Hip Hop leben mit den Gutaussehenden Stoner

„Abwechslung, neue Reize, neue Dinge, die spannend und teilweise auch verstörend sind. Das ist für uns Hip Hop.“ Die Gutaussehenden Stoner . Foto © Bernd Waldhart, z.V.g.

Die Don Dada Nation sind seit fast einem Jahrzehnt das St. Pöltner Flagg­­schiff in Sachen HipHop. Juna, der Kopf der Bande, hat mit dem Künstler­kollektiv Die Gutaussehenden Stoner nun ein weiteres heißes Eisen am Start. Auch wenn das Projekt fresh ist, die Tracks fresh klingen und der Erfolg nicht lange auf sich warten lassen wird, steckt die jahrelange Erfahrung von Juna dahinter. Er und seine Homies Cheesy B, Bassy und Pucci leben Hip Hop wie niemand Anderer in der Stadt.
Ich freue mich, Einblick über die Ansichten und Erfahrungen vom Fahnenträger der Gutaussehenden Stoner zu bekommen.

Interview: Jörg Bichler
Credits: Bernd Waldhart

 

C-F: Kannst du uns kurz die Entstehungsgeschichte der Gutaussehenden Stoner (GS) zusammenfassen? Wie habt ihr euch kennengelernt? Habt ihr euch konzeptionell zusammengetan?

Juna: Die Gutaussehenden Stoner bestehen aus Cheesy B, Bassy, Pucci und mir. Ich hab die Burschen eigentlich alle auf Partys kennengelernt. Mit meiner DJ Crew ‚Don Dada Nation’ sind wir ja tief in der Clubszene verwurzelt und früher oder später hab ich jeden der drei kennen gelernt. Wir waren dann auch privat gemeinsam unterwegs (zb. auf Hip Hop Festivals in diversen Nachbarländern. Als ich mir dann zuhause mein kleines Studio eingerichtet hatte, war es nur mehr eine Frage der Zeit, bis auch sie das erste Mal gerappt haben.

C-F: Ihr seid musikalisch am Puls der Zeit, der momentan weit weg vom klassischen Hip Hop schlägt. Kannst du dir vorstellen, klassischen Hip Hop zu machen?

Juna: Ich nehme jetzt einfach mal an, dass du mit klassischem Hip Hop die Epoche der späten 80er bis Ende der 90er meinst. Ich bin zwar zu jung, um diese Zeit aktiv miterlebt zu haben, durch YouTube und Co. habe ich mit meinen Freunden immer schon auch extrem viel Golden Era Stuff gediggt.
Es gab auch Zeiten in denen ich ausschließlich Boom Bap Hip Hop gehört habe. Ich mag diese Art von Beats nach wie vor. Jedoch bin ich ein Mensch der schnell etwas Neues braucht. Ich denke, dass ich wohl jede richtig wichtige Platte der 90er kenne, find es aber einfach viel spannender, neue, rohe, brodelnde Trends zu entdecken, als immer nur das alte Zeug wieder und wieder zu hören. Ich liebe zum Beispiel auch Pizza, trotzdem wäre es schlimm für mich, wenn ich jeden Tag Pizza essen müsste. So ungefähr sehe ich das auch mit Musik. Ich brauch Abwechslung, neue Reize, neue Dinge die spannend und teilweise auch verstörend für mich sind.
Das macht für mich Hip Hop auch aus …. Es ist die ständige Weiterentwicklung und Ruhelosigkeit, die mich magisch anzieht. Wenn du dich heutzutage ein paar Monate/Jahre hip-hop-technisch nicht informierst, wirst du dir schnell denken: „Was ist da los? Das ist doch kein richtiger Hip Hop?“ Doch genau das ist es, nach wie vor.

C-F: Wie stehst du persönlich zu klassischem Rap á la CHiLL-iLL zum Beispiel?

Juna: CHiLL-iLL kenne ich natürlich gut. Ich war wahrscheinlich auf mehr CHiLL-iLL Live Shows als die meisten anderen. Von ihm habe ich früh gesehen, dass man als Rapper die Dinge in STP selber in die Hand nehmen muss, weil es eben so wenig Hip Hop Szene hier gibt. Er hat immer gerappt, produziert, die Cuts selber gemacht, das komplette Artwork eigenständig entworfen, sich um Videos selber gekümmert und im Endeffekt seine Platte oder CD dann sogar selber auf Partys an die Leute verkauft. In St. Pölten musst du als Rapper entweder schnell ein fähiges Team um dich aufbauen oder alles selber machen. Das haben wir Jungen definitiv bei ihm gesehen.

C-F: Hörst du österreichischen Hip Hop auch privat?

Juna: Ich weiß, was in der Szene so passiert. Ich kenne jeden, der auch nur ein bisschen Hype oder Relevanz genießt. Was das angeht war ich schon immer ein Nerd.

