AkroZirkus nimmt teil am Bravissimo-Spektakel

Petra Lesnik und Michael Neulinger vom AkroZirkus. Foto: AkroZirkus, z.V.g.
Petra Lesnik und Michael Neulinger vom AkroZirkus. Foto: AkroZirkus, z.V.g.

Zwei Jahre mussten wir uns gedulden – nun ist es endlich soweit. Beim Straßenspektakel Bravissimo werden am 2. und 3. September StraßenkünstlerInnen auf fünf Plätzen der St. Pöltner Innenstadt ihr Können beweisen. Neben den 12 nationalen und internationalen Acts präsentiert sich im Rahmenprogramm auch der St. Pöltner Verein AkroZirkus.

„Wir besuchen sehr gerne Zirkusshows“, outen sich Obfrau Petra Lesnik und ihr Stellvertreter Michael Neulinger vom Verein AkroZirkus gleich zu Beginn unseres Gespräches. Ein geschultes Auge könne schnell erkennen, welche „Stunts“ jahrelange Übung erfordern und welche nur billige Show sind.

An Erfahrung mangelt es den beiden sportbegeisterten St. PöltnerInnen nicht, schließlich trainieren Petra und Michael gemeinsam seit 2015. Zwei Jahre später schließen sie bei partner-acrobatics.com die Ausbildung für Partnerakrobatik-Lehrer in Spanien ab und beginnen AcroYoga und Partnerakrobatik zu unterrichten. 2020 gründen sie den Verein AkroZirkus unter dem Dachverband der Sportunion Niederösterreich.

Am „Bravissimo“ werden die beiden LehrerInnen allerdings kaum Gelegenheit finden, die Kunststücke ihrer KollegInnen zu bewerten. Sie stehen selbst an der nördlichen Seite der Pestsäule am Rathausplatz, um dem Publikum einfache Partnerakrobatik-Tricks zu vermittelt. „Wir bieten ab 15 Uhr alle zwei Stunden einen Anfängerworkshop für Menschen ab 16 und für Eltern mit Kindern an.“ In den Pausen können sich Interessierte über das Semesterprogramm des AkroZirkus informieren, das Einrad, Stelzen und die Jonglage können probiert werden, die Vereinsmitglieder geben Tipps und trainieren vor Publikum.
Wer beim „Bravissimo“ Lust bekommen hat in die Akrobatenwelt hinein zu schnuppern, sollte die Teilnahme an einem der Workshops in Betracht ziehen, die der Verein ganzjährig anbietet. Für Anfänger-Workshops gibt es keinerlei Voraussetzungen. Egal ob dick oder dünn, jung oder alt, die ersten Partnerakrobatik Übungen sind für alle möglich. Die Tricks werden unter den nötigen Sicherheitsvorkehrungen und unter der Aufsicht von zertifiziertem Fachpersonal erlernt.

Interview: Werner Harauer
Foto: AkroZirkus, z.V.g.

City-Flyer: Hast du/habt ihr auch hauptberuflich mit Sport zu tun?

Michael Neulinger: Nein, wir sind nur sehr sportbegeistert.

CF: Habt ihr euch die Übungen selbst in der Freizeit einstudiert, oder hattet ihr LehrerInnen?

Michael: Unsere Trainer haben alle mindestens eine Übungsleiterausbildung für Partnerakrobatik besucht und bilden sich regelmäßig bei internationalen Lehrer*innen weiter. Wir beide haben 2017 die 200h Partnerakrobatik Lehrer Ausbildung bei partneracrobatics.com in Spanien abgeschlossen.

CF: Ist der Name „AkroZirkus“ ein gebräuchlicher Name in der Szene, oder habt ihr ihn für euren Verein erfunden?

Petra Lesnik: Der Name wurde für den Verein erfunden, da unser Fokus auf der Partnerakrobatik liegt, wir aber auch weitere Zirkuskünste in St. Pölten bekannter machen und fördern wollen, wie Handbalance, Jonglage, Hula Hoop, Aerial Akrobatik usw.

CF: Seit wann gibt es den Verein?

Petra: Seit Ende 2020

CF: Wann habt ihr zu trainieren begonnen?

