Zodiac Killah – Durchgeknallter Jugo

Zodiac Killah im Visier. Foto © Claudia Zawadil für den City-Flyer

„Den must du dir anhören“, raunte mir eine berufene Stimme während einer Vernissage im Rathaus zu. Da ich berufene Stimmen grundsätzlich ernst nehme, hörte ich: Zodiac Killah … hmm … Josefstraße … hmmm, aber dann dieser catchy Refrain, der nur so gehen kann, an dem nichts zu verbessern ist … Zodiac Killah, wir müssen reden.

Interview: Werner Harauer
Foto: Claudia Zawadil für den City-Flyer

City-Flyer: Seit wann rappst du?

Zodiac Killah: Ich rappe erst seit einem knappen Jahr.

CF: Schreibst du die Texte selbst?

Zodiac Killah: Ja, hab alles selbst geschrieben. Es gibt keinen Ghostwriter oder etwas in der Art.

CF: Arbeitest du mit jemandem zusammen?

Zodiac Killah: Meistens arbeite ich alleine. Es war nur einmal der Fall, dass ich mit jemandem zusammen arbeiten musste und das auf einer Baustelle.

CF: Stimmt es, dass du dein Studio in der Skatehalle im Jugendzentrum Steppenwolf hast?

Zodiac Killah: Ich nehme dort auf, aber es ist nicht mein Studio. Es ist für jeden Künstler öffentlich zugänglich, der gerne Musik macht.

CF: Was waren deine bisherigen größten Liveauftritte?

Zodiac Killah: Ich hatte bisher keinen öffentlichen Auftritt, außer dem im Steppenwolf.

CF: Stehst du in Verbindung mit anderen St. Pöltner Rappern?

Zodiac Killah: Ja, mit einem sehr stabilen kurdischen Rapper. Dieser Typ hat es krass drauf.

CF: Auf deinem Videokanal auf YouTube ist seit kurzem nur mehr ein Song von dir zu hören. Warum?

Zodiac Killah: Entweder gab es einen Server-Crash oder die Videos wurden gemeldet. Leider kann ich es nicht mehr nachvollziehen. Aber die Videos sind wieder online.

CF: Beim Live-Auftritt hast du einen St. Pöltner Rapper gedisst. Gehört das einfach dazu oder gab es einen triftigen Grund?

Zodiac Killah: Es gibt zwar einen Grund, doch der Typ ist nicht die Rede wert.

CF: Du rappst über die Josefstraße. Wohnst du dort?

Zodiac Killah: Ich habe dort meine halbe Jugendzeit verbracht. Leider wohne ich seit ein paar Wochen nicht mehr dort.

CF: Ist die Josefstraße wirklich so krass, wie du sie beschreibst?

Zodiac Killah: Die ganze Stadt ist übertrieben krass. Die Josefstraße hat es in sich. Hier wohnen viele Kleinkriminelle, Dealer, Schläger und und und. Auch einer der Gründe, weshalb ich diesen Track mehr liebe als die anderen.

CF: Worum handeln deine Texte? Hast du besondere Themen, die dich interessieren?

Zodiac Killah: Meine Texte werde immer einfallsreicher. Meistens über St. Pölten und das, was ich erlebt habe und erleben werde.
Alles was ich sage, werde ich tun bzw. habe ich schon hinter mir wie bei dem Track „Digitaler Motherfucker“ im Refrain: … Einbrecher, Abstecher. Manchmal auch Fluchtfahrer. Das ist ein Text, der auf wahrer Begebenheit basiert. Und ich steh dazu.

CF: Willst du den Zuhörern eine Message mitgeben?

Zodiac Killah: Ich will, dass die Synapsen im Gehirn der Zuhörer Funken schlagen, während sie meine Lieder hören und auf meine Text achten. Momentan fahre ich mehr Richtung „Normalität“ in Sachen Rap und schreibe sinnliche Texte. Die Single „Nanana“ auf YouTube ist zum Beispiel eines dieser sinnlichen Lieder.

CF: Manche Songs sind sehr hart geraten. Du rappst so schnell, dass der Text beim ersten Mal hören kaum zu verstehen ist. Ist dir egal, wenn die Leute die Texte nicht verstehen?

