Libero zieht es vom Heimstudio auf die Bühne

Der 18-jährige St. Pöltner Rapper Libero misst sich am SPH-Contest mit anderen Musikern. Foto: privat, z.V.g.

Der St. Pöltner Rapper Libero hat kürzlich mit der EP „Mindfuck“ sein Debut abgeliefert. Am 9. November wird er am größten Newcomer-Contest Österreichs, dem SPH-Bandcontest in Wien teilnehmen. Dem City-Flyer verriet er, was ihn antreibt und was er mit seinem Label „Infernal Records“ vor hat.

City-Flyer: Wann hast du begonnen, Musik zu machen?

Libero: Ich war eigentlich schon immer ein Mensch, dem die Musik sehr wichtig war. Angefangen hat alles damit, dass mich mein Musiklehrer in der Schule damals immer wieder für meinen Gesang gelobt hat. Ich habe dann spaßhalber nur für mich selbst begonnen ein paar Covers von meinen Lieblingstracks aufzunehmen. Richtig begonnen eigene Tracks zu schreiben habe ich dann Anfang 2017, als die Idee aufkam eine eigene EP rauszubringen.

C-F: Rappst du ausschließlich, oder experimentierst du auch mit Beats?

Libero: Da ich mich als ziemlich introvertierten Menschen sehe, ist Rap für mich immer schon die beste Möglichkeit gewesen, mich nach außen zu wenden und den Leuten meine Gedanken und Gefühle preiszugeben. Neben dem Rap beschäftige ich mich aber auch sehr gerne mit anderen Dingen wie zum Beispiel Grafikdesign und Filmen. Da blieb bislang einfach keine Zeit mich mit Beats auseinanderzusetzen. Das überlasse ich dann doch lieber den Profis.

C-F: Auf deiner Ep „Mindfuck“ stammen die Beats von Voodoo Beats. Wer steckt hinter dem Pseudonym?

Libero: Nur der Introbeat stammt von Voodoo. Unter anderem sind auch noch die Producer V.i.p.n, D-RUSH und MixoMix auf der EP vertreten. Voodoo ist ein relativ bekannter, in der deutschen Rapszene sehr respektierter Producer. Generell habe ich aber als Schüler bei der Beatwahl immer darauf geachtet, dass das Preis-Leistungsverhältnis stimmt.

C-F: Die Beats fallen mitunter sehr melodiös aus. Die Raps kippen auch einige Male (z.B. bei „Antrieb“) ins Gesangliche. Ist das dein Markenzeichen? Hast du in diesem Punkt Vorbilder?

Libero: Ich denke, ich bin noch nicht lange genug in der Szene um ein bestimmtes Markenzeichen gefunden zu haben. In der Tat ist aber der österreichische Hip-Hop Artist Dame ein sehr großes Vorbild von mir. Er inspiriert mich seit meiner Kindheit und man kann sagen, dass jene Gesangspassagen sein Markenzeichen sind.

C-F: „Statt heute was zu ändern gehen wir morgen alle drauf“ oder „Zuhaue sitzen, anstatt draußen etwas zu ändern“ rappst du auf der EP. Die Lyrics sind sehr persönlich gehalten und haben einen pessimistischen Unterton. Wie ist deine Sicht auf die Welt? Und welche Rolle spielt die Jugend?

Libero: Mein Verhältnis zu Politik ist eher schwierig. Für mich dreht es sich auf dieser Welt einfach viel zu viel um Macht und Profit. Uns geht es hier in Europa zwar gut, aber global gesehen ist ein Menschenleben nicht mehr viel wert, solang es mehr günstige Arbeitskräfte gibt. Deshalb ist meine Politik auch eine „farbenlose“. Ich finde, wenn ein Mensch Hilfe braucht, sollte man ihm die Hand reichen, ganz gleich welche Herkunft, Hautfarbe oder sexuelle Orientierung er hat.
Jugend ist für mich immer ein Synonym für Zukunft. Die Jugend bestimmt, wie dieser Planet in Zukunft aussehen wird. Und als Teil dieser Jugend möchte ich versuchen, ein paar Menschen die Augen zu öffnen und durch meine Texte meinen Teil zu diesem Umschwung beizutragen.

City-Flyer: Gibt es neben HipHop noch andere Musik, die du schätzt und hörst?

Libero: Eigentlich höre ich fast jede Musikrichtung sehr häufig und gerne. Meine liebste Musik nach HipHop ist aber definitiv Rock.

C-F: Du hattest gemeinsam mit Producer DJ MacX ein Label mit Namen „Moscow Street Life“. DJ MacX produziert in Richtung European Dance Music (EDM). Kannst du dich mit dieser Musik auch identifizieren?

Libero: Ich bin auch ein großer Fan von elektronischer Musik. Generell identifiziere ich mich aber immer lieber mit unbekannteren Künstlern, da diese meist noch nicht von ihrer Musik leben können und meinem Gefühl nach oft mehr Liebe in ihre Werke stecken.

