Floating Sketches: tiefenentspannt clubben

Tobias und Fabian Schiel aka Floating Sketches. Foto: Elias Kaltenberger, z.V.g.
Tobias und Fabian Schiel aka Floating Sketches. Foto: Elias Kaltenberger, z.V.g.

Zwei Brüder mit gänzlich unterschiedlicher musikalischer Sozialisation finden nach Jahren ausgerechnet im Ambient und in der Minimal-Music gemeinsame Interessen und beginnen unter dem Namen Floating Sketches zu musizieren. Im Herbst 2022 hat das Duo mit „Flake Shadows“ bereits seine zweite LP veröffentlicht.

Im beschaulichen Vorort von Wien sind wir alle bestens vertraut mit Minimal- und Ambient-Music, wir lassen uns von einer Komposition von Steve Reich wecken und beim Hören der Songs von Stars of the Lid und den dänischen Kollegen Causa Sui wiegen wir uns auf der Tanzfläche.
Nein? Nicht? Diese Namen sind uns nicht geläufig? Dann wird es Zeit, in die musikalische Welt der Brüder Tobias und Fabian Schiel einzutauchen.
Tobias infiziert sich vor ungefähr zehn Jahren mit dem Drum and Bass Virus und beginnt sich seither kreativ im Audiobe­reich auszutoben. Seit älterer Bruder Fabian kommt vom Psy­che­delic-Rock. Er spielt Gitarre in der Band The Zephyr Circuit, nachdem sich die Vorgängerband 6atom0 aufgelöst hat.

Um das Jahr 2018 haben die beiden Twens unabhängig voneinander Ambient Music für sich entdeckt, der eine über die texanische Band Stars of the Lid und der andere über die dänische Band Causa Sui. Was liegt also näher, als gemeinsam Musik zu machen? Als erstes hörbares Resultat erscheint 2020 das Album „Blissful Island“, auf das im Herbst 2022 das Nach­folgealbum „Flake Shadows“ folgt.
„Derzeit arbeiten wir an einem Set, das wir zu zweit live umsetzen können. Mit unserem bisherigen Material ist das schwer möglich“, so Fabian. Wäre auch zu schade, wenn die beiden Musikexoten beim Spaziergang durch ihre Heimatstadt unerkannt blieben.

Text: Werner Harauer
Foto: Elias Kaltenberger, z.V.g.

City-Flyer: Wie alt seid ihr?

Tobias: Ich bin 26. Fabian: Ich bin 28

CF: Wo seid ihr wohnhaft?

Tobias: Wir sind beide in St. Pölten aufgewachsen und Fabian ist wegen seinem Studium vor einigen Jahren nach Wien gezogen. Ich lebe weiterhin in St. Pölten.

CF: Tobias, wann hast du mit dem Produzieren begonnen?

Tobias: Ich kam vor ungefähr 10 Jahren mit dem EDM Genre „Drum and Bass“ in Berührung. Ich war direkt begeistert von der Energie dieser Musik und eine kurze Google-Suche von „how to make drum and bass“ brachte mir die ersten DAWs (Digital Audio Workstations) näher und seitdem hatte ich immer Spaß daran mich kreativ im Audiobereich auszutoben.

CF: Fabian, in welcher Band spielst du imo neben Floating Sketches?

Fabian: Ich spiele auch Gitarre in der Band The Zephyr Circuit,, die ich grob im Genre Psychedelic-Rock verorten würde. Das Projekt ist 2021 entstanden, nachdem sich die Vorgängerband 6atom0 aufgelöst hatte.

CF: Durch welchen Künstler/welche Band seid ihr auf Ambient Musik gestoßen?

Tobias: Das Stars of the Lid Album „Music for Nitrous Oxide“ war für mich ein Album, welches quasi der Türöffner in das Genre Ambient war. Ich finde ein gutes Album hat immer etwas immersives und zieht einen förmlich in eine eigene Welt hinein. Aber bei „Music for Nitrous Oxide“ (generell Ambient) hat das noch einmal eine andere Qualität und Tiefe. Ich höre es immer noch gerne.

