Vintage-Rocknacht mit Almost Purple

Almost Purple, Portobello Express und The Wax Road (Bild) feierten den Rock in ihren Spielarten. Foto © Claudia Zawadil

Partyzone: Der Abend im Freiraum verspricht eine Tour de Force durch die Pop-Geschichte zu werden. Portobello Express lassen die Spät-Sechziger in London aufleben, also jenen Zeitpunkt, an dem die Mods den Stab an die Psychedelic/ Hippie-Bewegung weitergaben. Almost Purple verwalten das Erbe der Hardrock-Legende Deep Purple, besetzen auf unserer fiktiven Zeitachse also hauptsächlich die 70er Jahre. Und die moldawische Band The Wax Road interpretieren den Bluesrock in der Variante der 80er Jahre.

Blöd nur, dass ich durch dumme Umstände vom Auftritt der Wiener Portobello Express gerade mal die letzte Verbeugung vor Publikum mitbekomme. Dabei wäre die Band um die italienische Sängerin Happy Betty und dem Wiener Vorzeige-Mod Patrick Nagl (The Jaybirds) unbedingt hörenswert gewesen. Das bestätigen mir auch einige anwesende Bekannte, die die Musik enthusiastisch als Mischung aus Psychedelic Rock, Blues Rock sowie Sixties R’n’B beschreiben.
Die nächste Gelegenheit Portobello Express zu sehen bietet sich am 23. Mai im Wiener Chelsea (fb-event). Patrick Nagl feiert mit den Jaybirds ein paar Tage später das 30-jährige Bestehen der Wiener Mod-Band im Wiener B72 (fb-event).

Zeitsprung in die härteren Gefielde: Über Deep Purple brauche ich nicht viele Worte verlieren – die wichtigste Metalband ever. Punkt. Selbst meine Neuronen feuerten bei „Highway Star“ aus allen Rohren, obwohl ich zwar Zeitzeuge der (späten) Deep Purple war, meine musikalische Sozialisation aber in der Neo-Mod, Punk- und New Wave-Zeit hatte. Es gibt also Grund genug, das Erbe der Überväter des Metal respektvoll zu verwalten, noch dazu von so einem profunden Kenner wie Harry Stöckl. Wenn Harry auf der Bühne den Ritchie Blackmore mimt, dann ist Alex Greiml am Keyboard sein kongenialer Partner Jon Lord. Gitarre und Keyboard halten Zwiesprache, mal verhalten, mal herausfordernd, was auch zum primären Erkennungsmerkmal der Originalband zählte.
Dann ist Sänger Florian Hartl also das Alter Ego von Ian Gillan? Nicht ganz, den grausamen Raubbau an seiner Stimme durch die hohen Gesangseinlagen vermeidet Florian, der aber trotzdem wunderbar ins Bandgefüge von Almost Purple passt.
Nach dem famosen Auftritt von Almost Purple höre ich Stimmen, die der Coverband ebensolche technische Finesse und Spielfreude nachsagen wie dem Original. Das mag schon stimmen, dennoch spielt ein Live-Auftritt von Deep Purple in den 70ern in einer anderen Liga und zwar aus folgenden zwei Gründen: Deep Purple spielen Deep Purple und zwar eine gefühlte Ewigkeit, während Almost Purple die Songs der Vorbilder alle heiligen Zeiten covern. Und Deep Purple spielten vor zigtausenden Fans, was Puls und Adrenalinausschüttung der Musiker in gefährliche Höhen trieb und damit einhergehend den Drang, alles zu geben. Almost Purple spielen vor einigen Dutzend Freunden und Bekannten, denen man nichts mehr beweisen muss. Also bleiben wir am Boden uns sehen wir den Gig als das was er war: ein sehr gutes Konzert einer sehr guten Coverband.

Als Überraschung des Abends stellt sich für mich die moldawische Band The Wax Road heraus, welche sich ganz kurzfristig in die  „Vintage Rocknacht“ hinein reklamiert hat. Geht es zu Beginn des Konzerts noch etwas holprig zu, gewinnen die vier jungen Musiker im Laufe des Auftritts immer mehr an Kontur. In klassischer Besetzung spielen sie reudigen Blues-Rock, wie ich ihn Mitte der 80er liebte.  Zwischendurch darf es auch mal sleazy Rock’n’Roll sein und wir gedenken kurz der Guns N’ Roses. Letztlich haben mich die Musiker aus dem hintersten Zipfel Europas so angefixt, dass ich mir ihre Debut-CD mitnehme.

Galerie mit 50 Pics (c) Claudia Zawadil Du musst eingeloggt sein, um die Bilder sehen zu können!

Noch nicht registriert? Registriere dich! Es dauert nur eine Minute.
  • Name

  • Kontakt Info

    Werner Harauer
    Folge mir

    Werner Harauer

    Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
    Werner Harauer
    Folge mir

    Letzte Artikel von Werner Harauer (Alle anzeigen)

    Erzähl's weiter

    Über den Autor

    Werner Harauer
    Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

    Einen Kommentar hinterlassen