Adrenaline Kings: Wir haben Blut geleckt

Adrenaline Kings sind (v.l.n.r.): Paulus Unterweger (guit.), Matthias Schneider (voc., guit.) und Florian Hartl (dr.) Foto: Anja Bene, z.V.g.
Adrenaline Kings sind (v.l.n.r.): Paulus Unterweger (guit.), Matthias Schneider (voc., guit.) und Florian Hartl (dr.) Foto: Anja Bene, z.V.g.

Alter schützt vor Hard Rock nicht. Obwohl die Bandmitglieder der Adrenaline Kings längst andere Musikprojekte verfolgen, blieb ihre Liebe zum 80er Hard Rock immer bestehen. Anlässlich ihres 20-jährigen Bühnenjubiläums hat sich die Band im Studio zusammengefunden und mit der Single „M.A.S.“ nach 14 Jahren einen neuen Song released.

Vergessen waren sie nie. Mit musikalischen Anleihen an den Hard Rock der 80er Jahre und den dazu gehörigen Macho-Posen auf der Bühne erarbeiten sich die Adrenaline Kings in den Nuller-Jahren eine treue Fangemeinde, die ihnen bis zum faktischen Ende der Band und darüber hinaus treu bleibt. Wieder und wieder kommen Anfragen, wann es denn neue Songs zu hören gäbe, die letzten stammten schließlich aus 2008.
Diesen Sommer ist es dann soweit. In Sam Gilly’s Studio spielen die Kings den Song „M.A.S.“ ein, der Mitte September offiziell released wird. Der Zeitpunkt war nicht zufällig gewählt, da „das Jahr 2022 das zwanzigste Bühnenjubiläum der Adrenaline Kings markiert. Was lag näher, als ins Studio zu gehen, einen neuen Song aufzunehmen und das Jubiläum mit einem großen Konzert im Freiraum zu feiern“, begründet Drummer Florian Hartl den plötzlichen Aktionismus der Band.

Als Matthias Schneider und Florian Hartl die Adrenaline Kings vor 20 Jahren gründen, gibt es in Niederösterreich und Wien nur eine Handvoll Musiker, die sich Hard Rock zu spielen wagen. „Wir wollten eine Band im Stil unserer großen Vorbilder wie Scorpions, Whitesnake, Dokken, Cinderella oder auch Guns’n’Roses gründen, und damit den klassischen Hard Rock der 80er Jahre wieder aufleben zu lassen“, so Florian.
In der Anfangszeit scheint der Erfolg zum Greifen nah und die Kings arbeiten verbissen für ihn. Doch nach einigen spannenden Jahren, kommt es zu Meinungsverschiedenheiten, was das Line-Up und die musikalische Ausrichtung betrifft. Nach der Veröffentlichung des zweiten Albums „Last Days Of Ancient Rome“ und einer Tour durch Österreich und Deutschland gehen die Bandmitglieder ihre eigenen Wege. „Uns hat das gleiche Schicksal ereilt wie jeder lokalen Band, der der Erfolg verwehrt bleibt: Uns ging die Luft aus“, so Matthias.

Als sich Matthias (voc., guit.), Florian (dr.) und Paulus Unterweger (guit.) für die Einspielung von „M.A.S.“ im House Of Riddim Ton Studio treffen, stellt sich die testosterongeschwängerte Luft gleich wieder ein. Das Trio, das vom ursprünglichen Quintett übrig blieb, wird während der Aufnahmen und des Videodrehs zur neuen Single von ehemaligen Mitstreitern tatkräftig unterstützt. Auch für den Gig am 15.10. im Freiraum greift das Trio auf ehemalige Members zurück: den Bass wird Hannes Forstreiter zupfen. Auch werden mit Bernhard Högl und Nick Harras alle vergangenen Sänger der Kings auftreten. „Wir haben wieder Blut geleckt! Ich kann mir gut vorstellen, dass es weitere Kings-Releases und Shows geben wird. Material und Ideen haben wir genug“, so Flo.
www.facebook.com/adrenalinekings

Rocktober ‘22: 15. Oktober, 20:00 Uhr, Freiraum. Mit Adrenaline Kings, Steve Nipples & The Crew und Fingerlyxx. Wir verlosen Tickets auf cityflyer.at

Interview: Werner Harauer
Foto: Anja Bene, z.V.g.

