Hallenkommando: eine Demo für mehr Subkultur

Mitglieder der Hallenkommando-Crew (v.l.n.r.): Marcel Ponta, Alexander Hofmann, Kevin Rusa und Thomas Rauschmayr. Foto: privat, z.V.g.
Mitglieder der Hallenkommando-Crew (v.l.n.r.): Marcel Ponta, Alexander Hofmann, Kevin Rusa und Thomas Rauschmayr. Foto: privat, z.V.g.

Am 17. Juli klopften sie gewaltig am Tor zum Landhaus. Mit dem Slogan „save the scenes“ haben das Hallenkommando und befreundete DJ-Communities zu einer Demo für mehr Toleranz gegenüber musikalischen Subkulturen aufgerufen.
 
 
 
 

Interview: Werner Harauer
Foto: privat

City-Flyer: Wie war die Demo?

Thomas Rauschmayr: Die Demo war ein voller Erfolg. Es ist alles friedlich verlaufen und es ist uns gelungen den Leuten zu vermitteln, dass wir eine Lebende Kultur sind.

CF: Worum ging es bei der Demo? Was sind eure Forderungen?

Rauschmayr: Uns geht es darum ein Bewusstsein für Subkulturen zu schaffen. Wir wollen einen Raum schaffen, wo sich Kunst & Kultur frei entfaltet. Überall formen sich Gruppen, die mit Herzblut an Musik und Kultur arbeiten. Sich als Crew zusammenzufinden und gemeinsam die Szene am Leben zu erhalten ist nicht illegal! Subkulturen werden kaum gefördert, bestenfalls toleriert.

CF: An wen hat sich die Demo gerichtet? An die Stadt? Ans Land? An den Bund?

Rauschmayr: Die Demo war an all jene gerichtet die im letzten Jahr verhindert haben, dass wir wachsen können. Wir durften das ganze letzte Jahr in unserer Vereinshalle so gute wie keine Veranstaltungen machen, Mixes aufnehmen, Musik produzieren usw. Wir hatten aber trotzdem Fixkosten zu bezahlen und keine Chance auf Hilfe von der Politik, da wir gerade im Entstehen waren.

CF: Hab ihr von Stadt/Land/Bund eine Rückmeldung bekommen?

Rauschmayr: Ich hoffe, wir haben mit unserer Kundgebung soweit ein Zeichen gesetzt, dass wir eine positive Rückmeldung bekommen, um in nächster Zeit mit Stadt/Land an neuen Konzepten zu arbeiten.

CF: War nur das Hallenkommando am Start?

Rauschmayr: Es waren verschiedene Crews involviert. Es war mir wichtig, alle Recourcen die wir musiktechnisch in St.Pölten haben zu nutzen. Und das ist uns gelungen. Hallenkommando, Analog Resistance Crew, Open Mind Group, Related Sound und weitere Personen/DJ’s waren aktiv dabei.

CF: Im Mai 2002 gab es eine große Jugend-Demo am Rathausplatz St. Pölten. Die geforderte Jugendkulturhalle wurde von allen Szenen unterstützt. Da haben Bands und DJs aller Musikrichtungen aufgespielt. Es war Kunsthandwerk vertreten, es gab veganes Essen, … worauf ich hinaus will: braucht eurer Ansicht nach nur Tekno und Drum’nBass eine “Rettung”? Ist alles andere keine Subkultur?

Rauschmayr: Die Leute haben sich 2002 zusammen getan, etwas auf die Beine gestellt und damit ein Zeichen gesetzt. Genau so soll das sein! Meine Motivation fasse ich aus den Grundgedanken, dass man nur gemeinsam wirklich etwas bewirken kann. Da gehören auch alle anderen Musik-Genres dazu. Wir hatten auf unserer Demo auch Hip Hop, Techno, Psytrance, Tekno und andere Genres dabei.

