Flo Knixx will sich nicht einordnen lassen

Flo Knixx © Kevin Silentaldi, z.V.g.

Rapper und Producer Flo Knixx ist auf dem besten Weg sich einen Namen in der Szene zu machen. Mit „Sama Flo“ droped der St. Pöltner Künstler ein rundes Album, auf dem er jede Menge Talent beweist. Seine starke Bühnenpräsenz und der Release dürften ihm in Zukunft einige Türen öffnen. Ich freue mich, ihm einige Fragen stellen zu dürfen.

Interview: Jörg Bichler
Foto: Kex

City-Flyer: Dein Album „Sama Flo“ ist gerade erschienen. Kannst du uns etwas über die Arbeit daran erzählen? Hattest du ein Konzept?

Flo Knixx: Ich bin ziemlich blauäugig an die Produktion heran gegangen. Anfangs wollte ich eine Reggae-EP machen. Aber im Laufe der Arbeit kamen mir immer mehr Ideen, die musikalisch nichts mehr mit Reggae zu tun hatten. Außerdem sprengten sie das EP-Format und so ist daraus ein Album entstanden. Als ich realisierte, dass ich im Begriff war ein Album zu produzieren, erhielt ich einen zusätzlichen Motivationsschub und wollte die Tracks vielseitiger anlegen. Sowohl auf der musikalischen, als auch auf der persönlichen Ebene. Du siehst, ein Konzept im eigentlichen Sinn hat es nicht gegeben.

C-F: Hast du mit anderen Musikern zusammengearbeitet?

Flo Knixx: Der größte Teil davon wurde von mir produziert. Ein paar Beats haben Matrazze und Nasty DNA (Dàvid Nadasi) beigesteuert.

C-F: Thematisch ziehen sich die großen Lebensfragen wie ein roter Faden durch das Album. Ich fand auch einige spirituelle Ansätze. Sind dir diese Dinge wichtig? Beschäftigt du dich im Privatleben auch damit?

Flo Knixx: Mir sind alle Themen wichtig, die ich in meiner Musik aufgreife. Musik bietet sich hervorragend zur Selbstreflexion an. Ich weiß aber nicht, ob ich die Geschichten, die ich in meinen Songs anreiße, „die großen Lebensfragen“ nennen würde. Es sind auf jeden Fall Dinge, die mich beschäftigen.
Zu den spirituellen Ansätzen in meinen Texten: zuerst stellt sich die Frage, was man unter Spiritualität versteht. Viele Leute verwechseln Spiritualität mit Esoterik. Ich verstehe darunter grob zusammengefasst, sich persönlich geistig und vor allem seelisch weiter zu entwickeln. Und sich dessen auch bewusst sein. Dem versuche ich, so gut es mir möglich ist, nachzukommen.

C-F: Der Track „Lügner“ wirkt wie eine Abrechnung. Was hat dich dazu inspiriert?

Flo Knixx: „Sama Flo“ ist ein sehr persönliches Album. Ich habe in meiner Jugendzeit einige Erfahrungen zu diesem Thema gemacht und das wollte ich loswerden.

C-F: Auf dem Album finden sich die klassischen Boombap-Banger ebenso, wie Reggae-Riddims wie bei “i geh immer weida“. Was bedeuten dir beide Musikrichtungen? Wie würdest du dich einordnen? Kann ein Solokünstler sowohl Hip Hop als auch Reggae harmonisch auf einer Platte unterbringen?

Flo Knixx: Da ich Hip Hop seit der Volksschule höre, begleitet mich diese Musik schon den größten Teil meines Lebens. Inzwischen ist Hip Hop mein Leben. Wenn es um meine Erfahrungswerte in Reggae geht, würde ich bestimmt keinen Nobelpreis bekommen, aber ich höre Reggae einfach gerne. Einordnen will ich mich selbst nirgendwo, da ich immer die Musik mache, auf die ich gerade Lust habe und Einordnungen sowieso immer an Erwartungen geknüpft sind. Und ob Hip Hop, Reggae, oder andere Kunstformen miteinander harmonieren, ist nur eine Frage des Künstlers.

CF: Du hast einen großen output. Woher holst du dir diese viele Inspiration?

Flo Knixx: Meine Inspiration hole ich mir aus meinem Leben, somit funktioniert das ganz von selbst. Was Musik angeht, bin ich so gut wie immer am Arbeiten. Was ich dann daraus mache, kommt mir irgendwie zugeflogen und ich versuche das dann so gut wie möglich zu kombinieren. Ich habe für mich noch keine Erfolgsformel gefunden, außer dass ich stets am Ball bleibe und mit offenen Augen versuche, Möglichkeiten zu erkennen.

C-F: Juna hat in seinem Interview erklärt, warum man als junger Hip Hop-Künstler alles selber in die Hand nehmen muss. Wie sind deine Erfahrungen diesbezüglich in Österreich. Wie legst du deine moves an?

Flo Knixx: Ich hab bis jetzt versucht, mein eigenes Ding zu machen. Deshalb hab ich mit österreichischem Hip Hop noch wenig Erfahrungen gemacht. Es kommt immer auf die Situation und das Netzwerk des Künstlers an, ob man alleine oder mit Unterstützung arbeitet. Deswegen kann ich diese Aussage nicht so einfach unterschreiben. Wenn man alles selbst macht, weiß man jedoch, dass es am Ende passt.

C-F: Du wirkst live immer entspannt und interagierst mit dem Publikum. Dir scheint die Bühne sehr zu liegen. Bereitest du Auftritte akribisch vor oder gehst du auf der Bühne individuell auf die Gegebenheiten ein?

Flo Knixx: Ein Dankeschön für dein Lob. Das Schreiben und Producen ist schon ziemlich cool. Aber auf der Bühne stehen, und das ist meine persönliche Meinung, bringt dann schon mehr mit sich. Ich rappe einfach gern vor Publikum. Das direkte Feedback ist zudem ein wichtiger Teil für mich als Musiker. Die Trackliste wird schon so gut es geht vorbereitet, was jedoch zwischen den Nummern passiert, ist mehr oder weniger Freestyle.

C-F: Wird es eine Releaseparty und ein Tour geben?

Flo Knixx: Eine Album-Release Party wird am 29.6.2018, also zum Schulschluss im Club 3 stattfinden. Tour ist noch keine geplant. Sofern die Möglichkeit besteht, wäre ich aber offen dafür.

C-F: Wie ist deine Meinung zur Bewerbung der Stadt als Kulturhauptstadt? Hast du davon schon etwas mitbekommen?

Flo Knixx: Um ganz ehrlich zu sein, hab ich mich mit diesem Thema noch nicht wirklich auseinander gesetzt. Wahrscheinlich aus dem Grund, weil ich über die Bewerbung bisher zu wenig erfahren habe. Vielleicht mangelt es einfach an den Förderungen und der Werbung.

www.facebook.com/FloKnixxMukke

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Werner Harauer

Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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