Popfactory 2019: Kann man „Pop“ lernen?

Die Popfactory 2019 bietet von 15. bis 19. Juli wieder Gelegenheit, mit Profis am eigenen musikalischen Können zu arbeiten. Foto © Christian Reichl, Popfactory, z.V.g.

Für zukünftige Popstars bietet sich von 15. bis 19. Juli wieder die Gelegenheit, gemeinsam mit international erfahrenen, hauptberuflichen Musiker*innen am musikalischen Können zu arbeiten. Im Rahmen der Popfactory 2019 besuchen die Teilnehmer*innen Workshops im hipHaus, in denen sie ihre Skills verbessern und Stücke proben, die beim Abschlusskonzert im frei.raum vor Publikum präsentiert werden. Wir sprachen mit Petra König und Gerda Rippel vom Organisationsteam.

CF: Was ist die Popfactory?

Petra König: Die Popfactory ist ein Bandworkshop für MusikerInnen in der im Gesangsworkshop/ am Instrument und in einer – meist neu formierten Band – geprobt wird. Höhepunkt ist das Konzert am Donnerstag im Freiraum!
Gerda Rippel: … ein Bandworkshop für SängerInnen und MusikerInnen. Die Popfactory bietet ihnen die Chance, eine Woche lang mit international erfahrenen MusikerInnen am musikalischen Können und am Bühnenauftritt zu arbeiten.

CF: Wer hatte vor dreizehn Jahren die Idee, die erste Popfactory zu organisieren?

König: Markus Grabner – ein Musiker mit dem ich damals zusammenarbeitete – träumte davon, ein Angebot für Bands und verschiedene Instrumentalisten und SängerInnen mit dem Schwerpunkt Pop anzubieten. Ich fand die Idee großartig und gemeinsam legten wir den Grundstein für den Bandworkshop Popfactory. Markus Grabner, ein Top-Musiker mit vielen Kontakten zu anderen Musiker*innen, zeichnete sich für die inhaltliche Konzeption und den musikalischen Teil verantwortlich und ich übernahm den Part, für den nötigen Rahmen rundherum zu sorgen.

CF: Kirche und Pop waren in der Vergangenheit nicht die besten Freunde. Welche Idee steckt dahinter, einer kirchlichen Bildungseinrichtung wie dem hiphaus die Popfactory ausrichten zu lassen?

König: Das Bildungshaus St. Hippolyt hat vor allem den Auftrag, Menschen abseits des Berufslebens gut zu tun und persönlich, kreativ weiterzubringen. Wir sind vielseitig und schließen wenig aus! Allerdings ohne den damals populären Jesus und seine Botschaft gäbe es das hiphaus heute nicht …

CF: Wie unterscheiden sich andere Veranstaltungen von der Popfactory, zum Beispiel „Die große Chance“, „NÖN sucht das Supertalent“, „The Voice“, „Prima la Musical“ …

Gerda Rippel: Das kann man nicht vergleichen. „Die große Chance“ , „Prima la Musica“ und die anderen Erwähnten sind Wettbewerbe, denen sich die TeilnehmerInnen stellen, um einen Preis zu gewinnen.
Die Popfactory ist ein Bandworkshop, bei dem jeder Teilnehmer ein Gewinner ist! Hier wird eine Woche lang gemeinsam gearbeitet und gemeinsam Musik gemacht!

CF: Heißt die Popfactory so, weil die Teilnehmer*innen die Skills für einen guten Popsong bekommen, oder sind härtere Klänge auch erwünscht?

König: Die Hauptmusikrichtung während der Woche ist Pop. Allerdings coachen wir auch ganze Bands, die ihre Nummern mitbringen und da ist die Bandbreite richtig groß. Monkeywrench mit frischem Alternative Rock waren ebenso dabei, wie die Metal Band Give us a Name – Metal in unseren Hallen war allerdings wirklich was Neues!
Rippel: Hauptsächlich wird bei der Popfactory an Popsongs und Eigenkompositionen gearbeitet. Aber auch andere Stile sind willkommen.

CF: Trägt sich die Popfactory finanziell selbst? Oder muss zugeschossen werden?

König: Wir möchten den Bandworkshop leistbar anbieten. Das wäre ohne Zuschuss nicht möglich. Darum sind wir sehr dankbar, dass wir treue Sponsoren und Unterstützer haben, die uns helfen, das zu ermöglichen!

CF: Wann startet die dreizehnte Popfactory?

König: Am Montag, 15. Juli 2019 – die Popfactory ist immer in der dritten Juli-Woche.

CF: Wie viele Teilnehmer*innen werden erwartet?

König: Wir haben bereits über 30 Anmeldungen – vermutlich werden etwa 40 Musiker*innen mit dabei sein.

CF: Wie alt sind die Teilnehmer*innen im Durchschnitt?