CF: Coronabedingt ist ja der ganze Kulturbetrieb mehr oder minder still gestanden. Die DJ-Kultur konnte wenigstens in die Halblegalität/Illegalität abtauchen und unangemeldet Party machen. Was ja bei einem Freien Theater z.B. nicht ging. Weshalb also diese Dringlichkeit?

Rauschmayr: Ja, könnten wir. Das ist aber genau das, wo ich nicht hin will. Wir wollen nicht in die Halblegalität/ Illegalität abtauchen müssen, um unsere Projekte umsetzen zu können.

CF: Lass uns über das Hallenkommando sprechen. Ist das eine DJ- und/oder eine Produzentencrew?

Rauschmayr: Das Hallenkommando ist eine Crew die sich in einer Halle eingemietet hat, dort ein Studio und eine Werkstatt eingerichtet hat, um Mixes aufzunehmen, Musik zu produzieren, an gemeinsamen Projekten arbeitet und ein „Open House“ für speziell junge Leute ist, um ihnen die Musik näher zu bringen. Wir stellen dafür unser Know-How, Equipment und die Räumlichkeiten zur Verfügung. Wir sind nicht nur ein DJ/Producer Team sondern kümmern uns auch um den Sound. Wir haben unsere eigene Musik-Anlage, die wir selbst betreiben, warten und ausbauen. Wir reparieren unser eigenes Equipment etc.

CF: Ihr seid in einer Halle in Wilhelmsburg untergebracht. Habt ihr euch da eingemietet?

Rauschmayr: Wir sind in einer Halle in Wilhelmsburg eingemietet und bauen unser Vereinsgebäude gerade um, um es an unsere Bedürfnisse anzupassen.

CF: Produzieren die DJs auch eigene Tracks? Gibt es schon Veröffentlichungen?

Rauschmayr: Wir haben mehrere Producer in unserer Crew. Auf unseren gemeinsamen Soundcloud und Youtube Accounts unter dem Namen „Aufnahmezustand“. Den werden wir weiterhin laufend mit neuem Material füttern…

CF: Habt ihr Kontakt zu anderen Crews?

Rauschmayr: Natürlich, nur so funktioniert ein Soundkollektiv!

CF: Das Publikum für Tekno und D’n’B im Bezirk ist im Warehouse vertreten. Seid ihr da present?

Rauschmayr: Dj RTFM aus unseren Reihen hatte erst vor kurzem einen Auftritt als Local DJ im Warehouse. Ebenso sind die Warehouse-Locals des Öfteren genau so bei uns im Haus.

CF: Ihr bezeichnet euch als “open house”. Was muss ich mitbringen, um Einlass zu finden? Darf ich bei euch auch Grime produzieren? Oder ist die Aufnahme auf Tekno- und D’n’B-DJs beschränkt?

Rauschmayr: Es ist jeder willkommen, der ernsthaft interessiert daran ist gemeinsam Musik zu machen. Wir legen uns dabei auf kein Genre fest. Wir arbeiten unbürokratisch, einfach melden und sehen was sich ergibt.

CF: Habt ihr auch vor, öffentlich zugängliche Veranstaltungen zu machen?

Rauschmayr: Ja, natürlich!

CF: Was schwebt euch im Idealfall vor? Ein Brutkasten für Elektronische Musik? Mit angeschlossenem Club, Label und einer DTP-Station für die Flyerproduktion?

Rauschmayr: Genau! Im Idealfall erreichen wir das. Mit allen Recourcen die uns St. Pölten musikalisch und kulturell zu bieten hat!

CF: Seid ihr, sind DJs des HKS demnächst live zu sehen?

Rauschmayr: Soweit es die Coronasituation zulässt, bestimmt! Und falls nicht dann auf unseren social medias und streams.

CF: Gibt’s aktuelle Produktionen aus eurem Haus?

Rauschmayr: Alles auf unserer Facebook Seite zu finden!

CF: Vielen Dank für das Gespräch.

Hallenkommando

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Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

City-Flyer – die Stadt bei Tag und Nacht Foren Hallenkommando: demonstrieren & musizieren

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      Werner
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