute noch etwas ausrichten?

Akal: Unbedingt. Es fängt bei jedem Einzelnen an und ist dienlich für das Ganze.

CF: Du setzt dich für die Menschenrechte, für die Tierrechte und generell für die Umwelt ein. Ist das nicht mühsam? Wo findest du Ausgleich, um nicht am Irrsinn zu zerbrechen?

Akal: Den Ausgleich finde ich vor allem in der Natur und in meiner Musik. Ich bin generell gegen das Töten und gegen Freiheitsberaubung jeglicher Art.

CF: Die Jugend hat sich vom politischen Diskurs vor Jahren verabschiedet. Ändert sich das gerade mit den Protesten „Fridays for Future“, den die schwedische Schülerin Greta Thunberg ins Leben gerufen hat?

Akal: Mag sein. Näher möchte ich mich hierzu nicht äußern.

CF: Gibt’s auch einen Fun-Track auf deiner EP?

Akal: Nein 🙂

CF: Was hältst du von den Rapperkollegen, wie z. B. den erfolgreichen Yung Hurn, die sich ganz dem Hedonismus verschrieben haben?

Akal: Jeder wie er will.

CF: Vielen Dank für das Interview.

Akal: Ich will mich noch bei Sam Gilly bedanken. Das House Of Riddim Studio hat wieder tolle Arbeit geleistet.

Werner Harauer
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Werner Harauer

Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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