Fabian: Die dänische Band „Causa Sui“ hat in meiner bisherigen Entwicklung als Musiker eine entscheidende Rolle gespielt. Die Gruppe hat einen sehr eigenen, impressionistisch anmutenden Sound, der mich direkt begeistert hat und mir sehr modern erschien, verglichen mit den anderen Stoner-/Psychedelic-Bands, die ich damals so hörte. Als ich dann feststellte, dass die Mitglieder von Causa Sui auch elektronische Musik machen, wurde ich neugierig und bin so auf Ambient, Electronica, Minimal Music und mehr gestoßen. Schlussendlich habe ich dann für mich herausgefunden, dass das was mich am Sound von Causa Sui so fasziniert hat, wohl mehr diesen Richtungen geschuldet ist, als Black Sabbath, oder Pink Floyd (die ich beide natürlich noch immer sehr schätze) und bin seither begeisterter Ambient-Hörer.

CF: Wann ist das erste Album von Floating Sketches erschienen und wie heißt es?

Tobias: Unser erstes Album wurde im November 2020 released und heißt Blissful Island.

CF: Habt ihr ein eigenes Studio, wo ihr aufnehmt? Wo?

Tobias: Wir haben jeweils ein kleines Homestudio, wo wir unabhängig voneinander arbeiten können. Außerdem haben wir uns öfter zu Sessions bei unserer Mutter, die in Scheibbs wohnt, getroffen. Dort haben wir auch ein kleines Homestudio stationiert und hier ist gewissermaßen auch das „Fundament“ der ersten beiden Alben entstanden.

CF: Ambient Musik hat oft ein Thema, das sich durch das ganze Album zieht. Hattet ihr auch ein solches?

Fabian: Ich würde sagen, dass wir bei dem zweiten Album versucht haben vor allem mit den repetitiven Grundstrukturen, die gewissermaßen die Basis aller Tracks bilden, einen thematischen Rahmen zu schaffen. Generell tun wir uns aber insbesondere bei diesem Album schwer, es eindeutig in das Ambient-Genre einzuordnen. Gerade die rhythmischen Patterns sind mehr aus einer Auseinandersetzung mit „Minimal Music“ und Komponisten wie Steve Reich gekommen, als direkt aus Ambient-Musik, wobei das Album deswegen natürlich auch nicht gleich Minimal Music ist.

CF: Gibt es in stp eine diesbezügliche Szene, an die ihr mit dieser Art von Musik andocken könnt?

Tobias: Ich durfte bis dato noch keine wirkliche Ambient Szene in St. Pölten kennenlernen. Ambient Musik scheint es mir generell schwer zu haben in Clubs, Konzerthallen etc. Fuß zu fassen. Vermutlich liegt das daran, dass sich bei Live-Musik traditionellerweise vieles um das gemeinsame Feiern und Tanzen dreht. Somit hat es dieses Genre denke ich auch deutlich schwerer lokale und lebendige Szenen zu etablieren. Ich würde es toll finden, wenn es auch für das gemeinsame Entspannen (nicht nur Tanzen) einen Raum gibt. Hier würde Ambient Musik bestimmt einen wichtigen Platz einnehmen.

CF: In welchem Umfeld wäre eine Live-Präsentation eures aktuellen Albums denkbar?

Fabian: Wir haben die beiden Alben eigentlich immer als reine Studio-Projekte gesehen und hatten nie vor sie einmal live zu spielen. Das wäre vermutlich ohne weitere Musiker:innen für uns auch nicht zu bewerkstelligen. Dennoch hat sich in letzter Zeit bei uns der Wunsch aufgetan auch einmal mit unserer Musik aufzutreten und deswegen arbeiten wir derzeit an einem Set, das wir live spielen können. Wir werden darin zwar möglicherweise ein paar Fragmente aus den beiden Alben einbauen, aber der Fokus wird eher auf neuem Material liegen, das wir mit Hinblick auf eine mögliche Performance schaffen möchten.

CF: Vielen Dank für das Interview.

Floating Sketches auf Insta: instagram.com/floatingsketches

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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