Female Fronted Freiraum: auf die Bühne, Frauen!

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Stina Stani und Althea Müller organisieren den "Female Fronted Freiraum". Foto: privat, z.V..g.

Am Freitag, den 8. März ist Internationaler Weltfrauentag. Wie würde ein Konzert ablaufen, das von Frauen organisiert und ausschließlich von Bands mit Frontfrauen beschickt wird? Mit einer Tombola, deren Erlös an das „Haus der Frau“ geht? Das Gedankenspiel von Stina Stani und Althea Müller gebar den „Female Fronted Freiraum“, der am 16. März stattfinden wird.

Interview: Werner Harauer
Fotos: privat, z.V.g.

City-Flyer: Stina, Althea, wollt ihr euch unseren Lesern kurz vorstellen?

Stina Stani: Geschäftsführerin der VSB United Gmbh und mother of the viennastagebastards, verheiratet, 1 Sohn Tim, 16 Jahre alt; Musik ist mein Ausgleich zum Arbeitswahnsinn, den ich sehr liebe, der mich aber auch täglich neu fordert. Als Dienstleister bei Veranstaltungen wird uns nie fad. Mit meiner Band dann Abends gemeinsam zu proben und „die Sau raus lassen“ ist Balsam für die Seele. Live auf der Bühne zu performen und zu fühlen, wie das Publikum mitgerissen wird ist unbezahlbar und mit eines der leiwandsten Sachen auf der Welt!

Althea Müller: Wahl-St. Pöltnerin mit Wiener Wurzeln, seit 13 Jahren primär selbständig als Texterin, Promoterin und Redakteurin unterwegs. Und abseits davon auch gerne immer wieder in subkulturellen Projekten unterwegs. Meine musikalische Ader äußert sich rein in der Liebe zu gitarrenlastigen Sounds. Als ich letztens trotzdem mal – und eh nur im Keller! – inbrünstig einen emotionalen Song von Jimmy Eat World geschmettert habe, hat mich meine Tochter sehr ernst darum gebeten, bitte und sofort damit aufzuhören. 😉

CF: Am Freitag, den 8. März ist Internationaler Weltfrauentag. Acht Tage später, am 16. März, veranstaltet ihr einen Konzertabend mit frauengeführten Rockbands aus NÖ und Wien im Freiraum. Warum gerade Stina Stani und Althea Müller? Seid ihr besonders engagiert was Frauenrechte anbelangt?

Stina: Mein Opa war Schuldirektor. Meine Oma hat immer brav zu ihm gestanden und ihm nie widersprochen – zumindest in der Außenwahrnehmung. Aber wenn die beiden alleine waren und der Opa was „angestellt“ hatte, was der Oma so gar nicht getaugt hat, dann hat sie ihm sehr wohl die Meinung gesagt und war erst zufrieden, wenn er es dann wieder in Ordnung gebracht hat. Das hat mich sehr geprägt, denn von außen hätte man meinen können, dass meine Oma klein und schwach war. Aber hinter der Fassade hatte sie die Hosen an. Leider klappt das so nicht in allen Beziehungen und Familien. Wir brauchen daher mehr Support untereinander, ein offenes Aug und Ohr und wir dürfen nicht wegschauen. Nicht jede*r braucht Hilfe auf die gleiche Art – aber nachfragen, zuhören und da sein … das müsst eigentlich immer drin sein!

