Lukascher singt sich mit „Liebesfüm“ in Form

Lukascher hat mit „Liebesfüm“ einen neuen Song am Start. Foto: Tanja Wagner, www.hirschografie.at, z.V.g.

Der neue Track „ Liebesfüm “ ist der Vorbote eines kommenden Albums von Lukascher, das anlässlich des 10-jährigen Bühnen­­jubiläums des Künstlers erscheinen wird. Nach längerer Pause schreibt der Dialekt-Reggae-Sänger eifrig an neuen Songs und nimmt im Studio auf. Am 9. Mai steht er mit Band als support von Josh. auf der Bühne im VAZ. Zuvor stellten wir ihm noch einige Fragen.

Interview: Werner Harauer
Foto: Tanja Wagner

City-Flyer: Wie ist es, im besten Reggae-Studio Österreichs und mit den besten Musikern weit und breit zu arbeiten?

Lukascher: Großartig natürlich! Aber ich hatte weder bei Sam und Knolli oder bei Bauza und Rob Stefan* jemals das Gefühl, in einem Studio zu stehen. Ich war da eher immer zu Hause bei Freunden und habe die familiäre Atmosphäre genossen. Mit den besten Musikern zu arbeiten ehrt mich sehr. Ich weiß dieses Privileg zu schätzen, dass die Leute mit mir arbeiten. Denn ich bin weder Musiker, geschweige denn einer der Besten.

CF: Dein neuer Song „ Liebesfüm “ ist eine Coverversion von Jacob Miller aus dem Jahr 1980. Wer entschied, diesen Roots Reggae-Song als Basis für „ Liebesfüm “ zu nehmen?

Lukascher: Sam erzählte mir, dass House of Riddim im Zuge einer Studiosession ein paar alte Klassiker neu eingespielt hat. Er meinte, dass er auf einem davon mich gerne hören würde. Ich hörte mir das gute Stück an und fand es sensationell. Natürlich kannte ich das Original von Jacob Miller und Sam meinte, ob ich da nicht was eigenes texten könnte. Der Riddim hat mich berührt und ich schrieb. Wenn ich einen Riddim höre und er nicht sofort irgend ein Gefühl in mir auslöst, kann ich dazu keinen Text schreiben. Auch wenn mir der Riddim noch so sehr taugt.

CF: Inhaltlich geht es beim Original-Song um ganz was anderes?

Lukascher: Ja! Es war mir wichtig, meine eigene Geschichte daraus zu machen. Alles Andere wäre nicht authentisch. Der Song heißt im Original „Mixed up Moods“. Und an diese gemischte Stimmung, diese gemischten Gefühle hat er mich irgendwie sofort erinnert. Wenn man frisch verliebt ist und man z.B müde ist, aber nicht schlafen kann, weils Herz so pumpad.

CF: Du bist ja eher der Typ für die Bühne und brauchst den Kontakt zum Publikum. Wie tust du dir im Studio mit den Routinen und Wiederholungen? Reißt dir bei den Studioaufnahmen auch mal die Geduld?

Lukascher: Ja! Mir reißt da auch mal die Geduld… aber vorher noch dem Produzenten. Ich denke, das ist auch normal so. Studioarbeit ist SUPER! Ich liebe sie. Leider ist das der kürzeste Teil einer Produktion. Ich schreib auch erst viele Texte im Studio fertig. Erstens hab ich dann immer einen gewissen Druck, der mich zwingt zu texten und zweitens liebe ich diese Phasen der absoluten Fokusiertheit auf eine Sache. Da hört die Welt auf zu existieren und man lebt da kurz in einem eigenen Mikrokosmos in dem man der gemeinsamen Kreativität und dem gemeinsamen Schaffen freien Lauf lassen kann. Da sind der Sam und der Bauza Weltmeister drin… workaholic-nerds:-) da werden dann schon mal 5-6 Tracks an einem Tag fertig.

CF: Die Musiker der House Of Riddim Band spielen im Studio deine Songs ein. Als Liveband stehen sie in der Regel nicht zur Verfügung, weil sie auf Tour, im Studio oder mit anderen Projekten beschäftigt sind. Wie löst du das Problem?

Lukascher: Das Problem war bis jetzt, dass ich es bis heute nicht mit meiner Live-Band ins Studio geschafft habe. Bzw. nur zum Teil, da bei den ersten beiden Alben der Bauza die Burschen schon teilweise Sachen einspielen hat lassen. Bequemlichkeitshalber hab ich mir dann von Sam 20 Riddims rausgepickt, Texte geschrieben und eingesungen. Manchmal nimmt mich aber der Sam auch als support für einen Artist mit und dann darf ich mit der 1er Partie zocken 🙂 (Insider). Aber ein Teil meiner Band war ja schon zuvor bei HoR oder Roots Vibration (Knolli/Hornek/Schaffhauser) tätig bzw ist es noch …

CF: Gibt es die Alpine Dub Foundation noch?

Lukascher: Eigentlich hat es die Alpine Dub Foundation nie gegeben. Ich nannte die Band einfach so und ich glaube, ihr hat das nie so gefallen:-). Jetzt nenne ich sie 2er Partie:-) (Insider gecheckt?), oder Lukascher und sein Reggaement. Das wird man dann am 4. Album lesen (Uuups!).
Aber ich liebe diese Musiker alle! Mein Gott, das ist keine Band, das sind richtig, richtig gute Freunde.**
Mein Gott, was für eine Ehre und welches Privileg, mit sooo großartigen Menschen und Musikern Musik machen zu dürfen.

