Bioblo: Festival-Mehrweg-becher werden Spielzeug

Hannes Frech und seine Partner Stefan Friedrich und Dietmar Kreil (v.r.n.l.) Foto: Bioblo Spielwaren GmbH
Hannes Frech und seine Partner Stefan Friedrich und Dietmar Kreil (v.r.n.l.) Foto: Bioblo Spielwaren GmbH

Was tun eigentlich die hippen St. PöltnerInnen, die nicht auf der Bühne oder hinter dem DJ-Pult stehen, keine Medaillen für schweißtreibende Sportarten erringen, keine Leinwände anmalen und sich auch sonst nirgendwo künstlerisch betätigen? Zum Beispiel ökologisches Spielzeug erfinden, wie es Hannes Frech und seine Mitgesellschafter von Bioblo tun.

Geboren in Thalheim bei Kapelln zieht es Hannes Frech bald nach St. Pölten, wo er sich seit 20 Jahren gut aufgehoben fühlt. Als Forscher im Bereich Nachhaltigkeit an der BOKU in Tulln trifft er dort erstmals seinen Geschäftspartner Stefan Friedrich. „Stefan kam damals wegen einer anderen Idee zu mir an die BOKU. Wir kannten uns vorher nicht, verstanden uns aber auf Anhieb super. Seine Idee mussten wir aus verschiedensten Gründen schnell verwerfen. Also holte ich ein paar Bausteine und meinte, ich habe da ein fertiges Produkt, habe aber keine Ahnung wie ich es vermarkten soll.“ Stefan holte Dietmar Kreil, den er aus seiner Zeit als Werber kannte, als Grafiker ins Boot und das Gründungsteam von BIOBLO ist 2015 komplett.
Warum die bunten Bausteine letztendlich mit Rock’n’Roll zu tun haben? Weil die Bausteine via Upcycling aus Mehrwegbechern von Festivals und anderen Events gefertigt werden. Sie sind komplett schadstoff-frei und unbedenklich für Kinder (was man vom Rock’n’Roll nicht behaupten kann 😉

Am 15. Juli findet im Aubad Tulln das Bioblo-Sommerfest statt. Eine gute Gelegenheit, vom Rock’n’Roller zum Hobby-Architekten zu switchen.
bioblo.com

Interview: Werner Harauer
Foto: Bioblo Spielwaren GmbH

City-Flyer: Was ist deine Vision?

Hannes Frech: Ich möchte Kinder mit Spielzeug glücklich machen, das ihnen und unserem schönen Planeten keinen Schaden zufügt.

CF: Und wie hast du deine Vision umgesetzt?

Hannes: Stefan kam damals wegen einer anderen Idee zu mir an die BOKU. Wir kannten uns vorher nicht, verstanden uns aber auf Anhieb super. Seine Idee mussten wir aus verschiedensten Gründen schnell verwerfen. Also holte ich ein paar Bausteine und meinte, ich habe da ein fertiges Produkt, habe aber keine Ahnung wie ich es vermarkten sollte.
Ich hatte den Wabenbaustein schon vorher als meine Tochter noch im bausteinspielenden Alter war, entwickelt. Stefan holte dann noch Didi, den er aus seiner Zeit als Werber kannte, als Grafiker ins Boot und das dynamische Gründungsteam war komplett.
Alle von uns haben Kinder und so konnten wir sofort die Begeisterung, die die Bausteine bewirken beobachten.

CF: Du bist neben Stefan und Dietmar Gesellschafter von Bioblo und Technikumsleiter an der BOKU? Heißt das, du hast zwei Jobs?

Hannes: Ja, genau so ist es. Ich arbeite nach wie vor als Forscher an der BOKU in Tulln und bearbeite auch andere spannende Projekte im Bereich Nachhaltigkeit.

CF: Warum ist der Produktionsstandort Tulln? Wohnt jemand von euch dort? Wo wohnst du? Wo ist der Bürostandort?

Hannes: Bioblo wurde in Tulln entwickelt und am Anfang haben wir die Bausteine auch noch in Tulln produziert.
Außerdem ist Stefan, unser Geschäftsführer, ein waschechter Tullner. Daher war klar dass der Firmensitz hier in Tulln sein soll.
Hier am Standort produzieren wir mittlerweile nur noch Bausteine in Sonderfarben.
Die Bioblos werden seit einiger Zeit in Zagreb im wunderschönen Kroatien in einer Firma eines langjährigen Freundes produziert.
Diese Firma hat sich auf die Verarbeitung von besonders ökologischen Werkstoffen spezialisiert und stellt verschiedene Produkte für einige der größten Spielzeugfirmen der Welt her.
Ich bin in der Regel jede zweite Woche für ein paar Tage in der Produktion, mache Materialversuche und unterstütze die Mitarbeiter vor Ort.

CF: Welche Beziehung hast du zu St. Pölten, außer dass du hier geboren wurdest?

Hannes: Geboren wurde ich eigentlich in Thalheim bei Kapelln. Ich lebe aber schon seit fast 20 Jahren in St.Pölten. Ich liebe die Stadt so wie sie ist. Nicht zu groß und nicht zu klein. Ich liebe die umliegenden Seen und die Nähe zu den Bergen.

CF: Warum habt ihr euch für ausgediente Mehrwegbecher von Festivals als Basismaterial entschieden? Täten es alte Autoreifen nicht auch?

Hannes: Im Kinderspielzeugbereich müssen die Rohstoffe natürlich absolut Schadstofffrei sein. Bei den Bechern wissen wir ganz genau woher sie kommen und aus welchem Material sie ursprünglich hergestellt wurden. Die Becher werden natürlich vor der Verarbeitung zu Bausteinen gründlichst sortiert und gewaschen. So kann zu 100% ausgeschlossen werden dass sich ungewollte Schadstoffe in dem Bechermaterial befinden.

CF: Ruft ihr beim Nova-Rock-Veranstalter Ewald Tatar, oder beim Frequency-Veranstalter Harry Jenner an und ordert ihr bei ihnen eine Tonne Plastikbecher?

Hannes: Nein, so einfach ist das nicht. Die Festivals werden von einem Unternehmen, das Mehrwegbechersysteme anbietet beliefert. Die Becher werden also befüllt, ausgetrunken (vielleicht nicht immer) und gewaschen. Und wieder an Festivals oder zu anderen Festen geliefert. Nach 50-100 mal waschen sind die Becher oft an der Oberfläche zerkratzt und werden aussortiert.
Diese Becher werden dann zu kleinen Schnipsel geschreddert daraufhin mit Holzmehl gemischt und zu hochwertigen langlebigen Bioblos geformt.

CF: Nachdem du den Bioblo-Werkstoff bereits erfunden hast, bist du jetzt in deiner Firma jeglicher Arbeit entbunden?

Hannes: Zum Glück gibt es für mich immer noch viel zu tun. Ich bin für alles was mit der Produktion der Bioblos zu tun hat zuständig. Wir entwickeln das ÖKO-Material in Bezug auf Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz immer weiter.
Die massiv gestiegenen Material- und Energiepreise machen uns wie auch vielen anderen Firmen sehr zu schaffen.

CF: Wir danken dir für das Interview. Hätte die Umwelt eine Stimme, würde sie sich bei Stefan, Dietmar und dir auch bedanken.

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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