Gerhard Hönigl singt Songs von Udo Lindenberg

Gerhard Hönigl hat sich zu seinem 40-jährigen Bühnenjubiläum etwas Besonderes einfallen lassen: Am 5. November wird er im Theater des Balletts die Songs von Udo Lindenberg singen, begleitet von der St. Pöltner Band The Cube und einem 15-köpfigen Tanzensemble. „Die Legende lebt“ nennt Hönigl sein RockTanzTheater-Stück. Es müsste eigentlich „Die Legenden leben“ heißen.

Fragen: Werner Harauer
Foto: Günter W. Hieger, z.V.g.

City-Flyer: Wenn ich dich jetzt bitte dich kurz vorzustellen und die Eckpunkte deines künstlerischen Schaffens aufzuzählen, käme eine Liste zustande, die den Artikel sprengen würde. Daher nur kurz: bitte stelle dich unseren Lesern vor und erzähle von deiner Rolle als ehemaliger Leiter der Kinderstätte „Paradies der Fantasie“ und von deiner Funktion beim Europaballett.

Gerhard Hönigl: Ich habe unter anderem Pantomime und Nonverbales Theater bei Prof. Samy Molcho in Wien studiert. Die Darstellung von Persönlichkeiten aus der Kunst und Politik, z.B. jene von Dr.Karl Renner, Bundeskanzler Figl, Charly Chaplin, Falco und eben jetzt von Udo Lindenberg, gehört zu meinem künstlerischen Repertoire.
Das „ParadiesDerFantasie“ wurde von mir 2010 gegründet. Die Inhalte und Angebote wurden auf Basis der Erkenntnisse des Hirnforschers Manfred Spitzer ausgerichtet (Zitat: “Wissenschaftlich gesehen wären die wichtigsten Schulfächer: Musik/Rhythmus – Tanz/Theater – kreatives Werken – Malen – Sport/Akrobatik”). Wir ergänzten das Angebot noch mit dem Schwerpunkt “Soziale Kompetenz”. Unsere Besuchergruppen waren Schulklassen, Kindergruppen und Privatpersonen.

CF: Du hast bei Prof. Samy Molcho eine Pantomimenausbildung absolviert. Der Name ist mir ein Begriff, obwohl ich von Pantomime/Tanz keine Ahnung habe. Ich nehme an, du wurdest von einer Koryphäe unterrichtet.

Gerhard: Der gebürtige Israeli Samy Molcho ist Menschendarsteller und Pantomime von Weltruf und lebt zurzeit in Wien.

CF: Du spielst am 5. November die deutsche Rocklegende Udo Lindenberg im Musical „Die Legende lebt“. Wann hast du dein Faible für Udo entdeckt?

Gerhard: Udo Lindenberg war mir als junger Mensch schon ein Begriff. Er war ursprünglich Jazz-Schlagzeuger und war der Erste, der Texte rockmusikalisch auf Deutsch sang.
Künstlerisch habe ich mich zu seinem 70. Geburtstag mit ihm erstmals auseinandergesetzt. Die Idee entstand bei einem Gastspiel in Hamburg. Ich habe damals sein Lebenswerk als Tanztheater inszeniert. Nach dieser Aufführung wurde ich von Musikern ermutigt, diese Songs mit Band live aufzuführen.
Die ersten Gehversuche als Sänger in einer Band durfte ich in der 3 Mann – Rockband Akustixxx machen, dafür bin ich heute noch dankbar. Später wechselte ich zu der Band The Cube, da diese den Livesound des Panikorchesters durch eine 9 Mann/Frau – Besetzung besser umsetzen konnte.

CF: Udo ist eine generationsübergreifende Legende, auf die sich 60- wie 40-Jährige einigen können. Benjamin von Stuckrad-Barre (Jahrgang 1975) hat Udo in seinem autobiographischen Roman „Panikherz“ ein Denkmal gesetzt. Was hat uns Lindenberg heute noch zu sagen?

