The Scarabeusdream und The Fictionplay live

Bernd Supper von Scarabeusdream im Frei.raum in Aktion. Foto © Claudia Zawadil, z.V.g.

PARTYZONE: Freude für die Rock-Freunde: bei der 12. Ausgabe der Konzertreihe „Home From Home“ am Samstag, den 2. Februar  im frei.raum kamen diesmal KESSKESS zu Ehren, SCARABEUSDREAM stellten ihr eben erschienenes Album „Crescendo“ vor und THE FICTIONPLAY präsentierten ebenfalls ihr Album „TOHU BOHU“ vom Herbst des Vorjahres das erste Mal in St. Pölten. Die geballte Ladung heimischer Rockgrößen lockte rund fünfzig Zuhörer in den frei.raum.

Das Zwei-Mann-Projekt Scarabeusdream bildet eine Ausnahme im österreichischen Rockzirkus. Mir fällt auch keine vergleichbare internationale Band ein, die lediglich aus Schlagzeug und Keyboard besteht und solchen Druck erzeugen kann. Hannes Moser (dr.) und Bernd Supper (keys) oszillierten zwischen Pathos und Raserei, schnell vergessen war, dass sich nur zwei Musiker die Bühne teilten. Supper verstand es von Anfang an, das Publikum in die Show einzubinden und ließ einmal den Mike Patton und im Anschluß den Thom Yorke raushängen. Das Getrommle von Moser ist sowieso eine Klasse für sich. Ein so dichter Sound bei nur zwei Instrumenten ist auch nur unter maximalem Einsatz möglich. Und die Songs des neuen Albums? Ich wette darauf, das „Crescendo“ als eine der besten LPs des heurigen Jahres gehandelt wird. Und mit „Geee!“ und „Valley“ sind Scarabeusdream sogar zwei Popsongs mit Hitpotential gelungen.

The Fictionplay sind aus ganz anderem Holz geschnitzt. Dem Vierer als Mank gelang mit „TOHU BOHU“ ein großer Wurf, der in einem Online-Magazin als beste österreichische Platte des Vorjahres bezeichnet wurde. Die lang gediente Band unterzog sich einer Entschlackungskur und setzte unter der Obhut von Produzenten David Furrer (u.a. Mother’s Cake und Gospel Dating Service) auf Power-Riffs zugunsten ausufernder Prog-Rock Spielereien. Was der Platte gut tat.
Das Publikum reagierte sogleich mit einem langsamen Kopfnicken und federnden Knien. Ausnahmesänger und Gitarrist Dominik Essletzbichler, Pablo Jäger, der die Orgel und den Synthesizer bediente, Bassist Markus Lechner, Drummer Daniel Neuhauser und ein hinzugezogener Percussionist gaben der Crowd, was sie wünschte – eingängige Rocksongs, die sich nicht anbiedern. Zumindest mit den ersten paar Nummern. Dann stockte der Drang im Publikum nach kollektiver Bewegung und es wurde kompliziert.
Getreu dem Motto der LP täte auch auf der Bühne eine Reduktion der (zu) vielen Ideen gut. Ein Live-Set ohne große Brüche und ohne beweisen zu müssen, was man alles drauf hat, ist das bessere Live-Set.

KESSKESS, die erste Band des Abends, habe ich versäumt. Ohrenzeugen zufolge habe ich wirklich etwas versäumt, die fünf Niederösterreicher sollen einen sehr guten Auftritt hingelegt haben.

Die von Paul Buche organisierte Reihe „Home From Home“ hat sich zur ersten Adresse in StP für heimische Rockbands etabliert und lässt uns das Dahinscheiden des Klub KlingKlang weniger schmerzhaft erscheinen.
Der nächste Termin steht auch schon fest: am 12. April werden Why Goats Why, Eastwood Haze und die St. Pöltner Band Copperwell bei „Home From Home#13“ im frei.raum spielen.

Galerie mit 34 Pics (c) Claudia Zawadil Du musst eingeloggt sein, um die Bilder sehen zu können!

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    Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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