City-Flyer: Seit wann gibt es die Kings?

Florian Hartl: Die Adrenaline Kings wurden anno 2002 ausgehend von Matthias und mir gegründet. Ich antwortete damals auf eine Anzeige von Matthias, der gleichgesinnte Musiker für eine Band im Stil des 1980er Hardrocks suchte. Damals gab es in Niederösterreich und Wien wahrscheinlich eine Handvoll Musiker, die sich diese Musikrichtung zu spielen wagten. Nachdem wir uns in seiner Wohnung am Wiener Schwendermarkt trafen, Tuchfühlung aufnahmen, Biografien austauschten und die Lage sondierten, war es sofort klar, dass wir dieselben Ziele hatten. Wir wollten eine Band im Stil unserer großen Vorbilder wie Scorpions, Whitesnake, Dokken, Cinderella oder auch Guns ‚n‘ Roses gründen, und damit den klassischen Hard Rock der 80er Jahre wieder aufleben zu lassen.

Matthias Schneider: Als Flo damals auf meine Anzeige antwortete, habe ich ihn zunächst für einen Dilettanten gehalten, weil er angab, Schlagzeuger zu sein … aber Bassgitarre ginge auch. Hansdampf in allen Gassen sozusagen. Beim ersten Treffen hat er sofort eine Gitarre von mir in die Hand genommen und sie auch noch halbwegs beherrscht – im Handumdrehen hat sich meine Meinung revidiert. 😀 Bei der ersten gemeinsamen Probe am Naschmarkt war die Chemie nicht zu leugnen. Es war fast so, als würde er meine ganzen Kompositionen kennen, bevor ich sie ihm überhaupt vorgespielt hatte.

CF: Andere Länder wie z.B. Australien (Airbourne, Wolfmother), Schweden (Horisont) oder unser Nachbarland Schweiz (Gotthard) sind gesegneter mit aktuellem Hard Rock Bands. Gibt es im Jahr 2022 schon mehr als eine Handvoll Musiker in Österreich, die 1980er Hardrock spielen?

Flo: Das mag durchaus der Fall sein, aber wieso sollten wie uns deswegen daran hindern lassen, die Musik zu spielen, die wir lieben? Immerhin gibt es ja auch genug Death Metal oder Blues Bands, was die Leute nicht daran hindert, ein Band in diesen Stilen zu gründen. Es klingt sowieso immer anders, und im besten Fall auch authentisch. Ich denke, dass trifft auch auf die Kings zu, was daher kommt, dass wir nach all den Jahren noch immer riesige Fans des 80er Hard Rocks sind und hoffentlich auch immer sein werden.

Matthias: Ein paar dementsprechende Bands gibt es schon – vor allem aus der jüngeren Generation, die nicht vom Hardrock-Stigma der 90er Jahre geprägt ist.

CF: Der City-Flyer hat euren Werdegang jahrelang dokumentiert. Aber Ende der Nullerjahre verflog das Interesse. Was war mit der Band geschehen?

Flo: Der City-Flyer hat uns immer super unterstützt, wofür wir sehr dankbar sind. Sicher ein Konzert-Highlight der Adrenaline Kings war unser Auftritt beim Melting Pot Festival im VAZ St. Pölten, das ja vom CF organisiert wurde.
Um ehrlich zu sein, ging der Band Ende der Nullerjahre die Luft aus. Nach einigen spannenden Jahren zusammen, kam es immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten, was das Line-Up und die musikalische Ausrichtung der Band betraf. Nach der Veröffentlichung des zweiten Albums Last Days Of Ancient Rome und einer Tour durch Österreich und Deutschland wurde es relativ bald ruhig, und die einzelnen Mitglieder gingen ihre eigenen Wege. Ein offizieller Schlussstrich wurde nie gezogen. Immer wieder kam es zu kurzzeitigen Wiedervereinigungen im Rahmen von diversen Jubiläen, bei denen immer wieder über eventuelle neue musikalische Pläne gesprochen wurde, sich aber nie etwas Konkretes ergab.
Da dieses Jahr 2022 das zwanzigste Bühnenjubiläum der Adrenaline Kings markiert, dachten wir uns, wir sollten jetzt wirklich etwas tun. Wir sind alle grundsätzlich der Meinung, dass Feste und Jubiläen gefeiert gehören, so wie sie fallen. Dazu kommt eine gewisse Nachfrage, da uns immer wieder Leute ermutigten wieder gemeinsam etwas in Angriff zu nehmen. So haben wir uns dazu entschlossen wieder gemeinsam ins Studio zu gehen, um einen Song aufzunehmen, und ein großes Jubiläumskonzert in St. Pölten am 15.10. zu spielen.

