5 Jahre fuk. 5 Jahre Freiluft und Kultur

Freiluft und Kultur: Die fuk-Crew (alle in weiß): Janina Koroschitz, Klaus-Michael Urban, Dragan Boroja (mit Hut) und Oliver Bollwein. Foto: Hanna Partaj
Das Freiluft und Kultur-Team 2018: Die fuk-Crew (alle in weiß): Janina Koroschitz, Klaus-Michael Urban, Dragan Boroja (mit Hut) und Oliver Bollwein. Foto: Hanna Partaj

Der Verein fuk – Freiluft und Kultur nützt wenig frequentierte Plätze im öffentlichen Raum, um ungewöhnliche Aktionen zu setzen. Bewegte Bilder sind das zentrale Medium, mit dem die Gruppe das Publikum an ungewöhnliche Orte lockt.

Beim ersten Kontakt mit dem quadratischen Aufkleber auf einem Laternenmasten musste ich über den auffälligen Vereinsnamen schmunzeln. „Ein gelungenes Guerrila-Marketing für einen subversiven Verein, der Freie Liebe an öffentlichen Plätzen propagieren will“, dachte ich und lag damit völlig falsch. Der Verein „fuk – Freiluft und Kultur“ hat sich zum Ziel gesetzt, das kulturelle Leben in der Stadt durch außergewöhnliche Veranstaltungen frei von Konsumzwang zu bereichern und die Vernetzung der bereits bestehenden Kulturvereine voranzutreiben.

2015 starteten Clemens Haas, Oliver Hansemann, Klaus-Michael Urban und Martin Grubinger das Projekt mit einer Filmvorführung in der „Seedose“. Viele Kooperationen, etwa mit der FH St. Pölten, dem Viertelfestival, dem Institut für jüdische Geschichte, der Donauuni Krems, mit ORTE, Musikcafé Egon, Naturfreunde, Club Croatia, LAMES und Stattgarten sollten folgen.

Bilderwerfer auf Tour

Nach einigen Monaten zogen sich drei der vier Gründungsmitglieder zurück. Aber mit Verena Svoboda und Oliver Bollwein und in späterer Folge mit Janina Koroschitz und Dragan Boroja schlossen sich neue aktive MitstreiterInnen an, die frische Ideen mitbrachten. So wurde unter anderem das „Guerilla Kino“ ins Leben gerufen: „Wir ziehen mit einem Leiterwagen, beladen mit Autobatterie und Beamer durch die Stadt und projiziert ohne großen Aufwand Kurzfilmsequenzen auf die unmöglichsten Flächen“, skizziert Klaus Urban den Ablauf dieser Aktion und verrät gleich eines der Hauptanliegen des Vereins: ungenutzte Orte auf Zeit nutzbar machen.

Der City-Flyer stellte Gründungsmitglied Klaus Michael Urban einige Fragen zum Verein fuk.

Interview: Werner Harauer
Foto: Hanna Partaj

City-Flyer: War die Filmvorführung „the forgotten space“ in der Seesode die erste Veranstaltung von fuk?

Klaus-Michael Urban: Ja. Damals hat Althea Müller diesen sehr schönen und fragenden Artikel im City-Flyer geschrieben. Davor haben Clemens Haas und ich Mappingtouren zu zweit durch die Stadt unternommen, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

CF: Bei „Freiluft und Kultur“ denke ich an Kulturgenuss unter freiem Himmel. Warum der Fokus auf leerstehende Lokale in der Innenstadt?

Klaus: Die Frage hab ich damals auch am Podium beim „Parque Del Sol 2015“ von Jakob Redl gestellt bekommen. Das Leerstandsthema in St. Pölten war für uns sehr präsent und der Wunsch nach Raum den man (temporär) gestalten und bespielen kann ebenso.
Wie wir jetzt wissen ist es oft von Vorteil, wenn man eine Ausweichlocation für Schlechtwetter hat, da hat’s uns oft erwischt. Nach dem ersten Jahr und zig Abfuhren von Eigentümer*innen in der Wiener- und Linzerstrasse und dem Ankauf des fuk-Leietwagerls hab ich mich aber gut mit dem Nomadischen anfreunden können. Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht und begonnen den öffentlichen Raum zu entdecken. Zum Beispiel die Traisenbrücken, die noch dazu witterungsgeschützt sind. War eben eine (Mut-)Findungsphase.
Dass unsere Interventionen und Veranstaltungen primär unter freiem Himmel stattfinden, war aber von Anfang an klar. Aber vielleicht hätten wir uns zu Beginn „Freiraum und Kultur“ nennen sollen, stand auch zur Diskussion.

