Anti-Kontra: Zuwachs im harten Sektor

Punk Trio Anti-Kontra v.l.n.r. Simon Thut, Andreas Özelt und Markus PranzFoto: Gottfried Gscheider, z.V.g.
Punk Trio Anti-Kontra v.l.n.r. Simon Thut, Andreas Özelt und Markus PranzFoto: Gottfried Gscheider, z.V.g.

Die Namen der Musiker dürften dem punk-affinen Publikum geläufig sein, der Name der Band wohl kaum – dafür gibt es sie zu kurz. Am 25. November spielen Anti-Kontra ihr St. Pöltner Konzertdebut im Freiraum.

„Aus irgendeinem Grund sind wir spätabends in der Kälte auf einer Bank im Sparkassenpark gesessen und haben ein paar Bier getrunken. Das war sozusagen der Startschuss für die Band.“
A Rauschg’schicht? Nicht wirklich, sobald bekannt ist, dass Andreas Özelt, Markus Pranz und Simon Thut schon zuvor in der inzwischen aufgelösten Band Toast the Kitten spielten. Gemeinsam mit Roman Koberwein, der heute bei The Attic in die Saiten greift, war das Quartett wegen seiner Eigenkompositionen, die den Grunge ziemlich heftig auslegte, berüchtigt.
Auch die parallel laufenden Projekte der Bandmitglieder legen eine härtere musikalische Ausrichtung nahe. Andi spielt mit Mario Sluga und Felix Buchner in dem Hardrock/Grunge-Projekt Bambi Died In Fire und in der Traismaurer Band InSoundOut und noch bei einigen anderen Projekten. Simon ist nach wie vor bei Wrong Company Mit glied und bei der Wiener Garagepunkband Taxi aktiv. Die Bluserock-Band Jotu Jeu musste er im Februar aus Zeit grün den leider verlassen.

Obwohl Anti-Kontra keine zwei Jahre alt ist, kann das Trio auf ein konzertfüllendes Repertoire an Eigenkompositionen zurückgreifen. Im Juni erprobten sie ihr Set erfolgreich bei den Besuchern am Teichfest in Reidling, im Juli in Wolfs berg und Anfang Oktober in Wien im Mi Barrio. Und im September hatten sie an der ersten Runde des „Planet.tt Band contests“ in der Szene Wien teilgenommen, wo sie auch im kommenden Februar im Semifinale wieder auftreten werden.

Studioaufnahmen ihrer Songs gibt es zurzeit nicht, aber „wir wollen recht bald aufnehmen“. Bei uns zu sehen sind Anti-Kontra am 25.11. im Freiraum (CF-Termin), gemeinsam mit Die Erwins und Die Böslinge.
instagram/anti.kontra

Text: Werner Harauer
Foto: Gottfried Gscheider

City-Flyer: Für mich ist die Band Anti-Kontra ein unbeschriebenes Blatt. Als Musiker kenne ich euch von der ex-Band Toast The Kitten. Wollt ihr euch kurz vorstellen?

Simon Thut: Tatsächlich haben wir alle bei ‚Toast The Kitten‘ gespielt, so haben wir uns eigentlich kennengelernt. Andreas Özelt aus Ried bei Nußdorf ob der Traisen spielt Schlagzeug bei Anti-Kontra. Markus Pranz aus Wilhelmsburg spielt Gitarre, ist der Main Vocalist und schreibt auch die Lieder und ich spiele Bass.

CF: Spielt ihr auch in anderen Bands?

Simon: Andi spielt mit Mario Sluga und Felix Buchner in dem Hardrock/Grunge-Projekt Bambi Died In Fire und in der Traismaurer Band InSoundOut und noch ein paar anderen Projekten. Ich spiele nach wie vor bei Wrong Company und bei der Wiener Garagepunkband Taxi. Jotu Jeu musste ich im Februar 2023 leider verlassen, obwohl ich daran auch noch viel Freude hatte. Aber es ging sich einfach zeitlich nicht mehr aus. Studieren, Nebenjob und mehrere Bands waren in der Form einfach nicht mehr möglich. Jeder Band wollte ich soweit möglich das gleiche Commitment geben und das ist mir über den Kopf gewachsen bzw. sind deshalb viele andere Dinge zu kurz gekommen.

CF: Ihr habt die Band Anti-Kontra 2022 gegründet. In welchem Monat war das?

