Sole Plane: Beste Zeiten für Elektronische Musik

Soundtüftler Sole Plane legt neues ALbum vor. Foto privat, z.V.g.

Soundtüftler Sole Plane kreuzt in seiner neuen EP „Forms of“ abstract beats mit funky grooves – und kommt zu verblüffenden Ergebnissen. Die acht Tracks, meist nur Miniaturen um die zwei Minuten Spielzeit, sind vollgepackt mit Ideen, die für einen Longplayer gereicht hätten.

Als sich in den frühen 90er-Jahren die Elektronik-Frickler anschickten das Ruder im Musik-Biz zu übernehmen, ahnte noch niemand von der Stilvielfalt, die der Wechsel mit sich bringen würde. Die Kunststudenten in den Metropolen verloren mehr und mehr das Interesse an den straighten Technobeats und wandten sich abwechslungsreicheren, komplexeren Sounds zu, die nur sehr begrenzt clubtauglich waren. Das britische Plattenlabel Warp-Records ist das Produkt dieser Zeit und die dort unter Vertrag stehenden Künstler wie Aphex Twin oder Flying Lotus sind inzwischen Legenden.
Diese Entwicklungen blieben auch einem kleinen Kreis St. Pöltner Musikenthusiasten nicht verborgen. „Flying Lotus war und ist ein riesiges Vorbild für mich“, erzählt einer von ihnen, der heute selbst frickelt und unter dem Namen Sole Plane veröffentlicht.

City-Flyer: Was machst du beruflich?

Sole Plane: Ich bin Unternehmensjurist.

C-F: Wie lange hast du gebraucht, bis du das Computerprogrammm so weit im Griff hattest, einen für dich okayen Track einzuspielen?

Sole Plane: Ich fand die Tracks bereits nach zwei, drei Monaten okay. Die Herausforderung besteht dann eher darin, Konzepte und Klänge so wie man sich das vorstellt umzusetzen und zu dem Zweck macht man eben einen Schritt nach dem anderen. So richtig rein gefunden hab ich dann mit Ableton, das sich einem recht schnell und intuitiv erschließt. Und die Zahl an Tutorials ist zudem unergründlich. Unsere Zeit ist fantastisch um Musik zu produzieren.

C-F: Hast du deine Tracks schon mal live gespielt?

Sole Plane: Nope.

C-F: Hast du es vor?

Sole Plane: Ich möchte jedenfalls an der Umsetzung arbeiten, der Prozess wird aber wohl eine Weile dauern.

C-F: Solo? Oder kannst du dir die Umsetzung mit Mitmusikern vorstellen?

Sole Plane: Ich fände beides sehr spannend. Solo lastet der ganze Druck auf mir allein, dafür kann ich meinen Perfektionismus ein bisschen besser folgen. Und mit einem vollen Terminkalender ist das alles allein eben auch ein bisschen leichter handlebar.
Musik live zu performen stelle ich mir aber grundsätzlich in der Gruppe immer leiwander vor, weil Dynamik entsteht, die sonst nicht da ist. Zumindest entsteht dieser Eindruck, wenn man den Leuten bei Konzerten so zusieht und -hört.

C-F: Hast du Buddies, die dich unterstützen? Oder machst du alles selbst?

Sole Plane: Ich produziere und mixe alles selbst. Allerdings habe ich das Glück, zwei unglaublich erfahrene MusikerInnen in der Familie bzw. im Bekanntenkreis zu haben, die mir sagen können, wie ich bestimmte Drumsounds hinbekomme oder die sich Mixes auch mal probeweise durchhören, wenn’s bei mir selbst nicht klappt. Ein riesiges Dankeschön an dieser Stelle an die beiden.

C-F: Du hast bereits ein Minialbum im Oktober des vorigen Jahres auf Bandcamp veröffentlicht. Was darf sich ein Künstler erwarten, wenn er dort seine Musik rauf ladet?