Althea: Heute finde ich, dass du das Selbstbewusstsein einer Frau u.a. stark dran festmachen kannst, wie sie andere Frauen behandelt. Ich hatte früher selbst große Probleme mit anderen Frauen – heute dagegen (dank meiner positiven Entwicklung ;-)) würde ich zugrunde gehen ohne die bedeutende, bunte und starke Frauen-Community, die ich zum Glück mittlerweile habe und nicht mehr missen möchte. Wenn ich sage, wir Frauen sollten mehr zusammenhalten und uns nicht gegenseitig anbitchen, heißt das aber übrigens nicht, dass wir nicht auch mit Männern zusammenhalten sollten, oder, wenn ich noch weitergehe: dass wir nicht, verdammt, eigentlich ALLE zusammenhalten sollten, m/w/d quasi. Bitte. Aber gerade Frauen sind tatsächlich nach wie vor in vielen Bereichen benachteiligt, es ist einfach so, das sind Fakten, kann frau und auch man nachlesen 😉 Darum ist es natürlich selbst 2024 noch ein Highlight, wenn wir females uns mal einfach so zusammentun und gemeinsam an einem Strang ziehen. Das macht wirklich Freude.

CF: Ist das eure erste Veranstaltung, die ihr gemeinsam organisiert?

Stina: Ja – tatsächlich. Aber hätten wir gewusst, wie harmonisch wir beide miteinander funktionieren, dann hätten wir sicher schon viel früher damit angefangen!

Althea: Wir kennen uns seit 10 Jahren und arbeiten seit letztem Jahr in diversen Projekten miteinander. Das Konzert mit Stina ist aber in zweifacher Hinsicht eine Premiere für mich: Erstens mit ihr gemeinsam, zweitens überhaupt. Denn ein Konzert in dem Format hab ich noch nie organisiert. Wobei ich jahrelang im damals noch im 20. Bezirk beheimateten Planet Music Events organisiert habe. Aber das war eben natürlich unterm Dach vom Planet. Jetzt, dies hier, so wirklich ohne Dach und als Person: Das ist wirklich neu. Selbst mit den 32 Jahren, die ich mittlerweile zähle, ist das also recht einzigartig für mich, und ja, das Alter war jetzt natürlich (voll!) gelogen! 😀

CF: Die Kombination Veranstalterin und Medienfachfrau scheint mir ideal. Wie gestaltet man „theoretisch“ eine gelungene Veranstaltung? Praktisch kommt’s dann eh immer anders als geplant.

Stina: Zuerst braucht man mal den richtigen Inhalt – in unserem Fall die perfekte Bandkombination für eine leiwande Show! Und danach sorgen wir für einen reibungslosen Ablauf – hier hilft die Erfahrung aus 9 Jahren VSB natürlich enorm.

Althea: Wie gesagt, habe ich viele Event-Sporen im Planet verdient, das mir übrigens bis heute HEILIG ist! Im letzten Jahrzehnt habe ich kleinere Events immer wieder mal mitorganisiert bzw. promoted. Da kommt natürlich eine gewisse Erfahrung zusammen. Im Endeffekt, gemeinsam mit Stina, kann es sowieso nur leiwand werden.

CF: Ihr tretet unter dem Kürzel „SALT“ vor die Öffentlichkeit. Das englische Wort „salt“ steht im Deutschen für „Salz“. Wollt ihr Salz in die offene Wunde der Demokratie streuen, in der alle die gleichen Rechte haben … bis auf die Frauen und noch etliche andere Gruppen, Geschlechter, … was weiß ich … Was bedeutet das Kürzel?

Stina: STina und ALthea – ST + AL = SALT; aber ja – Salz ist lebenswichtig, doch ich streue dies ungern in Wunden. Ich sehe es eher als die Extrazutat, die es braucht, damit ein Gericht perfektioniert wird. Und manchmal muss man halt öfter nachwürzen 😉

Althea: Werner, Werner – so ein philosophischer Ansatz, großartig! Klau ich mir gleich mal, als Texterin kenn i da ja nix 😉 Aber: No, nichts von alledem. Stina hat es perfekt in Worte gefasst. Genau so isses. Es war auch ihre Idee, und ich war so begeistert, dass ich fast geweint habe. Wobei: Ich weine ja sehr schnell, ich bin so emotional. Scheisse.