Zodiac Killah: Umgangssprachlich nennen wir das Doublette Rap. Das gehört dazu.
Ich setze alles daran, dass der Text klar und deutlich zu hören ist. Manchmal ist das leicht, aber ganz ohne Adrenalin geht das nie ab.

CF: Beim Auftritt im Steppenwolf haben viele der Zuhörer deine Texte auswendig mitrappen können. Haben die deine Lieder digital?

Zodiac Killah: Natürlich haben sie meine Lieder digital. Aber nicht alle, sondern nur der engste Kreis.
Der Rest bekommt sie auf YouTube.

CF: Hast du vor, deine Songs demnächst zu veröffentlichen?

Zodiac Killah: Momentan arbeite ich an 13 Songs gleichzeitig und überlege mir, ob ich ein explicit Album herausgeben soll, oder sie einfach mit krassen Clips auf YouTube bzw. auch auf Spotify veröffentlichen soll.

CF: Steht schon der nächste Live-Auftritt fest?

Zodiac Killah: Möglich, dass ich am Ratzersdorfer See einen Auftritt haben werde. Aber es gibt noch kein genaues Datum, deshalb will ich nichts versprechen.

CF: Mit welchem St. Pöltner Rapper würdest du gerne auftreten?

Zodiac Killah: Mit keinem St. Pötten Rapper. Ich habe einen aus Baden, der wird mit mir in naher Zukunft zusammenarbeiten. Aber das bleibt vorerst geheim. Ich kann nur sagen, dass unser Lied so gut wie fertig ist und bald erscheinen wird.

CF: Mit welchem internationalen Rapper?

Zodiac Killah: Hmm … am allerliebsten mit Olexesh oder Capital Bra, beide deutsche Rapper mit ukrainischen Wurzeln.

CF: Stammen die Beats auch von dir?

Zodiac Killah: Die meisten. Aber manchmal hab ich keine Lust, die Beats selbst zu machen. Dann hole ich mir welche über das Internet, bezahle dafür und mach darauf meine Tracks.

CF: Ich höre bei manchen deiner Songs Reggae-Einflüsse raus. Das klingt sehr melodisch. War das beabsichtigt, oder hat sich das ergeben?

Zodiac Killah: Ich geh nach dem Prinzip „Low-high-middle-break“ vor. Heißt soviel, dass es meine Art ist, dass ich zu Beginn eines Liedes leicht rein komme, dann einen rasanten Übergang reinklatsche, kurz vor dem zweiten Viertel eine unerwartete Wendung noch rein mache und dann mit einer sanften Brücke in den Refrain reinkomme. Wobei man erwähnen muss, dass nahezu jeder Refrain melodisch ist. Nicht weil ich Reggae höre. Es kommt einfach so in meinem Kopf und setzt sich fest.

CF: Oft ist es so, dass du rasend schnell losrappst, der Refrain aber gemächlich vorgetragen wird. Siehst du das als dein Markenzeichen? Welche Besonderheit siehst du in deiner Arbeit?

Zodiac Killah: Das ist halt meine Art, wie ich es gerne mache. Besonderheiten. Naja, wenn es dazu gehört, würde ich mal sagen, dass ich absolut keine fremde Hilfe von Tontechnikern oder irgendeinem geschulten Personal brauche. Ich habe lediglich meinen sehr alten Laptop, ein Programm, mit dem ich schon als kleiner Junge angefangen habe zu arbeiten, mein Gefühl und jede Menge selbst angeeignete Erfahrung. Der Rest erledigt sich von selbst.

CF: Zählst du dich zu den Gangsta-Rappern?

Zodiac Killah: 50/50. Zum Teil liebe ich Gangsta Rap. Zum anderen Teil gehört auch das gewisse Etwas dazu mit Melodien, vielleicht auch sentimentalen Liedern. Alles situationsbedingt würde ich mal sagen.

CF: Wie schätzt du die HipHop-Szene in St. Pölten ein?

Zodiac Killah: Richtig gut. Aber sie hat auch viele Nachteile. Es ist in der Stadt verdammt schwer, sich einen Namen zu machen. Oder anders gesagt, überhaupt mal als Rapper anerkannt zu werden.