Sole Plane: Bandcamp ist extrem praktisch. Wo soll ich anfangen? Ich glaube, im Internet-Zeitalter hat sich Musikproduktion und Konsum extrem verändert, ob man die Entwicklungen nun gut oder schlecht findet. Als Konsument habe ich die Möglichkeiten leicht und legal an großartige Musik aus der ganzen Welt zu gelangen und Bandcamp bietet mir genau diese Möglichkeit.
Die meisten Künstler ermöglichen 5-10 Probedurchgänge eines Albums bevor man eine Kaufentscheidung treffen muss. So gut wie alle meiner Lieblingskünstler finde ich dort.
Aber eigentlich hast du gefragt, was ich mir als Künstler von Bandcamp erwarten kann. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Ich kann Alben hochladen und sie gratis oder gegen Bezahlung, mit oder ohne Mindestpreis, zur Verfügung stellen und hab so ohne Labels die Möglichkeit ein großes Publikum zu erreichen. Bandcamp selbst verdient dann an einer Provision oder so. Bandcamp kategorisiert und präsentiert Bands und Künstler anhand der gesetzten Tags und erlaubt es so auch zufällig gefunden zu werden. Mit einem Künstler-Account hat man auch einen – ernüchternden – Überblick darüber, wie oft die hochgeladene Musik abgespielt wird und von wie vielen verschiedenen Leuten.
Mein von dir erwähntes Album ist übrigens wirklich extrem mini. Es waren die ersten Beats, die ich gut fand und die nicht verkommen sollten. Mehr ließ sich zu dem Zeitpunkt aber auch nicht rausholen.

C-F: Wann wird dein neues Album erscheinen?

Sole Plane: Meine wundervolle Freundin und ich sind gerade mit dem Cover fertig geworden, das heißt am nächsten freien Abend den ich finde. (das Album ist inzwischen erschienen, d.Red.)

C-F: Hat es schon einen Namen?

Sole Plane: „Forms of“.

C-F: Wirst du das Album auch auf anderen Plattformen promoten? Planst du ein Video auf Youtube zu stellen?

Sole Plane: Ich habe auch eine Soundcloud, Dort findet man auch einzelne Tracks. Ein Video wäre natürlich super, aber eins nach dem anderen.

C-F: Die Tracks auf „Sundown“ hören sich recht chillig an. Tanzmusik im eigentlichen Sinn ist das nicht. Hast du die Musik für Leute gemacht, die in trendigen Cafés herumhängen?

Sole Plane: Eigentlich habe ich an niemand besonderen gedacht, für den die Musik bestimmt ist. Ich wollte einfach mehr von der Musik machen, die mir selbst gefällt. Ich hör Musik meistens im Alltag und in den seltensten Fällen fühle ich mich zum Tanzen veranlasst. Ich hoffe aber schon, dass meine Tracks Köpfe zumindest leicht zum Wippen bringen. Ich finde es fast spannender, wenn Musik verwirrt, fordert oder quasi mehrere Rhythmen auf einmal bietet, wenn sie Entspannung vermittelt oder einen in die eigene Mitte bringt.

C-F: In welche musikalischen Ecke möchtest du gerne gestellt werden?

Sole Plane: Mndsgn, ein unglaublich versierter Musiker und Fying Lotus sind riesige Vorbilder. Der großartige Wandl hat mich mit „It’s all good tho“ und einem Konzert in der Canisiuskirche im letzten Jahr auch nachhaltig beeindruckt.

C-F: Spielst du ein klassisches Instrument?

Sole Plane: Ich habe lange Violine gespielt und eine sehr geduldige Lehrerin gehabt.

C-F: Welche Musiker hast du gesamplet?

Sole Plane: Die Samples kommen hauptsächlich von Funk-, Soul-, Disco- und Bossa Nova-Nummern. Die neueren Nummern sind zum größten Teil selbst eingespielt.

C-F: Wo ist dein Ziel? Willst du einen physischen Tonträger veröffentlichen? Einen Jingle für Nike schreiben? Als Laptop-Künstler am Frequency, oder lieber in einem intimen Rahmen im B72 auftreten?

Sole Plane: Die Idee mit Nike finde ich super. Ich hoffe, die melden sich noch. Das B72 wäre praktisch, weil es gleich ums Eck ist. Mir geht’s aber vor allem darum, Musik zu machen und Spaß daran zu haben.

C-F: Deine Tracks schielen nicht nach Trends. Gibt es dafür ein (österreichisches) Publikum?

Sole Plane: Ich nehme das als Kompliment. Ja, ich denke schon. Es gibt gerade in Österreich international erfolgreiche und wahnsinnig kreative und innovative Musiker, wie Dorian Concept und Cid Rim zum Beispiel, um jetzt zwei in einer relativ spezifischen Sparte herauszugreifen. In Wirklichkeit zieht sich das aber durch viele Genres.

C-F: Ich bedanke mich für das Interview.

Auf soleplane.bandcamp.com/releases könnt ihr die Tracks von Sole Plane anhören.

Werner Harauer
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Werner Harauer

Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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