Gschu Tomsits: Wir machen Musik für uns

v.l.n.r.: Helmut Hutterer, Joe Wannerer, Johannes Cap und Alex Tomsits von Gschu stehen nach fünfjähriger Live-Abstinenz am 5. Juli auf der Bühne der Seedose. Foto: privat, z.V.g.
v.l.n.r.: Helmut Hutterer, Joe Wannerer, Johannes Cap und Alex Tomsits von Gschu stehen nach fünfjähriger Live-Abstinenz am 5. Juli auf der Bühne der Seedose. Foto: privat, z.V.g.

Der Jahrgang passt, die Ziellosigkeit passt, lediglich am Style müsste Gschu noch feilen – zu stylish, zu trainiert, um als Slacker durchzugehen. Ein Interview mit Alexander „Gschu“ Tomsits, Gründer der gleichnamigen Band, die sich jahre­lang im Proberaum verschanzte und am 5. Juli in der Seedose eines ihrer raren Konzerte geben wird.

Interview: Werner Harauer
Foto: Gschu, z.V.g.

City-Flyer: Fällt diese Story unter “Pop History”, oder hat es die Band Gschu nach der Veröffentlichung des Albums “A Picture You’re Not In” weiterhin gegeben, aber nur im Probekeller?

Gschu: Also „Pop History“ ist schon ein sehr großer Begriff! Ein bisschen hat’s die Band Gschu immer gegeben – mal mehr mal weniger – eigentlich gab’s immer regelmäßige Bandproben, natürlich auch mal mit größeren Abständen dazwischen. Der Hutzi (Helmut Hutterer, d. Red.), unser Drummer, ist dann zwischendurch auch mal ausgestiegen und wieder eingestiegen, wie das halt so ist. Der Joe (Joe Wannerer) und ich haben dann zu zweit ein bissl rumgemacht und beats gebastelt, aber wenn einer fehlt is es halt nur der halbe Spaß.

CF: Lass uns eine Reise in die Vergangenheit machen: Im Jahr 2005 gründeten Bernherd Kern und und Robert Stadlober das Label “Siluh Records“. Die erste Veröffentlichung, die Single “Electricity”, stammt von Gschu. Hattest du einen guten Draht zu Bernhard?

Gschu: Ja, ich würde sagen wir waren gute Bekannte. St.Pölten ist ja nicht sooo groß und man kannte sowieso irgendwie alle, die was mit Musik am Hut hatten. Die Geschichte in kurz: Bernhard und Robert haben Siluh Records gegründet und mich gefragt ob ich deren erster Release sein will. Ich hab gesagt „Ok, welche Nummer solls sein?“ Ich glaub der Bernhard hat dann „Electricity“ ausgesucht und das war’s dann.

CF: Gschu war ursprünglich ein Soloprojekt von dir, Alex. Wann sind die Helmut und Joe dazu gestoßen?

Gschu: Ein Soloprojekt war das gezwungenermaßen, würd ich sagen, weil grad niemand da war, um Musik zu machen. Dann hab ich halt allein zu Haus ein bissl rumgebastelt.
Der Joe und der Hutzi sind dann dazugekommen, wie’s darum gegangen ist, eine Releaseshow zu spielen. Ich wollt nicht unbedingt allein auf einer Bühne stehen und ein paar Nummern performen.
Da ist übrigens auch Markus Kietreiber dabei gewesen, der aber nach einiger Zeit wieder ausgestiegen ist – keine Zeit oder keine Lust mehr, das weiß ich nicht mehr so genau.

CF: Hat es andere Bandmitglieder auch gegeben, die dann später ausgestiegen sind?

Gschu: Neben der Markus Kietreiber Geschichte? Nö.
Es gibt aber noch unseren Leadgitarristen Johannes Cap. Der hat damals unser Album in seinen Red Room-Soundlabs (u.a. Scarabeus Dream, Boon, Iron Heel) aufgenommen und ist danach auf dreifachen Wunsch bei uns eingestiegen. Vielleicht wollt er’s selber auch ein bissl … 😉

CF: Für’s Archiv: Alex, du warst bei der Punkband Zero Hero, Helmut bei Kobayashi und Zero Hero und Joe bei The Missing Link. Der Name “Neonfish” fiel noch in einem von mir gelesenen Artikel. Wer von euch war bei Neonfish?

