Zenflow – strange signals aus stp

DJ und Produzent Zenflow ist seit sieben Jahren in der Psy-Szene verankert.Foto: Lisa Jahodinsky, z.V.g.

Marcel Lang alias Zenflow und sein Produzentenpartner Fischmehl bitten am Samstag, den 6. April alle Psytrance-Fans zur Release-Party ihrer „Agori-EP“ in den Club 23. Zenflow zählt zu den wenigen Psy-DJs in Niederösterreich, die eigene Tracks veröffentlichen. Inzwischen steht er bei einem US-Label unter Vertrag und legt auch im umliegenden Ausland auf.

Interview: Werner Harauer
Foto: Lisa Jahodinsky

 

City-Flyer: Wie lange bist du schon DJ?

Zenflow: Angefangen habe ich mit dem Produzieren von Musik 2011. Ein Freund hat mir ein paar Jahre später das Auflegen auf CD-Playern beigebracht und 2014 hab ich dann dank meiner Freundin zum ersten Mal vor Publikum auf einer Party gespielt. Das war eine Party von Tripudium Sessions im Warehouse.

CF: Du hast zuerst Techno aufgelegt (von wann bis wann?) und hast dann auf Psytrance und Full-On gewechselt. Gab es dafür einen Grund?

Zenflow: Ich hab eigentlich nie Techno aufgelegt, da liegt vielleicht eine Verwechslung vor, es gibt in Wien einen Techno Dj der im bügerlichen Namen ebenfalls Marcel Lang heißt, hab ich erst vor kurzem auf facebook entdeckt. Aber ich habe am Anfang beim Produzieren mit einigen Musikrichtungen experimentiert z.b. mit DnB und Tekno.
2011 war ich auch das erste Mal auf einem Psytrance-Festival und ich war sofort infiziert von der Musik und den Menschen dort. Es war für mich wie eine völlig neue Welt, ich wusste gleich hier gehöre ich hin, man hat dort einfach diesen gewissen spirit gefühlt, eine familiäre Atmosphäre und Offenheit, in der jeder willkommen ist und man aufeinander achtet. So etwas hatte ich auf anderen Musikfestivals oder Partys noch nie zuvor gesehen.

CF: Es gibt eine Menge Subgenres in Psy-Musik. Warum hast du dich für Psytrance und Full-On entschieden?

Zenflow: Dazu kann ich am besten abgehen, ist für mich genau die richtige Geschwindigkeit und es ist auch viel abwechslungsreicher als zb. der langsamere Progressive-Psytrance.

CF: Ist Psytrance und Full-On nicht dasselbe? Oder gibt es einen Unterschied?

Zenflow: Ist dasselbe. Full-On ist ein Subgenre von Psytrance.

CF: Gibt es in St. Pölten eine Psytrance-Szene? Wie viele Leute umfasst sie ca.? Unterscheidet sie sich von anderen Psytrance-Szenen, beispielsweise Wien? Gibt es einen eigenen StP-Style?

Zenflow: Der Unterschied zu Wien ist einfach, dass das Angebot größer ist und es auch um einiges mehr an Locations gibt. Ansonsten ist ein Unterschied kaum vorhanden. Die Szene ist nicht abhängig vom Bundesland, egal wo man in Österreich auf eine Party fährt, den Leuten geht es immer um das gleiche: die Liebe zur Musik und ein positives & harmonisches Miteinander. Man schaut aufeinander, egal ob man sich kennt oder nicht. Wie eine Familie. Wie groß diese Familie in StP ist? Schwer zu sagen. Nur eins ist fix: egal wer du bist, du bist immer willkommen.

CF: Wo sind die Szene-Treffs?

Zenflow: Szene-Treffs gibt es im Prinzip nicht. Man lernt sich auf Parties und Festivals kennen, und trifft sich auf diesen immer wieder. Mit einigen bleibt man via Facebook o.ä. in Kontakt, die anderen trifft man einfach so wieder. Manche siehst du öfter, manche nur einmal im Jahr, aber die Freude der Wiederbegegnung ist jedes mal voller positiver Energie.

CF: Du hast im April 2017 deine erste EP „Strange Signals“ veröffentlicht. Wie lange hast du gebraucht, um auf das Niveau der EP zu kommen?

Zenflow: Ich habe 2011 angefangen zu produzieren. Mein Ziel ist es, das Niveau meiner Musik stetig zu verbessern, deshalb habe ich mir mit dem ersten Release auch etwas Zeit gelassen.

CF: Wo hast du dein Studio?

Zenflow: Zuhause in meinem Wohnzimmer, zur Freude meiner Nachbarn 🙂

CF: Wie wichtig ist es als DJ, eigene Veröffentlichungen vorzuweisen?

Zenflow: Wenn man etwas bekannter werden und irgendwann vielleicht auch mal davon leben möchte, sollte man das auf jeden Fall machen. In der Psy-Szene gibt es nur sehr wenige Djs, die nur durch’s Auflegen genug verdienen, um davon leben zu können. Aber ich mache es ja nicht nur deswegen, sondern weil es mir auch Spaß macht.

CF: An welchen Hotspots hast du bereits aufgelegt?

Zenflow: Hotspots in diesem Sinne gibt es nicht, da die Veranstalter nicht immer in den gleichen Locations unterwegs sind. Ich habe schon viele Male in Wien aufgelegt, wie z.B. der Grellen Forelle oder beim Inder. Außerdem bin ich fast jedes Mal am Spirit Base Festival in Tschechien vertreten, aber auch den Heimvorteil dank dem Beatpatrol kann ich verbuchen.

