Die goscherten Rock-Stars von Nattastoy

Das Mundart Rock-Trio Nattastoy, bestehend (v.l.n.r.) aus Gerald Schaffhauser (bass), Harry Stöckl (guit., voc.) und Benjamin Zissler (dr.), bringt Ende Februar ihr erstes Album heraus. Foto © Thomas Schnabel, z.V.g.

Ausnahmegitarrist Harry Stöckl rekrutierte vor zwei Jahren den House Of Riddim Bassisten Gerald Schaffhauser und Schlagzeuger Benjamin Zissler, um das Mundart-Rock-Trio Nattastoy ins Leben zu rufen. Am 22. Februar präsentiert die Band ihre gleichnamige Debut-LP im Frei.raum. Wir haben sie um ein Interview gebeten.

Interview: Werner Harauer
Foto: Thomas Schnabel

City-Flyer: Mundart-Gesang ist momentan sehr trendy. Wie schätzt ihr die Chancen für die CD ein? Hat sie Hit-Potential?



Harry Stöckl: Ich bin ja jemand, der eher keinem Trend folgt. Aber wenn uns der Trend hilft, bin ich natürlich auch nicht böse. Es sind durchaus Songs dabei die eingängige Melodien enthalten. Ob das Album Hit-Potential hat, bleibt abzuwarten. Aber ich bin sehr zufrieden mit dem Album und denke, dass es durchaus gut ankommen wird.
GerALD Schaffhauser: Hit-Potential auf jeden Fall, trendy sind wir aber eher nicht.



CF: Harry, Nattastoy gilt ja als „deine“ Band. Hast du Benjamin und Gerald vor der Bandgründung ein fertiges Bandkonzept präsentiert? Oder wurde es im Laufe der Zeit entwickelt?



Harry: Ich habe Gerald gefragt, ob er bei meinem neuen Projekt, das in erster Linie meines sein wird, mitspielen will und dann haben wir uns auf die Suche nach einem Schlagzeuger gemacht. Benjamin hatte gar keine Wahl. Als er die großartigen Nummern gehört hat, war er auch schon verzaubert 🙂

CF: Benjamin und Gerald, mit welchen Argumenten konnte euch Harry von der Band überzeugen?



Gerald: Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr, ob mich der Harry jemals gefragt hat ob ich mitspielen will. 
Wir machen mittlerweile schon so lange gemeinsam Musik, dass das irgendwie klar war, dass ich dabei bin.
Benjamin Zissler: Da war nicht viel Überzeugungsarbeit nötig. Harry hat noch einen Schlagzeuger für sein Trio gesucht und da wollt ich dabei sein. Ich kenne die beiden ja schon lange und hab gewusst, dass das was Großes wird.

CF: Wie kam die Zusammenarbeit mit Producer Martin Scheer, der den Amadeus Award für den besten Sound beim Bilderbuch-Album „Schick Schock“ bekommen hat, zusammen?



Harry: Martin hat schon in der Vergangenheit Projekte, in denen ich mitgespielt habe, gemastert. Bei Nattastoy war es mir wichtig, dass er neben dem Mastern, auch den Mix macht. Martin hat glücklicherweise zugesagt und somit haben wir meiner Meinung nach den besten Sound, den wir uns wünschen können, bekommen!

CF: Aufgenommen wurde das Album im House Of Riddim Studio in Karlstetten, das ja vor allem durch Reggae-Produktionen bekannt ist. Welchen Einfluss hat eigentlich ein Studio auf die Produktion?



Harry: Wenn man bei Sam Gilly aufnimmt, ist das Arbeiten so entspannt, dass man gar nicht merkt, wenn man schon zehn Stunden aufgenommen hat. Ich mag es sehr, dass er immer ehrlich ist. Und wenn ein Take nicht gut war, dann sagt er es. Und dann machst du noch einen. Bis er grinst. Dann weißt du, es passt.
GerALD: Beim Sam im Studio ist es einfach extrem gmiadlich und es herrscht eine entspannte Atmosphäre. Ich hasse es, unter Stress zu arbeiten. Insofern war das sicher die perfekte Wahl für uns (mich).


Benjamin: Das Studio hat immer einen Einfluss auf das Ergebnis! Der Sam ist einfach ein angenehmer Kerl und ein super Musiker und Techniker mit feinen Ohrwaschln – das macht das arbeiten mit ihm sehr einfach.

CF: Gerhard, wie bist du mit der Zeit klar gekommen, wo du mit House Of Riddim weltweit auf Tournee warst?



GerALD: Ich bin stetig mit House of Riddim unterwegs. Das ist sicher für alle anderen Bands in denen ich spiele suboptimal, aber irgendwie geht sich dann doch immer alles aus. Irgendwie …

CF: Gerhard, wie tust du dir als Musiker, in zwei musikalischen Welten (Reggae und Rock) unterwegs zu sein?