Gschu: Neonfish waren damals Erwin Edtmayer am Mikro, Markus Kietreiber – Gitarre, Roland Schmölz (später Psy-9) – Drums und ich am Bass und ein bisschen Sing-Sang!

CF: Die oben genannten Bands waren doch Punkbands. Was bewog euch dazu, ins “Alternative” Fach zu wechseln?

Gschu: Puh die Punkdiskussion … keine Ahnung wo genau da der Unterschied ist. Ich hab das Gefühl, an der Musik hat sich nicht so viel verändert. Über die Jahre ist sie vielleicht ein bisschen gemütlicher geworden, und auch unsere Einstellung zu vielen Dingen ist im Grunde die selbe wie vor 30 jahren – mit ein bisschen mehr Überblick vielleicht. Ok, die Frage hab ich damit eigentlich nicht beantwortet.

CF: Du schreibst alle Songs?

Gschu: Ja, ich schreibe alle Songs. Damit komm ich dann zur Probe und wir machen gemeinsam was draus. Manchmal ist es genau das, was schon in meinem Kopf drin war, manchmal ist es etwas komplett anderes. Das entwickelt sich dann immer erst beim gemeinsamen Spielen. Wer eine Idee hat sagt, wie er sich’s vorstellt und so weiter.

CF: Man munkelt, dass ihr ein Riesen-Repertoire an unveröffentlichten Songs in der Schublade habt. Warum veröffentlicht ihr die Songs nicht?

Gschu: Das Repertoire ist schon gewachsen – natürlich. Aber da sind ja auch viele Songs dabei, die wir nur so halb fertiggemacht haben, andere auch einfach wieder vergessen. Wieder andere hab ich gleich verworfen, weil die mich schon beim alleine Spielen genervt haben.
Zur Frage, warum wir das nicht veröffentlichen: Man müsste das wohl alles mal aufnehmen. Ich glaub, die Schwierigkeit liegt bei uns im Anfangen – wie bei allem, das man so vor sich herschiebt.

CF: Gschu spielten die letzten Jahre ausschließlich im Proberaum. Warum?

Gschu: Im Proberaum spielen ist nett! Wir machen ja eigentlich Musik nur für uns, würd ich sagen. Wenn’s mal fad wird, schreib ich wieder was, das kann man dann gemeinsam fertigbauen. Der Wunsch, live zu spielen, ist wohl nicht ganz so stark ausgeprägt bei uns.

CF: Wie dürfen wir uns eine Probe von Musikern im besten Alter vorstellen? Wird zuerst mal ein Bierchen geöffnet und über die neuesten Rock-Alben bzw. über die internationalen Musik-Trends schwadroniert? Oder seht ihr die Proben als harte Arbeit, dem perfekten Popsong möglichst nahe zu kommen?

Gschu: “Erst mal ein Bierchen öffnen” trifft’s ziemlich genau. Und beim Gedanken daran, dass wir Vier über die neuesten Rockalben diskutieren würden, muss ich echt lachen! Bei uns geht’s um Haus, Hund, Kinder, Job, Beziehung, Bullshit … wir quatschen Blödsinn und machen Musik. Die Musik hält uns zusammen. Die Gefahr, dass man sich aus den Augen verliert und sich nur mehr alle heiligen Zeiten mal trifft is schon groß. Wir machen gemeinsam was Kreatives, das ist doch schön.
Was war das nochmal mit dem perfekten Popsong?

CF: mainstage.de schrieb 2008 über euer Album “A Picture You’re Not In”: “Sitzt, passt, … und hat Luft nach oben – fürs nächste Album.” Warum ist es nie zu einem nächsten Album gekommen?

Gschu: Ich denke, das liegt hautptsächlich an unserer Faulheit. Tja, da muss man auch mal ehrlich sein … Luft nach oben gibt’s immer, da machen wir uns mal keinen Druck.

CF: In jener Zeit kannte euch die österreichische Alternative-Fanbase. Ihr wart auf einem FM4-Sampler vertreten, der in den alternative-chats weit oben platziert war. Habt ihr das Momentum genützt und seid ihr auf Tour gegangen?