C-F: Warum habt ihr das Label aufgegeben?

Libero: Es war einfach für beide an der Zeit, neue Wege einzuschlagen. „MSL“ war zwar eine tolle Zeit, die mich sehr geprägt hat, aber das Projekt war im Endeffekt noch nicht so ausgereift, wie ich es mir vorgestellt hatte. Auch wenn es mit dem ersten Label nicht geklappt hat, habe ich mit DJ MacX trotzdem einen Freund an meiner Seite, mit dem ich immer noch eng zusammenarbeite, da wir die gleichen Interessen und Ziele verfolgen.

C-F: Du hast seit Anfang des Jahres ein eigenes Label mit Namen „Infernal Records“. Hast du vor, auch andere Artists darauf zu veröffentlichen?

Libero: Definitiv. Mitte dieses Jahres habe ich einen anderen jungen Rapper namens KeLeiBo im Label aufgenommen, der nebenbei auch meine Tracks mischt und mastert. Über die Musik haben wir uns kennengelernt und wollen zusammen dieses Projekt weiterführen.

C-F: Gibt es in stp andere junge Rapper? Steht der Communitygedanke oder das Konkurrenzdenken im Vordergrund?

Libero: Ich bin mir sicher, dass es andere junge Rapper gibt. Nur ist es meist schwer diese zu finden, da sich die Szene in einer kleinen Stadt wie St.Pölten meist kaum bis gar nicht etabliert hat. Deswegen finde ich es auch immer gut, wenn sich Medien wie der City-Flyer dafür einsetzen, jungen Künstlern eine Chance zu geben und ihnen eine Plattform zu bieten.

C-F: Wie sind deine Connects zu anderen St. Pöltner Rappern?

Libero: Ich kenne eigentlich kaum andere Rapper aus St.Pölten, aber es würde mich freuen, wenn sich im Laufe der nächsten Jahre vielleicht eine größere Rapszene in StP entwickeln würde.

C-F: Heute ist es sehr schwer, eine Musikerkarriere alleine auf die Beine zu stellen. Man braucht ein Team, welches mit Video, Ton, Text, Grafik, … umzugehen weiß. Gibt es einen Pool von Kreativen, auf die du zurückgreifen kannst?

Libero: Das ist richtig. Genau dieser Gedanke war der Impuls für die Gründung meines jetzigen Labels. „Infernal Records“ soll kein klassisches Label darstellen, sondern vielmehr den erwähnten Pool von kreativen Menschen, die zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen. Ohne diese Zusammenarbeit wäre es mir nie möglich gewesen, Musik zu machen so wie ich es jetzt tue. An dieser Stelle möchte ich meinen Videoproduzenten und einen meiner besten Freunde Max Tillack grüßen, welcher ein sehr wichtiger Bestandteil meiner jetzigen Laufbahn ist.

C-f: In der HipHop-Gemeinde sind Frauen, die sich kreativ einbringen, sehr rar. Hast du Kontakte zu Frauen, die sich künstlerisch mit Hip Hop auseinandersetzen?

Libero: Ich kenne einige Rapperinnen durch das Internet, aber habe keinen persönlichen Kontakt. Ich denke aber, dass Künstlerinnen in einer doch sehr von Männern dominierten Szene einen wichtigen Gegenpol ausmachen können.

C-F: Ich habe auf Youtube das Video „16 Bars Intro“ von dir entdeckt. Der Track ist nicht auf der EP. Außerdem ist eine weitere Person darauf zu sehen. Welche Rolle spielt sie?

Libero: Der Track ist als Intro zu meiner EP gedacht. Ich wollte mich einfach ein bisschen „austoben“ und experimentieren, was Text und Video angeht. Die Person im Video ist DJ MacX, der mich beim Filmen unterstützt hat.

C-F: Bei welchem deiner bisherigen Auftritte hast du dich a wohlsten gefühlt?

Libero: Ich hatte bis her eigentlich erst einen richtigen Auftritt. Dieser war Ende 2017 auf meinem Abschlussschulball in Obergrafendorf und die Stimmung war dementsprechend gut.

C-F: Wo wirst du als nächstes auftreten?

Libero: Als nächstes werde ich am 9.11.2018 am größten Newcomer-Contest Österreichs, dem SPH-Bandcontest in Wien teilnehmen. Dort möchte ich unser schönes St. Pölten ein wenig vertreten und freue mich natürlich über jeglichen Support.

C-F: Werden die St. Pöltner Fans in naher Zukunft auch Gelegenheit haben, dich in der Stadt live zu sehen?

Libero: Noch ist nichts genaueres geplant, aber wer weiß.. Vielleicht liest ja zufällig ein Veranstalter dieses Interview 😉 So oder so bin ich ein sehr spontaner Mensch und bin gespannt, was die Zukunft in musikalischer Hinsicht bringen mag.

C-F: Wir bedanken uns für das Interview.

liberorap.jimdo.com
instagram.com/libero_official
sph-bandcontest.at

Werner Harauer
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Werner Harauer

Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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