Iris Teufner – mit den Waffen einer Frau

Iris Teufner (zweite von links) spielt die Jola in Juli Zeh's "Nullzeit" . Außerdem im Bild: Georg Wandl, Martin Freudenthaler und Daniela Freudenthaler (v.l.n.r.). Foto © Christian Kellner, z.V.g.

Theater Perpetuum startet am 15. März mit der neuen Produktion nach dem Roman „Nullzeit“ von Juli Zeh. Iris Teufner spielt darin eine Soap-Darstellerin, die auf den Durchbruch wartet, der sich nicht einstellen will. Teufner gibt euch einen ersten Einblick in das Stück und spricht über ihre Rolle.

Interview: Werner Harauer
Foto: Christian Kellner

City-Flyer: Wie bist zu Theater Perpetuum gestoßen? Wann war das?

Iris Teufner: 2014 hat Perpetuum eine Theaterakademie ausgeschrieben. Da mich Theaterspielen immer schon sehr interessiert hat, habe ich beschlossen daran teilzunehmen und nach einem Jahr voller Workshops bin ich geblieben.

CF: Welche Erfahrungen hast du während der „Perpetuum Akademie“ gemacht?

Teufner: Die „Perpetuum Akademie“ hat mir wirklich großen Spaß gemacht und ich konnte viel lernen. Wir Teilnehmenden bekamen in verschiedenen Modulen einen kleinen Einblick in die umfangreiche Theaterwelt. Auch eine durch die Akademieteilnehmer erarbeitete Aufführung wurde zum Abschluss im ehemaligen Forumkino präsentiert.

CF: Was war deine erste „offizielle“ Rolle bei Theater Perpetuum und in welchem Jahr war das?

Teufner: Gleich nach dem Abschluss des letzten Akademie-Workshops im Herbst 2015 haben die Proben für die Produktion zu „Küsst euch und zum Teufel mit euch“, drei Einakter von Anton Cechov, begonnen. Ich habe sofort das Angebot bekommen, in „Die Hochzeit“ meine erste Rolle als Dasenka, die Braut, zu übernehmen. Es hat mich sehr gefreut sofort mitwirken zu dürfe und es war eine tolle Erfahrung.

CF: Hat du vorher schon Theater gespielt?

Teufner: Davor habe ich ein paar Jahre in der Schultheatergruppe des Gymnasiums Josefstraße gespielt. Die Faszination des Theaterspielens hat mich danach nicht mehr losgelassen.

CF: Was macht für dich die Faszination des Theaterspielens aus?

Teufner: Für mich ist es einfach spannend in eine Rolle zu schlüpfen und den Charakter einer Figur zu erforschen und darzustellen, vor allem wenn sie sich im Wesen ganz stark zu meiner Persönlichkeit unterscheidet. Es ist toll, sich auf die Gefühle und Gedanken einer Rolle einzulassen und ihr auf der Bühne durch eine für sie erarbeitete (Körper-) Sprache leben einzuhauchen.

CF: Stimmt es, dass du auch mal Cheerleader bei den Invaders warst?

Teufner: Das stimmt.

CF: Dein Vater singt hobbymäßig. Seid ihr eine Künstlerfamilie?

Teufner: Meine künstlerische Ader habe ich mit Sicherheit von meinem Vater geerbt. Er ist schon früh mit Musik in Berührung gekommen, da er bei den Sängerknaben in Melk gesungen hat. Später hat er begonnen Gitarre zu spielen und ist seitdem leidenschaftlicher Hobbymusiker, schreibt Songs und sorgt damit in privaten Runden immer für eine gute Stimmung. Das „Mein St.Pölten Lied“ ist eine kleine Hommage an die Landeshauptstadt und auf Youtube zu finden.

CF: Hast du schon einmal ein Autogramm gegeben?

Teufner: Ich habe noch nie Autogramme gegeben, aber ich denke es ist höchste Zeit damit zu beginnen.

