Mit seinem Soloprojekt beginnt Elias Werner ein neues Kapitel und verbindet dabei Erfahrungen aus Kabarett, Bandarbeit und einer von Pausen geprägten musikalischen Laufbahn. In seinem Schaffensprozess setzt er auf persönliche, reflektierte Songs mit klarer Position. Die Single „Konjunktiv“ vereint Mundart, Gefühl und feinen Humor.
Fragen: Anna Maria Backnecht
Foto: Theresa Pewal, z.V.g.
City-Flyer: Du bist ja ursprünglich nicht aus St. Pölten. Was hat dich in die niederösterreichische Landeshauptstadt verschlagen?
Ich war bis 15 im Gym in der Josefstraße, bin viel im In- und Ausland gereist, hab in Wien gelebt, aber hier in St. Pölten sind die meisten meiner Jugendfreunde sesshaft geworden. Herzuziehen war eine „der Liebe wegen“-Geschichte. Auch wenn’s nicht gehalten hat, war hier herzuziehen ein bisl wie Ankommen.
CF: Wie bist du zur Musik gekommen?
Elias Werner: Ich war mit vier Jahren in so einer musikalischen Früherziehungsgruppe und hab mit sechs Jahren begonnen, Klavier zu lernen. Ich spiele also mindestens 25 Jahre. (lacht)
CF: Welche Instrumente beherrschst du?
Elias Werner: Gelernt hab ich Klavier und Saxophon. Gitarre hab ich mir als Kind selbst beigebracht. Aber es gibt Tage, da würd ich ehrlich gern sagen, es wäre besser, ich spiele keines! Denn es fühlt sich manchmal eher an, als wär das Herrschaftsverhältnis umgekehrt. Ich spiel trotzdem – oft zum Leidwesen meines Tonaufnahme-Menschen.
CF: Du warst Mitglied in mehreren Formationen, auch beim PBH Club. Wie hieß deine erste Band und hättest du auch gern in einer St. Pöltner Band gespielt?
Elias Werner: Die erste Band war eine Hip-Hop-Band namens „Dave Hazel & MC Schützemann“. Da gibt’s sogar noch irgendwo ziemlich krude Demotapes.
Und ja, wenn es eine St. Pöltner Band gibt, in der ich wirklich gerne gewesen wär, dann bei der Grunge-Formation „Frisbee Flakes”. Die waren wirklich, wirklich gut für die späten 90er.
CF: Du bist ja neben den ehemaligen Bandprojekten auch im Kabarett beheimatet und startest jetzt dein Solo-Musikprojekt. In welcher der drei Professionen fühlst du dich am wohlsten?
Elias Werner: Ich glaube, es gibt wenig emotional Größeres, als Teil einer Band zu sein, wo die Chemie stimmt und die ganze Magie von Musik die Zwischenräume einnimmt. Kabarett und Comedy sind eine großartige Kunstform und ich hab jede Sekunde davon genossen – man ist aber gescheit exponiert so ganz ohne Instrument, durch das man seine Gedanken und Gefühle filtern kann. Solo-Musik machen liegt da bissl in der Mitte – ich nehme meine Songs aber nicht gänzlich alleine auf, insofern ist das auch wieder relativ.
CF: Was war ausschlaggebend für dein Solo-Musikprojekt und wovon handelt deine erste Single?
Elias: Ich hab mit Ausnahmen die letzten 15 Jahre aus gesundheitlichen Gründen keine Musik gemacht. Eine Nummer entstand vor zehn Jahren, die Anfang Mai als Debüt-Single namens „Konjunktiv” erscheinen wird. Den Song habe ich damals schon mal mit der Band Wiener Blond live gespielt.
Es geht darum, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn sie ein Kaffeehaus wäre.
„Snippets“ davon werde ich alsbald auf Instagram und Co. online stellen. Da bin ich doch auch Knecht der Zeit und geniere mich gscheit dafür, was heut alles scheinbar notwendig ist, um das eigene Schaffen zu repräsentieren.