CF: Die Veranstaltung heißt „Female Fronted Freiraum“. Der Titel spricht für sich. Bands mit Frontfrau bzw. eine Solokünstlerin bestreiten den Abend. In eurer Presseaussendung heißt es, „alle auftretenden Bands sind weiblich geleaded.“ Bedeutet das, dass die Musikerinnen/Sängerinnen gleichzeitig Bandleader sind? Also die Richtung der Band vorgeben?

Stina: Für mich bedeutet in einer Band sein, gemeinsam etwas zu erschaffen und andere daran teilhaben zu lassen. Wir bei havenal schreiben die Songs gemeinsam. Wir überlegen uns auch Inhalte und Dynamiken – wo soll die Reise hingehen? Was wollen wir damit transportieren? Schon die großen Stars haben gezeigt, dass eine diktatorisch geführte Band ohne Mitspracherechte immer mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Das einzige, was ich mir heraus nehme sind die Texte – die schreibe ich selbst, da ich ja auch den Inhalt und die Emotion mit meiner Stimme transportieren darf.

CF: Welche Bands/Künstlerinnen werden am 16. März auftreten? Warum habt ihr eben jene Bands ausgewählt, abgesehen vom Umstand, dass sie frauengeführt sind?

Stina: Ich habe Anjoana K. und Damage Reconstruct bei einem Bandwettbewerb entdeckt und war beeindruckt von den jungen Ladies mit ihren Jungs. Anjoana K. hatten bei ihrem ersten Auftritt gerade mal 2 Monate zusammen gespielt und waren bereits sehr harmonisch miteinander. Damage Reconstruct haben mit Fanni am Mikro eine Powerfrau, die von ihrem Jungs perfekt durch die Songs mitgetragen wird. Und naja – havenal ist meine eigene Band und ich finde, wir passen auch ganz gut ins Konzept.

Althea: Bei havenal ist es so, und ja, ich sag das jetzt öffentlich: Ich LIEBE Stinas Stimme. Die ist einfach Wahnsinn! Freue mich so, dass sie und ihre großartigen Jungs jetzt erstmals in St. Pölten auftreten. Auf die Empfehlung vom wie immer sehr engagierten Martin Rotheneder vom Freiraum habe ich für unser Konzert außerdem die St. Pöltner:innen von Rusty Railgun kontaktiert. Ich kannte zwar die wunderbare Mutter der jungen Sängerin, aber nicht die Sängerin selbst. Die Connection zur Band war dann schnell hergestellt – und, tja und ja: die Band rockt. Wir waren megaglücklich, dass sie als Local Headliner an Bord gekommen sind. Ganz besonders am Herzen liegt mir außerdem unser Special Opener, die Singer-Songwriterin Gianna Rose. Sie habe ich letztes Jahr im Rahmen eines Konzerts im St. Pöltner Löwinnenhofs in der Linzerstraße kennengelernt. Sie hat irre kritische Texte, dazu die feine Stimme und die meditative Gitarre … An dem Abend habe ich selbst eine ganz schreckliche Geschichte vorgelesen, über einen Junkie, der unbeachtet mitten am Wiener Gürtel verendet (und jooo, die Story war eventuell außerdem a bissi lang(atmig) ;-)). Gianna wiederum hat mich total beeindruckt in ihrer gesamten Art und mit ihrer Musik. Sie spricht die Dinge aus und ist sehr mutig. Darum habe ich angefragt, ob sie den ansonsten doch eher rock- und metallastigen Abend eröffnen würde. Mein Highlight war, als sie uns dann zugesagt hat. Eine Hammerfrau.

CF: Habt ihr nachgezählt, wie viele Frauen auf der Bühne stehen werden? Und wie viele Männer? Den Bandfotos nach zu urteilen sind die Männer in der Überzahl.

Althea: Naa, ich zähl gar nix nach. Ich muss laufend mit meiner achtjährigen Tochter die Rechen-Hausübung machen oder sie zumindest kontrollieren (die HÜ, nicht mein Kind) – und das reicht mir persönlich völlig an Zählerei. Lossts mi im Kraut!

