Father Mother Sister Brother

Father Mother Sister Brother

Jarmusch nennt es einen „Anti-Actionfilm“ — und das trifft es gut: Drei Episoden, drei Familienkonstellationen, kaum Handlung, und doch einer seiner besten Filme.
Überdrehte Auseinandersetzungen, schockierende Enthüllungen, kathartische Tränenmomente: Das ist Jarmuschs Sache nicht. In Father Mother Sister Brother, ausgezeichnet mit dem Goldenen Löwen in Venedig, seziert der 73-jährige Indie-Ikone familiäre Entfremdung auf seine ureigene Art — durch Blicke, Gesten, Pausen und trockenen Witz, denn was gesagt wird, ist oft weniger aufschlussreich als das, was ungesagt bleibt. Ein herrlich brummig-schelmischer Tom Waits als entfremdeter Vater, dem ein Geschwisterpaar nach zwei Jahren einen Besuch abstattet, macht die erste Episode zur lustigsten des Films; in Dublin offenbart ein penibel angerichteter Kaffeetisch mehr über die Nicht-Beziehung zwischen Töchter und Mutter — Cate Blanchett, Vicky Krieps, Charlotte Rampling — als alle Dialoge zusammen; und in Paris räumt ein Zwillingspaar (Indya Moore, Luka Sabbat) die Wohnung der bei einem Flugzeugabsturz verstorbenen Eltern aus — ruhiger, wehmütiger, und doch der hoffnungsvollste Teil, weil diese Geschwister sich wirklich nah sind.
Alle drei Episoden sind durch wiederkehrende Motive verbunden — Wasser, eine Rolex, gewisse Phrasen und immer wieder Skater im Hintergrund —, und Dialogfragmente finden an anderer Stelle ein leicht verschobenes Echo, woraus ein Humor entsteht, der nichts mit Klamauk zu tun hat. Jarmusch geht es nicht um Dramaturgie, sondern um Stimmung: Die Kamera verharrt in statischen Einstellungen, Musik setzt Akzente, ohne zu kommentieren, und was bleibt, ist eine seltsam hypnotische Ruhe — ein Film, der im Stillen wirkt, ohne je auf den großen Knall zu setzen — wer sich einlässt, wird belohnt.
Spieltermine im Cinema Paradiso St. Pölten

Father Mother Sister Brother
Jim Jarmusch · USA / Irland / Frankreich · 2025

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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