Delal Firat: Leiwand auf der Leinwand

Jungschauspielerin Delal Firat Foto: privat, z.V.g.
Jungschauspielerin Delal Firat Foto: privat, z.V.g.

Delal Firat erhielt ohne Schauspielausbildung eine Rolle im Film „Fuchs im Bau“, der beim Filmfestival Max Ophüls Preis 2021 mehrmals ausgezeichnet wurde. Was ihr eine Erwähnung auf Wikipedia brachte und Türen öffnete. Der Film von Arman T. Riahi erzählt die Geschichte von Elisabeth Berger, die mit alternativen Unterrichtsmethoden jugendliche Strafttäter in einer Wiener Ge­fängnisschule erfolgreich bei der Stan­ge hält. „Fuchs im Bau“ startet am 18. Juni 2021 in den österreichischen Kinos und wird auch in St. Pölten gezeigt.

Interview: Werner Harauer
Foto: privat

 

City-Flyer: Wie alt bist du?

Delal Firat: Ich bin 18 Jahre alt.

CF: Hast du eine Schauspiel-Ausbildung?

Delal Firat: Ich habe zwar keine Schauspielausbildung, aber bin ich froh, dass ich diesen Weg gehe und die Möglichkeit habe meine Künste zu zeigen.

CF: Erfüllt es dich mit Stolz, wenn du bereits eine namentliche Erwähnung auf Wikipedia hast? Erfüllt es dich mit Stolz, wenn der Film, in dem du mitwirkst, einige Auszeichnungen beim Filmfestival Max Ophüls Preis 2021 erhielt.

Delal Firat: Ich bin wirklich stolz darauf, dass der Film in dem ich mitspiele einige Auszeichnungen beim Filmfestival Max Ophüls Preis 2021 erhalten hat.

CF: Du spielst die Dragana im Film „Fuchs im Bau“. Wie würdest du Dragana charakterlich beschreiben?

Delal Firat: Sie ist sehr frech, stur und geht mit dem Kopf durch die Wand. Der einzige Mann, von dem sich Dragana was sagen lässt, ist ihr kleiner Bruder. Unter ihrer harten Schale versteckt sich eigentlich ein verletztes Mädchen, welches sich von ihren Eltern im Stich gelassen fühlt.

CF: Schule ist seit Corona medial ein großes Thema. Im Film werden in einer Wiener Gefängnisschule alternative Unterrichtsmethoden erfolgreich angewendet und der sonst übliche Unterricht scharf kritisiert. Ist diese Kritik berechtigt?

Delal Firat: Ja, sie ist absolut berechtigt. Hier wird nicht nur der Frontalunterricht kritisiert, sondern es geht um das ganze Bildungssystem. Es geht darum, dass unser Schulsystem veraltet ist, nicht auf das Individuum eingeht. Musische Fächer, Ethik, Haushaltsunterricht, Kochen, Handwerken, Sport, … das kommt alles zu kurz.

CF: Weißt du schon wann der Kinostart für „Fuchs im Bau“ ist? Ist auch eine Vorstellung in St. Pölten geplant?

Delal Firat: Unser Kinostart ist am 18. Juni 2021 und natürlich wird der Film auch in St.Pölten laufen.

CF: Wie bist du zu der Rolle gekommen?

Delal Firat: Durch meinen Theaterregisseur Cagri Dogan wurde ich auf das Casting aufmerksam gemacht. Er hat mich bestärkt hinzugehen und ich habe mein Glück probiert und habe dann die Rolle der Dragana ergattern können.

CF: Du bist auch Mitglied der Kulturfabrik, dem Verein für Jugendkultur in St. Pölten. Warst du von Anfang an dabei?

Delal Firat: Nein ich bin erst später dazugestoßen.

CF: Die Kulturfabrik setzt sich mit gesellschaftlich und soziopolitisch relevanten Themen aus der Sicht der Jugendlichen auseinander. Ihr macht das vor allem mittels Theater und Workshops. Kannst du mir ein soziopolitisches Thema nennen, welches ihr in einem eurer Theaterstücke behandelt habt? Und wie weit sind Teenager in der Lage, ein soziopolitisches Thema vollumfänglich zu erfassen?