Simon: Wann wir genau begonnen haben, in dieser Konstellation zu proben und damit sagen zu können ‚Anti-Kontra ist gegründet‘… da bin ich mir ehrlich gesagt nicht mehr so sicher. Es war sicher noch vor dem Sommer. Aber ich weiß noch genau, dass mir Markus im Februar 2022 die ersten Demos vorgespielt hat, aus irgendeinem Grund sind wir spätabends in der Kälte auf einer Bank im Sparkassenpark gesessen und haben ein paar Bier getrunken. Jedenfalls war das sozusagen der Startschuss, ab da wollten wir musikalisch in diese neue Richtung gehen.

CF: Wie lautet der Gründungsmythos? Wer von euch Dreien hat mit der Suche von Mitmusikern begonnen?

Andreas Özelt: Eine Suche in dem Sinn hat eigentlich nie stattgefunden. Begonnen hat alles schon vor einigen Jahren, da hat uns Roman Koberwein, der mittlerweile bei The Attic spielt und der von vielen anderen Projekten und als DJ eh schon sehr bekannt ist, zusammengetrommelt hat. Zuerst haben wir als ‚Toast the Kitten‘ vor allem Covers gespielt und sind dann mit ersten Eigenkompositionen in eine ziemlich heavy Grunge Richtung gegangen.

Markus Pranz: Roman hat uns dann leider verlassen, da haben wir zuerst zu dritt mit dem vorhandenen Material weitergemacht und eher halbherzig nach einem zweiten Gitarristen gesucht, bis wir uns schließlich dazu entschlossen haben, zu dritt in dieser Konstellation eine andere musikalische Richtung einzuschlagen.

CF: Warum eine Punkband?

Markus: Der Punk hat sich eigentlich aus den Texten heraus ergeben und die stehen meistens im Zeichen jener Dinge, Vorgänge, Um- und Zustände, die einen Eindruck auf mich ausüben oder die, wie ich finde, aufzuzeigen bzw. durchaus zu kritisieren sind. Und um das dann auch musikalisch zu unterlegen und auszudrücken, war Punk einfach das naheliegendste Genre und hat sich natürlich und richtig angefühlt.

CF: Punk hat auch schon mehr als eine 45-jährige Geschichte hinter sich und entsprechende Mutationen hervorgebracht. Wo seht ihr euch am ehesten aufgehoben? Im Street-Punk, im Hardcore Punk, Straight Edge, im Politpunk, Funpunk …?

Markus: Solche Zuschreibungen für sich selbst zu finden, ist natürlich immer schwer. Es fällt umgekehrt sicher leichter, in den verschiedenen Subgenres Inspirationen zu finden und das ist es auch, was ich versuche.

Andi: Außerdem würde evtl. jeder von uns drei uns einem anderen Subgenre zuordnen, da wir großteils auch andere und vor allem unterschiedliche Musik hören wie der jeweils andere und das wiederum unbewusst beeinflusst, wie der Song dann im Endeffekt wirklich klingt.

Simon: Guter Punkt. Um ehrlich zu sein, höre ich fast nie Punk, sondern zurzeit hauptsächlich 90er-Britpop. Ohne das jetzt genauer analysieren zu wollen, klingen dann z.B. einige meiner Backup-Vocals, bei denen mir Markus immer freie Hand lässt, ein bisschen eher danach, als nach „typisch“ Punk.

CF: Ist der Auftrittam 25. November im Freiraum euer Live-Debüt?

Andi: Das nicht, obwohl wir als Anti-Kontra eigentlich erst jetzt das erste Mal ‚daheim‘ spielen. Tatsächlich haben wir dieses Jahr schon ein paar Konzerte gehabt, einmal am 30.6. am Teichfest in Reidling, im Juli in Wolfsberg und Anfang Oktober in Wien im Mi Barrio, die beiden letzteren waren unplugged. Und im September haben wir an der ersten Runde des Planet.tt Bandcontests in der Szene Wien teilgenommen. Da dürfen wir auch im kommenden Februar im Semifinale wieder auftreten, was wir besonders all den Freund:innen zu verdanken haben, die so zahlreich erschienen sind und uns unterstützt haben.

CF: In der Konzertankündigung steht, ihr steht der Gesellschaft kritisch gegenüber. Und das nicht sowieso alle Punks?

Markus: Auf jeden Fall! Genau darum ist Punk ja der passende Stil für uns.