Matthias: Uns ist das gleiche Schicksal ereilt wie jeder lokalen Band, der der (inter)nationale Erfolg verwehrt bleibt. Irgendwann muss man sich entscheiden, wie es weitergeht. Wir haben alle weiterhin Musik gemacht – nur jeder für sich in seinen diversen anderen Projekten. Als gelegentlich die Frage nach einem Abschiedskonzert oder einer offiziellen Bandauflösung aufkam, entschieden wir uns jedes Mal: lieber nicht, denn dann wirds bei der nächsten Reunion peinlich!

CF: Um welche musikalischen Ausrichtungen ging es da? Wollten einige Bandmitglieder den klassischen Hardrock hinter sich lassen? Oder ging es um Nuancen, die ein gewöhnlicher Hardrock-Fan gar nicht rausgehört hätte?

Flo: Was mich betrifft, eher Ersteres. Momentan spiele ich in verschiedenen Formationen und mache alle mögliche Musik von Rock, über Blues bis Irish Folk und Country. Damals habe ich quasi mit den Kings „nur“ Hard Rock gespielt. Was super war, aber ich wollte auch andere Stile in unsere Musik integrieren, um das Spielerlebnis etwas interessanter und spannender zu machen. Leider ließ sich das nicht umsetzen, was mich damals gestört hat, mir jetzt aber ziemlich egal ist.

CF: Werdet ihr es bei dem einen Song belassen, oder habt ihr mehr in 
peto?

Flo: Jetzt müssen wir einmal warten und schauen, wie M.A.S. ankommt und wie die Resonanz ausfällt. Da die Arbeit mit den Kollegen sehr nett war, jeder gut miteinander umgeht bzw. auskommt, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass es weitere Kings Releases geben wird. Material und Ideen gäbe es genug.

Matthias: Wir haben jetzt zwar wieder Blut geleckt, aber zuerst muss trotzdem abgewartet und Bier getrunken werden!

CF: Die Adrenaline Kings sind von einem ursprünglichen Quintett auf ein Trio geschrumpft. Ist ein Trio eure Idealbesetzung? Oder sucht ihr noch nach jemand passendem?

Flo: Das Line-Up für den Gig am 15.10. steht fest: am Bass wird uns, wie in der Vergangenheit auch schon, Hannes Forstreiter unterstützen, der nicht nur großartiger Schlagzeuger, sondern auch genialer Bassist ist. Dazu kommt, dass er Adrenaline Kings der ersten Stunde ist, und sich für die Musik begeistert. Weiters werden neben Matthias, dem aktuellen Sänger, auch alle vergangenen Sänger der Kings auftreten, Bernhard Högl und Nick Harras.
Für die Aufnahmen zu M.A.S. konnten wir, wie im Video zur Nummer ersichtlich ist, Alex Jilg am Bass und den Tiroler Andi Brunner an den Keyboards gewinnen.
Zu dritt wäre ein Kings-Auftritt schwer möglich. Da Alex Jilg für eine kurzzeitige Wiedervereinigung nicht zu haben war, haben wir uns dazu entschieden, die drei aktuellen Mitglieder der Kings auf den Pressefotos abzubilden.

CF: Eure Single „M.A.S.“ ist am 9. September erschienen. Ist das die erste Veröffentlichung seit dem Album „Last Days Of Ancient Rome“ aus dem Jahr 2008?

