Riesenaufgebot für BORG-Musical

Benjamin Fiedler und Roman Kugler spielen im BORG-Musical "The Music Man" den Prof. Harold Hill. Foto @ Lucia Bock, z.V.g.

PRINT: Am 22. April wird die neue BORG-Produktion „The Music Man“ ihre Premiere feiern. Das BORG-Musical handelt von Harold Hill, einem Handelsvertreter für Musikinstrumente, der die Einwohner von River City abzocken will. Etwa 300 Personen sind in die Vorbereitungen eingebunden, 6000 Besucher werden erwartet. Der City-Flyer sprach mit Karl Mayer, dem Leiter des Orchesters, über die Organisation der Monsterproduktion, das Wesen von Kunst und Kultur und über die Kraft der Liebe.

Interview: Werner Harauer
Foto: Lucia Bock

 

City-Flyer: Heuer wurde das 1957 uraufgeführte Musical „The Music Man“ ausgewählt. Wie setzt sich das Gremium zusammen, das die Entscheidung trifft, welches BORG-Musical aufgeführt wird? Und welche Kriterien kommen zum Tragen?

Karl Mayer: Erich Schwab betreibt Recherche, stellt eine Liste an möglichen Stücken zusammen und sucht dann in der Entscheidungsfindung den Rat von zwei, drei Kollegen – in diesem Fall von Kollege Gerot Hadwiger (Regie) und mir (Orchester).

CF: Warum wird nur alle zwei Jahre ein BORG-Musical aufgeführt? Die Vorbereitungen dauern „nur“ einige Monate. Würde das Publikum fehlen? Wäre der reguläre Schulbetrieb beeinträchtigt? Würde sich das BORG-Musical Project finanziell überheben?

Karl Mayer: Die Vorbereitungen dauern mehr als ein ganzes Jahr – von der Entscheidungsfindung, die sich über Monate erstreckt bis zu den tatsächlichen Aufführungen; die reine Probentätigkeit alleine dauert für die Hauptrollen von Ende des Schuljahres bis April des nächsten. Der reguläre Schulbetrieb ist von den Proben her betrachtet nicht beeinträchtigt, die starke Beanspruchung von vielen Beteiligten wirkt sich aber natürlich auf die Substanz derselben aus – jedes Jahr eine Aufführungsreihe dieses Ausmaßes wäre also nicht vorstellbar. Auch finanziell birgt eine Produktion dieser Größenordnung einige Risiken, die Gebarung ist aber sorgfältig geplant – immerhin handelt es sich um ein Budget in einem hohen fünfstelligen Bereich.

CF: Etwa 300 Personen sind seit Weihnachten in die Vorbereitungen eingebunden. Hat schon jemand nachgerechnet, auf wie viele Arbeitsstunden sich die Produktion des Musicals summiert?

Karl Mayer: Da fange ich nicht an, nachzurechnen. Es wird wahrscheinlich eine sehr beeindruckende Zahl sein.

CF: 2017 wurde „The Sound Of Music“ aufgeführt. Hat sich an den Vorbereitungen des neuen Stücks etwas geändert?

Karl Mayer: An der grundsätzlichen Art der Projektplanung wenig, aber wir versuchen natürlich, uns an den Fähigkeiten der SchülerInnen zu orientieren. Also, es muss schon vom Schwierigkeitsgrad, von der Aussage des Stücks oder den beteiligten Personen auf Lehrer- und SchülerInnenseite genau darauf geachtet werden, dass es für alle passen könnte.

CF: Ist es schwierig, die Spielerlaubnis vom Rechteinhaber zu bekommen?

Karl Mayer: Es ist generell schwierig, von den Verlagen Rechte für diese Art von Produktionen zu bekommen – im Schnitt können wir drei Viertel aller interessanten Stücke gar nicht spielen, weil wir keine Erlaubnis von den Verlagen bekommen!

CF: Wie viele Menschen sehen sich im Durchschnitt eine BORG-Musical Produktion an?

Karl Mayer: Bei sechs Abendvorstellungen und vier Vormittagsvorstellungen ungefähr 6000 Menschen, wenn wir voll werden.

CF: Worum geht es in „The Music Man“?

Karl Mayer: Es geht um Wertevermittlung! Diese sind die Kraft der Liebe, die über menschlichen Schwächen steht, oder die positive Auswirkung alleine durch die Beschäftigung mit Musik, die kleinkarierte Kleinstadtbürger zu angenehmen Zeitgenossen verwandelt.

CF: Könnte man „The Music Man“ heute auch als politisches Stück deuten? Hier die unverdorbene Provinz in Person der Bibliothekarin Marian Poree, da die Großstadt, welche von Harold Hill verkörpert wird, der sich durch einen Trick auf Kosten der „ehrlichen“ Menschen bereichern will.