Delal Firat: In unseren Theaterstücken, die wir aufführen geht es um die Themen, die wir im Alltag erleben z.B. Diskriminierung, Rassismus, Generationskonflikte einfach unsere Geschichten. Deswegen sind die Themen nicht fremd, die meisten von uns haben Erfahrungen gemacht.

CF: Du hast am Drehbuch des Filmes „Mein Leben und ich“ (Premiere war am 3.10.2018) mitgearbeitet und warst Darstellerin. Worauf muss man als Drehbuchautorin achten?

Delal Firat: Ich fokussiere mich mehr auf das Schauspiel. Bei dem Doku-Fiktionsfilm „Mein Leben und ich“ hatten wir kein übliches Drehbuch, wir haben unsere Geschichten zuerst selbst niedergeschrieben und haben uns dann alle zusammengesetzt und es zusammengeschrieben. Wir haben alles selbst strukturiert, es war viel Arbeit dahinter und ich weiß, dass das Drehbuch schreiben sehr kompliziert ist.

CF: Im Film geht es um Jugendliche mit Migrationshintergrund aus St. Pölten, die ihre Identität mit dem gesellschaftlich erwünschten Verhalten in Einklang bringen müssen. Viele autochthone Jugendliche haben – denke ich – nicht minder Anpassungsprobleme mit der Gesellschaft. Womit haben Jugendliche mit Migrationshintergrund in eurem Film am meisten zu kämpfen?

Delal Firat: In unserem Film haben die Jugendlichen mit Genertionskonflikten zu kämpfen. Ein Beispiel: In unserer Kultur ist es so, dass die Älteren viel strenger denken. Ich persönlich sehe das alles viel lockerer und das wollt ich im Film zeigen.

CF: Im Theaterstück „daZwischen“ (Premiere war am 15.6.2017) wird der familiäre Hintergrund von Jugendlichen mit Migrationshintergrund thematisiert. Welche Strategien wenden diese Jugendlichen an, um mit den Spannungen zwischen den traditionellen Ansichten der Eltern und dem von der österreichischen Gesellschaft vorgelebten Ansichten zurecht zu kommen?

Delal Firat: In unserem Theaterstück „daZwischen“ geht es um den Kampf, den man leisten muss, welcher nicht leicht zu führen ist. Man muss kämpfen, um etwas weiterzubringen, denn vieles passt nicht in das Bild der Elterngeneration. Man muss Beispiele geben können, wie andere moderne Familien leben und mit seinen Eltern darüber diskutieren können.

CF: Ist es für dich als Schauspielerin von Vorteil, wenn du eigene Erfahrungen zum Thema in die Rolle mitbringst?

Delal Firat: Natürlich ist es als Schauspielerin vom Vorteil für das Spiel eigene Erfahrungen und Erlebtes einbauen zu können, aber dies ist nie 1:1 gleich, aber dadurch wirkt das ganze Stück viel authentischer.

CF: Ihr teilt euch die Bühne im ehemaligen Forumkino mit Theater Perpetuum. Gab es schon einmal ein gemeinsames, ein interkulturelles Theaterstück mit Perpetuum? Ist eine Kooperation angedacht?

Delal Firat: Im Moment ist keine Kooperation geplant, aber es könnte sich noch was ändern.

CF: Der Plan der Kulturfabrik ist, einmal jährlich ein Theaterstück auf die Bühne zu bringen. Das war das letzte Jahr nicht möglich. Habt ihr schon Ideen für ein neues Stück? Wann wird es voraussichtlich aufgeführt?

Delal Firat: Kulturfabrik arbeitet bereits an einem neuen Theaterstück welches im Dezember 2021 aufgeführt werden soll.

CF: Wie schaut es mit deinen Plänen aus? Hast du bereits eine neue Rolle in Aussicht?

Delal Firat: Momentan laufen bei mir Gespräche über eine neue Rolle in einem Film. Dazu möchte ich aber noch nichts bekannt geben.

CF: Ich bedanke mich für das Interview und halte dir die Daumen für die neue Filmrolle.

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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