Simon: Ich kann mir schon gut vorstellen, dass sich aus der kritischen Haltung und den Texten der Punk ergibt oder zumindest nahe liegt. Deshalb verbindet uns das auch mit den anderen Punks und ist nichts, was wir als Abgrenzungsmerkmal erachten würden.

CF: Punk ist nicht nur Musik, sondern auch eine Haltung. Welche Lebensweisen unterscheidet euch von den Nicht-Punks?

Simon: Ganz schön schwierig. Witzigerweise hab ich mir erst letztens gedacht, dass „Gegen den Strom schwimmen“, „Alternativ sein“, „Nicht Teil des Systems zu sein“, also all das, was man instinktiv mit Punk verbinden würde, ja längst im Mainstream angekommen sind. Ich mein, noch vor ein paar Jahren sind alle möglichen Leute mit Ché Guevara T-Shirt rumgerannt. Außerdem werde ich Lehrer, also BIN ich das System und dürfte denn erst gar nicht in einer Punkband sein.

Markus: Für mich hat Punk eher etwas damit zu tun, kritisch, liberal und tolerant zu sein. Viele Menschen fressen einfach ungefragt, was ihnen vorgesetzt wird, oder versteifen sich auf längst veraltete Werte, ohne irgendwas davon zu hinterfragen.

CF: In St. Pölten gibt es auch die Zsa Zsa Gabor’s. Wie würdet ihr euch vom Punkrock der Gabor’s abgrenzen?

Markus: Da gibt’s natürlich immer eine gewisse Verwandtschaft, wenn man sich im selben Genre bewegt. Aber die Gabors und Anti-Kontra sind dann doch schwierig zu vergleichen, quasi wie Äpfel und Birnen.

Simon: Außerdem müssten wir uns zuerst selber mal einordnen, bevor wir irgendwelche Vergleiche oder Abgrenzungen ziehen könnten… und dann auch die Gabors einordnen, und wir wollen hier für niemanden irgendwelche Zuschreibungen abgeben. Das steht uns nicht zu und ich für meinen Teil hab auch gar nicht die Qualifikation dafür.

Andi: Wobei die Gabors schon lange und sehr erfolgreich aktiv sind, sowas gehört natürlich gewürdigt.

CF: Sind die Songs, die ihr am 25. November spielen werdet Eigenkompositionen oder Covers?

Andi: Das sind vollständig Eigenkompositionen. Vielleicht schmeißen wir ein „Spaßcover“ einer bekannten Zeichentrickserie hinein, mal schau‘n.

CF: Seid ihr eine reine Live-Band? Oder habt ihr auch vor zu veröffentlichen?

Markus: Live zu spielen ist natürlich fantastisch, weil man so direkt mit dem Publikum verbunden ist. Jedoch macht es mir genauso viel Spaß, im Studio aufzunehmen und daher schaffen wir es hoffentlich sehr bald, unsere Songs einzuspielen und zu veröffentlichen.

CF: Gibt es schon den großen Masterplan, wann wir die ersten Songs auf Tonträger oder digital von euch zu hören bekommen?

Markus: Wahrscheinlich wird das erste Material per Streaming zu hören sein. Jedenfalls wollen wir, wie schon gesagt, recht bald aufnehmen.

Simon: Also das Vorhaben besteht auf jeden Fall, aber einen großen Masterplan gibt’s noch nicht. Und wenn’s ein bisschen länger dauert, sei’s drum. Wenn ich mich so umschaue, wird der Bedarf an Punk so bald nicht abreißen.

CF: Vielen Dank für das Interview. Und gebt’s Vollgas im Freiraum.

Werner Harauer
Folge mir
Letzte Artikel von Werner Harauer (Alle anzeigen)

0 LIKES

VERSCHENKE EIN LIKE
Du musst angemeldet sein, um den Artikel zu liken!

Schreib etwas dazu

Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

City-Flyer – die Stadt bei Tag und Nacht Foren Anti-Kontra: Zuwachs im harten Sektor

Ansicht von 0 Antwort-Themen
  • Autor
    Beiträge
    • #48123 Likes: 0
      Werner
      Administrator
        14 Likes

        Wenn dir der Eintrag „Anti-Kontra: Zuwachs im harten Sektor“ von werner gefallen hat, gib ihm ein „Like“. Wenn du mehr über den Autor erfahren willst, so klicke auf sein Profil. Wenn du etwas ergänzen willst, LOG DICH EIN und schreib einen Kommentar.

    Ansicht von 0 Antwort-Themen
    • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.