Eine Zeitreise mit Lieutenant Makepeace

Lieutenant Makepeace in seiner Arbeitskleidung. Seine DJ-Sets besuchen viele Gäste im Styling vergangener Jahrzehnte. Foto: privat
Lieutenant Makepeace in seiner Arbeitskleidung. Seine DJ-Sets besuchen viele Gäste im Styling vergangener Jahrzehnte. Foto: privat

Heute buchst du als Veranstalter nicht einfach einen DJ, sondern einen Spezialisten einer Musiksparte oder eines Musikjahrzehnts. Der St. Pöltner DJ Lieutenant Makepeace ist die erste Adresse für gut abgehangene Songs, wie er am 12. November bei seinem New Wave- und Synth Pop-Set der frühen 80e Jahre im „Barrock“ wieder eindrucksvoll unter Beweis stellte. Ein Interview mit dem routinierten DJ.

Text: Werner Harauer
Foto: privat

City-Flyer: Wohnst du in St. Pölten?

Lieutenant Makepeace: Ja!

CF: Dein DJ-Name Lieutenant Makepeace ist irgendwie doppeldeutig. Zwischen militärisch und hippiesk. Was assoziierst du damit?

Lieutenant Makepeace: Doppeldeutigkeit 😉 Der Name setzt sich aus den Namen einer britischen Band der 70er zusammen die in unterschiedlichen Formationen entweder Lieutenant Pigeon oder Stavely Makepeace hießen und sehr schräge Musik machten. Meine Start- („Greasy Haired Woman“) und Endnummer („The Blue Danube“) stammen von ihnen.

CF: Du hast dich beim Auflegen auf die 50er, 60er und 80er spezialisiert, also auf jene Zeit, als Songs noch Songs und keine Tracks waren. Das heißt, ein Mixing kommt nicht in Betracht. Nahtlose Übergängen von einem Track auf den anderen auch nicht. Worauf musst du beim Plattenauflegen achten?

Lieutenant Makepeace: Dass aufeinanderfolgende Nummern zusammenpassen und ich den richtigen Zeitpunkt für den Übergang erwische.

CF: Du legst hauptsächlich in St. Pölten auf?

Lieutenant Makepeace: Ja, bis jetzt hauptsächlich St. Pölten und Umgebung.

CF: Interessieren sich für deine Veranstaltungen hauptsächlich jene Leute, die deine Platten schon in ihrer Jugend gehört haben? Oder gibt es eine junge Szene, die sich für die alten Songs begeistern?

Lieutenant Makepeace: Bei der Musik aus den 50er und 60er Jahren sind es fast zwangsweise „Jüngere“ 😊 und es gibt da auch eine Szene für z.B. Northern Soul.
Bei den 80ern ist es gemischt, der Hauptanteil sind da aber bis jetzt doch die „Älteren“ die mit den Songs aufgewachsen sind.

CF: Man soll die Schulterpolster gerade richten, empfiehlst du bei der Teilnahme an deinen Veranstaltungen. Wie sind deine Gäste gestylt? Passen sie sich an das jeweilige Motto an?

Lieutenant Makepeace: Für die 80er Jahre Partys gibt es tatsächlich viele, die gerne die alten Sachen aus dem Kleiderschrank holen oder sich von den Eltern etwas ausborgen. Schwieriger ist es da natürlich bei den 50er und 60er Jahren, aber in der Szene ist man meistens schon gestylt.

CF: Eine zeitlang zogen die „Bad Taste 80er Partys“, auf denen man zu schlechten Songs schlecht gekleidet tanzte. Waren die 80er wirklich so schlimm?

Lieutenant Makepeace: Modisch ja 😊, musikalisch kann man aber in fast jedem Jahrzehnt eine „Bad Taste Party“ veranstalten, da sind die 80er auch nicht viel schlimmer als andere.

CF: Hast du einen Song in Erinnerung bei dem du dir dachtest: ok, ich hab den jetzt aufgelegt, aber das war das letzte Mal. Der ist einfach zu kommerziell.

Lieutenant Makepeace: Eigentlich nicht, da ich nur Singles auflege, die ich mir kaufen muss, wähle ich sehr sorgfältig aus. Natürlich funktionieren einige Songs besser als andere, aber das ist auch vom Publikum abhängig.

CF: Du machst dich hinter dem DJ-Pult sehr rar. Hast du die Angst, dass sich die Veranstaltung schnell totläuft, wenn sie zu oft stattfindet? Oder hast du einfach keine Lust öfter aufzulegen?

Lieutenant Makepeace: Angst habe ich keine, da ich ja nicht immer die selben Nummern spiele, aber es ist wahrscheinlich eine Mischung aus beiden. Es soll für die Leute und mich spannend bleiben, Spaß machen und nicht zur Routine werden.

CF: In der Zeit, die du musikalisch abdeckst, gab es noch Jugendgruppen, die ihre spezielle Musik hörten. Hast du auch das Viertelstündchen für Mod-Musik, für Northern Soul, für die Goth-Szene, …?

Lieutenant Makepeace: Unbedingt! Ich möchte den Abend ja nicht immer nur das Gleiche spielen.

CF: Hast du in deiner Jugend einer Jugendgruppe angehört?

Lieutenant Makepeace: Nein, ich wollte mich auch damals schon keinen Ideologien unterwerfen. Aber musikalisch war ich Rockabilly und Mod.

CF: In den 80ern gab es schon Hip Hop, House, Techno, Acid, … das wird bei dir nicht zum Einsatz kommen, vermute ich.

Lieutenant Makepeace: Mir haben es die frühen 80er angetan, daher spiele ich hauptsächlich New Wave und Synth Pop, aber es kommt natürlich auch auf das Publikum und die Stimmung an, in welche Richtung sich der Abend entwickelt.

CF: Ich nehme weiters an, du hast die Musik-Genres nicht deshalb gewählt, weil du eine Marktlücke vermutest, sondern weil du die Musik aus jener Zeit magst. Was fasziniert dich an den vergangenen Jahrzehnten, außer die Musik?

Lieutenant Makepeace: An den 50er und 60er Jahren finde ich faszinierend, wie die damalige Jugend gegen das Alteingesessene rebelliert hat, und sich eine eigene Jugendkultur mit eigener Mode, Idole, Autos und natürlich Musik und Tanz entwickelt hat.
Die 80er Jahre waren meine Kindheit und Jugend und das war natürlich cool. 😊 Bin aber auch Fan der Filme der 80er wie „Krieg der Sterne“, „Indiana Jones“, „Ghostbusters“, „Blues Brothers“, „Zurück in die Zukunft“ oder Serien wie „Knight Rider“, „MacGyver,“ „Magnum“ oder „Miami Vice“.

CF: Beschäftigst du dich auch mit aktueller Musik?

Lieutenant Makepeace: Einiges an der aktuellen Musik gefällt mir sehr gut, anderes wieder weniger. Im Radio vermisse ich aktuell aber musikalisch und auch klanglich etwas Neues.

CF: Legst du auch im Team auf?

Lieutenant Makepeace: Ja, z.B. Northern Soul mit Dr. Caruso.

CF: Was kommt bei dir hauptsächlich zum Einsatz? Vinyl, CD oder mp3?

Makepeace: Nur Vinyl, und da hauptsächlich Singles.

CF: Weißt du schon, wann dein nächster Auftritt sein wird?

Lieutenant Makepeace: Nein, aber im April 2022 sollte im BarRock die nächste 80er Jahre Party steigen.

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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