Björn Stephan – Nur vom Weltraum aus ist die Erde blau

Björn Stephan - Nur vom Weltraum aus ist die Erde blau

 

 

 

 

 

 

 

 

In seinem liebenswerten Roman-Debüt erzählt Björn Stephan das Coming-of-Age Abenteuer von Sascha, der mit seiner Familie in den frühen 1990er Jahren in Klein Krebslow, einer Plattenbausiedlung in der ehemaligen DDR, lebt und einzigartige Wörter sammelt.

Sascha lebt mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester Nina in Klein Krebslow, einer nie fertiggestellten Plattenbausiedlung in der ehemaligen DDR, im Roman „Altes Land“ genannt. Der 13-Jährige sammelt einzigartige Wörter, für die es in anderen Sprachen keinen Ausdruck gibt und notiert sie sorgfältig in sein Notizbuch.

Die Bewohner*innen dieser Siedlung gehören zu den Wendeverlierern. Saschas Vater hat seine Arbeitsstelle als Vorarbeiter im Kabelwerk verloren und muss nun als Vertreter für Nahrungsergänzungsmittel arbeiten. Der beste Freund des Jungen ist Sonny, ein großer Fan von Elton John, der selbst einmal berühmter Musiker werden möchte und daher jeden Tag an seinem Keyboard übt.

Eines Tages wird die schlaue und rebellische “Kosmonautin” Juri ihre neue Mitschülerin und Sascha erlebt zum ersten Mal, wie es sich anfühlt, verliebt zu sein. Durch sie lernt er auch den geheimnisvollen Hr. Reza kennen, einem aus dem Iran stammenden älteren Herren, der in der Siedlung nur “der alte Irre” genannt wird. Sascha hat beobachtet, wie dieser von den beiden, von allen gefürchteten, Pawelke-Brüdern zusammengeschlagen wurde. Seine Angst war zu groß, um Hr. Reza zu helfen.

Juri, die Hr. Reza nach dem brutalen Angriff in seine Wohnung begleitet, hat Sascha bemerkt und nimmt ihn deshalb einen Tag später mit zu Hr. Reza. Sie möchte es den beiden „Faschos“ heimzahlen, indem sie zur Polizei gehen will. Der ältere Herr rät jedoch davon ab und erklärt ihnen, dass man sich zuerst immer ein gesamtes Bild von einem Geschehen und den Beweggründen der daran Beteiligten machen soll, bevor man ein endgültiges Urteil fällt. „Es hängt stets von den Perspektiven ab, aus der man auf die Dinge blickt.“

Björn Stephan (*1987; freier Redakteur für „Die Zeit“ und das „SZ-Magazin“) ist ein liebenswertes und melancholisches Coming-of-Age Abenteuer gelungen, dessen voll jugendlicher Energie strotzenden Protagonisten man mit Freude begleitet.

Zu den schönsten und auch wichtigsten Begegnungen im Buch gehört der erste gemeinsame Besuch von Juri und Sascha bei Hr. Reza, dessen Wohnung mit den hohen, aus dunklem Holz gefertigten, Regalen voller Bücher, Blechspielzeug und Schallplattenklängen einem verzauberten, melancholischen Ort voll Nostalgie gleichkommt.

Der alte Mann hat vieles in seinem Leben verloren, geblieben sind ihm die Bücher und seine Erinnerungen an bessere Tage. Dieser Ort ist ein magische Lichtblick in der sonst so tristen Plattenbausiedlung.

Björn Stephan – Nur vom Weltraum aus ist die Erde blau
Galiani Berlin, 2021
352 Seiten / 22,70 Euro

Claudia Zawadil
Folge mir

Schreib etwas dazu

Claudia Zawadil
DI (FH); beim City-Flyer seit März 2002, schreibt Buchrezensionen und Ankündigungen und fotografiert gelegentlich bei diversen Events. Ebenso ist sie Radiomoderatorin (BlackXplosion), Arthouse Cinema-Fan und Vinyl-Lover.

Eingereichte Postings Foren Björn Stephan – Nur vom Weltraum aus ist die Erde blau

  • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.