CF: Hast du Kontakte zur Wiener oder Linzer HipHop-Szene?

Zodiac Killah: Nein. Aber Kontakt zu Hamburg und Berlin. Genaueres gebe ich vielleicht später bekannt.

CF: HipHop ist im Moment sehr groß. Was müsste deine Meinung nach in deinem Leben passieren, damit du in der oberen Liga mitspielen kannst?

Zodiac Killah: Ich brauche ein paar gute Kontakte, um etwas erreichen zu können. Falls mir Gott beisteht und mir einen Zuhörer aus der oberen Liga schickt, würde mein ganzes Leben anders verlaufen. Ich glaube, dass ich sogar sehr sehr glücklich sein könnte.

CF: Was sind deiner Meinung nach die Voraussetzungen für einen guten Rapper?

Zodiac Killah: Das Wichtigste ist Taktgefühl ohne Metronom. Das innere Klopfen würde ich sagen. Man muss es im Kopf haben, wieviel BPM ein Track haben soll. Wie man darauf rappt, ist jedem seins.
Der Flow ist ebenfalls sehr wichtig. Das ist das gewisse Etwas, dass das Lied authentischer macht bzw. gut rüber bringt. Und Motivation. Ohne sie kann man’s quasi vergessen. Bis du unmotiviert, wirst du auch zu nichts kommen.

CF: Beim Auftritt im Steppenwolf seid ihr zu dritt auf der Bühne gestanden. Sind das deine Partner?

Zodiac Killah: Wir sind Freunde und zwar ziemlich gute. Einer wollte nur einfach auf der Bühne stehen, der andere half mir dabei, meine Nervosität etwas runterzupegeln, da es mir nicht leicht fiel, das allererste Mal vor Publikum aufzutreten. Aber mittlerweile will ich das immer mehr.

CF: Du bedienst den Sampler und rappst. Bleibt da noch Zeit für die Bühnenshow? Für die Kommunikation mit dem Publikum?

Zodiac Killah: Hogi vom Steppenwolf und ich sind gerade dabei jemanden zu finden, der das Set bedient und auch die Ahnung dahinter hat, dass mir die Show gut gelingt. Falls es jemanden da draußen gibt, der in Sachen Hiphop-DJ bzw. Live-Auftritte Erfahrung hat, kann er sich gerne bei mir melden.

CF: Magst du den Kontakt mit dem Publikum? Oder sitzt du lieber im Studio und tüftelst an neuen Beats?

Zodiac Killah: Beides. Alle, die mich persönlich kennen wissen, dass ich privat ein durchgeknallter Jugo bin und ziemlich viel Humor in eine Runde bringe, da ich zum Teil sehr viel Blödsinn daher quatsche. Manchmal blödeln und lachen wir den ganzen Tag lang.
Andererseits bin ich oft im Studio. Ich arbeite meistens in der Nacht an den Liedern, da mir tagsüber oft die Zeit fehlt und denke über viele Dinge nach …

CF: Was zeichnet einen guten Song aus? Hast du ein Gespür dafür, was beim Publikum ankommen wird?

Zodiac Killah: Auch ein schlechter Song kann ein guter sein. Es kommt ganz darauf an, ob es den Geschmack der jeweiligen Person trifft.
Andererseits denke ich mir nicht viel dabei, was andere über meine Songs sagen.
Ich mache es, so wie ich glaube, dass es sein sollte und meistens klappt es auch. Und ja, ich hab ein sehr gutes Gespür.

CF: Wo können sich die Leser, die jetzt neugierig geworden sind, Infos von dir einholen? Wo können sie in deine Musik reinhorchen? Facebook? Spotify? YouTube?

Zodiac Killah: Jeder der sich Infos holen will, kann bei YouTube, Instagram und Snapchat alles nachlesen. Mittlerweile arbeiten wir an einer Website, die auch bald erscheinen wird. Diese wird dann auf allen Social Media Webseiten als Link in der Biographie angegeben.

YouTube-Kanal: Zodiac3100
Instagram: zodiac_nahuy
Und snapchat unter @ngajanovic19
Spotify wird demnächst erscheinen.

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Werner Harauer

Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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