Runden drehen am Parque del Sol 2018

Mala Merba am Parque del Sol 2018. Foto © Claudia Zawadil, z.V.g.

Zwölf Jahre „ Parque del Sol “. Zwölf Jahre Kunst, Kultur und Diskussion am Spratzerner Kirchenweg.

Von 1. bis 5. August fand das Symposium für interdisziplinäre Kunst „ Parque del Sol 2018 “ statt. Von Mittwoch bis Sonntag arbeiteten Künstlerinnen und Künstler an verschiedenen Kunstprojekten. Die Gäste kamen am Wochenende auf ihre Kosten,  bei strahlendem Sonnenschein erwartete sie ein breites Programm mit Musik, Performances, Lesungen, Installationen, Visuals und vielem mehr.

Am Samstag erreichte das Symposium seinen Höhepunkt: Ein ganztägiges Fest stand am Programm, das die Ergebnisse des laufenden „ Parque del Sol “ sichtbar und zugänglich machte.

Trotz drückender Hitze bereits um 10 Uhr vormittags kann Miss Marple auf eine ausreichende Zuhörerschaft bauen, die die DJane mit Funk, Soul, Swing und Disco aus der Soundkutsche heraus erfreut.

Um die Mittagszeit steigt die Temperatur auf ein unangenehmes Maß und lässt mich ins kühlere Daheim flüchten. Erst gegen 19:30 wage ich mich wieder in den Süden der Stadt und rechne damit, dass sich der Sonnenpark inzwischen ordentlich gefüllt hat. Das Thermometer zeigt inzwischen einen erträglichen Wert an, doch bei meiner Ankunft ist es noch verhältnismäßig ruhig, was mich zu einem Rundgang durch den Park animiert.

Die Bühne am Jazzheurigen nimmt gerade die DRITTE HAND in Beschlag, eine junge Band, die sich bei meinem Eintreffen an einen Bob Dylan Song versucht, den sie mit einem Text im Mostviertler Dialekt unterlegt. Die Gitarre erinnert schwer an Neil Young, die Performance hat was hippieskes und unzweifelhaft nützt die Band den Rückenwind, der zur Zeit von den erfolgreichen österreichischen Mundart-Musikern kommt. Das PDS-Publikum findet es gut, so soll es sein.

Weiter hinten im Sonnenpark haben sich die ST. PÖLTNER GUTMENSCHEN eingerichtet. Der Verein hatte erst kürzlich eine aufsehenerregende Aktion am Europaplatz durchgeführt. Am Sonnenpark haben die Gutmenschen eine Plane ausgebreitet, auf der eine Menge Papierschiffe verteilt sind, die die Namen von Spendern tragen. Vereinsmitglieder diskutieren mit interessierten Passanten über den Sinn der Seenotrettung und die zunehmende Fremdenfeindlichkeit, führen sie zum „Hassbaum“ und verweisen auf Fotos und Zeitungsausschnitte.

Ich wage mich noch weiter ins Innere des Parks und stoße auf die Zeltstadt, die vor allem zur Unterbringung der Künstlerinnen und Künstler dient. Die Zelte sind so dicht gedrängt, dass man das Atmen des Zeltnachbarn hören muss. Dort zu schlafen oder zu chillen stelle ich mir jetzt nicht sooo erstrebenswert vor.

Wieder vor der Hauptbühne angelangt, nehme ich kurz die melancholischen Electro-Balladen des Wiener Künstlerinnen-Duos LIONOIR wahr, das sich für seinen Live-Auftritt mit Schlagzeuger July Skone verstärkt hat. Die Zerbrechlichkeit und den Charme der Songs auf ihrem Debutalbum „Infinity“ lassen sich auf der Bühne bisweilen noch nicht reproduzieren.

Die Getränkeversorgung erweist sich an diesem Abend als besondere challenge. Ich stehe am hinteren Ende der Schlange ungefähr 20 Meter von der Bar entfernt und überlege, ob ich die Viertelstunde Anstellen in Kauf nehme, um nicht auszutrocknen, oder mir das Elektronik-Gewusel von MIEUX anhören soll. Es hat dann doch geklappt, vor der Bühne und mit Bier bewaffnet einige Tracks der Wiener shooting stars zu lauschen. Mit Synths, Drum-Pads und allerlei sonstigen Effektgeräten wird eine elektronische Klangtopografie gezeichnet, in der man sich schon mal verirren kann. Ich stelle mir vor, wie Mieux im Schwarzen Raum abgegangen wären.

Ein wenig Getratsche mit Freunden und die Runde wird anschließend von Neuem gezogen. Vom Künstlerinnen-Duo Kerstin Hruza und Tiana lasse ich mir im WUNSCH.AMT eine neue Identität verpassen. Journalist muss nicht sein. Fast jeder x-beliebige Job ist besser. Geht problemlos. Wunschname einsetzen, den gewünschten Wohnort angeben, Tiana macht ein Foto von einem beliebigen Körperteil und nach einigen Tagen liegt der neue Pass im Postfach. Ich bin jetzt Bürger von St. Vincent und den Grenadinen.

ALICIA EDELWEISS, auch schon im Vorjahr mit Band unterhaltsam vor Ort (siehe C-F „Auch Parque del Sol 2017 vom Publikum bestürmt“), beglückt heuer solo den Jazzheurigen mit Akkordeon, Ukulele und grotesken Geschichten aus ihrem Alltag im Gepäck. Der Platz um die Bühne ist rammelvoll, sodass es fast kein Durchkommen mehr gibt. Inzwischen ist es dunkel geworden und die dezente Bühnenbeleuchtung schafft eine heimelige Atmosphäre. Die Menschen mögen Alicia und Alicia mag die Menschen.

Auf der Hauptbühne hat sich inzwischen MALA HERBA aufgebaut und wummert noch einmal ordentlich drauf los, bevor die nachfolgenden Konzerte aus lärmtechnischen Gründen in den Schwarzen Raum verlegt werden müssen. MALA bewegt sich nach eigenen Angaben im Darkwave-Umfeld. Keine unoriginelle Idee im Jahr 2018, wenn auch die Drumbeats wie die 80er Superhits Los „Ninos Del Parque“ von Liaisons Dangereuses oder „Blue Monday“ von New Order erinnern – nur halt auf speed. Durchaus massen- und partytauglich, aber wenig innovativ.

Als Einstand im Schwarzen Raum gibt es eine Impro-Show mit verschiedenen Musikern mit dem Auftrag, die Leute vom immer noch angenehm warmen Park in den Saal zu locken. Ich schaffe es gerade bis zur Bar und das – heute zum Fahrer abkommandiert – auch nicht lange.

Galerie mit 35 Pics (c) Claudia Zawadil Du musst eingeloggt sein, um die Bilder sehen zu können!

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    Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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