Stina: Ja – es ist eine Tatsache, dass in der Musikindustrie, die Männer in der Überzahl sind, vor, hinter und auch auf der Bühne. Ich bin jedoch sehr begeistert, dass es mehrere Initiativen gibt, die die Sichtbarkeit der Frauen in der Branche stärken. Unter anderem bin ich Teil des Netzwerks Sisters of Music – dieses Netzwerk organisiert sogar ein rein Frauen geführtes Festival in der Arena Wien. Abseits von den weiblich besetzten Acts, wird die gesamte Crew vor, hinter und auf der Bühne weiblich besetzt.

CF:  Wie wurde eure Idee vom Freiraum-Team aufgenommen? Sieht Freiraum-Programmleiter Martin Rotheneder Potential in der Veranstaltung?

Althea: Wie schon oben erwähnt, hat uns Martin von der ersten Sekunde an unterstützt. Er fand die Idee toll. Genauso wie der Sebastian „Bastl“ Haas, der im Freiraum am Technikregler sitzt, oder der „Wolf“ – Wolfgang Matzl, seines Zeichens Freiraum-Chef und vor vielen, vielen Jahren auch mein eigener Auftraggeber. Auf dieses Team kann frau sich einfach verlassen. Sie sind professionell, pro-aktiv und immer mit Support zur Stelle. Das Potential sieht speziell Martin auf jeden Fall – jedoch wollen wir alle jetzt mal schauen, wie unser 2024er FEMALE FRONTED läuft. Und dann sehen wir weiter.

CF: Braucht es eigene Veranstaltungen, um mehr Frauen auf die Bühne zu bringen?

Stina: ich sag ja!

Althea: Schließe mich an.

CF: Die Frauenpower fehlt auch hinter der Bühne. Meines Wissens ist im Freiraum-Team keine Frau aktiv. Und da wird der Freiraum keine Ausnahme sein. Technikerinnen, Lightjockeys, Bühnenarbeiterinnen sind noch immer eine rare Species im Veranstaltungssektor. Wie könnte man auf diesen Missstand aufmerksam machen?

Althea: Ich weiß, dass im Freiraum über sehr lange Zeit und immer wieder Frauen sehr wohl mitgearbeitet haben oder mitarbeiten. Ich weiß das auch deshalb so genau, weil ich selbst fünf Jahre am Stück für den Freiraum St. Pölten tätig war 😉

Stina: In der VSB sind wir sehr bemüht, auch mehr Frauen für die Branche zu begeistern. Und wir sind sehr froh, dass wir ein paar sehr tolle Frauen in unserem Team dabei haben. Bei den Sisters of Music gibt es eben auch die Möglichkeit zB Technikerinnen zu begleiten um einen Weg in die Branche zu finden. Als VSB wollen wir zukünftig noch mehr Möglichkeiten für einen niedrigschwelligen Zugang in die Branche bieten – hier sind wir auch in Kommunikation mit dem AMS.

CF: Die Bandauswahl für „Female Frontend Freiraum“ fiel sehr metal-lastig aus. Weil ihr beide aus dem Metal-Umfeld kommt? Oder weil die Metalszene besonders maskulin aufgestellt ist und ihr einen Kontrapunkt schaffen wollt?

Stina: Rock und Metal ist sicher noch im Schwerpunkt maskulin besetzt, aber es gibt schon sehr viele female fronted Bands. Wir haben uns diesmal für die female fronted Rock- und Metal Night entschieden, weil wir einfach die tollen Bands präsentieren wollen.

CF: Im Alternative-Bereich fallen mir einige Musikerinnen und Girlie-Bands ein, die Geschichte geschrieben haben. Im Metal tu ich mir schwer. Woran kann das liegen, außer dass ich mich im Metal nicht so gut auskenne wie in der Alternativen Musikszene?