Karl Mayer: Harold Hill steht in gewisser Weise für den gegenwärtig weit verbreiteten Typ Mensch, der mit Charme und großer Klappe alle begeistern kann, ohne echte Substanz zu bieten. Ein Menschenverführer also, dem man nur schwer auf die Schliche kommen kann, der seine Spielchen treibt, bis es fast zu spät ist. Aber in diesem Stück obsiegt ja das Gute, ein Happy End aus den 50er-Jahren würde man in adäquaten Stücken der letzten Jahrzehnte vielleicht nicht mehr wollen.

CF: Oder als Plädoyer für mehr Kunst und Kultur in einer Gemeinschaft? Kunst und Kultur als gemeinsames Ziel, das verbindet?

Karl Mayer: Ja, unbedingt! Die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur zwingt uns zum Auseinandersetzen mit Neuem, Fremdem, Anderem, Unbequemem – und hilft uns, die verschiedenen Positionen, die rund um uns verständlicherweise vertreten werden, zu verstehen.

CF: Der musikalische Schwerpunkt liegt diesmal auf der Blasmusik. Was das ein ausschlaggebender Grund warum das Stück gewählt wurde?

Karl Mayer: Nein, ausschlaggebend nicht, aber einmal ein netter Kontrapunkt zu den bisherigen Produktionen. Dass Blasmusikkapellen in den Ortschaften aufgebaut werden, kennen viele von uns noch aus eigener Erfahrung.

CF: Gibt es viele SchülerInnen, die ein Blasmusikinstrument wählen? Sind die Gitarre, die Geige und das Klavier nicht die beliebteren Musikinstrumente bei den SchülerInnen?

Karl Mayer: Die Mehrheit unserer SchülerInnen wählen als Instrument Gitarre und Klavier, aber das Spektrum an unserer Schule wird immer vielfältiger – die neuesten Erweiterungen sind z. B. Akkordeon oder Schlagzeug.

CF: Bei einem Musical nimmt die Musik eine zentrale Stellung ein. Die Blicke der ZuschauerInnen richten sich aber hauptsächlich auf die SchauspielerInnen. Werden Szenen vorkommen, in denen die InstrumentalistInnen im Mittelpunkt stehen?

Karl Mayer: Das sinfonische Orchester, das diesmal aus 34 MusikerInnen besteht, kommt in einigen Passagen tragend zur Geltung, etwa in der Ouvertüre, den Zwischenmusiken bei Szenenwechseln oder als Bestärkung bei dramatischen Szenen. Aber auch auf der Bühne wird diesmal etwas zu sehen sein!

CF: Wer sind die HauptdarstellerInnen?

Karl Mayer: Die HauptdarstellerInnen sind Benjamin Fiedler, Roman Kugler, Paula Bresnik und Olivia Goga.

CF: Der musische Zweig im BORG hat wenig mit Schauspiel zu tun. Wie weit waren die schauspielerischen Leistungen ein Kriterium, die Rolle zu bekommen? Mussten sich die (Haupt)darstellerInnen einem Vorsprechen unterziehen?

Karl Mayer: Die Auswahl der HauptdarstellerInnen wird durch ein Casting über mehrere Wochen getroffen, wobei neben musikalischen Fähigkeiten natürlich auch auf die Wirkung auf das Publikum, Sprachkompetenz oder die Fähigkeit, sich tänzerisch zu bewegen, geachtet wird.

CF: Die Rollen der HauptdarstellerInnen sind doppelt besetzt? Werden sie abwechselnd zum Einsatz kommen?

Karl Mayer: Die Doppelbesetzung lässt kleinere Regenerationsphasen in den zwei Wochen der Hauptproben und Aufführungen zu, anders könnten diese Rollen unmöglich zehnmal in 6 Tagen dargeboten werden. Ich denke, dass jedes „Paar“ gerecht verteilt zum Zug kommt. Es gibt natürlich Vorstellungen, die alle besonders gerne spielen möchten.

CF: Haben die HauptdarstellerInnen bereits außerhalb des BORG St. Pölten Aufmerksamkeit erregt?

Karl Mayer: Es handelt sich bei allen vier HauptdarstellerInnen um außergewöhnliche musikalische Talente, die auch abseits dieses Musicals schon Vieles geleistet haben. Es ist eine Freude – auch außerhalb der vier Hauptrollen – mit so vielen hochbegabten SchülerInnen in allen Abteilungen, die zu so einer Produktion gehören, zu arbeiten.

CF: Wir bedanken uns für das Interview und wünschen allen Mitwirkenden beim BORG-Musical viel Erfolg.

Werner Harauer
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Werner Harauer

Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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