CF: In welche Genreschublade würdest du deine Musik packen?
Elias: Ich würd es tunlichst vermeiden, das zu tun. Angefangen hat das Projekt als “akustischer” Folk/Rock. Mir ist aber viel wichtiger, die ideale Stimmung zu finden, um das, was ich rüberbringen möchte, zu transportieren. Und bissl mitsingen soll man natürlich auch wollen.
Die Texte in Mundart sind teilweise welche, die zum Nachdenken anregen und teilweise einfach brutal ehrlich. Das Resultat sind Lieder, die weh tun, aber nicht verletzen.
CF: Wieso schreibst du deine Texte auf Deutsch?
Elias: Das ist ein ewiger innerer Konflikt von vielen Songschreibern, dem ich mich auch nie entziehen kann. Ich möchte diesmal einfach so nah wie es geht bei mir bleiben, und Österreichisch ist eben meine Muttersprache. Ich mag auch die Herausforderung, aus einer eher harten Sprache, smoothe Melodik zu schmieden.
CF: Was sind deine Inspirationsquellen beim Schreiben deiner Songs?
Elias: Vieles kommt direkt aus dem Bauch, manches aus dem Kopf – aber alles kommt von Herzen. Was mich persönlich und gesellschaftlich beschäftigt, inspiriert fast automatisch zu musikalischer Verarbeitung. Auch wenn’s, wie bei einigen aktuellen Songs, über zehn Jahre dauert.
CF: Welche Bands prägen deine Musik?
Elias: Ich bin mit Bluegrass, Uriah Heep und den Beatles aufgewachsen. Ich hab Jazz gelernt und Ace of Base und Punkrock gehört. Was ich aktuell mache, spürt sich eher in der Nähe von Tom Waits und Georg Danzer an. Aber das eigene Fundament bleibt natürlich nie stumm.
CF: Wie läuft bei dir der Entstehungsprozess ab?
Elias: Wenn das Gefühl zuerst da ist, dann ist auch zuerst der Sound da. Manchmal holt auch ein Riff oder eine Akkordfolge beim Rumnudeln auf der Gitarre ein Gefühl ab, das von seinem Glück noch nix weiß. Wenn es zuerst Gedanken sind, sind es zuerst Worte, die dann Text werden wollen – da bin ich oft besonders kritisch und das ist teilweise ein mühsamer Prozess. Das brennt dann die ganze Zeit und kommt doch nur tröpfchenweise aus mir raus, bissl wie eine Harnwegsentzündung.
Am schönsten ist es, wenn Textfetzen und Melodie simultan entstehen – das ist so ein „yeah“-Gefühl und die Songs sind vom ersten Akkord weg fast fertig.
CF: Was willst du mit deinen Liedern vermitteln?
Elias: Es wär schön, wenn es eine musikalische Umarmung wird, für alle, die eine wollen oder brauchen. Und ein bissl eine Message, die sagt: Geht’s euch a bissl am Oasch, sonst is fad, aber habt’s euch alle bald wieder lieb, sonst is fatal. Lern’ ma dazu, und lern ma aus der Vergangenheit – der eigenen und der dunklen. Geb ma ned auf, auch wenn nicht alles wieder gut wird.
CF: Wo wirst du deine Songs aufnehmen?
Elias: Ich hab ein kleines Studio daheim und bin in der glücklichen Lage, ein wirklich großartiges Umfeld zu haben, wo das eine oder andere auch im professionellen Studio aufgenommen werden kann. Ich bemüh mich aber sehr, nix künstlich aufzublasen.
CF: Wie sieht deine musikalische Zukunft aus?
Elias: So schnell wie möglich rauf auf die Bühne, wo die Musik hingehört! Der erste Gig ist jedenfalls noch für heuer geplant. Ein physisches Album sollte es spätestens Anfang nächsten Jahres geben – und dann wär Weltfrieden noch geil.
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