fem*session: Start für neues Musikformat

Topsy Turvy sind Hauptact bei der «fem*session» am 25. Oktober. Foto: privat, z.V.g.
Topsy Turvy sind Hauptact bei der «fem*session» am 25. Oktober. Foto: privat, z.V.g.

Bei der «fem*session» handelt es sich nicht um ein neues Musikgenre, das vorgestellt werden soll. Für die «fem*session» werden Menschen gesucht, die im klassischen Showzirkus viel zu selten eine Chance bekommen. Die fem*session ist eine Bühne für alle Musiker*innen, ausgenommen die Cis-Männer. Die bleiben diesmal außen vor.

Die männliche Präsenz in der Musikbranche ist ungebrochen. Am Schlagzeug, an der Gitarre, hinter dem DJ-Pult oder an den Reglern im Studio sitzt bzw. steht fast ausnahmslos ein Mann. Dem wollen Lena Schmaldienst und Klaus-Michael Urban etwas entgegensetzen und haben die «fem*session» ins Leben gerufen. Bei dieser Veranstaltung, die am 25. Oktober im STARTraum/Löwinnenhof*, in der Linzerstraße 16 stattfinden wird, geht es nicht nur darum, männliche Musiker durch Frauen zu ersetzen, sondern „wir wollen FLINTA*-Personen die Bühne geben. FLINTA* steht für female, lesbian, inter, non-binary, trans und agender. Es sind also auch Menschen miteingeschlossen, die zum Beispiel nichtbinär sind“, so die Veranstalter*innen.

Als Hauptact wurde die Band Topsy Turvy (Foto) verpflichtet, weitere Musiker*innen, die in obiges Schema passen, werden noch gesucht. Die Musikrichtung ist sekundär, der Auftritt kann durchaus auch mit einem DJ-Set bestritten werden. Elektroniker*innen sind ebenso willkommen, wie Newbies, die bisher nicht im Rampenlicht standen.

Die Veranstalter*innen wollen mit der «fem*session» eine queer-friendly und feministische Veranstaltung etablieren, die bisher in St. Pölten gefehlt hat – mit dem Ziel, die Diversität der Szene aufzuzeigen, diverse Menschen zu stärken und natürlich eine gute Zeit mit guter Musik und freundlichen Menschen zu haben. „Uns ist es wichtig, dass wirklich ALLE kommen können, ohne Angst davor haben zu müssen, blöd angepöbelt oder Schlimmeres zu werden.“

Wer Interesse an einem Auftritt hat, kann sich via @kuturhauptstartstp auf Instagram oder auch per Mail melden: hallo@kulturhauptstart.at
www.facebook.com/khsstp

fem*session 25.10., STARTraum/Löwinnenhof

Werner Harauer führte ein Interview mit den Veranstalter*innen Lena Schmaldienst und Klaus-Michael Urban
Foto: Topsy Turvy, priv.

City-Flyer: Wo findet die fem*session statt?

Voraussichtlich im STARTraum/Löwinnenhof*, in der Linzerstraße 16. Es wäre der Plan gewesen, die Veranstaltung im ehem. ParadiesDerFantasie, im selben Hof, zu machen, doch diese Location ist für Veranstaltungen derzeit nicht freigegeben. Hoffentlich wird sie das bald wieder.

CF: Wie viele Bands sollen auftreten?

Es gibt einen Main Act, das wird die Band Topsy Turvy sein. Es wird auch noch einen OpenCall geben für FLINTA*-Personen aus dem Raum St. Pölten, die gern mit ihrer Musik auftreten wollen. Die können sich dann bei uns, bzw. bei @kuturhauptstartstp auf Instagram oder per Mail an hallo@kulturhauptstart.at melden. Wir würden gern Menschen finden, die noch nicht so sehr im Spotlight stehen, um die Szene zu stärken und auch unbekannteren Künstler*innen eine Bühne zu geben. Also: Falls dich das anspricht, melde dich gern bei uns!

CF: Sollen ausschließlich weibliche Musikerinnen in den Bands spielen?

Wir wollen mit dieser Veranstaltung FLINTA*-Personen die Bühne geben, das steht für female, lesbian, inter, non-binary, trans und agender. Es sind also auch Menschen miteingeschlossen, die zum Beispiel nichtbinär sind. Das was auf jeden Fall nicht in unser Konzept passen würde, wäre ein cis-Mann, also jemand, der im “männlichen Körper” auf die Welt kommt und sich selbst auch als Mann identifiziert.