Petra: Wir haben 2015 begonnen miteinander zu trainieren und unterrichten seit 2017 AcroYoga und Partnerakrobatik. Damals gab es noch keinen Verein, sondern nur zwei akrobatikbegeisterte Menschen, die ihr Wissen gerne weitergeben wollten und Gleichgesinnte suchten 🙂

CF: Euer Verein ist seit 2020 Teil der Sportunion St. Pölten. Welche Vorteile bringt euch das? Und was dürft ihr NICHT? Habt ihr einen Aufnahmetest machen müssen?

Petra: Wir sind seit der Gründung des Vereins Teil der SPORTUNION und haben somit keinen Vergleich dazu, wie es wäre, ohne Dachverband im Verein zu arbeiten. Wir können aber sagen, dass die Unterstützung der SPORTUNION eine große Hilfe bei der Vereinsgründung war und sie uns auch weiterhin bei Fragen zum Vereinswesen helfen. Aufgrund von Förderungen ist es uns jetzt auch möglich, Trainingsgeräte anzukaufen. Generell dürfen wir als gemeinnütziger Verein keinen Gewinn erzielen, sonst gibt es eigentlich nichts Spezielles, das wir nicht dürfen. Der Verein an sich muss bestimmte Kriterien erfüllen, ein sportlicher Aufnahmetest ist für die SPORTUNION jedoch nicht notwendig.

CF: Ich verbinde mit dem Namen „Akrobatik“ und „Zirkus“. Das hört sich nicht ungefährlich an. Beherrschen die geübten Vereinsmitglieder auch spektakuläre Übungen, wie einen Salto?

Michael: Unsere Mitglieder trainieren alle auf ihrem eigenen Level und neue Tricks werden nur unter den nötigen Sicherheitsvorkehrungen erlernt. Ja, geübtere Mitglieder beherrschen auch spektakulärere Tricks, diese werden allerdings erst nach langem Üben frei und ohne Hilfestellungen ausgeführt, daher würde ich das dann nicht als „gefährlich“ bezeichnen.
Wir haben zwar auch Mitglieder, die einen Salto beherrschen, dieser ist jedoch nicht bei uns erlernbar, da wir kein Tumbling bzw. solo Akrobatik, außer Handstandtraining, anbieten.

CF: Was ist AcroYoga?

Petra: Der Begriff AcroYoga wird seit ca. 20 Jahren verwendet und beschreibt eine Form der Partnerakrobatik die den Fokus nicht auf Leistung sondern den Spaß am miteinander tun legt. Klassischer wird beim AcroYoga mit „einzel“ Yoga aufgewärmt und nach dem „akrobatischen“ Teil folgt ein Cooldown der bspw. Elemente aus der Nuad-Thai-Bodywork oder fliegende Massage enthält.

CF: Hat es einen Grund, warum beim „AkroZirkus“ die Partnerakrobatik einen so hohen Stellenwert einnimmt?

Petra: Unsere Wurzeln liegen im AcroYoga daher liegt unser Fokus auch auf dieser und verwandten Disziplinen, gerne möchten wir in den nächsten Jahren aber auch Workshops zu weiteren Sportarten anbieten. Zukünftig würden wir auch gerne Luftakrobatik Kurse anbieten, bisher war uns das mangels einer Turnhalle jedoch noch nicht möglich.

CF: Gibt’s auch Übungen für mehr als zwei Personen?

Michael: Ja, wir üben auch Trio Übungen, Gruppen Akrobatik und Pyramiden.

CF: Der Verein bietet auch Workshops an. Lerne ich dabei in einem Tag einen Handstand zu machen?

Michael: Wir bieten Workshops und Kurse zu verschiedenen Themen. Pauschal „Nein“ zu Handstand in einem Tag möchte ich jetzt nicht sagen, da es auf die individuellen Vorkenntnisse der Person ankommt. Prinzipielle bedarf ein gerader Handstand, so wie wir ihn in der Akrobatik durchführen, jedoch viel Disziplin, zumindest wenn man wie wir erst als Erwachsener beginnt sich damit zu beschäftigen.

CF: Welches Level an körperlicher Fitness muss ich mitbringen, um einen Workshop absolvieren zu können?

Petra: Für unsere Anfänger Workshops gibt es keinerlei Voraussetzungen, egal ob dick oder dünn, jung oder alt, die ersten Partnerakrobatik Übungen sind für jede*n möglich! Hilfreich ist es jedoch, etwas Körpergefühl mitzubringen.

