Thomas Fröhlich – neue Claims abstecken

Geheime Mission im Innenhof des St. Pöltner Domes? Thomas Fröhlich ist unter anderem österreichischer Repräsentant der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft. Foto © Claudia Zawadil, z.V.g.

Von Beruf Wissenschaftlicher Bibliothekar an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien mäandert der Wahl-St. Pöltner Thomas Fröhlich in seiner Freizeit entlang (pop)kultureller Nischen, vernetzt sich mit Geistesverwandten, um nie dagewesene Kulturevents auf die Beine zu stellen und überrascht das Publikum mit eigenen kulturellen Produktionen.

Interview: Werner Harauer
Foto: Claudia Zawadil

Ciy-Flyer: Du schreibst, liest, moderierst, bist DJ, organisierst Veranstaltungen, bist als Juror tätig, Kolumnist und Kritiker. Was treibt dich an?

Thomas Fröhlich: Neugier in erster Linie. Die Lust am Ausprobieren von Dingen, bei denen ich im Grunde erst nachher weiß, ob ich’s überhaupt kann. So ein bissl das 3-Akkord-Punk-Prinzip. Wenn ich allerdings einmal mit etwas angefangen habe, setze ich mich dann in weiterer Folge recht intensiv damit auseinander. Und dann werden’s plötzlich doch mehr Akkorde …

C-F: Wie würdest du deine Rolle bezeichnen? Siehst du dich mehr als Künstler, als Kulturförderer, als Publizist?

Thomas Fröhlich: Im Grunde als Vermittler. Es macht mir einfach ungeheure Freude, Dinge, Inhalte, aber auch ästhetische Standpunkte, die mir wichtig sind, zu vermitteln, in der Hoffnung, es interessiert (und gefällt) vielleicht auch anderen. Die Form ergibt sich mehr oder weniger aus dem, was ich sagen will.

C-F: Du pendelst zwischen Wien und St. Pölten. Wo siehst du deinen Homebase?

Thomas Fröhlich: Definitiv St. Pölten. In Wien geh‘ ich zwar meiner finanziellen Haupteinnahmequelle als wissenschaftlicher Bibliothekar an der Musikuni nach, was mir durchaus Freude bereitet, da die Herausforderungen sehr abwechslungsreich und wir ein gutes Team sind, – aber ansonsten ist Wien für mich ein bissl zu einem „Urlaubsort“ geworden, den ich gerne aufsuche, wenn’s ein klasses Filmfestival gibt. Oder wenn mich die Sehnsucht nach einem zünftigen Heurigenabend quält.

C-F: Du bist in der Kulturlandschaft beider Städte zuhause. Gibt es einen Grund für dein kulturelles Engagement in St. Pölten? Du könntest die Energie ebenso allein auf Wien konzentrieren.

Thomas Fröhlich: Früher hab‘ ich das auch so fifty/fifty-mäßig aufgeteilt. Da hab‘ ich auch noch öfter an diversen Wiener Kunst-Performances teilgenommen, mit Karl Kilian alias fm zombiemaus etwa. Inzwischen kooperiere ich aber doch eher mit PERPETUUM oder dem Lilienfelder Fotografen Gerald Axelrod, also mit Menschen, die auch einen St. Pölten-Bezug haben. In Wien mach‘ ich nimmer so viel, außer kleinere Präsentationen im MORD & MUSIK, der leiwaundsten Wiener (Genre-)Buchhandlung überhaupt. Was sich aber 2019 wieder ändern könnte, da ich mit einigen EVOLVER BOOKS-Veteranen eine Art Lesetournee andenke. Aber die wird uns sicher auch nach St. Pölten führen.

C-F: In welchen St. Pöltner „Zirkeln“ verkehrst du?

Thomas Fröhlich: Den Künstlerbund finde ich ganz großartig – da versuch‘ ich, keine Vernissage auszulassen. Im Cinema Paradiso bin ich auch sehr gern, sei es als Zuschauer oder als Veranstalter. Detto im Vinzenz Pauli, das nicht nur eine großartige Küche hat, sondern auch meinen dort seit zwei Jahren stattfindenden Sherlock-Holmes-Stammtisch (siehe CF: Sherlock Holmes Stammtisch) sehr unterstützt. Bei der LitGes redigiere ich einmal pro Jahr eine Ausgabe des ETCETERA. LESESTOFF & SCHNAPS im EGON ist auch sehr kurzweilig. Zum Weggehen sind zusätzlich noch Schubert, Wellenstein, Seedose und im Hochsommer der Kiosk am Ratzersdorfer See meine Lieblingsorte.

