Copperwell rocken am „Pet Aid 5.0“

Copperwell sind v.l.n.r. Andreas Bandion, Stephan Slawik, Anja Benedetter und Michael Reibnagel Foto: Stefan Fröhlich, z.V.g.

Fünf Bands werden am „Pet Aid 5.0“ im Zeichen des Tierschutzes auf der Frei.raum-Bühne abhotten. Copperwell ist eine davon und will am 19.10. für die „Viechal“ die sprichwörtliche Sau raus lassen.
Wir stellen euch die St. Pöltner Band in einem Interview vor.

 
 
 
 
City-Flyer: Was hat euch dazu bewegt, im Jahr 2018 eine klassische Rockband zu gründen? Heute gründet man eine Death-Metal Band, eine Postrock Band oder man macht HipHop, aber eine Rockband?

Anja Benedetter: Ich glaube, dass man die Band gründen sollte, die einem Freude bereitet und nicht, was gerade angesagt ist. Darum geht es doch beim Musik machen, oder? Gerade auch, wenn man so viel Freizeit reinsteckt ist der große kommerzielle Erfolg erstmal nebensächlich! Außerdem glaube ich, dass Rock sowieso zeitlos ist.

Michael Reibnagel: Grundsätzlich wollten wir das machen, was wir gerne selbst hören. Dadurch, dass von uns keiner der größte Death Metal- oder Hip Hop-Fan ist, wäre es ja eher kontraproduktiv gewesen eine solche Band zu gründen.

Andreas Bandion: Aus meiner Sicht hat eines zum anderen geführt … Es begann ja schon vor der Bandgründung 2018 mit dem gemeinsamen Spiel und zu diesem Zeitpunkt war das mit der Band noch gar nicht wirklich spruchreif.

CF: Ihr bezeichnet euren Musikstil als progressiven Stoner Rock. Ich habe Anfang September im Frei.raum die Bands Klanthu und The End Of Radio gehört. Die sagen von sich, sie spielen Progressive Rock bzw. Stoner Rock. Ich habe mir die vorhandenen Videos von euch angeschaut und finde, ihr klingt total anders als die beiden genannten Bands. Könnt ihr den Lesern eure musikalischen Einflüsse nennen?

Anja: Wir tun uns selbst noch immer sehr schwer eine passende „Musikrichtungs-Schublade“ zu finden, wo wir uns einordnen könnten, deshalb diese Umschreibung. Die musikalischen Einflüsse sind breit gestreut und reichen vom urigen Stonerrock bis hin zu dynamischem Punkrock/Ska, wer unsere Konzerte besucht, wird das schnell merken.

Stephan: Allgemein versuchen wir nicht aktiv, wie eine gewisse Band XY zu klingen – wenn uns spontan etwas gefällt oder wir eine konkrete Idee haben, versuchen wir das auch umzusetzen – das macht unsere Musik abwechslungsreich.

Andi: Das mit dem Musikstil ist so eine Sache. Kurz gesagt: Hätten wir uns nicht an einem bestimmten Zeitpunkt der frühen Bandgeschichte mit diesen Genres bezeichnet würde es CW wahrscheinlich nicht geben. Ich gebe dir in diesem Punkt recht! Die Herren der Bande haben im Vorhinein ja schon gemeinsam musiziert. Während dieser Zeit entstand schon etliches an Musikstücken für CW. Vielleicht kommt das Progressive noch irgendwann hinzu.

Michael: Wir haben wohl einfach alle Musikrichtungen, die wir mögen, in einen Topf geworfen und wer genau hinhört, findet in unserer Musik von allem ein bisschen was.

CF: Auf einem Live-Mitschnitt von 2018 hört ihr euch an wie eine klassische Indie Band. „Dead Inside“, ein Song von Muse, den ihr beim Auftritt im April dieses Jahres im Frei.raum gecovert habt, verstärkt diesen Eindruck. Der Gesang von Anja bringt dann noch dieses Quäntchen Pathos rein … ist es heute strategisch unklug, sich als Indie-Band zu positionieren?

