S.g. Politikerinnen und Politiker aller Couleurs!

Ich bin mir nicht sicher, ob euch bewusst ist, wie sehr ihr meinen Adrenalinspiegel mit eurer bisherigen Wahlwerbung zu den Nationalratswahlen 2017 in gesundheitlich bedenkliche Höhen treibt. Ich unterstelle euch nicht, dass ihr mir damit persönlich schaden wollt. Aber was wollt ihr dann? Haltet ihr mich für so blöd, dieses niveaulose Schauspiel gut zu finden? Oder bin ich als Zielgruppe für euch sowieso uninteressant? Oder seid ihr einfach ahnungslos? Zynisch? Opportunistisch?

Ihr versprecht mir das Blaue vom Himmel und bezichtigt die politischen Gegner, völlig zu versagen. Wie kann ich das ernst nehmen? Wer ist denn die letzten Jahre in der Regierung gesessen? Wer hat denn Oppositionsarbeit geleistet? Ihr!

Doch eigentlich geht es mir nicht darum, eure vergangene Arbeit zu kritisieren. Vielmehr liegt mir daran zu erfahren, wie ihr unsere Zukunft gestalten wollt. Und da wird mir bange!

Ich soll mir holen, was mir zusteht? Waren dafür nicht mal die Gewerkschaften zuständig? Anhaltelager in Niger und/oder in Libyen? Ist es wieder soweit und Europa re-kolonisiert Afrika? Österreich zuerst. Wobei? Beim Imitieren der USA? Andere haben das „Kernproblem“ entdeckt und behaupten, es sei „Kurz vor 12“. Schön. Und was haben sie getan, außer sich selbst demontiert? Ein ganz gewiefter Spitzenkandidat fabuliert die Selbstwirksamkeit herbei und deklassiert 95% der Bevölkerung mit der Oaschkarte. Die Auswürfe der Kleinstparteien erspare ich mir hier lieber.

Eure Themenschwerpunkte rangieren bei mir unter „ferner liefen“ da sie nicht relevant sind. Mich interessieren nur Antworten auf zwei Fragen, die eng verschränkt sind und ganz nebenbei bei der Lösung eurer Problemchen mithelfen würden. Jene Partei, die eine schlüssige Antwort auf meine beiden Fragen liefern kann, hat meine Stimme. Versprochen.

Frage 1: Wie kriegen wir eine gerechtere Verteilung der Ressourcen zumindest in der Einflusssphäre der EU hin? Im Klartext: wie verhindern wir, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden?

Frage 2: Wie wollen wir die Dekarbonisierung (den 100 prozentigen Ersatz fossiler Energieträger durch erneuerbare Energie) bis 2050 schaffen, wie wir es im Pariser Abkommen vertraglich versprochen haben, um den Klimawandel zu bremsen?

Ich höre schon die Spin-Doktoren raunen: „Das interessiert meine Wähler nicht.“ „Zu kompliziert, damit kann man keine Wahl gewinnen.“
Richtig. Weil weder die Politik, noch die Medien offenlegen, welchen Einfluss die beiden oben genannten Probleme auf das Leben jedes Einzelnen von uns (und da vor allem auf die Jungen) haben werden. Und – das ist jetzt meine Vermutung – weil sie keine Antworten auf die Fragen liefern können.

Mit dem Verzicht auf fossile Energie haben wir uns zur größten technischen Umwälzung der Menschheitsgeschichte verpflichtet. Wir taten das nicht aus Jux, sondern weil uns die Natur das Messer an die Kehle setzt. Ernteausfälle, Hungersnöte, Bürgerkrieg und Massenmigration von Mensch, Tier und Pflanzen sind eine erste Kostprobe für die zu erwartenden Folgen der Klimaverschiebung.

Um die gewaltigen Umweltprobleme, die auf uns zukommen werden, bewältigen zu können, brauchen wir Solidarität. Zusammenhalt kann aber nur entstehen, wenn die Menschen Gerechtigkeit erfahren. Fühlen sie sich ungerecht behandelt, werden sie opponieren. Dann heißt es „jeder gegen jeden“ und alle gegen die Natur.

Zugegeben, die Aufgaben sind gewaltig und für euch Politiker, die die Österreicherinnen und Österreicher repräsentiert, im Alleingang nicht zu bewältigen. Dennoch braucht es einen Plan, der mit den anderen Nationen abgestimmt werden muss, um die Anzahl der Verlierer möglichst gering zu halten. Bisher habe ich vor allem „law and order“-Parolen vernommen. Mit „law and order“ kann ich vielleicht den Niedergang verwalten, die Zukunft gestalten kann ich damit nicht.

Geschätzte Politiker, was habt ihr anzubieten? Ich verlange Antworten. Jetzt, vor der Wahl!

Werner Harauer
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Werner Harauer

Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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