CF: Was mit einem unsportlichen 100 Kilo Mann machen, der sich einbildet, einen Kopfstand beherrschen zu müssen? Schickt ihr den heim?

Petra: Wir fragen zu Beginn immer, ob jemand Vorerkrankungen/körperliche Probleme hat. Diese werden dann entweder im Training berücksichtigt oder wir bitten darum, mit einem Arzt abzuklären, ob dieser Sport okay ist. Heimschicken in dem Sinn tun wir niemanden, es finden sich immer Übungen/Abwandlungen, die für die Person geeignet sind!

CF: Ihr seid im Rahmenprogramm des St. Pöltner Straßenfestivals „Bravissimo“ zu finden. Ihr werdet euch mit 12 international hochkarätigen Künstlern die „Bühne“ in der St. Pöltner Innenstadt teilen. Wie fühlt es sich an, professionellen Akrobat*innen bei der Arbeit zuzusehen? Was bedarf es, um dieses Level zu erreichen?

Michael: Wir besuchen sehr gerne Zirkusshows und es ist sehr spannend, wie sich der Blick auf das Können der Artist*innen mit der Zeit verändert, wenn man sich selbst mit der Materie näher auseinandersetzt. Spannend ist hier vor allem, dass das Publikum oft bei Tricks applaudiert, die sogar schon bei uns in einem Anfängerkurs erlernt werden können. Richtig schwierige Tricks, die jahrelanges Training erfordern, aber oft weniger Reaktion hervorrufen. Auch schwieriger Tricks, die auf der Bühne zu sehen sind können mit regelmäßigem Training erreicht werden, selbst wenn man als Erwachsene*r erst beginnt, diese jedoch in einer bspw. einstündigen Show hintereinander, oder mit solch einer Eleganz durchzuführen braucht tägliches Training.

CF: Was ist euer Part? Präsentiert ihr einen Querschnitt eures Könnens? Ermuntert ihr die Zuseher zum Mitmachen? Und wie könnte dieses Mitmachen aussehen?

Petra: Wir bieten jeweils um 15:00, 17:00, 19:00 und 21:00 einen Anfängerworkshop für Menschen ab 16 bzw. für Eltern mit Kindern. Hier werden einfache Partnerakrobatik Tricks vermittelt. Dazwischen informieren wir über unser Semesterprogramm, Geräte wie Einrad, Stelzen, Jonglage, … können probiert werden, wir geben Tipps und unsere Mitglieder können beim Training bestaunt werden.

CF: Zieht ihr wie die Hauptacts auch von Bühne zu Bühne? Oder habt ihr einen fixen Standort?

Petra: Wir sind an der nördlichen Seite der Pestsäule zu finden, erkennbar an der rot/blauen Mattenfläche.

CF: Werden andere St. Pöltner Sportvereine am „Bravissimo“ vertreten sein?

Petra: Nein, weitere „Mitmachstationen“ gibt es jedoch in Form von Kinderschminken und einem Stand mit Zirkus Kleingeräten (Diabolo, Jongliermaterialien, Hula Hoop, …) zum Ausprobieren und Erwerben.

CF: Apropos Festival: Habt ihr das AcroYoga Festival ins Leben gerufen? Wann und wo fand es statt?

Michael: Wir haben 2020 St. Pöltens erstes AcroYoga Festival veranstaltet, Zusammenkünfte in der Art gibt es jedoch weltweit. Ende Oktober findet zum Beispiel bereits das 7. Grazer Akrobatikfestival statt.

CF: Wird das AcroYoga Festival wieder stattfinden?

Michael: Ja, wir haben jedoch aktuell noch kein Datum.

CF: Im Namen der Redaktion bedanke ich mich, dass ihr euch Zeit für das Interview genommen habt und wünsche euch viel Erfolg und Aufmerksamkeit seitens des Publikums beim „Bravissimo“.

akrozirkus.sportunion.at

Am 2. und 3. September werden zwölf nationale und internationale Acts insgesamt 72 Shows an fünf verschiedenen Schauplätzen liefern. Zu sehen gibt es Comedy, Magie, Musik, Theater und Akrobatik.
Alle Infos zum Festival findet ihr auf www.bravissimo.at

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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