Gerhard: Udo Lindenberg war immer schon ein politischer Mensch, was er ja auch in seinen Texten sehr eindrucksvoll niedergeschrieben hat. In den Songs “Sonderzug nach Pankow”, “Wozu sind Kriege da”, und “Wir ziehen in den Frieden” hat er ganz klar Stellung bezogen. Der Song „Wozu sind Kriege da“ ist heute aktueller denn je.
Ich finde seine Texte sehr tiefgründig und ganz nahe am Menschen. Man könnte sagen, er ist der musikalische Manfred Deix, der ja auch in seinen Karikaturen den Menschen direkt und ungeschönt gezeichnet hat.

CF: Auf den Fotos kann man dir eine gewisse Ähnlichkeit mit Lindenberg nicht absprechen. Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet?

Gerhard: Ja es gibt einige Übereinstimmungen mit Udos Aussehen, was natürlich bei der Rollenfindung kein Nachteil war. Aber auch sonst gibt es zwischen Herrn Lindenberg und mir große Übereinstimmungen. Udos Texte haben bei aller Schwermut immer eine positive Message, das entspricht auch meiner Lebensphilosophie. Wie er so schön singt in „Mein Ding: “…mach dein Ding, egal was die anderen sagen…”

CF: Du singst Udos Songs auch selbst. Versuchst du ihn zu kopieren, oder zu interpretieren?

Gerhard: Ich versuche immer jene Menschen, die ich darstelle, ob Chaplin, Falco, Udo Lindenberg und viele andere, zu interpretieren, lediglich die optische Umsetzung muss dem Original möglichst nahekommen, um so das Publikum mitzunehmen in die Welt des Protagonisten, in diesem Fall eben Udo Lindenberg.

CF: Gehört Singen zu deinem Standardrepertoire? Singst du auch in einer Band?

Gerhard: Nein, ich sehe mich nicht als Sänger, sondern bin ein Schauspieler, der möglichst lebensnahe eine Figur zu spielen versucht. In diesem Fall ist der Gesang ein Muss, eh klar bei einem Rockpoeten.

CF: Stammt die Idee, ein Musical über Udo Lindenberg auf die Bühne zu bringen, von dir?

Gerhard: Regie/ Drehbuch/ Produzent / Sänger und Darsteller des Udo Lindenberg sind meine Aufgaben in diesem Projekt

CF: Das Musical gibt es schon länger. Wann war die Uraufführung?

Gerhard: Die erste Produktion fand zu Udos 70. Geburtstag statt, war aber damals ein Vollplayback – Tanztheater. Diese Neuaufnahme „Die Legende lebt“ wird erstmals mit der Band The Cube live gespielt und gesungen und wurde auch durch weitere Songs ergänzt. Es sind 9 Musiker/ Sänger/innen im Einsatz. Was dem Ganzen neben toller Tanzszenen, die von 15 Tänzer/innen des Europaballett getanzt werden, ein echtes Konzerterlebnis gibt. Eben wie ich es nenne: Ein “RockTanzTheater“ vom Feinsten.

CF: Hast du nach der Uraufführung den Eindruck gewonnen, dass dein Udo beim Publikum ankommt?

Gerhard: Natürlich, sonst hätte ich dieses Projekt nicht umgesetzt. Ich wurde in diesen 7 Jahren immer wieder gefragt: Wann gibt es Udo Lindenberg wieder zu sehen?
Ich denke, es gibt eine sehr treue Fangemeinde, die sich freut, mich auf der Bühne zu sehen, ganz unabhängig davon, welches Stück es ist. Das macht mich sehr dankbar! Es ist nicht selbstverständlich, 4o Jahre auf der Bühne zu stehen und Applaus zu bekommen.

CF: Welche Bühnen hast du mit „Die Legende lebt“ schon bespielen können?

Gerhard: „Die Legende lebt“ ist in der Form, wie wir sie nun aufführen, eine Premiere und wurde so noch nie gezeigt.

