Alien Disko: Die Aliens sind gelandet

Alien Disko: The Notwist und Ami von O'Summer Vacation am Mikro. Foto © Claudia Zawadil
Alien Disko: The Notwist und Ami von O'Summer Vacation am Mikro. Foto © Claudia Zawadil

Ein Mashup verschiedener Musikrichtungen ist für den Veranstalter eine spannende, wenn auch riskante Angelegenheit. Was, wenn das Publikum nicht mitkann? Oder der Rahmen nicht passt? Ein Orchester zum Beispiel in einem Punkschuppen spielen zu lassen, wird weder den Musiker*innen noch den Zuhörer*innen viel Freude bereiten. Und um einen wilden Stil-Mischmasch handelte es sich definitiv, der bei der Alien Disko am 4. Mai im Festspielhaus St. Pölten über die Bühne ging. Ich wüsste nämlich nicht, was die deutsche Band The Notwist mit der kongolesischen Band Fulu Miziki und diese wiederum mit den Japaner*innen O’Summer Vacation gemein hätten. Ein aufgeschlossenes Publikum – und das war es – kommt mit den krassen stilistischen Unterschieden der Bands klar. Ich komme allerdings nicht klar damit, bei einer rhythmusbetonten Musik auf einem Stuhl sitzen zu müssen. Für The Notwist mochte der Rahmen im großen Saal des Festspielhauses angemessen sein, für die im Anschluss auftretenden Fulu Miziki schien er mir denkbar ungeeignet.

Markus und Micha Acher von The Notwist, die nicht nur live auftraten, sondern auch das gesamte Lineup des Abends zusammenstellten, wurden von einem fünfköpfigen Ensemble begleitet. Die Acher Brüder und ihrer Band probierten vieles und es gelang ihnen vieles, was vom Publikum ausgiebig gewürdigt wurde. Zahlenmäßig hatten sie auch die meisten Zuhörer aller auftretenden Bands.
Ich langweilte mich dennoch bald und verließ das Konzert nach der fünften Nummer. Zu langatmig, zu konstruiert, zu verspielt nach der Offenbarung, die mir zuvor einige Stockwerke höher zuteil wurde.

Gemeint ist das japanische Trio O’Summer Vacation. Die Krawallos aus Kobe kamen mit Bass, Schlagzeug und Gesang aus und erzeugten einen so dichten Sound, der selbst dem sittsamen Publikum einige Zuckungen abnötigte und den Gehörschutz rechtfertigte. Ich kannte die Band vorher nicht, sie steht nun in meiner privaten Playlist sehr weit oben.

Technisch weit weniger versiert wie O’Summer Vacation, aber mit ebenso viel Enthusiasmus und “scheissdrauf Mentalität” ging die Wiener Band Lime Crush auf derselben Bühne im kleinen Saal ans Werk. Interessant, weil die Band um Fettkakao-Labelbetreiber Andi Dvořák schon vor Jahren aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwand und nun in alter Frische vor mir stand.

Fulu Miziki, die exotische Band mit ihrer futuristischen Bekleidung und ihren selbstgebauten Instrumenten, hatte die geschrumpfte Zuhörerschaft im großen Saal schnell im Griff. Mit ihren originellen Schlaginstrumenten erzeugten sie einen treibenden Beat, der ein gutes Dutzend Gäste aus den Sesseln trieb, wo es der schweißtreibenden Arbeit der Musiker vor der Bühne tanzend Tribut zollte. Fulu Miziki wäre im kleinen Saal ohne Bestuhlung besser aufgehoben gewesen, einfach weil die Hemmschwelle am Parkett zu tanzen geringer ist.

Von der letzten Band, diesmal wieder im kleinen Saal des Festspielhauses, habe ich gerade mal die äußerst kurze Zugabe mitbekommen. Die Sängerin von What are People for? stieß einen spitzen Schrei aus, … Trommelwirbel und … aus! Sexy und punkig. Ihr Live-Auftritt hätte mir vermutlich gefallen.

Ortswechsel. Im Club3 (Cinema Paradiso) wurde mit halbstündiger Verspätung der “Alien Disko Soundclash” eingeläutet. Im gut gefüllten Saal teilten sich Malphino, Hochzeitskapelle, Ichi und Das trojanische Pferd & b.fleischmann je eine Ecke. Abwechselnd versetzten die Musiker*innen die Gäste mit Blasmusik, Rock und World in gute Laune. Die Idee mit dem Musikmix klingt ziemlich obskur, ist aber voll aufgegangen. Den Musiker*innen auf Augenhöhe und hautnah beim Spielen zuzusehen erlebt man nicht jeden Tag.

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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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