CF: Du bist im Brotberuf Lehrerin. Wissen die Schüler von deinem „Nebenjob“? Hast du Fans unter deinen Schülern?

Teufner: Meine Schüler wissen Bescheid, da ich meine Leidenschaft für das Theaterspielen nicht verbergen kann und sie sind auf jeden Fall große Fans. Die Kinder sind sehr fasziniert davon, dass ich nach der Schule auf der Bühne stehe und stellen oft Fragen darüber. Berufsbegleitend studiere ich Theaterpädagogik, und um den Unterricht aufzulockern und Lernen einmal anders zu gestalten, setze ich auch manchmal theaterpädagogische Übungen ein. Das kommt sehr gut an.

CF: Fasse bitte kurz zusammen, worum es im Stück „Nullzeit“ geht.

Teufner: Um sich auf ein wichtiges Film-Casting vorzubereiten, kommt Soap-Darstellerin Jola (384.000 Google-Treffer) mit ihrem Lebensgefährten, dem Autor Theo (12.400 Treffer), nach Lanzarote. Dort betreiben die beiden Aussteiger Sven und Antje eine Tauchschule. Aus einem harmlosen Flirt mit Sven entwickelt sich eine fatale Dreiecksbeziehung, und bald regieren Leidenschaft, Eifersucht, Manipulation und Gewalt das Leben an Land, auf und unter Wasser. Wahrheit und Lüge, Täter und Opfer tauschen die Plätze, und die Inselidylle verwandelt sich in eine mörderische Beziehungshölle.

CF: Welche Rolle spielst du?

Teufner: Ich spiele die Rolle der Jolante Augusta Sophie von der Pahlen. Sie wird Jola genannt und ist eine Schauspielerin in einer Soap, die sich nach dem großen Durchbruch sehnt.

CF: Welche Rolle spielen Daniela Freudenthaler, Martin Freudenthaler und Georg Wandl?

Teufner: Daniela Freudenthaler ist in der Rolle der Antje zu sehen. Antje lebt zusammen mit Sven Fiedler, gespielt von Martin Freudenthaler, auf Lanzarote, sie führen gemeinsam eine Tauchschule. Georg Wandl spielt Theo Hast, der Schriftsteller und Jolas Lebensgefährte ist.

CF: Wie habt ihr entschieden, wer welche Rolle bekommt? Hängt die Rollenvergabe auch von eurem Charakter ab?

Teufner: Der Regisseur, in dem Fall Bernhard Scharl, hat sich bei seinen Überlegungen das Stück betreffend auch Gedanken darüber gemacht, wer in seiner Inszenierung welche Rolle verkörpern soll. Mit dem persönlichen Charakter hat die Rollenverteilung nichts zu tun, denn wir spielen ja auf der Bühne nicht uns selbst, sondern Figuren, denen wir durch unsere schauspielerischen Leistungen Leben einhauchen.

CF: Du hast im Vorjahr die „Adele“ in Nestroys „Höllenangst“ gespielt. Wie unterscheiden sich die beiden Frauenfiguren Adele und Jola charakterlich? Welche Figur fällt dir leichter zu spielen und warum?

Teufner: Eigentlich kann man Adele und Jola kaum miteinander vergleichen. Adele ist eine junge Baronesse, die unter der Obhut ihres bösen Onkels lebt. Sie führt kein selbstbestimmtes Leben, sie ist eher ein Mädchen, das gehorchen muss. Jola hingegen, ist die, die die Zügel in der Hand hält. Auf manipulative Art versucht sie ihre Ziele zu erreichen und vor allem auch Anerkennung zu bekommen. Für mich ist Jola eindeutig die schwierigere und spannendere Rolle, da sie sich sehr von meiner eigenen Persönlichkeit unterscheidet und es somit eine größere Herausforderung ist sie darzustellen. Es macht wahnsinnigen Spaß, Charakterzüge darzustellen, die mit einem selbst wenig zu tun haben.

CF: Was würde ein Mäuschen bei der Premiere hinter der Bühne erleben? Frauen und Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs?

