Heinrich Mader aka hEIN! – Tanzen im Metaversum

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DJ hEIN! unterwegs im "second life" © Nitroglobus gallery

Facebook nennt sich jetzt „Meta“, Clubs streamen DJ-Sets mangels Besucher live ins Wohnzimmer und überhaupt: Das Virtuelle gewinnt mehr und mehr an Realität. Der Komponist und Musikproduzent Heinrich Mader aka hEIN!, der sich seit 2006 als virtueller DJ im „Second Life“, herumtreibt, fühlt sich in dieser Vorform des Metaversums wie ein Fisch im Wasser.

„Was das DJing auf ‘Second Life’ anbelangt, zähle ich dort zu den bekannten Namen“, positioniert sich Heinrich Mader selbstbewusst. In seinen Anfängen hat er zunächst als virtueller Resident DJ ca. zehn Jahre lang einmal die Woche ein Set gespielt, seit zwei Jahren dann weniger häufig und in verschiedenen virtuellen Locations, in Summe kam er auf mehr als 500 virtuelle Auftritte in ‘Second Life’ (SL).

Zur Erklärung für die „digital imigrants“: ‘Second Life’ ist eine von Benutzern gestaltete interaktive Plattform, in der Menschen in Form künstlicher Figuren, sogenannter Avatare, interagieren. Nerds aus der ganzen Welt haben sich dort eine „zweite Welt“ geschaffen, die große Ähnlichkeit mit der realen Welt aufweist. Die User können virtuelles Land kaufen, Ausstellungen und Modeschauen, oder Konzerte und Clubbings organisieren; selbst ein Rotlichtviertel gibt es auf SL. Und es konnten sich auch Stars aus den verschiedenen virtuellen Szenen etablieren. Heinrich aka hEIN! bewegt sich in dieser Welt seit 2006 und nutzt sie zur Inspiration, als DJ und zur Präsentation seiner Musik.

Um an einem Clubabend mit hEIN! in der virtuellen Realität (VR) teilzunehmen, brauchst du einen Gratis-Account auf der SL Website (secondlife.com) und seine Stream-URL. Dann mischt du dich unter die phantasievoll gekleideten Clubber*innen, tauchst ein in die Lightshow eines Visual/ Partikel-Designern und gibst dir das Live-Set von hEIN!
„Ich bin vor allem auf virtuellen Vernissagen gerne gebuchter DJ, Geld gibt’s aber so gut wie keines. SL hat zwar eine eigene Währung – den „Linden Dollar“ – und einige Firmen machen schon beachtliche Umsätze, ich selbst sehe meine Auflegerei aber als PR-Arbeit in eigener Sache, sagen wir als Investition in die Zukunft.“

Als Komponist, (Film-)Musikproduzent, als Produzent von Werbe-Jingles und anderer Auftragsarbeiten kann es nicht schaden, seine technischen Skills öffentlichkeitswirksam zu präsentieren. In diese Schiene fällt auch sein kürzlich veröffentlichter erster Techno-Track „Wir Sind“, der durch die aufwendige elektronische Stimmbearbeitung heraussticht. Der so produzierte „Art-Techno“, wie hEIN! seinen Track nennt, basiert auf der Tradition der Elektroakustischen (Computer)Musik und lässt sich nicht recht in die Rubrik „populäre Musik“ einordnen. „Für den ‘populären’ Geschmack hab ich andere Tracks auf Lager, die ich demnächst veröffentlichen werde“, verrät hEIN! Ein Jahr lang hat Heinrich Mader sein Studio upgedatet, neue Soft- und Hardware probiert, um seinen zahlreichen Kompositionen den passenden Sound zu verpassen. „Es fühlt sich gut an, eigene Sachen zu veröffentlichen. Gemacht hab ich sie immer, bloß nicht einer breiten Hörerschaft vorgestellt“, so Mader.
www.hein.vision

Text: Werner Harauer
Foto: privat

City-Flyer: Du hast kürzlich einen Techno-Track veröffentlicht. Ist das dein erster Techno-Track?

hEIN! Es ist mein erster veröffentlichter Technotrack, ich habe aber etliche, die ich sukzessive herausbringen werde. Bis jetzt war ich in der Film- und Medienmusik tätig, habe aber unter eigenem Namen nie etwas veröffentlicht.

CF: Du hast Filmmusik und Werbejingles gegen Bezahlung gemacht?

hEIN! Ja!

