MUSIK.STP Festival feiert erfolgreich Debüt

Publikum am MUSIK,STP Festival

Kaiserwetter! Besser hätte es für das erste MUSIK.STP Festival am Ratzersdorfer See nicht laufen können. Dort feierten am Freitag, den 23. Juli an die 700 BesucherInnen die Auferstehung der jungen St. Pöltner Musikszene aus der erzwungenen Bühnenabstinenz.
Auf Facebook und in den lokalen Medien wurde das Festival bereits gebührend gefeiert. Eine – für das just-in-time Zeitalter – unfassbar lange Woche später setze ich mich vor den Laptop und hacke meine Eindrücke in die Tastatur. Das hat den Vorteil, die Sichtweisen der Musiker und der Veranstalter über die Veranstaltung inzwischen zu kennen. Und den Zwängen eines Redakteurs einer (sagen wir mal) saturierten Lokalzeitung, die liefern muss, setze ich mich gar nicht erst aus. Da kommt in der Regel nix gescheites dabei heraus. Ich schreibe einfach aus der Fan-Perspektive …

Festivals haben einen schwerwiegenden Nachteil: sie dauern (mir) zu lange! Wenn ich vorhabe, mir ein Dutzend Bands am Stück anzuhören, weiß ich am Ende des Festivals meist nicht mehr um die Qualitäten der ersten Band. Daher ist der Mut zur Lücke ein unbedingtes Muss.
Ich entscheide mich daher, die ersten beiden Bands, also Safaro und The Attic, zu schwänzen in der Hoffnung, dafür bis zum Ende aufmerksam durchzuhalten.

Salami-Sux sucken überhaupt nicht!

Salami-Sux erweisen sich als idealer Einstig. Bei strahlendem Sonnenschein ziehen die ersten Neugierigen nach vorne, es herrscht aber noch keine Spur von einem Gedränge vor der Bühne. Action dafür auf der Bühne. Mots T. Sux (bass) und Thoms’n’Roll (Drums) halten die Spur, während Salamirecorder stakkatoartig Satzfetzen ins Mikro brüllt und seine Gitarre stottern lässt. Dabei vergisst das Trio nicht auf die fotogenen Posen. Dass vom Gebrüll des Sängers aufgrund eines technischen Missverständnisses kaum etwas zu hören ist, mindert die Kraft ihres ruppigen Garagenpunks kaum. Da kommt Festival-Feeling auf!

Nattastoy und die Launen der Liebe

Die Sonne scheint noch immer, die Badbesucher links und rechts des abgesperrten Festivalgeländes gehen jenen Tätigkeiten nach, die Badbesucher so tätigen. Die Gitarre von Harry Stöckl jault auf und die störenden Geräusche von nebenan sind weggeblasen. Eine andere Mundart-Rockband als Nattastoy kenne ich nicht aus der Umgebung, bessere Musiker als Harry Stöckl (Stimme, Gitarre), Gerald Schaffhauser (Bass, Stimme), Benjamin Zissler (Drums) werden auch schwer zu finden sein. Wenn aber um diese Uhrzeit Jungs ihren Beziehungsfrust ins Mikro jammern, verschanze ich mich hinter meinem Bier in die letzte Reihe.

Gravögl sind dunkelgrau

Von dort aus beobachte ich auch die Gravögl. Wobei mit Thomas Gravogl (Gesang/Gitarre), Gerald Schaffhauser (Bass/Gesang) und Johannes Forstreiter (drums) nur drei der vier originalen Gravögl angetreten sind. Die zweite Gitarre übernahm Harry Stöckl.
Die Gravögl erinnern an Nino aus Wien und der ist – wie wir alle wissen – supa. Ob ich den Nino aber in diesem speziellen Rahmen zu schätzen wüsste, wage ich zu bezweifeln. Ich habe ihn vor Jahren am Parque del Sol unter ähnlichen Umständen gehört und war wenig begeistert. So wie bei Nino braucht es auch bei den Gravögl die Nacht, damit das Dunkelgrau besser zur Geltung kommt.

Die vielen Facetten des Rock

Bei Patrick Rauch wage ich mich wieder aus der Deckung. Er und seine zwei Mitmusiker liefern in den etwas mehr als 30 Spielminuten, die jeder Band zur Verfügung stehen, ein Musikpotpourri aus Ohrenschmeichlern und harten Nummern, die keine Langweile aufkommen lässt. Auch die Stimme von Patrick trägt dazu bei, den gelungenen Auftritt im Kopf zu behalten. Hab ich Gerald Schaffhauser am Bass und Johannes Forstreiter am Schlagzeug heute nicht schon mehrmals auf der Bühne gesehen?