König: Die meisten Teilnehmer*innen sind zwischen 14 und 17 Jahre alt – bunt gemischt mit begeisterten TeilnehmerInnen mit 12 Jahren oder 40+!

CF: Welche Vorkenntnisse für die Teilnahme werden vorausgesetzt? Wie weit differiert das Können der Teilnehmer*innen?

Rippel: Die Voraussetzungen sind zum Beispiel: Kenntnisse einfacher Akkorde an Gitarre und Klavier, die Beherrschung einfacher Grooves in verschiedenen Tempi am Schlagzeug oder Percussion oder solistisches und mehrstimmiges Singen in kleinen Gruppen.
Wir versuchen jeden Teilnehmer auf seinem derzeitigen Könnensstand weiter zu helfen und ihn mit seinen Kenntnissen als Bandmitglied bestmöglich einzubauen. Das hat bis jetzt immer gut funktioniert.

CF: Wie läuft ein typischer Tag für die Teilnehmer*innen ab?

König: Vormittags wird in der Instrumentalgruppe beziehungsweise im Gesangsworkshop gearbeitet. Nachmittags werden in den (neu entstandenen) Ensembles die Songs für das Abschlusskonzert erarbeitet. Abends und in den Pausen ist Zeit für freies Jammen, Konzerte oder einfach chillen.

CF: Bietet ihr auch Übernachtungsmöglichkeit für die Teilnehmer*innen an?

König: Ja – die meisten Teilnehmer*innen nehmen das auch in Anspruch! Das hiphaus ist unter anderem auch ein Hotelbetrieb.
Rippel: Es ist wirklich zu empfehlen, auch hier in diesem tollen Haus zu übernachten. So bieten sich noch mehr Gelegenheiten zum gemeinsamen Musizieren, reden und sich besser Kennenzulernen.

CF: Welche Workshops werden angeboten?

König: Vocals / E- und A-Gitarre / Bass / Schlagzeug und Percussion / Klavier und Keyboards

CF: Aktuelle Popsongs arbeiten viel mit Sampler und Autotune. Erhalten die Teilnehmer*innen auch Einblick in die Techniken?

Rippel: Wir hatten vor drei Jahren zusätzlich einen Kurs für Musikproduktion im Angebot mit Ableton live – das ist Hardware und Software um Musik zu erschaffen, aufzunehmen und auf die Bühne zu bringen. Er wurde in diesem Jahr, das war unser 10- jähriges Jubiläumsjahr, von den Teilnehmern sehr gern und gut genutzt. Für nächstes Jahr sind wir wieder im Gespräch, die Musikproduktion als zusätzlichen Kurs auf der Popfactory anzubieten.

CF: Wird die Bühnenperformance ebenfalls geübt?

Rippel: Ja, die Bühnenperformance wird mit den Teilnehmer*innen ebenfalls mitgeprobt. Sie dürfen ihre Ideen auch gern einbringen. Da wird am Abend auch oft noch an der Performance weiter geprobt.

CF: Erhalten die Teilnehmer*innen auch marketingtechnische Ratschläge? Lernen sie, sich zu verkaufen?

Rippel: Da die Ziele der einzelnen Teilnehmer*innen unterschiedlich sind, bekommen diejenigen, die Musik professioneller machen wollen auf jeden Fall auch Tipps, Ratschläge und Informationen in Richtung Marketing. Die Referenten sind die ganze Popfactorywoche vor Ort und es gibt genug Zeit uns auch außerhalb der Probenzeiten Fragen zu stellen.

CF: Haben die Teilnehmer*innen Mitspracherecht bei den Inhalten der Workshops?

Rippel: Klar, wir versuchen die TeilnehmerInnen so viel wie möglich mitgestalten zu lassen. Auch bei den Zusammensetzungen der Bands können sie ihre Wünsche äußern. Einige Teilnehmer*innen bringen ja auch Eigenkompositionen mit, die dann mit den hier zusammengestellten Bands arrangiert werden. Das tolle an der Popfactory ist ja, dass alle Musiker*innen immer vor Ort sind. Braucht eine Eigenkomposition einen Backgroundchor, wird er hier dafür zusammen gestellt. Manche bringen auch andere Instrumente mit, die sie spielen können. Da hatten wir schon Streicher oder Bläser, die dann an passenden Stellen eingesetzt wurden.

CF: Aus welchem Szene-Umfeld stammen die Musiker*innen, die die Workshops leiten? Habt ihr Stammpersonal oder wechseln die Workshopleiter*innen jährlich?

Rippel: Im Grunde gibt es ein „Stammpersonal“. Andy und ich sind zum Beispiel von Beginn an mit dabei. Manuel und Michael seit vielen Jahren. Im Keyboard hatten wir jetzt einen Wechsel, weil Profimusiker einfach auch oft im Engagement sind und sich diese ganze Woche wegen Konzerten nicht immer frei halten können. Man kann sagen, wir sind ein sehr eingespieltes und gut befreundetes Team.

