Der zauberhafte Roman der Französin Anne Serre ist eine Hommage an den spanischen Schriftsteller Enrique Vila-Matas. Eine Zugfahrt wird nicht nur zu einer Reise an einen andern Ort, sondern auch in die Vergangenheit und in die eigene Phantasie.
Anne Serre fährt per Zug zu einem Festival, auf das sie eingeladen wurde. Sie nimmt Einladungen zu Literaturevents nicht sehr gerne an und es kommt immer wieder vor, dass sie sich Ausreden einfallen lässt, um absagen zu können. In diesem Fall jedoch ist es ihr ein Anliegen, dabei zu sein und so besteigt sie den Zug nach Montauban, das im Südwesten Frankreichs liegt.
Im Zug trifft sie auf eine Kollegin mit der sie ein wenig plaudert, die meiste Zeit jedoch verbringt die Literatin in ihrem Abteil und denkt an verstorbene Familienmitglieder, aber auch an ihr nächstes Buch und an Enrique Vila-Matas, dessen Bücher sie liebt. Auch als sie ihr Hotelzimmer bezogen hat, spaziert der Schriftsteller-Kollege durch ihre Gedanken. So unglaublich es auch wäre, aber könnte es nicht doch sein, das Vila-Matas ebenfalls zum Festival angereist ist und das Zimmer neben ihr bewohnt?
In ihrer unterhaltsamen Geschichte nimmt uns Anne Serre nicht nur mit auf eine Reise in eine andere Stadt, sondern auch in ihre Vergangenheit, lässt uns aber auch leichtfüssig auf surrealen Pfaden wandern.
Anne Serre
Einer reist mit
Roman, Berenberg
138 Seiten | € 25,50
Mit dem Jahr 2026 geht die Geschichte des Berenberg Verlags zu Ende, „Einer reist mit“ ist das letzte Buch, welches der Verlag veröffentlicht hat.
Er wurde 2004 von Petra und Heinrich von Berenberg in Berlin gegründet, im März dieses Jahres wurde der Verlag aus wirtschaftlichen, aber auch altersbedingten Gründen geschlossen. Berenberg wurde mehrmals mit Preisen ausgezeichnet und gehörte zu einem der erfolgreichsten Kleinverlage Deutschlands. Es war jedoch nicht nur die exzellente Literatur, die diesen Verlag so besonders machte, sondern auch die optisch stets sehr stilvoll mit Leinenband und Lesebändchen gestalteten Bücher.
Zu den bedeutendsten Literatinnen des Verlags gehörte Christine Wunnicke, die mit ihrem Werk mehrmals auf der Short- bzw. Longlist des Deutschen Buchpreis zu finden war und die erst kürzlich mit dem Georg-Büchner-Preis 2026 ausgezeichnet wurde.
Die Verfasserin dieser Zeilen bedankt sich herzlich beim Verlag für die Rezensionsexemplare, die ihr im Laufe der Jahre zur Verfügung gestellt wurden, bereut es, den Verlag nicht schon früher für sich entdeckt zu haben und wünscht dem Gründer*innen-Ehepaar und dem gesamten Team alles Gute für die Zukunft.
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