Ortswechsel / Szenenwechsel / Stilwechsel

Vor dem angekündigten HipHop-Block verabschiede ich mich kurz vom Geschehen, um meinen leiblichen Bedürfnissen nachzukommen.
Rechtzeitig zum Auftritt von Flo Knixx, Z-KO und DJ Kex bin ich wieder einsatzbereit … und überrascht vom großen Zuspruch, den die drei Hip Hop Artists vom Publikum erhalten. Live-Veranstaltungen den HipHop betreffend beschränkten sich in St. Pölten bislang auf kleine Venues, die von eingeschworenen HipHop-Fans besucht wurden. Diesmal ist es etwas anderes. Diesmal wirken die Beats von DJ Kex und die Rhymes von Flo Knixx und Z-KO wie Magneten, die die unterschiedlichsten Leute vor die Bühne ziehen, welche die Arme und Köpfe im Takt wiegen und sich auf einen Dialog mit den Artists einlassen.

Turntablism

DJ Kex überlässt e.kwality die Turntables und dieser legt fetteste Beats von Stars aus der goldenen Ära des Hip Hop auf. Ich kenne fast jede angespielte Scheibe, die e.kwality kunstvoll zu einem rhythmischen Mix verschränkt. Die Leute danken es ihm durch heftiges Gewackle. Ein hervorragendes DJ-Set, dem ich noch eine Stunde hätte lauschen können.

HeldInnen des Abends

Während des Sets von e.kwality richten sich schon die Begleit-MusikerInnen der kommenden Acts ein. Gitarrist Roman Koberwein, Sarah Brait am Bass, Christoph Richter an den Keyboards und Johannes Forstreiter am Schlagzeug werden die kommenden Acts als stp-allstar-Band begleiten. Ich habe mir sagen lassen, dass die KünstlerInnen, die in dieser Formation noch nie zusammen gespielt haben, die Songs vor dem Auftritt drei Tage lang im Freiraum probten.
Als Erster tritt CHiLL-iLL mit der Combo auf und ich habe den Eindruck, die Instrumentalbegleitung zu seinen Raps wäre immer schon Teil seiner Songs gewesen. Ich habe schon einige Auftritte von CHiLL-iLL erlebt, aber jener hier am MUSIK.STP Festival gefällt mir mit Abstand am besten. Als Bestätigung, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine dastehe, drängen die Leute vor die Bühne und feiern den Auftritt von CHiLL-iLL.

Wie viel ist echt?

Der junge Herzogenburger und Starmania-Veteran Marcel Kaiser tritt im slim fit Outfit ins Rampenlicht. Ebenfalls von der Liveband begleitet bestreitet er laut Medienberichten seinen ersten Auftritt vor „echtem“ Publikum. Mehr als über seine Bühnenperformance kann ich nicht berichten und die ist professionell. Die Starmania-Choreografen verstehen ihr Handwerk und Marcel Kaiser war ein gelehriger Schüler. Wie viele seiner vorgetragenen Songs Eigenkompositionen sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Dass seine Stimme bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlässt und dass das Jungvolk nach jedem Song begeistert klatscht bleibt als Erinnerung eines kurzen Auftritts von Marcel Kaiser.

Die Stimme, die hält was sie verspricht

Ebenfalls zum ersten Mal präsentiert Sinikka Monte ihre Songs mit Live-Band. Die Proben im Freiraum haben sich gelohnt, Sinikka und Band sind aufeinander eingespielt und ihre Stimme hält, was die Studioaufnahmen versprechen. Das Publikum bedankt sich für die Professionalität professionell mit Jubel und ganz viel Applaus.

Trotz der super Stimmung habe ich mich wieder in Richtung Ausgang bewegt. Denn merke: ein weiterer Trick für ein gelungenes Festival besteht im eleganten Abgang. Verlasse den Ort spät genug, um nichts Wesentliches zu versäumen, aber noch rechtzeitig, bevor es alle anderen tun. Deine Nerven werden es dir danken das unweigerliche Verkehrschaos vermieden zu haben.

Galerie mit 106 Pics (c) Claudia Zawadil Du musst eingeloggt sein, um die Bilder sehen zu können!

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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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      Werner
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