Die Odyssee

Die Odyssee

Mit Die Odyssee hat der britische Regisseur Christopher Nolan vermutlich nicht nur seinen besten Film gedreht, sondern auch Filmgeschichte geschrieben. In einer zunehmend digitalisierten und seriellen Kinowelt setzt er auf 70-mm-IMAX-Film und erzielt damit eine deutliche Steigerung der Bildqualität. Das Format besitzt enorme Schärfe und vermittelt ein stark erweitertes Sichtfeld, wodurch das Publikum unmittelbar in das Geschehen auf der Leinwand eintaucht. Dafür ließ Nolan sogar eigene Kameras bauen. Kurios am Rande: Dieses analoge Originalformat kann kaum ein Kino abspielen – in Wien zeigt es einzig das Gartenbaukino.

Doch jenseits dieser technischen Rahmenbedingungen gelingt es Nolan, eine der ältesten Geschichten überhaupt zeitgemäß zu interpretieren: Wie findet ein Mensch nach einer existenziellen Erschütterung wieder zu sich selbst? Diese Frage stellt sich Odysseus, kongenial verkörpert von Matt Damon. Der Film beginnt in Ithaka, zehn Jahre nach dem Ende des Trojanischen Krieges: Königin Penelope (Anne Hathaway) und ihr Sohn Telemachos (Tom Holland) leiden unter der Abwesenheit des Königs, denn Odysseus ist nach dem Sieg über Troja nie zurückgekehrt. Die filmische Adaption orientiert sich eng an Homers Epos. Die Stationen sind bekannt: die Begegnung mit dem Zyklopen, die Sirenen, die Prophezeiung des Teiresias im Hades, Skylla und Charybdis, die Zauberin Kirke, die Rinder des Helios und schließlich die Nymphe Calypso. Ausweglosigkeit, Gewalt und der Verlust der gesamten Mannschaft werden bildgewaltig in Szene gesetzt – großteils an Originalschauplätzen und weitgehend ohne digitale Technik.

Odysseus, hier als leidender Vorläufer der Moderne gezeichnet, befindet sich in einem ewigen Kampf gegen Schicksal und Götter. Im Laufe der knapp drei Stunden hinterfragt er zunehmend den Sinn des Krieges – das Klagegeschrei der zurückgelassenen Toten ist unüberhörbar. Wie man mit der auf sich geladenen Schuld umzugehen hat, bleibt jedem selbst überlassen. Am Ende fahren Odysseus und Penelope nach Westen, um der Toten zu gedenken – vielleicht wird mit dieser humanistischen Geste Sühne geleistet und die Welt findet zurück in eine friedliche Balance.

Regie: Christopher Nolan
Darstellerinnen und Darsteller: Matt Damon, Anne Hathaway, Tom Holland, Zendaya, Robert Pattinson, Charlize Theron u. a.
Großbritannien/USA, 2026

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Juergen
Seit früher Jugend an Pop- und Soulmusik interessiert. Begeisterter Plattensammler.

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