Anna Kavan – Eis

 

 

 

 

 

 

 

 

Anna Kavans Roman handelt von einer dystopischen Welt voll Krieg, nahender Eiszeit und einem getriebenen Mann, der einem jungen Mädchen nachjagt. Die packende Geschichte wurde 1967 veröffentlicht uns ist nun endlich auf Deutsch erschienen.

Der Ich-Erzähler befindet sich in einer von Kriegen größtenteils zerstörten Welt, in der sich namenlose Staaten bekämpfen. Das Wetter wird spürbar kälter und kälter, viele Teile der Erde sind bereits von einer undurchdringbaren Eisschicht bedeckt. Die Gedanken des Mannes jedoch drehen sich einzig und alleine um ein junges Mädchen, mit dem er einst eine Beziehung hatte, welches sich jedoch von ihm trennte. Eines Tages verlässt sie auch ihren Ehemann, der dem Erzähler jedoch nicht sagen kann, wohin sie verschwunden ist.

Der Hauptprotagonist muss jedoch das zarte Mädchen mit den langen, silberweißen Haaren unbedingt finden, denn sie gehört zu ihm und niemand anderem. Er reist mit einem Schiff in ein fremdes Land, auch das Mädchen ist auf den Weg dort. Dort angekommen, erfährt er, dass das Mädchen nun einem brutalen Kriegsherren, genannt „Der Wächter“ gehört. Er setzt alles daran, das Mädchen zu sehen, indem er den Wächter um ein Treffen bittet und vorgibt, dass er Untersuchungen über die historisch wichtige Stadt durchführen möchte.

In die Handlung verschmolzen sind die wirren Tagträume des Mannes, ausgelöst durch „Medikamente“ gegen Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit, in denen er das Mädchen stets leiden sieht. Nie stellt er sich die Frage, ob es ihn eigentlich bei sich haben möchte, es geht ihm, ebenso wie dem „Wächter“, nur darum, das Mädchen zu besitzen und zu beherrschen. Auch wenn der Wächter sein Widersacher ist, so fühlt er sich mit ihm verbunden.

In Anna Kavans kraftvollem Roman bewegt sich die Leserschaft in einer düsteren, kafkaesken Welt, aus der es kein Entrinnen gibt. In ihren Figuren tobt der innere Kampf, um sie herum tötet der Krieg und die Eiszeit die Menschen. Die selbstsüchtige, zerstörerische Menschheit ist dem Untergang geweiht. „Eis“ mag zwar ein Buch sein, das Unwohlsein hervorruft, welches aber ein perfektes Beispiel dafür ist, wie unglaublich stark die Sogkraft von Worten sein kann.

„Die Eiswelt, die unsere Welt überzog. Gigantische Mauern aus Eis
um das Mädchen. Ihre mondweiße Haut, ihr diamanten funkelndes
Haar unter dem Mond. Das tote Auge des Mondes, das den Tod
unserer Welt beobachtete.“

Anna Kavan wurde 1901 als Helen Emily Woods geboren (nahm aber später den Namen ihrer Romanfigur aus „Let Me Alone“ an). Als sie 10 Jahre alt war, beging ihr Vater Selbstmord. Sie war mehrmals unglücklich verheiratet und die meiste Zeit ihres Lebens suizidgefährdet und heroinsüchtig. Ihre eigene innere Zerrissenheit haben ihr literarischen Schaffen stark beeinflusst.

 

Anna Kavan – Eis
Diaphanes, 2020 | Hardcover
184 Seiten | € 18,90

Claudia Zawadil
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Claudia Zawadil
DI (FH); beim City-Flyer seit März 2002, schreibt Buchrezensionen und Ankündigungen und fotografiert gelegentlich bei diversen Events. Ebenso ist sie Radiomoderatorin (BlackXplosion), Bücherwurm und Vinyl-Lover.

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