C-F: Wie alt warst du bei deiner ersten Veröffentlichung? Worum handelte es sich?

Thomas Fröhlich: Ich bin das, was man einen Spätberufenen (oder Spätzünder) nennt. Wenn ich von ein paar Beiträgen für die Zeitschrift DIE FURCHE absehe, war meine erste richtige Veröffentlichung im Jahr 2001 eine Story namens „Die Warte“ im ETCETERA, inspiriert von einer Wanderung rund um Lilienfeld, sowie von unzähligen Grusel- und Horrorfilmen: eine dem Genre der Fantastik zuzuordnende Geschichte, die gleichzeitig auch sehr traurig ist. Da war ich schon 38.

C-F: Deine bisher größten Erfolge?

Thomas Fröhlich: Sicher das Theaterstück „Sherlock Holmes und das Geheimnis des Illusionisten“, das ich für die Theatergruppe PERPETUUM schrieb und das 2013 im Ehemaligen Forum-Kino aufgeführt wurde, bis auf ein einziges Mal immer ausverkauft. Die Reviews waren echt überwältigend. Das Hörbuch-Label WINTERZEIT machte dann daraus ein Hörspiel mit Till Hagen (Synchronsprecher, u.a. von Kevin Spacey) in der Titelrolle, das 2015 den deutschen Vincent-Preis als bestes Hörbuch/Hörspiel des Jahres gewann.

C-F: Die Dinge, die dich beschäftigen, haben eine eigene Ästhetik. Hast du für dich schon herausgefunden, was ein Film, ein Buch, ein Song haben muss, um dich zu fesseln?

Thomas Fröhlich: Vielleicht eine gewisse schöne Rätselhaftigkeit. Ich mag es nicht, wenn mir alles „zerklärt“ wird. Generell schätze ich’s, wenn’s ein bissl dunkler ist. Oder, wenn bunt, dann gleich richtig quietschbunt, wie etwa der vom VOGUE-Fotografen Cecil Beaton ausgestattete Film „My Fair Lady“. Ich gebe zu, dass mein ästhetisches Herz generell eher (aber natürlich nicht ausschließlich) fürs (englische) 19. bzw. frühe 20. Jahrhundert schlägt. Einer meiner Lieblingsmusiker etwa ist der Brite Paul Roland. Den kennt bei uns kaum wer – der spielt so eine Art Psychedelic Pop, der klingt, als käme er aus einem Paralleluniversum, in dem es immer 1900 ist. Im Übrigen halte ich es mit dem leider schon verstorbenen britischen Filmemacher Derek Jarman: „Shadow is the queen of colour“.

C-F: Welche Rolle spielt die Kunst in deinem Leben? Unterhaltung? Identitätsfindung? Politisches Statement (Agitprop)? Realitätsflucht?

Thomas Fröhlich: Ja, Eskapismus ist bei mir schon stark vorhanden. Unterhaltung, klar – das ist ja nichts Unanständiges. Identitätsfindung: Ich glaub‘, die passiert einfach, wenn du dich mit Kunst beschäftigst. Als Rezipient musst du dich auf die Gedankenwelt der Künstlerin bzw. des Künstlers einlassen. Als Veranstalter und letztendlich auch als Schreiber mit deinem Publikum. Und wenn du künstlerisch kooperierst, mit deinen Kooperationspartnern. Das prägt auch immer die eigene Identität. Das politische Statement ist mir prinzipiell sehr willkommen – nur mag ich’s nicht, wenn’s plump daherkommt. Wenn ich Oscar Wildes Stücke hernehme, die strotzen vor politischen, (homo)sexuellen und gesellschaftskritischen Elementen. Nur serviert er mir das auf die charmanteste Weise, die man sich vorstellen kann. Das nenn‘ ich Verführung. Was derzeit im zeitgenössischen Theater so abläuft, fällt bei mir großteils unter Notzucht. Vielleicht bin ich auch sowas wie ein Nostalgiker, im Sinne des Musikers Pete Hamill. Der meinte nämlich:“Nostalgia is not a fake emotion. It is an ache for something that did exist. It involves an almost fatalistic acceptance oft he permanent presence of loss.“

C-F: Du kokettierst mit populärer Kultur, die nur im kleinen Kreis volle Anerkennung findet (Jerry Cotton, Science Fiction, …). Willst du dich mit deinem exquisiten Geschmack von den Anhängern der Hoch- bzw. der Trivialkultur abgrenzen?

