Offener Brief an Hanna Partaj

A life that touches others goes on forever. Hanna Partaj, 2016. Foto (Danke!) © Konstantin Mikulitsch, z.V.g.

Nicht mehr hier, für immer da

Die wichtigsten Menschen nehmen sich am wenigsten wichtig. Wusstest du das, Hanna? Auf dich trifft das zu. Im Gespräch mit dir gab es von deiner Seite immer nur Respekt, Mitgefühl, Aufmerksamkeit, Humor – und Bescheidenheit. Gerade von dir, die du doch so intensiv warst. Anfang Februar hat dein Körper unsere Welt verlassen. Es ist Zeit, dir zu schreiben.

Du mit deinen klaren Augen, mir vorsichtig bis in das Herz und in den Darm schauend, deins zur Seite schiebend. Du mit deinen coolen Jeans, wo ich dich immer fragen wollte, wo – zum Teufel, verdammt – du die eigentlich her hast, ich will die auch.

Du mit deiner Kamera, überall dort, wo etwas war, in ganz St. Pölten und darüber hinaus. Du mit deinem besonderen Blick für das Spezielle, Andersartige, Große im Kleinen. Gute im Schirchen.

Du mit deinen beiden wunderschönen, lieben und gescheiten Töchtern Linda und Lisa, den begabten Künstlerinnen, die man genauso schätzen muss wie dich selbst, denn sie sind toll, alle beide. Du von ihnen sprechend, wie du strahlst und dich zur Löwin erhebst in dem Moment, wo ihre Namen fallen.

Du, wo einem nichts Besseres passieren könnte bitte, als dass du deine Kamera auf einen richtest und einen festhältst – im schrägen Winkel, im skurrilen Licht, im besten Fall. Und wo du trotzdem fragst, ganz schüchtern: „Darf ich ein Foto machen?“

Du in unserer Küche, und wir wie immer im Stress, irgendwie leben, irgendwie tun. Der eine mit der Gitarre, die andere mit Schwangerbauch, und wir fragen dich, ob du einen Tee willst, und du freust dich. Bis du siehst, wir pfeffern ihn in der Mikrowelle zusammen, obwohl die Teekanne am Herd steht. Und trotzdem, immer du. Bescheiden. Nimmst ihn trotzdem, den Schnell-Tee und ich denke mir, das nächste Mal Hanna, da gibt es das volle Programm: Die Katzen-Teekanne, den offenen Tee, die schönsten Häferln, die vom Flohmarkt, orange und braun. Kein nächstes Mal.

Du im Cinema Paradiso, unverhofft, ich knie mich hin vor dir, nehm deine Hand, drei deiner herrlich wilden Schwestern sind bei dir, ich halt euch nicht lange auf. Schnell, in wenigen Minuten, das Wichtigste reden, immer alles schnellschnell, ich bin hier verabredet, du bist da mit den Schwestern, du siehst schwach aus, in all deiner Stärke, drückst meine Hand, sprichst über mein Baby, sagst, dass es nie aufhört, diese Freude über ein Kind, diese Demut vor der Entwicklung, dieser Stolz, dieses Glück. Der Krebs frisst sich weiter. Du lebst.

Du, wie du im Vinzenz Pauli sitzt, alleine gekommen, alleine Suppe essend, alleine gehend. Manchmal möchte man auch mal alleine sein. Liebe Worte von dir, so wie immer, aktives Fragen nach dem Befinden. Retour, liebe Hanna! Aber wie soll es dir gehen? Nicht gut, aber du gehst weiter. Du lebst.

Frequency, Backstage, wir schütten uns gerade den ersten Wein hinein, du kommst. Du mit deiner Kamera. Du, so cool. Scherze, liebe Worte, so wie immer. Du sprichst ein Danke aus an den Andi, für den Foto-Pass. Es ist das erste Mal, dass du in einem Festival Foto-Graben stehen kannst. Es ist das letzte Mal, dass wir uns sehen. Die Garten Einladung bleibt eine SMS-Konversation, vielleicht nach der Chemo, schreibst du, und alles Liebe für uns, schreibst du.

Die Tage verrennen, du machst dich bereit. Hebst ab, gehst weiter. Deine Töchter bleiben. Deine Bilder bleiben (www.hannapartaj.at). Du bleibst: So einzigartig, wie du immer warst. Du bleibst.

Althea Müller
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Seit April 2011 selbständig mit der PR und Marketing Agentur "Wild Publics" für Künstler und Kleinunternehmer. Beim City-Flyer seit April 2012, Chefredakteurin der Printausgabe.
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Über den Autor

Althea Müller
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3 Kommentare zu "Offener Brief an Hanna Partaj"

  1. Danke Althea für die berührenden Worte. So wie du es sagst, bleibt sie wirklich immer bei und in uns! <3

  2. Einfach wahr! Wunderschön geschrieben. Genauso berührend wie ein Bild von Hanna. Danke Althea!

  3. Ja so war sie die Hanna manchmal hab ich mich gewundert wie diese zarte Person diese Riesencamera derschleppt und immer war sie freundlich und hat mich gegrüßt und Angela holt wenn wir uns sahen, sie fehlt so sehr

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