Matthias: Das ist tatsächlich die erste neue Aufnahme seit 2008 – nicht einmal Demos wurden seitdem eingespielt! Umso beachtlicher finde ich es, dass wir nach so langer Zeit für neues Songmaterial zusammengekommen sind. Als Flo Anfang des Jahres mit dem Vorschlag auf uns zukam, einen neuen Song aufzunehmen, habe ich ziemlich sofort vorgeschlagen, alle aktiven Mitstreiter aus der Bandhistorie zusammenzubringen, weil mir klar war: das wird nicht nur allen Beteiligten eine Menge Spaß machen, sondern auch für unsere nach wie vor treue Fangemeinde ein besonderes Schmankerl sein. Außerdem waren die Kings auf persönlicher Ebene nie zerstritten – man hat sich immer wieder ohne weiteres auf einen Kaffee oder 5 Bier treffen können und sich bestens verstanden. Für mich war die Freude jedenfalls groß, als sämtliche ehemaligen Kings samt dem Special Guest aus Tirol ihre Zusage fürs Projekt gaben.

CF: Was hat es mit dem special Guest aus Tirol auf sich? Ist das der erwähnte Audi Brunner? Wie seid ihr auf ihn gestoßen?

Matthias: Den Andi kennen wir durch einen früheren gemeinsamen Auftritt in Innsbruck. Ein sehr begnadeter Musiker und ein cooler Hund. Er hat übrigens mit seiner Hammondorgel auch auf meinem Soloalbum aus dem Jahr 2011 gespielt.

CF: Im Video von „M.A.S.“ sieht man eine Reihe Musiker, die nicht (mehr) der Band angehören. Wer spielt den Bass? Wer steht am Keyboard? Wer singt die Backing Vocals ein?

Matthias: Im Studio war es wie im Video: Alex Jilg hat seine – übrigens grandios gelungenen – Bassparts in seinem Heimstudio eingespielt. Die drei Sänger – leider nur einer davon Tenor! – haben gemeinsam die Chöre eingesungen, und Andi Brunner aus Innsbruck hat – zu unserer besonderen Freude – seine Hammond-B3-Orgel dem Song beigesteuert.

CF: Wer hat den Song komponiert? Wer hat getextet?

Matthias: Das mehr oder weniger fertige Lied geistert seit Jahren in meinem Kopf herum. Als Flo Anfang des Jahres gefragt hat, ob ich was Passendes parat hätte, musste ich dem Song nur den letzten Feinschliff geben. Das Endprodukt ist sogar noch besser als die Version aus meinem Kopf!

CF: Am Video lässt sich auch gut erkennen, mit welchem Ernst ihr an die Sache rangeht. Man gewinnt den Eindruck, die Mannschaft gibt ihr Bestes. Wie verliefen die Aufnahmen? Wie klappte die Zusammenarbeit?

Matthias: Das war die richtige Mischung aus Spaß und Ernsthaftigkeit. Als Musiker haben wir immer unser Metier ernst genommen. Somit war klar, dass jeder sein Bestes geben wird. Und als wir endlich in Karlstetten bei Sam Gilly im Studio zusammengesessen sind, wurde es noch dazu richtig lustig – sowie jedes Mal, wenn mindestens zwei Adrenalin-Könige auf einander treffen!

CF: In der Anfangszeit der Adrenaline Kings schien es, als wolltet ihr schnell internationalen Erfolg. Geht ihr 15 Jahre später und viele Erfahrungen reicher gelassener ans Werk?

Matthias: Am Anfang war jede Menge Verbissenheit im Spiel. Jeder auch nur so kleine Rückschlag war zugleich prägend und enttäuschend. Mittlerweile sind wir alle aus dem Alter heraus, wo wir auf Biegen und Brechen irgendjemandem etwas beweisen müssen. Wir machen jetzt einfach unser Ding – wenns anderen gefällt, dann ist das schön. Wenn nicht, haben wir trotzdem unseren Spaß gehabt und sind stolz auf das Ergebnis.

CF: Wie schaut die Zukunft der Adrenaline Kings aus? Hängt sie von den Rückmeldungen auf die Single M.A.S. ab? Wird das Konzert im Freiraum eine einmalige Show anlässlich eures 20-jährigen Jubiläums sein? Oder habt ihr vor, sporadisch – wenn ihr gerade Lust habt – neues Zeugs auf den Markt zu werfen?

Flo: So ist es!;-) Kann mir gut vorstellen, dass die Kings über den 15.10. hinaus weiterbestehen werden. In welcher Form ist noch unklar.

Matthias: Zu diversen Anlässen wird es wohl immer wieder Kings-Auftritte geben. Ob sie regelmäßiger ausfallen, hängt aber eher von der Resonanz auf die neue Single ab.

CF: Vielen Dank für das Interview.

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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