Gschu: Wir waren nie auf Tour – haben höchstens vereinzelte Shows gespielt. Wir haben auch nie vorgehabt bekannt zu werden oder so. Ich nehm das ja alles nicht ganz so ernst.

CF: Ist der Auftritt in der Seedose euer erster Auftritt seit wie lange?

Gschu: Unser letztes Konzert war vor fünf Jahren, glaub ich. Im Warehouse auf der Geburtstagsfeier eines bekannten Indie-Djs – war ganz gut, finde ich!

CF: Warum habt ihr euch dazu entschlossen doch wieder Konzerte zu geben? Oder ist das ein einmaliges Ereignis?

Gschu: Eigentlich spielen wir wieder mal ein Konzert, weil ein Bandmitglied einen runden Geburtstag feiert. Derjenige hat gesagt, er organisiert einen Event und wir spielen dort.

CF: Habt ihr weitere Auftritte in Aussicht?

Gschu: Jep, eventuell gibt’s noch ein, zwei weitere Konzerte dieses Jahr.

CF: Bedient ihr mit den Live-Shows eure alte Fanbase? Wollt ihr junge Fans für euch gewinnen? Oder macht ihr die Auftritte als Spaß an der Sache?

Gschu: Absolut ausschließlich aus Spaß an der Sache. Ich glaube, es gibt nur eine sehr sehr kleine Fanbase. Neue Fans gewinnen – Ach …

CF: Gschu wurde in den späten Nullerjahren von der Musikzeitschrift Skug mit den Weakerthans und mit Teenage Fanclub verglichen – Bands, die heute kaum noch jemand kennt. In welche musikalische Richtung habt ihr euch weiterentwickelt?

Gschu: Also Teenage Fanclub sind komplett an mir vorbeigeschrammt. Von den Weakerthans bin ich großer Fan. Insofern ist es wohl das netteste Kompliment, das ich kriegen kann, wenn uns jemand mit denen vergleicht. Manchmal ist es auch ganz ok, dass das heute keiner mehr kennt , dann kann man’s immer wieder mal aus einer Kiste herauszaubern und jemanden reinhören lassen.

CF: Sind die Texte nach wie von in englisch gesungen? Momentan singt bzw. rappt ja jede/r in Mundart.

Gschu: Englische Texte sind’s nach wie vor. Deutsch singen ist echt schwierig – da lässt man auf alle Fälle gleich mal ordentlich die Hose runter, oder es ist komplett banal. Ein Mittelding ist gut, finde ich.

CF: Auch musikalisch hat sich die Szene gespalten und ist entweder härter geworden (Metal-Spielarten), oder folkiger. Wohin zieht es euch?

Gschu: Im Metal seh ich uns ja überhaupt nicht! Das ist viel zu viel auf dicke Hose, und so sind wir überhaupt nicht. Nach reiflicher Überlegung zieht’s uns wohl mehr ins folkige!

CF: Joe ist auch Vinylsammler. Wäre ein aufwendig gestaltetes Album mit neuen Gschu-Songs ein Ziel, auf das es sich hinzuarbeiten lohnt?

Gschu: Das ist eine Frage an den Joe und der sagt, glaub ich: Nein, ich mach das fix nicht!

Joe: Ganz unrecht hat der Alex damit nicht. Als Grafiker wär mir der Look eines Album schon wichtig. Ich würde das gern jemand anderem überlassen, zum Beispiel Christian „chrisitee“ Tanzer, der schon die Debutsingle gestaltet hat. Er ist immer noch als bildender Künstler tätig und macht extrem leiwande Sachen. Und ja – ein Vinylalbum wär definitiv etwas, das mal fällig wäre.

CF: Einen Abnehmer für das Teil hättet ihr schon! Ich bedanke mich für das Interview und wünsche euch einen gelungenen Auftritt in der Seedose.

www.instagram.com/gschgschu/

Gschu sind am 5. Juli., 18 Uhr im Rahmen der Veranstaltung „S.O.S. – Sick Of Silence“ mit Telebrains und Georg Danzig live in der Seedose zu sehen. On Decks: Mounir, ThomsnRoll, Salamirecorder u.a.

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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      Werner
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