Thomas Fröhlich: Na, ja, Science Fiction geht schon über den kleinen Kreis hinaus. Was Jerry Cotton, John Sinclair und derlei „Schundheftln“ betrifft: Ich mag diese Form der Unterhaltung, die einfach nix Anderes sein will als Unterhaltung, schon seit Kindertagen . Und zum Teil lassen sich die Autoren ja gute Plots einfallen, Hut ab. Das ist einfach solides Handwerk. Und hat einen schön trashigen Charme, so wie alte Edgar Wallace-Filme. Abgrenzen will ich mich gar nicht, schon gar nicht von den Anhängern der Hochkultur, da es hier wohl viele Überlappungen gibt. Aber nur, weil ich das aktuelle Werk von, sagen wir, Elfriede Jelinek lese (und meistens auch überaus schätze), heißt das nicht, dass ich mir am nächsten Tag nicht „Der Tod im roten Jaguar“ genehmige. Aber danke für den „exquisiten Geschmack“! 😉

C-F: Wie reagierst du auf aktuelle Trivialkultur, z.B. auf Helene Fischer?

Thomas Fröhlich: Ist mir einfach wurscht. Solange mich niemand zwingt, Fischer, Gabalier und das ganze Klumpert zu hören …

C-F: Wie ist deine Haltung gegenüber sogenannter Hochkultur?

Thomas Fröhlich: Eine durchaus positive. Vielleicht ist es eine Alterserscheinung, aber so blöd war das sogenannte Bildungsbürgertum vergangener Tage ja nicht. Hab‘ grad Goethes „Wilhelm Meister“ hinter mir: eins der wohl schönsten und „dichtesten“ Werke der Weltliteratur überhaupt.

C-F: Stößt du mit deinem randständigen Geschmack auch auf Unverständnis und Ablehnung?

Thomas Fröhlich: Eigentlich sehr selten. Außerdem: Sooo randständig finde ich den gar nicht.

C-F: Gibt es Menschen in deinem Umfeld, mit denen du dich über die popkulturellen Phänomene austauschen kannst?

Thomas Fröhlich: Gibt’s durchaus. Etwa den Journalisten und Übersetzer Peter Hiess. Oder den Schriftsteller Andreas Gruber. Wir drei können stundenlang beim Heurigen sitzen und über Heftromane, Dr. Who, alte Twilight-Zone-Folgen, viktorianische Dekadenzliteratur oder Paul Roland reden. Und beim Holmes-Stammtisch sind wir sowieso in unserem eigenen Universum.

C-F: Wie würdest du deine Roman/Filmhelden charakterisieren? Sind sie die Guten? Arbeiten sie sich an ihrem Selbst ab? Sind sie Nihilisten? Und was hat das mit dir zu tun?

Thomas Fröhlich: Mich interessieren ambivalente Figuren. Abgesehen von der Schwarz/Weiss-Gut/Böse-Welt der Heftromane finde ich geschilderte Personen, die mit den ihnen innewohnenden dunklen Seiten fertig werden müssen, am spannendsten. Dorian Gray, Sherlock Holmes oder „The Preacher“ aus den gleichnamigen Comics (wie auch der Serie) können mich da recht auf Trab halten. Was das mit mir zu tun hat? Wir alle haben ja nicht nur lichtvolle Seiten an und in uns – da ist viel Dunkelheit dabei. Und darüber zu lesen oder zu schreiben ist einfach ein spielerischer Umgang damit. Und vielleicht bannt man auf diese Weise tatsächlich seine persönlichen Dämonen. Denn eins habe ich festgestellt: Menschen, die sich mit derlei düsteren Inhalten künstlerisch befassen, sind privat meistens ausgesprochen liebenswerte, mitfühlende und hilfsbereite Menschen. Die ärgsten egoistisch-niederträchtigen Wappler finde ich regelmäßig unter den Berufs-Weltverbesserern.

C-F: Viele deiner Helden agieren in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Wie hältst du es mit der Gegenwart?

