Fiston M. Mujila – Tanz der Teufel

 

 

 

 

 

 

 

 

In seinem neuen Roman nimmt uns Fiston Mwanza Mujila mit auf eine wilde Reise zu den Diamantenschürfern von Angola und ins Straßen- und Nachtleben von Zaire.

Die Diamantenschürfer in den Gebieten der Provinz Lunda Norte im bürgerkriegsgeplagten Angola legen all ihre Hoffnung in die Hände ihrer „Madonna“ Tshiamuena, eine, laut eigener Aussage, zweihundert Jahre alte, mit hellseherischen Fähigkeiten ausgestattete, Frau. Sie wird von den Männern als „eine Frau der Macht“ bezeichnet und abgöttisch verehrt. Denn nur wem sie wohlgesinnt ist, der findet auch Diamanten. Kaum haben die Schürfer einmal etwas Geld in den Händen, zerfließt es jedoch schon bald wieder.

Wobei wir am zweiten Schauplatz in dieser aufregenden Geschichte angekommen wären: Lubumbashi im südlichen Kongo, damals noch Zaire genannt. Die verschmutzen Straßen werden von Klebstoff schnüffelnden und Bier zischenden Jungs wie Molakisi, Ngungi und Sanza bewohnt. Sie alle entfliehen dem Leben daheim mit Schule oder eintöniger Arbeit, um zu richtigen Männern zu werden. Die Jungs sind die geborenen Opfer für den mysteriösen Monsieur Guillaume, der sie als Spitzel rekrutiert.

Der einzige Ort in dieser Stadt, wo Diamantenschürfer, Verrückte, Straßenkids und viele andere zusammentreffen, ist der Club „Mambo de la fête“. Dort brodelt es wie in einem Hexenkessel, wenn die Meute zur „Tanz der Teufel“-Rumba ihre erhitzten Körper zucken lässt.

Zu den Club-Besuchern gehört auch ein Weißer: der Schriftsteller Franz „Franziskus“ Baumgartner aus St. Pölten. Dieser hat stets einen alten Koffer mit beschriebenen, losen Blättern bei sich. Er wird von seinen Freunden gut umsorgt, denn auch ihm mangelt es an Geld, dafür aber möchten sie in seinem Buch ihren Platz bekommen, der sie in einem besonders gutem Licht erscheinen lässt.

Der kongolesisch-österreichische, in Graz lebende, Autor Mwanza Mujila verwendet auch in seinem zweiten Roman eine rasante, dichte Sprachrhythmik. Die Geschichte mit teils surrealen Ereignissen ist wieder in der DR Kongo angesiedelt, von dort stammt auch Mwanza Mujila.

Man galoppiert wie auf einem wilden Pferd durch den Roman und begegnet allerlei skurrilen Figuren. Manchmal nimmt das Ganze fast zu viel Fahrt auf, dass man sich selbst beim Lesen bremsen muss. Durch die zahlreichen Protagonisten und den wechselnden Erzählperspektiven könnte man sonst den Überblick verlieren, was in Anbetracht dieses ganz besonderen Romans sehr bedauerlich wäre.

Fiston Mwanza Mujila – Tanz der Teufel
Paul Zsolnay Verlag, 2022 | Hardcover
288 Seiten | € 25,70

Claudia Zawadil
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Claudia Zawadil
DI (FH); beim City-Flyer seit März 2002, schreibt Buchrezensionen und Ankündigungen und fotografiert gelegentlich bei diversen Events. Ebenso ist sie Radiomoderatorin (BlackXplosion), Arthouse Cinema-Fan und Vinyl-Lover.

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