Anja: Jedes Mal, wenn wir unsere Hörer befragen, in welches Genre sie uns denn einordnen würden, kommen viele verschiedene Antworten – Indie war noch nicht dabei. Außerdem liegt es  an der Auffassung und Interpretation des Publikums, das Gehörte in ein Genre zu ordnen.

Andi: Mir ist bei der Bandgründung schon einiges durch den Kopf gegangen … „Strategisch“ und „Unklug“ waren da nicht dabei …

Michael: Als Indie-Band habe ich uns noch nie gesehen. Ich denke man könnte uns eher noch im Alternative Rock-Bereich finden.

CF: Ihr hattet am „Melting Pot“ euren ersten Auftritt. Wie seid ihr vom Publikum aufgenommen worden?

Anja: Das war zugleich auch unser bisher größter Gig. Wenn man bedenkt, dass uns nie jemand zuvor wirklich zu Ohren bekam und es kaum Audiomaterial gab, gleicht es an ein Wunder, dass wir damals überhaupt rein gevotet wurden. Umso größer war die Angst, dass uns das Publikum nicht gut aufnehmen würde. Die Angst war jedoch völlig unbegründet.

Stephan: Im Laufe der Show (ver)mehrten (Gelächter) sich die Zuschauer und die Stimmung riss nicht ab. Das war wichtig für uns und auch aufgrund der parallelen Konzerte, die stattgefunden haben und dass wir unseren Slot erst um 00:30 Uhr hatten, waren wir sogar überrascht von der verhältnismäßig großen Anzahl an Zuhörern.

Andi: Ich denke das wir gut angekommen sind. Wir hatten keine Unfälle oder Parkschäden (lacht). Das deckt sich auch mit dem Feedback, das wir bekommen haben. Besonders gefreut hat es mich, das sogar die Mitarbeiter des Facility Management unseren Klängen gelauscht haben.

CF: Anja, hast du zuvor schon in einer (Rock)Band gesungen?

Anja: Ja, ich war zuvor auch schon in einer Band und hab einige Jahre ein „Bandleben“ kennengelernt, jedoch nie in dem Ausmaß, wie ich es gerne gehabt hätte. Eine Veränderung war genau das Richtige für mich.

CF: Nimmst du Gesangsunterricht?

Anja: Nein, hab ich auch noch nie. Seit Jahren arbeite ich an meinem Gesang. Da ich sehr selbstkritisch bin, bin ich jedoch fortlaufend am Feilen. Das ist wie mit Gitarristen – die finden auch nie ihren perfekten Sound 😉

CF: Andreas, Michael und Stephan: stimmt es, dass ihr schon viel länger zusammenspielt als es Copperwell gibt?

Stephan: Ja, wir haben zuvor schon in einigen Formationen gespielt.

Michael: Es gab einige Projekte, der Großteil davon war jedoch eher nur ein lustiger Zeitvertreib für uns. Die „Uridee“ zur Band kam vor einigen Jahren schon in der „Underground“-Bar im Zuge einer Jamsession und eine ernsthafte Band wurde erst daraus, als wir Anja „gefunden“ haben.

CF: Ist jemand von euch drei schon fremd gegangen und hat in einer anderen Formation gespielt?

Michael: Während der gemeinsamen Zeit mit Copperwell bin ich bis jetzt der Band immer treu geblieben!

Stephan: Ich hab öfter mal geguckt, aber angefasst hab ich nie! (lacht)

CF: Beobachtet ihr, was sich in der St. Pöltner Rockszene tut? Ist eurem Empfinden nach das Rockleben in stp im Moment spannend?

Anja: Ja klar beobachten wir, was sich da so tut! Wir sind selbst ständig auf Live-Konzerten zu finden und sehen uns mit großer Freude unsere „Kollegen“ an! Es ist immer schön zu sehen, wenn sich Menschen zusammen tun und gemeinsam einfach großartige Musik erschaffen. Es ist auch immer wieder spannend und interessant sich mit den anderen lokalen Bands auszutauschen.

