Patrizia Liberti: Das Höfefest hat gefehlt

Nach 3-jähriger Pause startet das Höfefest mit Patrizia Liberti als neue Leiterin in eine neue Ära. Foto: privat, z.V.g.

WHATSUP: Als Daniela Wandl die Bühne im Hof übernahm, stand das Höfefest plötzlich ohne Führung da und wurde kurzerhand stillgelegt. Patrizia Liberti hat nun die Organisation übernommen und verhilft dem weit über die Stadtgrenzen hinaus beliebten Fest nach drei Jahren Absenz zu einem Comeback. Wir befragten die Marketingspezialistin, was uns am 29. September in St. Pöltens Innenstadt erwarten wird.

Interview: Werner Harauer
Foto: privat

 

City-Flyer: Du kommst vom Marketing, hast Videojournalismus, Publizistik und Romanistik studiert. Die Veranstalter-Branche ist doch recht eigen gestrickt. Konntest du bereits Erfahrungen im Veranstaltungsbereich sammeln?

Patrizia Liberti: Für meine Sommerfeste am Land war ich schon berühmt … aber im Ernst: Ich kann mit Stress umgehen, war jahrelang Talkshow-Redakteurin beim ORF, war für das Marketing bei österreichischen Dokumentarfilmen wie „Das Große Museum“ verantwortlich und mache aktuell Produktionsmanagement für ein italienisches Barockensemble, mit dem ich jetzt erst beim Festival der Alten Musik in Utrecht war und manage ein Jazzprojekt.
Ich weiß schon was es heißt, etwas organisatorisch auf die Beine zu stellen. Obwohl das Höfefest St. Pölten ein spezieller Fall ist, denn mit einem relativ kleinen Personenkreis muss ich ein doch relativ großes Fest organisieren, das darf man nicht unterschätzen, was da an Arbeit dahinter steckt. Mein Glück war und ist, dass ich auf vieles meiner Vorgängerinnen aufbauen konnte. Michaela Steiner und Daniela Wandl haben jahrzehntelang großartige Arbeit geleistet. Jetzt gibt es ein Comeback für das Höfefest St. Pölten. Es ist ein Original und bleibt ein Original. 2018 wieder etwas kleiner, aber immerhin.

 

C-F: Was gab den Ausschlag dass du die Organisation des Höfefests übernommen hast, nachdem es drei Jahre lang nicht stattfand?

Patrizia Liberti: So genau kann ich das auch nicht mehr sagen. Michaela Steiner und ich haben immer wieder mal darüber gesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, es zu organisieren. Ich glaube auch, dass es nicht grundsätzlich gewollt war, das Höfefest drei Jahre pausieren zu lassen.
Ich war jahrelang Höfefest-Konsumentin, jetzt stehe ich auf der anderen Seite und programmiere, organisiere, verzweifle, schreibe Fluten an Mails, telefoniere und freu mich dann am Ende des Tages aber so richtig auf das, was kommt. Es hat gefehlt, das Höfefest.

 

C-F: Hat dich Daniela Wandl, deine Vorgängerin und jetzige Künstlerische Leiterin der Bühne im Hof, bei den Vorbereitungen zum Höfefest unterstützt?

Patrizia Liberti: Vor allem moralisch. Denn so ein Höfefest organisiert sich nicht von alleine. Die Sponsorensuche war die größte Herausforderung für mich, soviel Geld für ein Projekt zu suchen und zu sammeln ist schon nervenaufreibend und hat mir nicht nur eine schlaflose Nacht beschert.

 

C-F: Kannst du auf weitere personelle Unterstützung zurückgreifen?

Patrizia Liberti: Es unterstützen mich Freunde und Mitglieder des Kulturvereins Höfefest St. Pölten, der offizieller Veranstalter ist. Rosmarie und Benedikt beim Projektmanagement. Werner bei der Grafik und Katharina macht das neue Webdesign. Am 29. September sind dann wieder viele freiwillige Höfefest-Helferinnen und Höfefest-Helfer im Einsatz. Alleine hätte ich das nicht geschafft, denn die Höfefest-Arbeit passiert neben meiner eigentlichen Arbeit.

 

C-F: Worin wird sich das Höfefest Liberti vom Höfefest Wandl unterscheiden?

Patrizia Liberti: Muss es das? Für mich nicht. Denn ganz egal wer es programmiert, es soll ja dem Publikum in erster Linie gefallen. Ich stehen natürlich voll und ganz hinter dem Programm, sonst hätte ich es nicht ausgesucht und gebucht. Und es sind viele Freunde von mir unter den Musikern und Literaten, die ich teilweise schon lange kenne und die sich unglaublich gefreut haben, dass sie Teil des 21. Höfefestes sind.

