Sebastian Weinberger und seine Puppenfreu(n)de

Sebastian Weinberger mit Isidor (links) und Martin Ziegler mit Wadiwuk Foto: Georg Weinberger, z.V.g.

Sebastian Weinberger hat sich eine seltene Form der Freizeitgestaltung ausgewählt. Wenn andere im Proberaum jammen, sitzt er in seiner Puppenwerkstatt und grübelt über die Haarfarbe seiner selbstgenähten Klappmaulfigur. Oder er sitzt mit seinem Mitstreiter Martin Ziegler eingezwängt hinter der mobilen Puppenbühne und dirigiert seine Schützlinge.

Interview: Werner Harauer
Foto: Georg Weinberger, z.V.g.

City-Flyer: Wann hast du dich entschlossen, eine Puppenwerkstatt zu gründen? Hattest du Vorbilder? Einen Mentor?

Sebastian Weinberger: Mit dem Puppenbauen habe ich vor ca. 4 Jahren begonnen. Über eine Fraggles-DVD meiner Kinder bin ich auf Jim Henson (Muppets) gestoßen. Ich war fasziniert von der Ausdruckskraft seiner Charaktere und den Möglichkeiten, die seine Puppenbautechnik bieten. Nach einigen Bauversuchen über diverse Tutorials habe ich bei Norman Schneider, einem professionellen Puppenbauer aus Deutschland, einen Baukurs gemacht. Das war äußerst lehrreich.

C-F: Wie wurde deine Idee von deinem Umfeld aufgenommen?

Sebastian: Eigentlich bis jetzt von allen sehr positiv.

C-F: Womit verdienst du hauptsächlich deine Brötchen?

Sebastian: Ich bin Gründungsberater für Menschen, die sich selbständig machen wollen.

C-F: Was war zuerst? Das Bauen der Puppen oder das Puppenspiel?

Sebastian: Zunächst stand nur das Bauen im Vordergrund, das Spielen kam erst nach und nach. Martin Ziegler und ich hatten dann die Idee zu einer eigenen mobilen Puppenbühne aus Holz speziell für Klappmaulpuppen. Die haben wir parallel immer weiter entwickelt und nach einem Kurs bei Bodo Schulte, einem professionellem Puppenspielcoach, wurde dann mehr gespielt als gebaut.

C-F: Wenn man Puppentheater bzw. Puppen bauen liebt: was ist es, was man liebt?

Sebastian: Also ich muss gestehen, ich liebe auch nicht jede Art von Puppentheater. Aber wenn es gut gemacht ist, dann ist es die Illusion, die aufgebaut wird. Wenn ein Ding zum Leben erwacht und man ihm beim Denken zusehen kann.
Am Puppenbau liebe ich den kreativen Prozess von der ersten Skizze bis zur letzten Naht, das Herausarbeiten eines Charakters.

C-F: Was muss man mitbringen, dass man in diesem Metier herausragt?

Sebastian: Generell könnte vielleicht eine gewisse Besessenheit gepaart mit Kreativität und für’s Spiel eine gute Beobachtungsgabe von Vorteil sein.

C-F: Muss man eine nostalgische Ader mitbringen, wenn man sich in Zeiten der Digitalisierung mit Puppentheater auseinander setzt?

Sebastian: Würd ich nicht sagen. Ich sehe es schon als eigene Kunstform. Das Internet bietet dem Puppenspiel sogar neue Entfaltungsmöglichkeiten.

C-F: War es schwer einen Mitstreiter zu finden, der sich ebenso wie du für Puppentheater begeistern konnte?

Sebastian: Ja schon. Martin und ich sind schon lange gut befreundet und haben früher auch Musik zusammen gemacht. Da stimmt die Chemie. Wir sind aber natürlich für neue Leute, die mitmachen wollen, offen. Man kann beim Puppentheater nicht genug Hände haben.

C-F: Welche Rolle hat dein Kollege über? Baut er ebenfalls Puppen, oder führt er nur mit dir auf?

Sebastian: Zum Bauen konnte ich ihn noch nicht überreden, er spielt hauptsächlich. Obwohl er handwerklich sehr begabt ist. Stichwort Bühne, da steckt sehr viel von ihm drin.

C-F: Wie werden deine Puppen hergestellt? Wie groß sind sie? Hast du sie im Laufe der Zeit modifiziert?

Sebastian: Zunächst wird die Figur aus Schaumstoff geformt und verklebt und dann mit Stoff überzogen und vernäht. Die Puppen sind zwischen 40 und 75 Zentimeter groß. Man lernt auch laufend dazu und entdeckt neue Techniken.

C-F: Welche Figur stellt deine erste selbstgestaltete Puppe dar?

Sebastian: Eine jodelnde Schildkröte in Lederhosen.

C-F: Stellt jede deiner Puppen einen bestimmten Charakter dar?

Sebastian: Die Meisten. Es gibt eine Skizze und bereits Charaktereigenschaften, jedoch noch keine komplette Lebensgeschichte. Manche Charaktere werden deshalb entworfen, weil sie gut zu bereits bestehenden Charakteren passen oder weil es eine Idee für eine interessante Beziehung/Szene zwischen den Figuren gibt.

C-F: Wie viel Charakter kommt von euch als Akteure noch dazu? Also Stimmlage, Bewegungen, usw.

