Parque del Sol #13 bei traumhaftem Wetter

Kids n Cats am Parque del Sol #13 im Sonnenpark St. Pölten, 20.07.2019 / Foto © Claudia Zawadil

PARTYZONE: Der offizielle Teil des vom Kunst- und Kulturvereins LAMES organisierten Parque del Sol #13 fand am Freitag, den 19. und Samstag, den 20. Juli im Sonnenpark statt.
Der City-Flyer war samstags vor Ort und sammelte unsystematisch Eindrücke, die ich hier dokumentieren werde.

 

Aufgrund des prächtigen Wetters war der Parque del Sol #13 bereits am frühen Nachmittag gut besucht. Geschäftiges Treiben in der Fahrradwerkstätte und zaghafte Versuche der jüngsten KünstlerInnen auf der Kinderwiese kamen uns vor die Linse (siehe Pics). Zeit genug also, den Park zu inspizieren, der in seiner sommerlichen Pracht immer wieder neu entdeckt werden will.

Die BesucherInnen, die in der Nähe der „Centrale“ die Sitzgelegenheiten nutzten, wurden inzwischen per DJane EVAVERSUM bespielt, deren Set mehrmals vom Soundcheck der Band KIDS N CATS unterbrochen wurde. Weder die ZuhörerInnen in den Hängematten, auf den Bänken und der Couch, noch die Vinylartistin ließen sich jedoch aus der Ruhe bringen. FRAU B, die auf EVAVERSUM folgte, hatte anfangs mit demselben Problem zu kämpfen. Ein DJ-Set, welches kaum zu hören ist bzw. immer wieder gestoppt werden muss, ist trotz der Coolness der DJanes suboptimal.

Das Live-Programm startete mit SALAMI RECORDER, dem Einmann-Projekt von Felix Schnabl, der schon einige Tage vorher im Jugendzentrum Steppenwolf seine neuen Songs vorstellte. Diesmal spielte er seine trashigen Punk-Nummern vor wesentlich größerem Publikum, das nicht minder begeistert war.
Die eigentliche Sensation lieferte er aber im Anschluss, als er mit der neuen Band SAUSAGE BUNNIES (voc. Kerni, guit. CJ und drums Felicé) einige brandneue Tracks zum Besten gaben. Zwar fand sich kaum Zeit, die Songs im Vorfeld der Live-Premiere zu üben, was aber mit großem Einsatz mehr als wettgemacht wurde.
Das enthusiasmierte Publikum brauchte nicht groß angefeuert werden, um KIDS N CATS willkommen zu heißen. Die Wiener Band mit internationaler Besetzung hat nicht nur musikalisch einiges zu bieten, sondern steckt auch eine Menge Energie in die Bühnenshow. Das fängt bei der ausgeflippten Kostümauswahl an und setzt sich beim expressiven Ausdruckstanz von Frontfrau Jeanne Drach fort. Das mitreißende Konzert hatte verdientermaßen das meiste Publikum. Die Wiese vor der Bühne war voll und einige Mutige machten es Jeanne punkto Ausdruckstanz gleich. Und mir wurde wieder einmal meine Affinität zur französischen Sprache bewusst.

Auf der Rückseite des Wirtschaftsgebäudes hatte sich im Dunklen zeitgleich STEFAN VOGL vom Setzkastenprojekt SETZKASTEN EXTERN aufgebaut. Leinwandprojektionen, subionische Bässe, Field-Recordings, knarzende Tonspuren waren hier zu sehen und zu hören, die überlagert wurden von Stefans eigenen Tonkreationen. Mittels Theremin und getunter Trompete (siehe Bild), mittels Mikrofonen, die das Rascheln der malträtierten Alu-Folie einfangen, erzeugte er die aurale Unterlage für die gezeigten Projektionen. Sehr spooky, sehr out of the box – ein act, wie geschaffen für den Parque del Sol. Ein bissl dunkel war’s halt.