 

C-F: Hast du den Eindruck, dass Stadt und Land das Höfefest in seiner Bedeutung richtig einschätzen?

Patrizia Liberti: Ich denke schon. Also zumindest ist der Tenor ein durchwegs positiver. Die Stadt steht voll dahinter, Marketing, Tourismus und Kultur sind wirklich kooperativ und greifen mir unter die Arme, wo es geht. Auch die Höfe-Besitzerinnen und Höfe-Besitzer haben sofort zugesagt und freuen sich über ein Comeback. Mein persönlicher Eindruck ist aber auch, dass viele – und da spreche ich vor allem in Bezug auf Sponsoring – einfach jetzt mal abwarten, wie die Liberti das Höfefest organisiert bekommt.

 

C-F: Irgendwo habe ich kürzlich gelesen, das Höfefest wird eine wesentliche Rolle bei der Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas spielen. So gesehen könnte sich ja Herzogenburg und Melk auch bewerben, da sie ebenfalls ein Höfefest haben. Wie ist das zu verstehen?

Patrizia Liberti: Wirklich wahr? Wenn du dich wieder daran erinnerst, wo du es gelesen hast, lass es mich bitte wissen! Also, jetzt muss ich mal Luft holen und überlegen, wo und wie ich anfange. Das Höfefest St. Pölten ist ein Fest für alle. Es gibt keinen Eintritt, die Qualität der Künstler ist top, die Mischung zwischen Literatur, Musik, Kinderprogramm, Straßentheater und vielem mehr ist gut ausgeglichen. Teils private Höfe werden dem Publikum zugänglich gemacht und jede Frau und jeder Mann kann Kunst- und Kultur abseits der üblichen Spielorte einfach und ungezwungen genießen. That’s it. Das Höfefest St. Pölten soll Freude machen und bei den Menschen ankommen, in jeder Hinsicht. Und natürlich ist der wünschenswerte Effekt jener, dass dadurch auch das Image der Stadt gestärkt und das Land Niederösterreich als Kulturstandort weiterhin gefestigt wird.

Was heißt eine wesentliche Rolle? In Bezug worauf genau? Also wenn die Rolle des Höfefestes im Rahmen der Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt 2024 jene ist, dass es dazu beitragen kann, St. Pölten kulturell gesehen weiter nach vorne zu bringen, bin ich dabei! Auch wesentlich.

Es gibt in St. Pölten wirklich gelungene Veranstaltungen und Veranstaltungsreihen wie das Barockfestival, das Blues-Festival am Ratzersdorfer See oder Jazz im Hof um nur einige zu nennen. Unglaublich, welche Künstlergrößen die Organisatoren und Organisatorinnen seit Jahren nach St. Pölten holen. Das müssen wir uns trauen auch nach draußen zu posaunen und mehr Leute damit zu erreichen!!! Wenn ein 80-jähriger Michel Portal beim Jazz im Hof die Bühne rockt – und das parallel zum Frequency – muss das doch mindestens von Vorarlberg bis ins Burgenland akustische Wellen schlagen! Lasst uns doch bitte gemeinsam genau hier ansetzen, aufbauen und investieren. Zeit, Hirn und Geld.

Aber zurück zur eigentlichen Frage: Ich war dieses Jahr beim Höfefest in Melk dabei, als Gast. Die Kulisse ist ohne Frage großartig, das über der Stadt thronende Stift eine Augenweide.
Was das St. Pöltner Höfefest ganz klar von Melk und Herzogenburg unterscheidet ist der inhaltliche Schwerpunkt. Wir konzentrieren uns auf Musik, Literatur … Unsere Highlights sind also die künstlerischen. Melk war für mich eher gastronomisch gesehen ein Highlight. Dort kannst du von Tisch zu Tisch flanieren und dich kulinarisch voll ausleben, da haben sich die Wirte nicht lumpen lassen. Und in St. Pölten ist es genau umgekehrt. Musik steht bei uns im Fokus. Das Höfefest St. Pölten ist einfach DAS Original. Oder wie es die Werbung so schön sagt: Oft kopiert, nie erreicht.

 

C-F: Das Höfefest hatte zuletzt € 55.000,- Budget. Wurde seitens der Stadt, des Landes und Bundes Budget drauf gesattelt?

