Zdenka Becker – Ein fesches Dirndl

Berührend und eingängig schreibt die Schriftstellerin Zdenka Becker in „Ein fesches Dirndl“ von ihrem Ankommen in Österreich. Der Roman wird in der Ich-Perspektive von ihrer Protagonistin Bea Burger erzählt und beginnt 1975, als die 21-Jährige der großen Liebe wegen das damals noch kommunistische Bratislava verlässt.

Es ist ein steiniger Weg, den die junge, schwangere Bea auf sich nehmen muss. Die fremde Sprache, die Vorurteile gegen Migranten, bürokratische Hürden und das anfänglich erfolglose Bemühen beruflich Fuß zu fassen, machen ihr in der Wahlheimat schwer zu schaffen. Ihr Diplom in Wirtschaftswissenschaften wurde in Österreich nicht vollständig anerkannt, dennoch gibt sie nicht auf. Während des ersten Jahres muss die junge Familie ausschließlich vom Stipendium des Mannes leben. Es ist eine karge Zeit und ein großer Ansporn für Armin, das Studium schnellstmöglich abzuschließen, was ihm auch gelingt.

Es finden sich viele starke Sätze in diesem Buch wie etwa „Und unaufhörlich bohrt der Wurm der Angst in mir.“ oder „In der Nacht hat es geregnet. Der sauber gewaschene Morgen schaut in die Fenster hinein.“

Vierzig Jahre nach ihrer Ankunft hat die Schriftstellerin Gefallen an einem Dirndl gefunden und fühlt sich wie eine „echte“ Österreicherin. Wichtiger als das ist es aber, so wie Zdenka Becker, Herzlichkeit und Mitgefühl zu besitzen. Das hat sie durch ihre Tätigkeit als Deutschlehrerin für traumatisierte Flüchtlinge gezeigt. Sie hat diesen nicht nur geholfen, die Sprache zu verstehen, sondern stand ihnen auch bei persönlichen Problemen zur Seite. Einige dieser berührenden Erlebnisse kommen im Buch vor.

Zdenka Becker möchte sich in ihrem autobiographischen Roman nicht als Opfer sehen, sondern würzt ihre Geschichte trotz der oft schweren Zeit mit der richtigen Prise Heiterkeit und Selbstironie. Bei ihrer Lesung im Stadtmuseum St. Pölten verriet sie, dass sie ihre Erlebnisse ursprünglich nur für ihre Enkelkinder aufgeschrieben hatte, die Lektorin jedoch drängte, das Manuskript als Roman zu veröffentlichen. Gut so, denn man mag dieses besondere Buch nicht mehr aus der Hand geben, bis man es fertig gelesen hat.

Ab Herbst 2019 präsentiert Zdenka Becker mit dem Satire-Duo Gebrüder Moped eine szenische Lesung zu „Ein fesches Dirndl“!

Zdenka Becker „Ein fesches Dirndl“, 2019
Gmeiner | 279 Seiten | € 20,60

 

Claudia Zawadil

Claudia Zawadil

Dipl. Ing. (FH); beim City-Flyer seit März 2002, schreibt Buchrezensionen und Ankündigungen und fotografiert gelegentlich bei diversen Events. Ebenso ist sie Radiomoderatorin (BlackXplosion), Bücherwurm, Vinyl-Lover und Gartenfee.
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Über den Autor

Claudia Zawadil
Dipl. Ing. (FH); beim City-Flyer seit März 2002, schreibt Buchrezensionen und Ankündigungen und fotografiert gelegentlich bei diversen Events. Ebenso ist sie Radiomoderatorin (BlackXplosion), Bücherwurm, Vinyl-Lover und Gartenfee.

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