Michael: Unserer Meinung nach mangelt es leider etwas an Reizen, welche „Newcomer“ motivieren könnten, sich musikalisch zu entfalten, besonders in Sachen Probemöglichkeiten. Wir sind dennoch gespannt, was die St. Pöltner Musikszene noch zu offenbaren hat!

Stephan: Man kennt sich untereinander gut und wir sind auch gerne bei den Shows der anderen Bands dabei. Ich glaube St. Pölten ist keine klassische „Rock-Stadt“, sondern musikalisch sehr vielseitig.

CF: Ihr hattet Mitte September einen Live-Auftritt in Wien. Unterscheidet sich das Wiener Publikum vom St. Pöltner?

Anja: Wir haben zuvor auch schon mal in Wien gespielt. Das Publikum unterscheidet sich nicht allzu sehr vom unsrigen. Die Stimmung ist in der „Homebase“ natürlich deutlich dynamischer. Nichtsdestotrotz spielen wir auch unheimlich gerne auswärts, vor allem wegen der wirklich „echten“ und ehrlichen Reaktionen, die größtenteils sehr positiv ausfallen.

CF: Ihr seid demnächst im Frei.raum beim PET AID 5.0 live zu hören. Sind die Veranstalterinnen an euch herangetreten, oder habt ihr Interesse bekundet mitzumachen? Setzt ihr euch für Tiere ein und seid ihr Vegetarier/Veganer?

Anja: Die Veranstalterin ist nach unserem Gig im Frei.raum auf mich zugekommen und hat mir gesagt, dass wir gerne am nächsten Pet Aid spielen könnten und da war sofort klar, dass wir da natürlich dabei sind!

Andi: Wir wollten schon lange am Pet Aid spielen… Nur gab es damals noch kein CW. Der Freiraum ist eine tolle Location und ich esse keine Tiere. Somit stimmig für mich.

Michael: Wir sind generell alle sehr tierliebend und wollen mit unserem Gig einen Beitrag zum Tierwohl leisten!

CF: Wie wichtig sind euch Live-Konzerte, wie wichtig der Kontakt zum Publikum?

Anja: Live-Konzerte sind für uns essentiell! Wir lieben es die Musik mit dem Publikum zu teilen und gemeinsam eine schöne Zeit zu haben!

Stephan: Ich liebe es, live zu spielen und bin jedes Mal wieder gespannt über die Reaktionen und das Feedback der Zuschauer.

Michael: Ja, live spielen ist schon geil!

CF: Wie verläuft die Studioarbeit? Ihr habt ja vor, eine EP zu veröffentlichen. Wo steht ihr da? Wann können wir mit dem Erscheinen rechnen?

Stephan: Was Studioarbeit betrifft, stehen wir noch ziemlich am Anfang. Wir haben genügend Material und wissen schon welche Songs wir aufnehmen möchten.

Anja: Wir sind momentan noch am Termine-Koordinieren. Wir möchten qualitativ gute Tracks aufnehmen und das bedarf einiger Vorbereitung. Sobald ein Release-Datum feststeht, werden wir es euch sofort wissen lassen!

Michael: Nachdem wir keinerlei Studioerfahrung haben, ist das für uns eine große Sache und wir wollen uns optimal vorbereiten.

Andi: Der Wille und Wunsch sind da. Zur Zeit sammeln wir eher Live-Erfahrung.

CF: Die meisten eurer Songs sind ja Eigenkompositionen. Legt ihr mehr Wert auf die Texte oder die Musik?

Anja: Beim Komponieren konzentriert sich jeder vorerst auf seinen eigenen Part. Der Text kommt meist erst während des Entstehens dazu, weil ich möchte, dass der Inhalt von der Stimmung her auch zur Musik passt, um so eine Stimmigkeit und Atmosphäre zu schaffen. Somit ist Text und Musik für uns gleichermaßen wertvoll.