GerALD: Musik ist Musik. Ich spiel ja nicht nur Reggae und Rock. Ich hab in meinem Leben schon so ziemlich jede Musikrichtung aktiv in Bands gespielt und gerade das ist es, was mir taugt: das Glück zu haben, mich nicht auf eine Richtung festlegen zu müssen.



CF: Benjamin, spielst du auch noch in einer anderen Band?



Benjamin: Ja, in mehreren, ganz unterschiedlichen Richtungen.

CF: Harry, klassische Rock-Gitarre von Led Zeppelin bis Deep Purple ist dein Metier. Und natürlich Altmeister Neil Young. Finden sich Einflüsse im Album wieder?



Harry: Es lässt sich gar nicht vermeiden, dass man die musikalischen Wurzeln in irgendeiner Weise durchhört. Obwohl es natürlich kein Klassikrock-Album ist. Und der Neil hat ja selten mostviertler Mundart gesungen 🙂

CF: Seht ihr euch mit euren Mundart-Texten in einer österreichischen Tradition?



Harry: Ich finde es wichtig, dass es wieder mehr Bands gibt, die in ihrer Muttersprache bzw. Mundart Songs schreiben. Gerade in der heutigen Zeit, wo das Wort Tradition immer wieder ins rechte Eck gerückt wird, ist es schön, dass es wieder mehr Bands gibt, die den Rechten musikalisch den Kampf ansagen. Und dann noch in der Muttersprache! So verstehen es wenigstens wirklich alle.



CF: Wer von euch komponiert die Songs?



Harry: Die Songs schreibe ich. In den Proben spiele ich Gerald und Benjamin die Lieder vor. Dann wird ein Song so oft gespielt, bis er sich gut und logisch anhört. Die Basslinien und Drumgrooves überlasse ich den beiden. Obwohl ich da auch, selten aber doch, schon fixe Vorstellungen habe.


GerALD: Das Grundgerüst mit Akkorden/Riffs/Text/Gesang usw. kommt immer vom Harry. Er lässt dem Beni und mir aber ziemlich freie Hand was unsere Parts betrifft und insofern bring ich mich dann natürlich auch ein, wenn es um’s Finalisieren der Songs geht.

CF: Ihr positioniert euch in euren Songs klar gegen Hetze und Rassismus. Macht Nattastoy den Polit-Song wieder salonfähig?



Harry: Es sind einige Nummern am Album, die sich klar gegen Rassismus und Hetze aussprechen. Es war nie der Plan, eine politische Band zu gründen. Jedoch habe ich einige Lieder während der Flüchtlingskrise geschrieben. Und wenn ich sehe, dass Menschen im Meer ertrinken und Österreicher darüber lachen, geht mir das sehr nahe. Und dann werde ich sehr wütend. Und die Band ist da ein sehr gutes und wichtiges Ventil für mich.

CF: Kann Pop politischen Einfluss nehmen?

Harry: Definitiv! Wir haben zum Beispiel bei der ersten Donnerstagsdemo in St. Pölten gespielt und auch andere Bands organisiert. Gerade junge Leute kann man mit Musik gut erreichen. Zumindest war das so, wie ich jung war. Es gibt halt leider nicht mehr so viele Bands, die sich etwas sagen trauen. Generell gibt es nicht mehr so viele Bands wie früher. Die jungen Menschen hören eher nur mehr einzelne Lieder. Die Bands sind ihnen nicht mehr so wichtig. Aber das muss ja nicht so bleiben.




CF: Über welche Kanäle werdet ihr die CD unter die Leute bringen?



Harry: Der Plan ist viel live zu spielen und so das Album unter die Leute zu bringen. Das ist immer noch der beste Weg, weil sich die Leute vor Ort ein Bild von der Band machen können. Das Album wird auch im Internet erhältlich sein. Bandcamp usw. Es erscheint übrigens auch auf Vinyl!



CF: Werdet ihr mit Nattastoy auf Tournee gehen?



Harry: Wir sind gerade dabei Konzerte auszumachen. Eine Tournee wäre natürlich sehr schön, steht aber noch nicht am Plan. Man kann sich aber immer auf der Nattastoy Facebookseite die aktuellen Infos holen!

CF: Gibt es erste Live-Termine zu vermelden?



Harry: Wir spielen am 22.2. mit Monkeywrench im Freiraum in St. Pölten und werden dort das Album präsentieren. Ein weiterer Termin der fix ist, ist der 11.6. im B72 mit Sweet Mayhem. Weitere Terminte folgen in Kürze! Und wir geben keine Ruhe bis wir die Royal Albert Hall bespielt haben. Oder zumindest den Musikantenstadl. Aso. Schas. Den gibt es ja nimmer…

www.facebook.com/Nattastoy

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Werner Harauer

Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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