Stina: Es gibt großartige Bands im Metalbereich mit Musikerinnen oder Sängerinnen. Nita Strauss von Alice Cooper zB ist unglaublich an der Gitarre, Lizzy Halestorm und Alissa White-Gluz sind als Sängerinnen top Vorbilder. Es sind halt nicht unbedingt die Bands, die es im Radio spielt wie zB Metallica. Und wenn man den Namen auf einem Plakat liest, dann ist das Geschlecht auch nicht erkennbar. Damit man die Ladies dann auch sieht und hört, muss man wahrscheinlich auch Teil der Szene sein. Wir Frauen müssen uns auch hier mehr ins Zeug legen, mehr bieten und uns immer noch ein bissl mehr anstrengen als die Männer.

CF: Wie passt die Singer/Songwriterin Gianna Rose in euer Konzept?

Althea: Ich habe bereits erzählt, wie wichtig mir die Teilnahme von Gianna war. An dieser Stelle möchte ich nochmals betonen, wie persönlich und liebevoll unsere Auswahlkriterien bzw. unsere Wünsche bezüglich Line-up waren. Es funktioniert in diesem Setting daher von M bis M: also – von Mundart bis Metal.

CF: In der DJ-Szene sähe ich auch ein großes Betätigungsfeld für euch. Meiner Erfahrung nach schaut es hier punkto Teilhabe am krassesten aus, obwohl sich die Szene so offen gibt. Es könnte aber auch daran liegen, dass die Deejanes technisch nicht mithalten können mit den großen Turntable-Maestros. Einige Deejanes verdienen dennoch gutes Geld hinter den Wheels mit ihren „speziellen“ Qualitäten. Wie wichtig ist eurer Meinung nach die Technik (des Gitarre-Spielens, des scratchens, …), um als Frau in den Szenen ernst genommen zu werden?

Stina: Also ich möchte mal gleich sagen, dass mangelndes technisches Know-How garantiert nicht der Grund ist, warum es weniger Deejanes gibt! Denn ich kenn viele Frauen, die im Technikbereich viele Männer in die Tasche stecken. Warum es weniger Deejanes gibt kann ich jetzt leider auch nur raten 😀

Althea: Lieber Werner, be aware. Auf meiner Löffelliste steht nach wie vor dieser Punkt 😉 Vor etwa dreitausend Jahren habe ich einmal im damaligen Wiener Megiddo aufgelegt – und es hat so begonnen, dass ich mit meinen zu der Zeit etwa 43 Kilogramm es grad noch geschafft hab, meinen irre schweren und extra neu angeschafften CD (!!!!)-Koffer in die Gothic Location zu schleppen. Danach ist so ziemlich alles schiefgegangen: von hängenden CDs bis hin zu persönlichen Befindlichkeiten. Wann war das? So um 2004? Seitdem schwöre ich mir, dass ich einmal ein Festl als DIE DJane ausgestalten werde. Und das wird ziemlich sicher passieren. Und genauso ziemlich sicher weine ich dann bei jedem (vollkommen hochemotionalen) Song, und alle Leute gehen heim. Ahhh, das wird super! Ich werd mal den Weasel vom Warehouse fragen, wieviel Schmerz er verträgt 😉 Ahjo, Stina – wärst du bei sowas dabei?

CF: Einige der auftretenden Bands sind schon mehr als fünf Jahre „im Geschäft“. Ist nach fünf Jahren das Potential ausgeschöpft? Die gläserne Decke erreicht? Wo landet man im besten Fall in Österreich?