Thomas Fröhlich: Als jemand, dem Ästhetik unglaublich wichtig ist, gefällt mir an der Gegenwart vieles nicht. Was aber logisch ist, da ich eben nicht in der Vergangenheit oder Zukunft lebe – von dort kann ich mir ja die Rosinen rauspicken. Ich glaube definitiv NICHT, dass „früher“ (wann auch immer das sein soll) alles besser war. Aber dennoch schau‘ ich mir lieber einen alten Astaire-Film mit diesen großartigen Bildkompositionen an als einen politisch korrekten „Tatort“, in dem man mir das als Erkenntnisgewinn umzuhängen versucht, was ich ungeschminkt eh jeden Tag in der U-Bahn sehe. Was aber zur Folge hat, dass ich mir sowieso keinen „Tatort“ anschau‘ und auch das U-Bahnfahren zu minimieren trachte.

C-F: Die Inhalte, die dir gefallen, streifen oft das Übernatürliche. Wie grenzt du dich von Esoterik ab?

Thomas Fröhlich: Ich halte es da ein wenig mit H. P. Lovecraft, den ich nach wie vor sehr verehre: Der hat den „kosmischen Horror“ und ein damit verbundenes, zuvor noch nie dagewesenes Bestiarium (Cthulhu!) gleichsam erfunden, war aber ansonsten ein zutiefst rationaler Mensch, dem jegliche Esoterik völlig am A… vorbeiging. Obwohl ich zugeben muss, dass meine Fundamental-Ablehnung esoterischer oder spiritueller Inhalte in den letzten Jahren etwas geschrumpft ist. Wer weiß denn wirklich, was es alles gibt! Und wenn der Fotograf und Autor Gerald Axelrod sinngemäß meint, eine Welt ohne Geister wäre ihm zu langweilig, kann ich dem durchaus zustimmen. Aber wie gesagt: Ich brauch‘ da schon handfeste Beweise, die mir bis jetzt noch niemand bringen konnte. Doch wie sagte Fox Mulder so schön? „I want to believe“.

C-F: Dein Held Sherlock Holmes verkörpert den totalen Rationalisten. Er bricht das Mystische auf das Faktische herunter. Wohin zieht es dein Herz? Richtung Mystik oder Rationalismus?

Thomas Fröhlich: Das Lustige bei Holmes ist ja, dass er im Grunde ein (scheinbar) beinharter Rationalist ist, sein Schöpfer, Conan Doyle, aber ein Esoteriker und Teilzeit-Okkultist war, dem man auch Elfenfotos andrehen konnte. Und diese Ambivalenz haben wir in der Figur des Sherlock Holmes relativ stark ausgebildet. Er ist zwar ein rational orientierter Gesetzeshüter, aber auch Kokainist und Morphinist sowie ein arroganter Bohemien, der jederzeit bereit ist, Konventionen ins Eck zu stellen, wenn er für sie grad keinen Gebrauch hat, was recht häufig passiert. Für mich ist Holmes eine spätromantische Gestalt, wie auch die Erzählungen ja Spuk-, Romantik- und Gothic-Elemente drinnen haben: Grad das macht’s ja so schillernd.

C-F: Steckt in deinem Fantum auch der Wunsch dahinter, in dieser „disruptiven“ Zeit jemanden zu wissen, der auf alles eine Lösung weiß?

Thomas Fröhlich: Auf ALLES hat der gute Holmes ja Doyle sei Dank keine Lösung. Oder sagen wir so: Auch wenn ein Fall aufgeklärt ist, heißt das nicht, dass er „gelöst“ ist. Dass dann alles happypepi ist. Einen Mord etwa kann auch Holmes nicht mehr ungeschehen machen. Das, was er anbietet, ist vielleicht so etwas wie Erlösung auf Zeit. Er bleibt einsam zurück, spielt Violine oder kokst weiter, wenn ihm fad ist. Den Wunsch nach einem universalen Problemlöser hege ich persönlich sowieso nicht. Wenn jemand meint, er könnte alle Probleme lösen, ist schon einmal Obacht angesagt. Von der Sorte hatten wir in den letzten Jahrhunderten nämlich mehr als genug, ob in ideologischem, religiösem, betriebswirtschaftlichem oder „völkischem“ Sumpf geboren.

C-F: Begreifst du die Welt als von Mächten gelenkt, oder als chaotisch?