Die Hauptbühne wurde nach 22 Uhr in den Schwarzen Raum verlegt. Man musste keine 10,- Euronen ablegen, um den Eingang passieren zu dürfen. Im Gegenteil: man erhielt einen Bankrott-Geldschein in die Hand gedrückt. Na super! Wir bekamen „Geld“, um GRAN BANKROTT ein Ohr zu leihen. „Die Aufmerksamkeit der Besucher wird auch immer knapper“, dachte ich, „da muss man mit ein wenig Ökonomie nachhelfen.“ Der Wiener do-it-yourself-Künstler Florian Tremmel, der kürzlich noch als GRAN die Clubs unsicher machte und auf Numavi Records erscheint, ließ tanzbaren düsteren New Wave vom Band, den er mit verzerrten Gitarrenriffs und bellender Stimme begleitete. Gran Bankrotts Post Punk wird in einschlägigen Kreisen als „heißer Scheiß“ gehandelt und die Kreise haben recht; der Gig funktionierte perfekt im spartanisch gehaltenen Schwarzen Raum und ließ Erinnerungen an das U4 in den Anfangstagen wach werden.

Weiter, weiter. Es gibt noch so viel zu entdecken und wir hatten kaum die Hälfte gesehen. Der Jazzheurige blieb aufgrund der vielen Alternativen links liegen, genauso wie der Weiße Saal, in dem die Lectures stattfanden.
Zufällig stolperten wir über JAKOB FIGO, TOBIAS LUDESCHER und MARIE VERMONT, die abseits der Massen eine Lichtprojektion auf einer Leinwand in Permanenz geringfügig veränderten. Verhalten begleitet wurde das Mural Mapping von sphärischen Keyboardklängen. Wir setzten uns also auf eine bereitgestellte Bank und schauten, schauten und schauten … und wenn die Batterie des Beamers nicht leer geworden wäre, hätten wir die ganze Nacht vor der Leinwand zugebracht, so aufmerksamkeitsfordernd geriet das Mural Mapping – wenn man sich darauf eingelassen hatte.

Glück gehabt (wegen der leeren Batterien), da PATRICK PULSINGER im Schwarzen Raum losdonnerte. Er, der vor einer gefühlten Ewigkeit das letzte Mal in St. Pölten auflegte, war der Star des Abends und entsprechend eng wurde es auf der Tanzfläche. Schon sein erster Track entwickelte eine Sogwirkung, die den tanzaffinen Gästen den Hüftschwung aufzwang, vergleichbar mit dem Speichelfluss beim Hund, wenn die Glocke läutet. Pulsinger und sein Partner Erdem Tunakan zählten in den 90er Jahren zu den bedeutendsten Wiener Techno-DJs, deren Alben weit über Österreichs Grenzen hinaus rezipiert wurden. Der Mann weiß was er tut, drückt die Knöpfe zum richtigen Zeitpunkt und die Crowd folgt ihm auf Kommando.
Trotz der neuen Belüftung kamen mir Bedenken, ob der vernebelte Raum mit den vielen Menschen der ideale Ort sei, den angebrochenen neuen Tag zu beginnen. Schließlich ist man auch nicht mehr der Jüngste …

Über die einzigartige Atmosphäre am Parque del Sol #13 brauche ich kein Wort verlieren. Die Bilder von Claudia Zawadil (siehe unten) und die vielen Bildergalerien auf www.lames.at beschreiben den Zauber vor allem in den Nachtstunden viel eindrucksvoller.

Das gesamte Programm vom Parque del Sol #13 gibts hier zum Nachlesen: https://www.facebook.com/lamesofficial

Galerie mit 76 Pics (c) Claudia Zawadil Du musst eingeloggt sein, um die Bilder sehen zu können!

Noch nicht registriert? Registriere dich! Es dauert nur eine Minute.
  • Name

  • Kontakt Info

    Werner Harauer
    Folge mir

    Werner Harauer

    Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
    Werner Harauer
    Folge mir

    Letzte Artikel von Werner Harauer (Alle anzeigen)

    Erzähl's weiter

    Über den Autor

    Werner Harauer
    Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

    Einen Kommentar hinterlassen