Christine Wunnicke – Nagasaki, ca. 1642

Christine Wunnicke - Nagasaki

 

 

 

 

 

 

 

Christine Wunnicke schickt ihre Protagonisten auf eine ganz besondere historische Reise und verzaubert dabei mit der von ihr gewohnten Sprachkunst.

Einst war Seki Keijiro ein großer Krieger, doch auch wenn dies in Friedenszeiten längst der Vergangenheit angehört, verfolgt ihn noch immer der Tod seines geliebten Freundes Yuudai, für den er sich die Schuld gibt. Als im Hafen von Nagasaki das Schiff „Middelburg“ der Ostindien-Kompanie erwartet wird, erwachen seine Lebensgeister und er lässt sich bei der Handelsniederlassung als Inspektor einstellen.

Dort begegnet er dem „Dolmetsch“ des Schiffs, Abel van Rheenen, einem jungen Niederländer mit blondem, langen Haar, welches sich „nicht anfühlt wie Menschenhaar“. Der „Orandese“ ist vom „Japonesen“ fasziniert, weicht ihm nicht mehr von der Seite und lernt schnell die Sprache (und spricht auch viel und gerne). Wenngleich es doch manchmal zu kleinen Übersetzungsfehlern kommt, die liebenswürdige Wortkreationen wie zum Beispiel „Benehmens-Bewunderungen“ hervorbringen.

Keijiro hingegen möchte alles wissen über ein holländisches Schiff, dass vor 42 Jahren in Nagasaki anlegte und Kanonen brachte: wem es gehörte und wo er und seine Familie leben. Denn eine dieser Kanonen beendete das Leben von Yuudai. Keijiro hat ihm damals geschworen, seinen Tod zu rächen. Der Geist des einstigen Gefährten ist seit dieser Zeit häufig in seiner Nähe.

„Keijiro fuhr hoch und in Yuudai hinein wie in eine Wolke. Er schrie auf.
Yuudai war in der Luft zerflossen, und seine Wasserfarben färbten den Raum.
Dann sammelte er sich und stand wie vorher, reglos, halb im Haus
und halb in der geschlossenen Tür.“

Es stellt sich heraus, dass Abel der Enkel des Schiffs- und Kanonenbesitzers und letzter männlicher Überlebender seiner Linie ist. Wird der ehemalige Samurai den jungen Mann, der ihn vergöttert und den auch er sehr gerne hat, tatsächlich ins Reich der Toten befördern?

Die Bücher von Christine Wunnicke sind feine Perlen. Man liest ihre Geschichten nicht einfach nur, man taucht ein in pastellfarbene, wildromantische Abenteuerwelten, die man nur ungern wieder verlässt. Und auch ein zarter Humor ist Teil von ihnen. Nach jedem Buch, dass man von ihr gelesen hat, wünscht man sich prompt das Nächste.

„Nagasaki, ca. 1642“ erschien bereits 2010 in der Schweizer „Edition Epoca“ und wurde nun sehr verdient vom Berliner Berenberg Verlag ins Programm übernommen. Von Christine Wunnicke dort veröffentlicht wurden außerdem „Der Fuchs und Dr. Shimamura“ (2015) und „Katie“ (2017), die für anspruchsvolle LeserInnen ebenso zur Pflichtlektüre gehören und die beide für den Deutschen Buchpreis nominiert waren.

Christine Wunnicke „Nagasaki, ca. 1642“
Berenberg, 2020 | Klappenbroschur
112 Seiten | € 14,40

 

Claudia Zawadil
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Claudia Zawadil
DI (FH); beim City-Flyer seit März 2002, schreibt Buchrezensionen und Ankündigungen und fotografiert gelegentlich bei diversen Events. Ebenso ist sie Radiomoderatorin (BlackXplosion), Bücherwurm und Vinyl-Lover.

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