Thomas Fröhlich: Mehr oder weniger chaotisch. Doch gibt es offenbar universelle Strukturen, die die Möglichkeiten eines Gott-Wesens zumindest andenkbar machen. Aber ob dieses Wesen drauf schaut, ob wir uns eh brav das Popscherl auswischen und unserem Nächsten keine übern Schädel ziehen, darf gern diskutiert werden. Verschwörungstheorien über Lenkungen durch geheimnisvolle Mächte fand ich einmal lustig (Bilderberger! Freimaurer! Reptiloide from Outer Space!), aber seit immer mehr Idioten tatsächlich an den Blödsinn glauben und das auch noch über die Echokammer Facebook lautstark rausrülpsen, ja sogar Präsidenten stellen, hab‘ ich den Spaß daran verloren. Klar versucht jeder, der Macht hat, andere zu beeinflussen. Aber da halte ich einen Konzern wie Nestlé für wesentlich gefährlicher als es sämtliche Lovecraftsche Monster je sein könnten. Weil wir alle, als Konsumenten, ihm die Macht geben, indem wir seine Produkte kaufen.

C-F: Wie hältst du’s mit der Aufklärung?

Thomas Fröhlich: Eine der wichtigsten europäischen Geistesströmungen, die auch das Christentum stark verändert hat. Bei den meisten anderen Religionen ist die ja eher noch nicht angekommen. Als künstlerische Gegenströmung gab’s ja die Romantik, die einer „entzauberten“ Welt wieder etwas mehr Geister zukommen lassen wollte. Ich selbst bin da zwiegespalten: Als (politisches) Lebensprinzip tendiere ich klarerweise zum Aufklärerischen, möchte aber auf die Bereicherung durch Romantik und Fantasie nicht verzichten. Und dieses „Was wäre, wenn…“ ist doch ein herrliches Gedankenspiel.

C-F: Musik spielt bei dir in letzter Zeit eine geringere Rolle. Hat sich dein Verständnis zur aktuellen populären Musik gewandelt?

Thomas Fröhlich: Wahrscheinlich. Ich höre inzwischen recht selten aktuelle Musik, was wahrscheinlich Vielen so geht, die grad 55 geworden sind. Früher war der Pflichtgang ins Plattengeschäft meines Vertrauens gleichsam ein heiliger Akt. Heute komm‘ ich eher über Umwege auf Aktuelles. So hörte ich etwa bei einem Konzert der italienischen Band Goblin in der Wiener Arena als Vorgruppe einen unglaublich guten DJ und Komponisten namens Vercetti Technicolor, der alte Horrorfilm-Themen remixt und damit was ganz Eigenes bastelt: kann man auf Soundcloud nachhören. Oder die St. Pöltner Band Scurf (siehe CF: The Zsa Zsa Gabor’s und Scurf im Warehouse), die so einen Mix aus Surf-Gitarren und Ramones-Proto-Punk hinlegt – auf die hat mich der Filius, der Vater des Sängers, gebracht.

C-F: Du hast eben ein Sabbatical absolviert. Ich hörte, du warst fleißig. Woran arbeitest du zur Zeit und wann werden wir das Ergebnis zu sehen/hören bekommen?

Thomas Fröhlich: Gemeinsam mit dem Autor Werner Skibar, der die österreichische Horror-Roman-Serie „Morbus“ verfasst hat, arbeite ich derzeit an einem Hörspiel, einer weiteren Sherlockiade, die sich in Wien und St. Pölten (!) abspielt und in der der St. Pöltner Jugendstil-Maler Ernst Stöhr eine essenzielle Rolle spielt. Ich schätze, dass das Anfang/Mitte 2019 beim Winterzeit-Label erscheinen wird. Und dann gibt’s da noch ein Conan-Doyle-Sachbuch-Projekt mit der Deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

C-F: Gibt es ein großes Projekt, das du in deinem Leben unbedingt noch umsetzen willst?

Thomas Fröhlich: Ja, ich möchte mich nach Beendigung des Hörspiels vom Krimischreiben zurückziehen und ein Herzensprojekt angehen: ein Theaterstück über den leider zu Unrecht völlig vergessenen Schriftsteller Emil Mario Vacano, der Ende des 19. Jahrhunderts in St. Pölten lebte. Der war zu Lebzeiten einer der meistgelesenen österreichischen Schriftsteller, befreundet u.a. mit Alexander Sacher-Masoch, Peter Rosegger und der Tänzerin Lola Montez. Heute kennt den niemand mehr – aber der war tatsächlich so was wie ein österreichischer Oscar Wilde … mit einem sehr aufregenden Leben. Und wenn’s fertig ist: vielleicht hat ja PERPETUUM Lust dazu …?

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