Patrizia Liberti: Was du alles weißt! Also der italienische Teil in mir würde jetzt laut rufen: „Minchia“. Ich entschuldige mich an dieser Stelle sogleich bei allen jenen, die jetzt google zu Rate ziehen, für dieses Wort, aber es gehört einfach zum süditalienischen Alltag dazu. Der österreichische Teil an mir bleibt an dieser Stelle eher unaufgeregt, ob dieser Summe jedoch beeindruckt, trotz allem gelassen und antwortet: „Da schau an, 55.000 Euro. Kein Lercherl.“

55.000 Euro – davon bin ich dieses Jahr weit entfernt. Das Höfefest finanziert sich dieses Jahr zu 70 Prozent aus Sponsoren und Unterstützern aus der Wirtschaft. Wir haben die letzten Wochen und Monate wirklich unsere ganze Kraft aufgewendet, um das Höfefest zu finanzieren. Die restlichen 30 Prozent kommen von der Stadt. Da sind auch viele unbare Sponsorleistungen dabei. Danke an dieser Stelle an alle, die das Höfefest St. Pölten unterstützen.

Auf die Förderzusage vom Land Niederösterreich warten wir noch. Und ich hoffe wirklich, es wird eine Zusage. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Zumindest was die Förderung vom Land Niederösterreich betrifft 😉

Der Bund hat bisher immer einen relativen geringen Teil – das waren in den letzten Jahren so rund 2.000 Euro – beigetragen. Dieses Jahr gab es für das Höfefest St. Pölten eine klare Abfuhr. Und ja, insofern haben die drei Jahre Unterbrechung schon „geschadet“. Begründet war der Negativbescheid übrigens damit, dass es in Niederösterreich schon so viele Höfefeste gäbe und nicht jedes finanziell unterstützt werden kann und dass das Höfefest St. Pölten ja ohnehin mehr ein Stadtfest sei. Das lass ich natürlich nicht auf mir sitzen und in einem klärenden Telefonat habe ich für 2019 die Sachlage richtig gestellt. Das sollte also für nächstes Jahr kein Thema mehr sein.

 

C-F: Wird es neue bespielte Innenhöfe geben? Wie viele werden es insgesamt sein?

Patrizia Liberti: Das Höfefest 2018 ist kleiner als bisher, aber jeder fängt mal klein an. Es sind insgesamt 13 Spielorte, das sind aber nicht nur Höfe. Neu dabei ist der Hof vom Supperiör in der Marktgasse.

 

C-F: Werden Künstler zu sehen sein, die bisher noch nie in St. Pölten aufgetreten sind? Beispiele?

Patrizia Liberti: Ja klar gibt es die. Lasst euch überraschen. Mit dabei sind zum Beispiel Mouth-o-Matic (Mundakrobaten), 3 knaben schwarz, Florian Kmet, Christian Dolezal & Karl Stirner, Martin Prinz, Frühling Sommer Herbst und Winter (FSHW = Manfred Scheer, Martin Scheer, Alex Miksch und Matthias „Jig“ Jakisic), Fainschmitz, Martin Rotheneder, The Su’sis … und Christopher Just kommt … und zwar mit seinem neuen Buch „Catania Airport Club“. [das komplette Programm wird während der Pressekonferenz am Donnerstag, den 13. September bekannt gegeben und im Anschluss hier zu finden sein. D. Red.]

 

C-F: Zu deiner Arbeitsphilosophie zählt, einmal im Jahr ein Projekt mit deinem Fachwissen gratis zu unterstützen. Welchen Grund gibt es dafür? Und was muss dieses Projekt vorweisen, um dich zu gewinnen?

Patrizia Liberti: Es muss nicht immer einen Grund geben. Ich versuche regelmäßig Projekte zu unterstützen, wo und wie ich es kann. Mit PR-Arbeit oder mit dem Schreiben von Texten oder Sprechertexten für karitative Zwecke. Ich arbeite gerne mit Menschen und fühle mich wohl, je mehr wir sind. Ich glaube einfach mit dem was ich kann viel mehr und viel direkter etwas erreichen zu können, als 100 Euro auf ein Spendenkonto zu überweisen. Das macht Sinn. Für mich jedenfalls.

 

C-F: Man kennt dich auch unter dem Pseudonym „Rosa“ aus einer Kolumne im -mfg-. Betrachtest du diese sehr persönlich gehaltene Kolumne als Ausgleich zu deinem PR-Job?

Patrizia Liberti: Das mach ich schon lange nicht mehr.

C-F: Wir bedanken uns für das ausfühliche Interview.

www.patrizialiberti.com

Das Ergebnis einer Schnellsuche zum Thema „Höfefest“ der vergangenen Jahre (inkl. Bilder) im alten City-Flyer.

Werner Harauer
Folge mir

Werner Harauer

Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
Werner Harauer
Folge mir

Letzte Artikel von Werner Harauer (Alle anzeigen)

Erzähl's weiter

Über den Autor

Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

Einen Kommentar hinterlassen