CF: Wie haltet ihr es, wenn sich die Musiker*innen weder als männlich noch als weiblich deklarieren?

Wie in der vorigen Frage: die sind herzlich willkommen! Es ist uns grundsätzlich wichtig, dass sich die Person der Gruppe FLINTA* zugehörig fühlt. Unser Ziel ist eine leiwande Veranstaltung mit guter Musik, die dazu noch feministisch und queer-friendly ist.

CF: Die Musikrichtung ist egal?

Ja, großteils schon. Da sind wir sehr offen.

CF: Mit welcher Absicht holt ihr weiblich besetzte Bands?

Es ist in der Szene leider oft so, dass überwiegend (Cis-)Männer im Vordergrund stehen, das Geschlechterverhältnis bei Veranstaltungen und Festivals ist eigentlich nie 50/50, es sind so gut wie immer mehr Männer auf der Bühne präsent. Beispiele dafür sind das FM4 Frequency Festival oder auch die Ö3-Bühne bei der Domplatzeröffnung. Aber auch bei kleineren Veranstaltungen fällt uns das immer wieder auf. Männer haben es einfach leichter eine Bühne zu bekommen. Dem wollen wir ein bisschen entgegenwirken. Wir denken, dass wir sonst sehr wertvolle und coole Musiker*innen übersehen könnten, das wäre doch schade.
Wir wollen eine queer-friendly und feministische Veranstaltung, die bisher in St. Pölten noch fehlt, schaffen. Um die Diversität der Szene mehr zu zeigen und Menschen zu stärken. Und natürlich um eine gute Zeit, mit guter Musik zu haben.

CF: Tut’s nicht eine Frontfrau auch? Siouxsie And The Banshees ohne Siouxsie Sioux wären irgendwie sinnlos. Ein Beispiel aus heimischen Gefilden und aus der Jetztzeit: Culk ohne Sophia Blenda (NÖ) wären bedeutungslos.

Im Konzept für diese Veranstaltung haben wir uns dazu entschlossen, ausschließlich FLINTA*-Personen die Bühne zu geben, aus den oben genannten Gründen. Es ist mal an der Zeit, dass es sowas gibt, das Pendant dazu gibt es ja quasi jede Woche. Aber natürlich, das sind großartige Bands, und grundsätzlich sind wir nicht davon abgeneigt, gemischte Veranstaltungen zu  machen. Blöd wärs bei so einem Konzept halt zum Beispiel, wenn wir zwei 4-köpfige Bands buchen würden, bei denen jeweils eine Frau* oder FLINTA*-Person mitspielt der Rest aber Männer, dann wäre das Verhältnis an Bühnenpräsenz ja wieder 25/75. Für diese fem*-session bleibts auf jeden Fall mal bei FLINTA*-Personen.

CF: Müssen die Musikerinnen ein analoges Instrument beherrschen? Oder dürfen Elektroniker*innen auch auftreten?

Auch für Elektroniker*innen wären wir offen, ein DJ-Set oder generell elektronische Musik wären auch passend und spannend. :)

CF: Wird Lena auch spielen?

Nein, dieses Mal nicht – Organisation und Auftritt an einem Tag gehen sich nicht so gut aus.

CF: Welches Zielpublikum peilt ihr an? Sind musikaffine Rocker mit Macho-Allüren auch willkommen?

Ja, sehr gerne sind die willkommen! Solange sie die Musik gut finden und sich normal verhalten, passt das ja super. Wir haben kein Zielpublikum, wir wollen alle Menschen ansprechen und einladen. Wichtig ist es uns nur, dass alle aufeinander Acht geben und allen bewusst ist, dass es keinen Platz für Sexismus, Homophobie, Rassismus oder jegliche andere Form von Diskriminierung gibt. Uns ist es wichtig, dass wirklich ALLE kommen können, ohne Angst davor haben zu müssen, blöd angepöbelt oder Schlimmeres zu werden. Ganz verhindern lässt sich das natürlich nie, aber Awareness ist uns sehr wichtig und wir fühlen uns auch dafür zuständig, Ansprechpersonen für Besucher*innen zu sein, die sich unwohl, gefährdet, diskriminiert oder was auch immer fühlen. Wir möchten so gut es geht einen safe space herstellen, bei dem alle gemeinsam eine good time haben können. Das gilt für jede FLINTA*-Person und jeden ärgsten Rocker.

CF: Vielen Dank für das Interview.

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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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      Werner
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