Sebastian: Natürlich überträgt der Spieler manchmal bewusst oder unbewusst auf die Figur gewisse Teile seiner Persönlichkeit … Stimme, Sprache, Bewegung,Temperament etc., sodass sich die der Figur ursprünglich angedachten Charaktereingenschaften ändern können oder andere zum Vorschein kommen. Manchmal passt das, manchmal nicht.

C-F: Welche Entscheidungen musstest du treffen, dass deine Puppen so aussehen, wie sie aussehen?

Sebastian: Am Anfang ist immer die Skizze und dann sucht man passende Materialien wie Stoffe, Felle/Haare, Augen etc aus. Ein Schlüsselmoment ist dann auch nochmal der Blick der Puppe. Sich auf einen Blick festzulegen kann schwierig sein. Das Gewand kommt zum Schluss

C-F: Hat jeder Puppenbauer einen eigenen Stil? Kann ein Kenner eine Puppe einem bestimmten Künstler zuordnen?

Sebastian: Bei den Professionelleren kann man schon einen eigenen Stil erkennen und auch die Puppen irgendwann den Künstlern zuordnen.

C-F: Übernehmt ihr Geschichten von anderen Autoren, die ihr dann die Puppen spielen lasst? Oder stammen die Geschichten auch von euch?

Sebastian: Wir schreiben die Geschichten/Sketche selber, aber in Wirklichkeit stehen wir erst am Anfang. Wir haben erst eine fertige Geschichte, nämlich „Isidor & Waldemar“. Das Stück haben wir jetzt einmal aufgeführt und wurde danach nun nochmals stark gestrafft und überarbeitet, da es doch zu lang war. Ich arbeite aber gerade an einer kurzen Puppenshow, die aus vielen kurzen Sketchen mit Musik besteht, ähnlich „Der Muppetsshow“ oder der „Sesamstraße“. Die gibt es am 26.06.2018 im Kulturhaus Wagram zu sehen.

C-F: Was zeichnet eine gute Geschichte für ein Puppentheater aus?

Sebastian: Da sind wir noch stark am Lernen. Natürlich gelten auch im Puppentheater die Gesetze der Dramaturgie, aber die Klappmaulpuppen eignen sich gut für Dialoge in Kombination mit Musik, da sie sehr Ausdrucksstark sind und unglaublich gut Emotionen transportieren können.

C-F: Dienen eure Stücke der Unterhaltung? Haben sie auch eine Botschaft?

Sebastian: Vorrangig sollen sie Unterhaltung bieten. Man kann aber auch beim Showformat gut Sketche mit Botschaften einbauen.

C-F: Von wem werdet ihr hauptsächlich gebucht? Welche Institutionen? Welche Branchen?

Sebastian: Wir stehen wie gesagt noch am Anfang. Unser neues Programm wird nun gerade fertig. Es ist eine halbstündige Puppenshow mit einer mobilen Stativbühne die sehr schnell auf und abgebaut werden kann. Wir denken, sie wäre interessant für Schulen, Kindergärten, Straßenfeste, Puppenfestivals aber auch private Kinderparties, usw.

C-F: Welche Altersgruppen sprecht ihr mit eurem Programm an?

Sebastian: Vor allem natürlich Kinder ab ca. 4 Jahren, nach obenhin gibt es aber keine Grenzen.

C-F: Wie reagiert ein junges Publikum, wie ein älteres auf die Pointen?

Sebastian: Kinder tauchen schneller in Geschichten ein und reagieren dementsprechend mehr auf Pointen. Nachdem wir auch improvisieren und teilweise freie Dialoge spielen, können diese „Pointen“ dann auch oft Erwachsene lustig finden.

C-F: Sind die Puppen auch käuflich zu erwerben? Wie viele Arbeitsstunden fließen in die Fertigung einer Puppe?

Sebastian: Die Bestehenden nicht, aber ich würde Bauaufträge annehmen, wenn man sich preislich einigen kann. Die Arbeitsstunden sind unterschiedlich. Es kommt natürlich auf die Größe der Puppe an. Aber 50 Std sind es mindestens, meistens mehr.

C-F: Hast du deine Lieblingspuppe, die du unter keinen Umständen hergeben würdest?

Sebastian: Das Monster „Wadiwuk“. Er ist ist mir ans Herz gewachsen und er verfügt über eine Augenmechanik, die mir einige graue Haare bereitet hat.

C-F: Haben alle eine Puppen Namen? Unterhältst du dich fallweise mit ihnen? 😉

Sebastian: Die Meisten haben mittlerweile Namen. Beim Üben werden sie manchmal interviewt, um den Charakter herauszuarbeiten. So gesehen, ja.;-)

C-F: Wann kann man euch und die Puppen in nächster Zeit live erleben?

Sebastian: Wir spielen „Die Puppenshow“ am 26. Juni 2018 im Wagramer Kulturhaus. Es wird drei Vorstellungen geben, jeweils um 15:00, 16:00 und 17:00 Uhr. Es werden viele verschiedene Puppen in kurzen Sketchen mit viel Musik gespielt. Geeignet ist das Stück für Kinder ab ca. 4 Jahren, der Eintritt beträgt 5,- EUR

www.facebook.com/diepuppenwerkstatt/

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Werner Harauer

Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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