Stina: Es ist immer noch äußerst schwierig in Österreich musikalisch erfolgreich zu sein, geschweige denn davon leben zu können. Wir haben immer noch eine sehr niedrige Rate bei nationaler Musik im Radio und TV – und wenn, werden sowieso die üblichen Verdächtigen gespielt. Corona hat der nationalen Musikszene wieder einen Aufschwung gegeben – vor allem im Underground-Bereich. Aber unabhängig von Geschlecht, Alter und Musikstil – „entdeckt“ zu werden und auf die großen Bühnen geholt zu werden … das ist immer noch wirklich schwer!

CF: Stina, du spielst selbst in der Band havenal. Du kannst uns sicher aus erster Hand sagen, ob es einen Unterschied macht, wenn sich die Frontfrau einer Metalband beim Veranstalter meldet und einen Gig mit ihrer Band vorschlägt.

Stina: Lustigerweise mach ich in der Band nicht das Booking, das macht mein Bandkollege Georg. Er erstellt auch unsere TechRider und alle Grafiken. Darüber bin ich sehr froh, denn mir fehlt da oft aufgrund meines Jobs die Zeit dafür. Wir teilen uns die Aufgaben alle so gut es geht auf. Ich persönlich habe aber das Gefühl, dass es gerade in der Metalszene nicht darum geht, ob Mann, Frau, alt oder jung – machst Du leiwande Musik dann wirst Du gebucht. Oder wenn Du genug Tickets verkaufst – denn das ist immer noch ein gängiges Underground-Prozedere um live spielen zu können 😀

CF: Zurück zur Veranstaltung „Female Frontend Freiraum“: gehe ich auf die Veranstaltung, weil ich mich solidarisch mit den Musikerinnen bzw. generell mit den Frauen zeigen will? Oder weil ich guten Metal hören will, unabhängig davon, ob in der Band Frauen mitwirken?

Stina: Na hoffentlich wegen beidem! Und für alle Nicht-Rocker unter den Interessierten – probiert es aus! Die Bands werden euch überraschen mit ihrer Vielseitigkeit!

Althea: Werner, sag bitte nicht Metal-Veranstaltung. Es rockt, es metallt, es grooved. Wir sind hier an Frauenfront, nicht an Genrefront. Als „alte Metallerin“ (wobei ich ja echt (fast!) alles höre, quer durch) kann ich allerdings bestätigen, dass Metal eine teils überraschend sensitive Kraft hat, die dich mitreißt. Du kommst doch? Und verpass ja nicht unseren Opener: Gianna ist definitiv not-metal. Und voller Kraft. Werner, wehe, du kommst nicht 😉

CF: Ich frage deswegen, weil ich fürchte, dass die Solidarität nicht über die Szenegrenze hinausreichen wird. Soll heißen: (Musik)Geschmack schlägt Frauensolidarität. Ein/e Drum’n’Bass Anhänger/in wird – sosehr er/sie auch für die Rechte der Frauen eintritt – auf kein Metal-Konzert gehen. Und umgekehrt wird kein Metafan den nächsten Topsy Turvy Auftritt besuchen. Ist die Bindung an das Musikgenre, oder generell der kulturelle Habitus dann doch stärker als eine kulturübergreifende Solidarität mit den Frauen?

Stina: Ich selbst höre nicht nur Rock und Metal. Und ich kenne viele Menschen, die sowohl auf ein Drum’n’Bass Event als auch auf Metal-Konzerte gehen. Denn Musik ist dennoch eine universelle Sprache und kann uns verbinden. Und unser LineUp bietet keine stereotypischen Schubladenbands – hier findet sich für viele Musik, die gefällt. Und ich lade gern nochmal ein: kommt, schaut vorbei und hört und fühlt rein. Es ist auf jeden Fall immer spannend etwas Neues auszuprobieren – und durch die Tombola das Frauenhaus zu supporten! Somit, Spaß haben, etwas Neues versuchen und vl Gefallen daran finden und Gutes tun und vl einen der tollen Preise abstauben! Was will man mehr!

Althea: Wir haben die Entstehungsstory dieser Veranstaltung bereits gut aufgeschlüsselt. Support the scene, support the female fronted scene. Wir rocken das. Unsere großartigen Künstler:innen rocken das! Wir sehen uns.