CF: Was zeichnet eine Psytrance-Party aus?

Zenflow: Bei den Veranstaltungen ist Kreativität gefragt: Deko ist ein großer Punkt. Bunt, meistens UV-lastig, von Deko-Teams liebevoll selbst erstellt. Visuals und Laser runden das ganze ab. Ein gutes Soundsystem ist auch wichtig. Und natürlich darf man das Publikum nicht vergessen: bunt mit UV-Farbe bemalt, mit Flowersticks oder Pois ausgestattet. Musikalisch muss es nicht international sein, auch wenn es immer ein Highlight ist, aber es gibt viele österreichische Acts, die die Leute die ganze Nacht zum Tanzen bringen.

CF: Die Psytrance-Partypeople weisen eine gewisse Verwandtschaft mit den Hippies auf. Eine Naturverbundenheit, der Glaube an die Kreativität, das Ablehnen einer bürgerlichen Gesellschaft, Selbstfindung, bewußtseinserweiterte Drogen, einen Hang zur Verschwörungstheorie, … schließt man sich deshalb der Szene an, weil man diese Einstellungen bereits hat? Oder ist es die Musik, weshalb man diese Szene wählt und die Einstellungen übernimmt man nach und nach von den Szenefreunden. Wie war das bei dir?

Zenflow: Ich denke, das ist bei jeden anders. Bei mir war das so, dass ich das irgendwie immer schon in mir hatte.

CF: Wie lange arbeitest du schon mit deinem Partner Fischmehl zusammen?

Zenflow: Noch nicht sehr lange. Wir haben uns erst vergangenen Sommer am Boom Festival in Portugal getroffen und dachten uns, wir könnten mal gemeinsam etwas angehen. Das haben wir dann zuhause gleich ausprobiert. Mittlerweile legen wir auch öfters gemeinsam auf Partys auf das auch ganz gut harmoniert.

CF: Welchen Vorteil bringt es, eine EP zu zweit zu produzieren?

Zenflow: Es macht einfach viel mehr Spaß etwas zu zweit zu machen. Wenn einer nicht mehr weiter weiß, hat der andere wieder irgendeine Idee. Man ergänzt sich gegenseitig, das hält den Fluss aufrecht und man bringt auch viel schneller etwas zustande.

CF: Fischmehl ist Grazer und wohnt in Wien, soweit ich weiß. Ist das für ein gemeinsames Projekt nicht umständlich? Gibt es keine Psytrance-DJs in StP, mit denen eine gemeinsame Produktion ebenso möglich wäre?

Zenflow: Nein ist es nicht. Wir treffen uns am Wochenende, verbringen ein paar Tage zusammen, machen gemeinsam Musik. Das funktioniert eigentlich ganz gut. Ich schätze meine DJ-Kollegen in St.Pölten sehr, wir sind gut befreundet, aber es gibt leider sonst niemanden in diesem Genre, der selbst produziert.

CF: Mit welchen Djs (lokalen und nationalen) arbeitest du noch zusammen?

Zenflow: Bis jetzt eigentlich nur mit dem Flowwolf aus Wien. Mit ihm habe ich auch einen Track gemacht, den er auf seinem Album veröffentlicht hat.

CF: Psy-Partys finden im Warehouse und im Club 23 statt. Mit Partylocations ist StP ganz gut ausgestattet. Was könnte in der Stadt besser laufen?

Zenflow: St.Pölten kann sich mit dem Warehouse als Alternativ-Club glücklich schätzen. Noch besser ist es jetzt mit dem Club 23, den sich im Prinzip jeder für seine Veranstaltung mieten kann. An und für sich hat man in der Stadt eine Auswahl für eine Partynacht, es ist für jeden etwas dabei. Aber es könnte immer ein bisschen mehr sein. Aber zum Glück ist es bis Wien ja keine Weltreise, wenn mal in St.Pölten nichts passendes dabei ist. Was mir noch fehlen würde, wäre eine Location, in der man im Sommer auch draußen Partys veranstalten könnte oder wenn das Frequency auch die heimischen DJs unterbringen könnte.

CF: Weißt du etwas über die Geschichte von Psy in StP? Wann ist in StP die Sache losgegangen?

Zenflow: Die Psy Szene ist stetig am wachsen, das gilt auch für StP. Wie lang es sie hier schon gibt, kann ich nicht sagen, aber auch vor über 10 Jahren gab es im Warehouse schon Psytrance Veranstaltungen namens Samsara. Veranstaltet wurde das ganze von Sunshine Explosion. Übrigens auch eine der ersten Psytrance Partys auf der ich war.

CF: Welche Partys in der Umgebung warst du am Beginn dabei?

Zenflow: Am Anfang war ich bei Tripudium Sessions dabei, die meistens im Warehouse Partys gemacht haben. Die haben sich dann leider aufgelöst. Später hab ich dann mit einem Freund Elements of Beats gegründet, wo wir in Obergrafendorf am See einige Partys gemacht haben, die es aber auch nicht mehr gibt. Und natürlich meine eigenen Free-Partys die ich mit meiner Freundin unter OMG noch immer organisiere.

CF: Welche Rolle spielte Warehouse-Chef Pauli als Veranstalter?

Zenflow: Ich habe schon einige Male im Warehouse gespielt jedoch habe ich ihn nie kennengelernt.

CF: Wir bedanken uns für das Interview.

Werner Harauer
Folge mir

Werner Harauer

Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
Werner Harauer
Folge mir

Letzte Artikel von Werner Harauer (Alle anzeigen)

Erzähl's weiter

Über den Autor

Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

Einen Kommentar hinterlassen