CF: Man wird dich jetzt also wieder öfters live hören? Gibts schon Termine?

Lukascher: Am 9. Mai 2019 im VAZ St. Pölten. Der Rest darf noch nicht verraten werden bzw. wird erst geplant und angekündigt.

CF: Du hast 2008 noch unter dem Namen Bounty Chiller mit DJ Skarlatan an der Endrunde des FM4 Protestsongcontests mit „Wos i mog“ teilgenommen. Der Song ging schon in Richtung Lukascher. Wusstest du damals schon, dass da mehr draus werden kann?

Lukascher: Nein! Den Song hat der Rene Schneider (Dj Skarlatan) geschrieben, ich hab ihn nur eingesungen. Die Soundsystemschule mit Dj Skarlatan und generell Kuhbus war eine extrem wichtige und ich bin sehr dankbar für diese tolle Zeit!

CF: Der Welt einen Haxn ausreißen wollen ist nicht so dein Ding. Kannst du dir ein Ereignis in deiner musikalischen Karriere vorstellen, dass dich stolz gemacht hat bzw. stolz machen würde?

Lukascher: Als absolutes Highlight würde ich den Gentleman support im ausverkauften Zenit in München bezeichnen. Als österreichischer no Name Akt vor 5000 Leuten im St. Pöltner Dialekt performen war der ultimative Nervenkitzel und es ging voll auf. Ich kann mich noch so gut daran erinnern, als wir danach Sam davon erzählten und ich sagte: Was soll jetzt noch kommen? Sam und Schaffi meinten beide: „Nach dem Gentleman spielen:-) “.
Oder einmal habe ich in Lorsch (Ger) im Theater Sapperlot gespielt. Ich hatte Null Plan, was das ist und was da auf uns zukommt. Das irre dabei war, dass der Eigentümer in Thailand im Urlaub war und dort in einer Reggaebar auf mich aufmerksam wurde. Nach dem Urlaub hat er mich gegoggelt und zum Saisoneröffnungsfest geladen. Als wir die Location gesehen haben, blieb uns die Spucke weg. Noch dazu waren das sooo herzlich liebe Menschen und das Puplikum, so 40/50+, ging dermaßen ab. Trotz der Sprachbarriere war der Abend ein voller Erfolg und das Lukascher-Ding funktionierte auch in Deutschland.
Wenn mir fremde Leute schreiben, dass sie gerade meine Musik hören, dann macht mich das stolz. Das ist das schöne daran: Ich muss /will nix mehr erreichen, da wurde mehr draus, als ich mir je zu träumen gewagt hätte. Von dem her wünsch ich mir nur, dass ich das so lange wie möglich weiter machen kann / darf … und wenn mal 5 Jahre Pause ist dann ist es so.
Natürlich möchte ich mich noch weiterentwickeln und schauen, was da noch so alles kommt. Vielleicht spiel ich aber auch nur alle 5 Jahre mal ein Konzert im Frei.raum oder so, aber da wurde was aufgebaut, mit dem man so lange weiter machen kann wie man eben will. Ich bin zu nix verpflichtet, da ich alles selber in der Hand habe. Ich könnt mir auch nicht vorstellen, das hauptberuflich zu machen. Die drei Tage mit HoR auf Tour haben gereicht um zu sehen, dass das wirklich ein Knochenjob ist. Da bleibt für ein Privatleben wenig Zeit. Und genau dafür bewundere ich den Sam oder Schaffi am meisten, dass sie das beides auf die Reihe bringen. Natürlich ist es dann aber so, wenn man sich nur die Rosienen rauspickt, nicht mehr viel vom Apfelstrudel übrig bleibt. Das weiß ich und kann sehr gut damit leben.

CF: Dein drittes Album erschien im September 2015. Wann hast du vor, dein viertes Album zu releasen?

Lukascher: 2020 zum 10-Jährigen gibt’s ein Album, das ich dann hoffentlich mal mit meiner Band eingespielt hab. Ein Album, das dann auch mal auf Platte so wie die Liveshows rüberkommt. Das ist die Mission.

CF: Deine Vorliebe für Reggae-Musik ist unüberhörbar. Bist du schon mal fremd gegangen und hast im Studio mit anderen Musikstilen experimentiert?

Lukascher: Ja! Beim Bauza und Robert Stefan…. Da wird sicher mal was Anderes kommen … aber der Reggae wird immer ein bisschen mitspielen.

CF: Wie du schon erwähnt hast, gibt es 2020 10 Jahre Lukascher zu feiern. Hast du vor, ein großes Fest auszurichten?

Lukascher: Aber sowas von!!!! Sooon Comes:-)

 

* Sam = Sam Gilly, Knolli = Johannes Maria Knoll, Bauza = Michael Willer, Rob Stefan = Robert Stefan

** Standardbesetzung in Lukaschers Band: Drums: Sebastian Haas / Bass: Gerald Schaffhauser / Keys1: Tom Hornek / Keys2: Roman Kukla bei Gelegenheit : Backing Vocals: Almalyn Griesauer / Git: Johannes M. Knoll / …
Bei große Sachen kommt noch ein Bläsersatz hinzu: Helmut Schneider (Sax) / Michael Frühbeiß (Pos) / Hannes Kerschner (Tro) /….

 

Werner Harauer
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Werner Harauer

Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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