CF: Warum ist fuk „Licht“ als Mittel zur Okkupation des öffentlichen Raums so wichtig? Licht ist etwas temporäres und stört niemanden – im Gegensatz zu Grafittis.

Klaus: Weil man mit Licht Wände und Orte sehr schnell und effektreich verwandeln kann, siehe das Projekt „bright spots“. Das geht natürlich nur bei Nacht. Clemens Haas hat bei Brigitte Kowanz studiert, Oliver Hanselmann ist Elektriker, Martin Grubinger hat Medientechnik an der FH studiert und auch mich hat Gebäude-Mapping schon immer fasziniert. Auf jeden Fall war bei uns Licht, Strom und das Digitale, gepaart mit dem realen Raum ein gemeinsamer Nenner. Später hab ich dieses Werkzeug meinen Fähigkeiten angepasst und (Kurz-)filme bzw. Bilder an die Wand geworfen.
Dafür, dass es niemand stört, haben wir oft genug mit der Polizei zu tun gehabt. Und ums Stören gings und auch nie, sondern darum aufzuzeigen und die Stadt und ihre ungenutzten Plätze in einem anderen Licht zu zeigen.

Das Temporäre find ich besonders reizvoll und idealerweise bleiben schöne Erinnerungen und wenn man Glück hat ein gutes Foto. Außerdem muss man die Wände nicht neu streichen, damit man am nächsten Abend wieder mit neuen Ideen anrücken kann.
Aber passenderweise arbeiten wir gerade mit dem Jugendzentrum Steppenwolf an einer Fusion von Graffiti und Licht im kommenden Frühjahr.

CF: Traten deine neuen MitstreiterInnen Oliver Bollwein und Vera Svoboda zuvor schon anderswo öffentlichen auf.

Klaus: Dazu kann ich nicht viel sagen – Oliver kenn ich über den gemeinsamen Bekanntenkreis. Er ist gelernter Tischler (daher die Hocker), begeisterter Zeichner und Siebdrucker. Mit seinem Label „SchwoarzBoard“ war er immer schon aktiv.
Vera hat mich damals angesprochen, weil auch ihr das Wiederauflebenlassen von „Film am Dom“ ein Anliegen war, was wir dann andernorts mit Picknick und Kino zumindest einmal ausgelebt haben. Sie ist nach wie vor bei LAMES/Sonnenpark in grafischen Belangen aktiv.

CF: Und wie stießen Janina Koroschitz und Dragan Boroja zum Team? Kommt Janina vom Film, weil sie im Sonnenpark einen Film über die Street Art-Szene in Tel Aviv zeigte?

Klaus: Janina ist studierte Historikerin, Schwerpunkt jüdische Geschichte und kommt aus Villach. Wie es zu dem Film über die Street Art-Szene in Tel Aviv kam (siehe CF-Artikel), weiß ich nicht. Ich hab sie damals kennengelernt, weil sie ihr erstes Screening mit Teilen unseres Equipments bei LAMES gemacht hat, im Zuge dessen wurde auch die Wand der Mühlbachmauer/Walfischwiese von den zwei Künstlern DIOZ und SIGNOR GI aus Tel Aviv gestaltet. Der Film-Rundgang gemeinsam mit dem Injoest war ihr bei Freiluft und Kultur ein großes Anliegen, wurde leider zweimal wegen Schlechtwetter abgesagt und wartet immer noch auf die Umsetzung.
Dragan kam durch Oliver dazu und ist ein Film-Aficionado. Dadurch hat er immer wertvolle Inputs geleistet.
Ein kurzes Gastspiel hatte auch Lisa-Marie Wagner, derzeit Studentin an der Kunstuni Linz und Malerin. Mit ihr haben wir Klebetattoos für Picknick und Kino II gestaltet, die leider nie zur Anwendung kamen.

facebook.com/freiluftundkultur

Werner Harauer
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Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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