CF: Am „Female Frontend Freiraum“ wird es auch eine Tombola geben, deren Erlös an das Frauenhaus St. Pölten geht. Die Frauen, die das Angebot im Frauenhaus beanspruchen müssen, sind in ihren Handlungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt. Wäre es denkbar, ein Angebot für die kulturelle Teilhabe ebenjener Frauen zu schaffen, einfach nur, um ihnen einen schönen Tag/Abend zu bereiten? Weil es ja eigentlich die Aufgabe von Stadt/Land/Staat (dem/der Steuerzahler*in) ist, die Frauenhäuser finanziell so auszustatten, dass sie ihren Pflichten nachkommen können – und nicht die Aufgabe von privaten Initiativen.

Althea: Bei der Tombola ist es so, dass wir als Veranstalterinnen uns dachten: was würde uns sonst noch Spaß machen? Und bitte, (na ok: fast) nichts macht mehr Spaß als eine Tombola. Allein das Haptische, mit dem Los, der Zahl und dann die Ausrufung am Ende des Konzerts unter allen Anwesenden. Herrlich! Meine erste Tombola habe ich mit etwa sechs Jahren erlebt, und den damals gewonnenen Steinhasen müsst ihr mir dereinst aus den totenstarren Fingern reissen. Eine Tombola macht einfach Spaß.
Der gesamte Los-Erlös wird am Montag nach dem Konzert – oder wann es fürs Haus der Frau passt – direkt und unkompliziert ans Haus der Frau übergeben. Ich stehe dieser St. Pöltner Organisation schon sehr lange positiv gegenüber. Vor ich-weiß-nicht-wievielen-Jahren habe ich dort eine Foto-Reportage für ein Magazin gemacht, in den Jahren darauf habe ich mehrmals Spenden vorbeigebracht.
Es ist unpackbar, was die Frauen und vor allem auch Kinder durchmachen, die dort, in diesem Haus, eine sichere und behütete Bleibe finden. Einfach unpackbar, wenn frau lebenswerte Verhältnisse gewohnt ist, was ja eigentlich allerorts auch, bitte, so sein sollte!
Und damit möglichst viel bei dieser Tombola gespendet wird, haben wir auch Megapreise zusammengestellt. Welche, veröffentlichen wir aber erst am Veranstaltungsabend. Zuvor posten wir lediglich Teaser in unserer Facebook-Veranstaltung.
Für mich als Promoterin und „alte Sponsoring-Häsin“ war und ist es übrigens unglaublich, wie viel positive und solidarische Resonanz auf diese Tombola kam. Wir haben so viele tolle Preise und sonstigen Kooperationen erhalten! Wir stecken ja gerade noch mittendrin – aber mein Herz geht auf und ich bin so berührt, wie viel Liebe und Großzügigkeit uns rein nur wegen dieser Tombola entgegenschwappt! Ein klares Zeichen, wie kooperativ und wohlwollend die St. Pöltner (auch: Einzel-)Unternehmer:innen, Ausbildungsstätten und Organisationen sind. Großartig.

CF: Ist es denkbar, dass aus „Female Frontend Freiraum“ eine Veranstaltungsreihe wird?

Stina: Denkbar ist vieles 😊

Althea: Schließe mich meiner lieben, realistischen und massiv branchenerfahrenen Stina hiermit an. Schauen wir mal, wie der 16. März rennt. Und dann – schauen wir weiter.

CF: Vielen Dank für das Interview. Wir werden am 16. März im Freiraum sein und den Hauptpreis bei der Tombola abstauben 😉

CF-Veranstalungsankündigung Female Fronted Freiraum

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

City-Flyer – die Stadt bei Tag und Nacht Foren Female Fronted Freiraum: auf die Bühne, Frauen!

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      Werner
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