Andi:  Hmmm, … auf beides denk ich. Wenn ein Song steht, heißt das noch lange nicht das er so bleibt. Oft versuche ich noch nach Monaten an kleinen Stellen zu feilen.

Stephan: Wir haben bis auf zwei Covers auch noch um die zehn eigene Songs. Für mich ist die Musik und Melodie eher primär. Den Text versteh ich, wegen dem Lärm, eh die meiste Zeit nicht! (lacht)

Michael: Ich glaube bei einem guten Lied sollten der Text und die Melodie auf jeden Fall stimmig sein.

CF: Von wem stammen die Texte?

Anja: Die stammen eigentlich alle ausschließlich von mir.

CF: Sind sie politisch oder eher introspektiv?

Anja: Eindeutig introspektiv. Ich mag es, vage Texte zu formulieren, in denen sich jeder individuell wiederfinden und Erlebtes auf seine Weise rein interpretieren kann.  Eine Motivation zum Nachdenken und  „Nachfühlen“ soll gegeben werden – ich glaube, dass man vielerlei Dinge durch Musik und Texte verarbeiten kann.

CF: Habt ihr Pläne über die EP hinausgehend?

Anja: An oberster Stelle stehen bei uns weiterhin die Live-Gigs. Da wollen wir definitiv mehr machen, weil es einfach der Teil am Musiker-Dasein ist, der uns am meisten Freude bereitet. Material hätten wir bereits genug, um ein Album zu produzieren, aber dafür fehlt uns leider noch das nötige Kleingeld ;P

Michael: Ja, wir wollen so viel wie möglich live spielen!

Stephan: Einmal auf einem großen Festival spielen oder auf Tour gehen, wäre ein Traum …

Andi: Wir müssen erst ins Studio finden – scheiß Beschilderung ;P – aber wenn unser Songwriting so weitergeht, kann es mehr als eine EP werden.

CF: Habt ihr – von der Jobperspektive aus betrachtet – die Möglichkeit, eine mehrwöchige Tour zu machen?

Anja: Ich glaube, da müssten wir erst mal alle ausführlich mit unseren Vorgesetzten plaudern  …

Stephan: Ich schätze das sollte kein Problem sein, wenn man genügend voraus plant. Außerdem sind gute Mitarbeiter schwer zu finden! 😉

Michael: Wenn sich uns diese Chance bieten würde, gäbe es sicher Möglichkeiten dies umzusetzen.

Andi: Möglich wär’s …

CF: Wo wünscht ihr euch Copperwell in einem Jahr? Auftritt im Chelsea? In der fm4 Hitparade?

Stephan: Es wäre toll, wenn wir unsere eigenen Songs auf Spotify und Co. finden könnten.

Michael: Ein Gig in der Arena oder ähnliches wäre schon cool.

Anja: Es wäre schön, wenn in einem Jahr das erste Album in Angriff genommen werden könnte. Aber vor allem sollte es uns weiterhin so viel Genuss bringen miteinander zu musizieren, da wir uns privat alle sehr gut verstehen, viel gemeinsam unternehmen und schon wie eine Familie zusammen gewachsen sind.

CF: Sunn o))) , Silverchair oder Smashing Pumpkins?

Michael: In diesem Fall Smashing Pumpkins!

CF: Habt ihr bessere Bandvorschläge mit „s“ beginnend, als meine drei?

Michael: Soen, Soundgarden, Slash
Stephan: Shinedown, Scars on Broadway, Sum 41
Anja: Sevendust, Stone Sour, Skunk Anansie
Andi: Slayer

Bandmitglieder:
Anja Benedetter (Gesang)
Michael Reibnagel (Bass)
Stephan Slawik (Schlagzeug)
Andreas Bandion (Gitarre)

Sa., 19.10.2019 18:30 Uhr
Pet Aid 5.0 mit Nattastoy, The Kevin Family, Brutecast, Copperwell, Boundary

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