Cihan Acar – Hawaii

 

 

 

 

 

 

 

 

“Hawaii” ist ein turbulenter Roman, welcher rasant von vier Tagen im Leben eines jungen Ex-Fußball-Profis erzählt, der in das Heilbronner Problemviertel zurückkehrt, in dem er aufgewachsen ist.

Nach einem Autounfall kann Kemal wegen seiner Verletzung nicht mehr Fußballspielen und kehrt heim nach Heilbronn. Er ist dort im Problemviertel „Hawaii“ aufgewachsen. Im Alter von 18 Jahren unterschrieb er einen Profivertrag bei einem türkischen Verein. Nun ist er 21, wieder daheim, orientierungslos was die Zukunft betrifft und sein Geld ist fast aufgebraucht. Der Verein möchte ihm die letzten drei Monatsgehälter nicht zahlen, da der Unfall selbstverschuldet war.

„Hawaii“ ist ein raues Pflaster, freiwillig wohnt niemand dort, nur eben jene, die es sich finanziell nicht leisten können, in besseren Bezirken zu leben. Die Aggressionen zwischen der rechtsextremen Bewegung “Heilbronn, wach auf“ und der Migrantengruppe „Kankas“ steigen von Tag zu Tag. Kemal versucht, sich raus zu halten, viel wichtiger ist ihm seine Ex-Freundin Sina, mit der er wieder zusammenkommen möchte. Ihre Eltern sind sehr wohlhabend, Sina hat auf ihrem Anwesen einen Bungalow mit Pool geschenkt bekommen.

Auf Wunsch seines Vaters geht Kemal zum Bewerbungsgespräch bei einem zwielichtigen Geschäftsmann. Was er dort eigentlich arbeiten soll, weiß er nicht. Später erzählt ihm ein Freund, dass man ohne dem nötigen „Kleingeld“ als Bestechung für den Chef dort gar nicht erst eingeladen wird.

Obwohl er und Sina kein Paar mehr sind, lädt ihn ihre Mutter zu einer Party ein. Es sind auch Freundinnen und Freunde von Sina anwesend. Anfangs läuft alles halbwegs gut, doch dann passen ihn zwei der Jungs ab und drohen ihm, dass er Sina in Ruhe lassen soll, da sie schon einen neuen Freund hat. Kemal verspürt daher nicht länger das Bedürfnis, bei der Party zu bleiben.

“Es war Zeit, wieder hinabzusteigen zum Rest der Stadt, zum Dampf und Rauch, zum Lärm und Geschrei. Dorthin, wo es nach Suppe roch und wo ich hingehörte, ob ich wollte oder nicht.”

Doch auch in seinem Viertel ist es nicht einfach für Kemal. Für die Deutschen in „Hawaii“ ist er „der Türk“, seine Freunde aber sagen, dass er nicht so richtig türkisch aussehe und es als Fußballer bei den Deutschen viel leichter habe, als sie selbst. Für Kemal gehört das Fußballspiel jedoch der Vergangenheit an, er möchte nicht mehr darauf reduziert werden, sondern nach vorne blicken.

Das bewegende und immer wieder auch humorvolle Debüt von Cihan Acar erzählt in rasanter Sprache aus dem Leben eines jungen Mannes, seinen Selbstzweifeln und Hoffnungen. Ein tolles Buch, welches man lesen sollte!

 

Cihan Acar – Hawaii
Hanser Berlin, 2020 | Hardcover
254 Seiten | € 22,70

 

Claudia Zawadil
Letzte Artikel von Claudia Zawadil (Alle anzeigen)

Schreibe etwas zu diesem Artikel

Claudia Zawadil
DI (FH); beim City-Flyer seit März 2002, schreibt Buchrezensionen und Ankündigungen und fotografiert gelegentlich bei diversen Events. Ebenso ist sie Radiomoderatorin (BlackXplosion), Bücherwurm und Vinyl-Lover.

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.