Teufner: Das kleine Mäuschen würde Schauspieler sehen, die sich mit Atem- und Sprechübungen auf ihren Auftritt vorbereiten und sich sehr freuen, endlich ihre intensive Arbeit auf die Bühne vor Publikum zu bringen. Vielleicht hier und da noch kurze Besprechungen zu den Abläufen. Nervenzusammenbrüche sind nicht zu erwarten 😉. Wir sind durch die intensive Probezeit bestens vorbereitet.

CF: Hilft es gegen das Lampenfieber, mit einem Routinier wie Georg Wandl auf der Bühne zu stehen?

Teufner: Es macht großen Spaß mit Georg gemeinsam zu spielen. Er ist sehr professionell und ich konnte sehr viel von ihm lernen. Mit Leuten gemeinsam zu arbeiten, die schon viel Erfahrung mitbringen hilft natürlich, auch selbst professionell zu sein. Wir sind auch zu viert eine großartige Mischung und die Freude mit meinen drei Kollegen auf der Bühne zu stehen überwiegt dem Lampenfieber.

CF: Schminkt ihr euch alle selbst? Oder habt ihr einen Visagisten?

Teufner: Wir schminken uns selbst. Innerhalb der Gruppe helfen wir uns gegenseitig mit den Vorbereitungen für einen tollen Bühnenauftritt.

CF: Jola von den Pahlen will eine ernst genommene Schauspielerin werden. Hast du dir auch einmal überlegt eine Schauspielkarriere anzustreben?

Teufner: Meine Arbeit als Lehrerin bereitet mit große Freude. Zum Glück habe ich die Möglichkeit, meiner Leidenschaft für Theater auch im schulischen Rahmen einen Platz einzuräumen und mit den SchülerInnen Theater zu machen.

CF: Alle vier Protagonisten kommen im Stück nicht gut weg. Antje ist relativ farblos angelegt und darf Svens Sekretärin spielen. Sven ist ein teilnahmsloser Liebhaber. Theo schlägt Jola und Jola wird fast zur Mörderin an Theo. Auf welche Seite soll sich der Zuschauer schlagen?

Teufner: Klar kannst du die Figuren im Roman so charakterisieren. Im Stück nach Bernhard Studlar und in unserer Inszenierung sind die Figuren jedoch sehr facettenreich zu sehen. Im Laufe des Stücks durchlebt jede von ihnen einen persönlichen Wandel, keiner ist am Ende des Stücks der gleiche wie zu Beginn. Einen klassischen Helden, der die Zuschauer auf seinen Seite zieht gibt es nicht, da es hier darum geht zu beobachten, wie es zu dem Ausgang der Situation kommen konnte.

CF: Hat Regisseur Bernhard Scharl also das Stück stark verändert?

Teufner: Bernhard Scharl hat sich bei dem Stück an die Textfassung von Bernhard Studlar gehalten. Auf den Roman bezieht er sich mit der Inszenierung ganz bewusst nicht.

CF: Hat Jola eine sadomasochistische Beziehung zu Theo?

Teufner: Jola ist eine manipulative Figur, das wichtigste für sie ist es Anerkennung zu  bekommen und dabei schreckt sie vor nichts zurück. Sie nutzt die Menschen um sie herum aus, um ihre Ziele zu verfolgen. Sind diese erreicht lässt sie sie einfach fallen.

CF: Was will uns Juli Zeh mit ihrem Roman mitgeben?

Teufner: Ein zentrales Thema in Juli Zehs Romanen ist die Schuldfrage. Wer hat Schuld am Ausgang einer Situation? Wie konnte es so weit kommen? Und vor allem, wie wirkt das Ergebnis nach außen hin?

CF: Ich bedanke mich für das Interview und wünsche euch viel Erfolg.

 

Vorstellungen:

von 15.3. (Premiere) bis 6.4. jeweils am Freitag und Samstag, Beginn 19.30

Die Premiere am 15.3 ist bereits ausverkauft!

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Werner Harauer
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Werner Harauer

Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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