CF: Wann und wo findet das Abschlusskonzert statt?

König: Das Abschlusskonzert ist am Donnerstag, 18. Juli 2019, 20 Uhr, im Freiraum St. Pölten.

CF: Was war der Grund, für das Abschusskonzert in den Frei.raum zu wechseln?

König: der Frei.raum ist eine großartige Location! Wir möchten den Teilnehmer*innen beim Abschlusskonzert ein „echtes Bühnenerlebnis“ bieten – wo ginge das besser als im Frei.raum!

CF: Wie läuft das Abschlusskonzert ab?

Rippel: Ab Nachmittag gibt es die Soundcheckzeiten vor Ort im Frei.raum. Das heißt, die Zeiten für jede Band sind eingeteilt und jede Band spielt vor dem Konzert zum Soundcheck ihre Stücke schon auf der Bühne durch. Es ist für die Teilnehmer*innen toll mitzuerleben, wie bei einem Konzert auf einer professionellen Bühne alles abläuft. Auch einmal Backstage zu sein, sich gemeinsam auf das Abschlusskonzert einzustimmen ist ein schönes Erlebnis.

CF: Formieren sich die Bands während der Workshops für den Auftritt im Frei.raum?

Rippel: Es gibt beides. Die meisten Bands werden während der Woche zusammengestellt und spielen dann beim Abschlusskonzert. Es gibt aber auch schon bestehende Bands, die zu uns kommen. Diese werden dann noch nach Absprache mit den Musiker*innen oder Sänger*innen vergrößert.

CF: Wie geht ihr mit Lampenfieber der Teilnehmer*innen um?

Rippel: Wir probieren ihnen ein gutes und sicheres Gefühl mit auf die Bühne zu geben.
Die Stücke werden gut geübt, wenn nötig noch mit zusätzlichen Proben. Ich persönlich versuche sie auch mental zu stärken und den Fokus auf das gemeinsame Musikmachen und die Freude dabei zu legen. Bisher hat es eigentlich immer gut geklappt.

CF: Ist heuer wieder angedacht, ehemalige Teilnehmer*innen ins Programm des Abschlusskonzerts einzubauen?

König: das war ein Special zum 10-Jahres-Jubiläumskonzert … heuer nicht, aber bestimmt mal wieder.

CF: Gab es schon Bands, die über die Popfactory hinaus Bestand hatten?

König: Einige Bands nahmen kollektiv an der Popfactory teil und sie sind nach wie vor erfolgreich! Erfolgreiche Sänger und Songwriter gibt es einige. Direkt bei uns kennen gelernt und gemeinsam weitergegangen sind zum Beispiel Karonie die 2018 ihre erste gemeinsame Single auf den Markt gebracht haben.

CF: Verfolgt ihr die Lebensläufe der Teilnehmer*innen? Gibt es schon Auszeichnungen von ehemaligen Teilnehmer*innen?

König: Ja durchaus! Ganz aktuell gewann die Vorjahresteilnehmerin Hannah beim Joe-Zawinul-Award den MOST IMPROVED AWARD 2019. Nina, die viele Jahre mit dabei war, war im Finale der „Großen Chance“ und Natalia nahm für Österreich beim Eurovision Song Contest teil. Abgesehen davon sind die Besten schon bei uns: wir sponsern alle zwei Jahre eine Teilnahme an der Popfactory als Preis an einen der Gewinner des Wettbewerbs „jazz.pop.rock“!
Rippel: Ja natürlich und wir sind auch mit den meisten noch in Kontakt. Es kommen auch immer wieder ganz viele ehemalige TeilnehmerInnen auf der Popfactorywoche oder zum Abschlusskonzert besuchen, was wirklich sehr schön ist. „We are the Popfactory-family“ oder „Popfactoryaner“, wie ich sie nenne!

CF: Wie groß ist der organisatorische Aufwand für die Veranstaltung? Hast du schon mal die Stunden nachgerechnet?

König: Mittlerweile sind es in jedem Fall weniger geworden. Zum Glück ist das nicht relevant! Einiges hat sich eingespielt, das hiphaus ist perfekt bandtauglich und die Zusammenarbeit mit Gerda, Andy, Manuel, Stefan und Michi läuft sehr gut. Reduziert hat sich mein Aufwand gegen Ende der Popfactory nochmals durch die super Zusammenarbeit mit dem Freiraum – arbeitstechnisch und vor allem qualitativ ein toller Gewinn für die Popfactory!

CF: Wir danken euch für die ausführliche Beschreibung der Popfactory und wünschen euch viel Erfolg.

www.popfactory.at
www.hiphaus.at
www.gerdarippel.com
www.andygrabner.com
http://stefanwachauer.com

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Werner Harauer

Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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