CF: Die Produktion eines Musicals benötigt ein eine Reihe von MitarbeiterInnen. Wer ist Produzent? Wer Choreograph? Wer tanzt? Wer übernimmt das Panik-Orchester?

Regie/ Idee/ Produzent / Akteur / Pantomime:

Gerhard Hönigl

Choreografie:
Marijana Zeisel – Österreich
Florient Cador – Frankreich
Magnum Phillipy – Brasilien
Michael Fichtenbaum – Österreich

Band: „The Cube“
Michael Lind – Schlagzeug
Dieter Wurm – Bass und Gesang
Thomas Macovan – Keyboards und Gesang
Vicky Hessl – Gesang
Günter Böck – Gitarre und Gesang
Charlie Wimmer – Gitarre, Percussion, Gesang
Peter Puchner – Gitarre und Gesang
Dietlinde Zeisel – Cello und Gesang
Gerhard Hönigl – Gesang
Tontechnik: Thomas Matzinger

Tanzszenen:
Europaballett St. Pölten

CF: Wie ist du auf die St. Pöltner Band The Cube gestoßen? Hat die Band ebenfalls eine Affinität zu Udos Musik?

Gerhard: Ein Bandmitglied hat die Produktion „Udo Lindenberg 70 Special Act” gesehen und mich daraufhin angesprochen, ob ich es nicht live singen möchte.

CF: Gibt es außer Udo noch eine prominente Figur aus seinem Umfeld auf der Bühne zu sehen? Wenn ja, wer spielt sie?

Gerhard: Nein, darauf haben wir diesmal verzichtet.

CF: Hat das Musical eine Handlung? Werden Stationen seines Lebens gezeigt? Oder handelt es sich um eine Revue seiner bekanntesten Lieder?

Gerhard: „Die Legende lebt“ ist in der Form einer Revue inszeniert.

CF: Udo ist jetzt 76 Jahre alt, du bist 67 Jahre. Bist du nicht zu jung, um den reifen Udo zu spielen?

Gerhard: Udo ist in seiner Seele jung geblieben, das eint uns.

CF: Du feierst dein 40-jähriges Bühnenjubiläum. Udo ist dir also ein wenig voraus. Lässt sich das Tourleben eines Rock’n’Rollers mit dem eines Pantomimen/Tänzers punkto Sex & Drugs & Rock’n’Roll vergleichen?

Gerhard: Rock ‘n Roller sind wir beide, jeder in seiner Kunstrichtung.
Das Thema “Drugs” spielte in meinem Leben nie eine Rolle, die Pantomime oder der Tanz verlangen einen gesunden und fitten Körper – vor allem wenn er nach 40 Jahren auf der Bühne immer noch funktionieren soll. Meine Leidenschaft neben der Kunst ist das Mountainbiken. Es hält Geist und Körper gleichermaßen fit.

CF: Vielen Dank für das Interview.

„Die Legende lebt“ —> zum CF-Veranstaltungshinweis
5. November 2022, 19:00 – 21:00
Kulturhaus Wagram
Oriongasse 4
3100 St. Pölten

Werner Harauer
Folge mir
Letzte Artikel von Werner Harauer (Alle anzeigen)

0 LIKES

VERSCHENKE EIN LIKE
Du musst angemeldet sein, um den Artikel zu liken!

Schreib etwas dazu

Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

City-Flyer – die Stadt bei Tag und Nacht Foren Gerhard Hönigl: Blutsbruder Lindenberg

  • Dieses Thema hat 0 Antworten und 1 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert vor 1 Jahr von Werner.
Ansicht von 0 Antwort-Themen
  • Autor
    Beiträge
    • #29187 Likes: 0
      Werner
      Administrator
        14 Likes

        Wenn dir der Eintrag „Gerhard Hönigl: Blutsbruder Lindenberg“ von werner gefallen hat, gib ihm ein „Like“. Wenn du mehr über den Autor erfahren willst, so klicke auf sein Profil. Wenn du etwas ergänzen willst, LOG DICH EIN und schreib einen Kommentar.

    Ansicht von 0 Antwort-Themen
    • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.