C-F: Im Song „kick off“ rappst du, dass „ständig Nachrichten von chicks kommen“, die es „gerne hart hätten“. Wie stehst du dem Sexismus-Thema gegenüber? Wurdest du damit schon privat konfrontiert? Ist es Teil deiner Kunstfigur und Konzept, oder schreibst du so etwas mit Überzeugung?

Juna: Zum Ersten möchte ich darauf hinweisen, dass das Zitat wie es hier angeführt ist, nicht nur aus dem Kontext, sondern auch aus dem Satz gerissen wurde. Ich sehe mich privat und auch als Musiker als Feminist und finde es ekelhaft, dass allen Ernstes 2018 in einem Land wie Österreich noch eine Volksabstimmung für Gleichstellung benötigt wird um etwas zu verändern.
Mit dem Thema Sexismus in Bezug auf meine Musik wurde ich noch nicht konfrontiert. Ich bin mir auch relativ sicher, dass sich keine junge Frau von so einer Line angegriffen fühlt. Warum auch? Ich erzähle doch nur eine Anekdote, die man genreüblich überspitzt formuliert und auch mit dem nötigen Augenzwinkern aufnehmen sollte. Auf unserer Instagram-Seite haben wir als Rap-Gruppe eine höhere weibliche Followerschaft, als männliche. Ich denke nicht, dass dies so wäre, wenn uns Frauen als sexistisch oder abwertend ihnen gegenüber sehen würden. Im Gegenteil – ich glaube, dass Frauen mit meiner Musik grundsätzlich sogar mehr anfangen können als Männer.

C-F: Die youtube views sind gut. Überlegt ihr oder du für 2018 einen release?

Juna: Wir releasen ja quasi im 1-2 Wochen Rhythmus Tracks zum Gratis-download. Wir arbeiten außerdem auch gerade an Musikvideos, die in Zukunft haufenweise kommen werden. Ich sitze auch schon länger mit dem STP Urgestein Dj Crum und seinem Producer-Kollegen Val Ebm im Studio. Aus dieser Ecke wird auf jeden Fall ein Projekt kommen.

C-F: Spielst du lieber live oder stehst du lieber im Studio? Deine Bühnenpräsenz ist sehr routiniert und gut. Wie wichtig ist live spielen noch in der Internet-Welt?

Juna: Ich liebe live. Es war auch kein Zufall, dass ich bei meiner Dj Crew Don Dada Nation sehr schnell das Mic in die Hand genommen habe und mich weniger für’s Auflegen als für’s Hosten interessierte. Ich fühl mich einfach sehr wohl auf der Bühne und ich liebe es, wenn eine anfangs verhaltene Crowd plötzlich aus sich raus kommt und beginnt Spaß zu haben, weil sie merken dass wir selber Spaß haben da oben.
Studio ist aber genauso gut. Ich bin ja quasi jede freie Minute in meinem Studio. Wenn man aus dem nichts etwas erschafft, das einem selber gut gefällt, sind das Glücksgefühle, die man schwer in Worte fassen kann. Früher haben Rapper ja meistens zuerst auf einer Livebühne gestanden um zu freestylen, battlen oder einen geschriebenen Vers zu performen, bevor sie irgendjemand kennengelernt haben der halbwegs cool recordern konnte. Da war man – denk ich – meistens schon ein solider Rapper bevor man in ein Studio gekommen ist. Heute kann sich ein 14j-Jähriger, bevor er jemals in einen Club oder auf eine Bühne durfte, in seinem Kinderzimmer ein kleines Setup aufbauen und mithilfe von YouTube auch recht schnell recherchieren, wie man Songs recordet, mischt usw.
Was ich damit sagen möchte ist, du kannst heutzutage auch zum Star werden, ohne wirklich Bühnenerfahrung mitzubringen (siehe Rin). Sowas war vor 15 Jahren undenkbar. Ich glaube aber, dass es ein klarer Nachteil für einen Rapper ist, wenn es für ihn nicht normal ist, vor Publikum zu performen. Sollte man sich selber das Ziel gesetzt haben, von Musik leben zu können, ist eine gute Live Show heutzutage sowieso ein wahnsinnig wichtiger Punkt, weil von Verkäufen und Streamingzahlen leben wird eher schwierig.

C-F: Du bist ein etablierter St. Pöltner Veranstalter und Künstler. Wie nimmst du das Thema „Kulturhauptstadt“ wahr? Bist du kontaktiert worden? Gibt es Berührunspunke?

Juna: Ich nehme es wahr wie jeder andere. Es gibt keine Berührungspunkte. Mich hätte es sehr verwundert, wenn man mich diesbezüglich kontaktiert hätte.

facebook.com/GSBABEY
instagram.com/gutaussehende.stoner/

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Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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