CF: Wie heißt deine Firma?

hEIN! Heinrich Mader

CF: Warum hast du so lange gewartet, bis du deine Festplatte mit den Technotracks freigibst?

hEIN! Hat bis jetzt nicht sein sollen. Ich wollte immer, hab’s aber nie geschafft. Und „Freigeben“ ist auch relativ. Die Komposition von „Wir Sind“ war ja fertig, so wie ich viele andere Tracks fertig habe, aber bis ich den Sound erzielen konnte, den ich wollte, hab ich 2020-2021 ein Jahr lang nur das Studio upgedatet, neue Soft- und Hardware probiert, mehr oder weniger meine ganze Technik auf den Kopf gestellt, um auf gutem technischen Niveau finalisieren zu können.

CF: Du hast „Wir sind“ auf verschiedenen Plattformen veröffentlicht. Welche Erwartungen hast du nach der Veröffentlichung?

hEIN! Zunächst zu lernen, wie so ein Veröffentlichungsprozedere und die PR funktionieren. Ich arbeite jetzt am Remix-Album, und dann kommt das nächste Projekt … wieder mit rhythmisch elektronischer Stilistik. Es fühlt sich gut an, eigene Sachen zu machen. Das heißt, gemacht hab ich sie immer, bloß nicht veröffentlicht. Es ist eine neue Erfahrung, und vielleicht mehr ein Beobachten als eine Erwartung derzeit.

CF: … und im besten Fall ein Anruf einer Agentur, die den Track für den neuen James Bond Film verwenden will, wie es Sam Gilly von House Of Riddim passiert ist?

hEIN! Das mit Sam Gilly/House Of Riddim finde ich übringens fantastisch! 🙂 Über so etwas freut sich jeder, bzw mit der Erfahrung lernt man sich erst zu freuen, wenn man das konkrete Angebot im Detail kennt. Ich hab das Filmbusiness in Österreich erlebt, und jetzt reizt es mich, auch andere Wege zu erproben. Viele Künstler aller Genres gehen den umgekehrten Weg: sie machen ihr Ding und entwickeln später Interesse für Film- und Medienmusik.

CF: Spielt das Image auch eine Rolle?

hEIN! Ich weiss nicht, wie sich das alles entwickelt. Image ist für mich keine Motivation, es geht um die Musik.

CF: Du machst mit deinem Track eine neue Schublade mit der Bezeichnung „Art Techno“ auf. Was ist das Besondere an deinem Track?

hEIN! Aus meiner Sicht die aufwendigen elektronischen Stimmbearbeitungen, ein – sagen wir – „Merkmal“, das ich beibehalten möchte. Basiert wohl ein wenig auf der Tradition der Elektroakustischen Musik/Computermusik. Ich finde es reizvoll, „Unerhörtes“ zu finden oder zu kreieren. Sounds, die man so noch nicht gehört hat, die „neu“ sind, das ist quasi mein Geschmack. Das mag auch anderen gefallen oder auch nicht. Ich persönlich halte meinen Track „Wir Sind“ nicht für „populär“, für den „populären“ Anspruch hab ich andere auf Lager.

CF: „Art Techno“ zu produzieren ist nicht dein einziges Steckenpferd. Du bist auch im „Second Life“ aktiv. Kannst du unseren Lesern kurz erklären, was das „Second Life“ ist und was du dort machst?

hEIN! SL ist eine interaktive Plattform in visueller Aufmachung, virtuelles Weltgeschehen mit internationalem Chat, eine Möglichkeit, Musik und Kunst im digitalen Raum zu leben und präsentieren. Ich bewege mich in dieser Welt seit etlichen Jahren und nutze sie als Plattform zur Inspiration, als DJ und zur Präsentation meiner Musik.

CF: Wie viele Jahre bist du schon im „Second Life“ aktiv?

hEIN! Mein allererstes Einloggen war dort Ende 2006, mittlerweile vor gut 15 Jahren, aber nicht konstant sondern mit langen „offline“ Pausen dazwischen.
Anfangs war es ein „Schnuppern“, später entwickelte es sich mehr in Richtung „Arbeit“, also DJing, aber mit Spaßfaktor.

CF: Seit 2006? Da bist du schon ein alter Hase im SL 🙂 „Arbeit“ setzt immer eine Bezahlung voraus, sonst wäre es ein Hobby. Bekommt man als virtueller DJ eine Gage?

hEIN! Ich sehe es zum Teil als PR-Arbeit, oder sagen wir als Investition. Es gibt zwar in SL eine eigene Währung, den „Linden Dollar“ und einige Firmen In-world, die offenbar schon beachtlich Umsatz machen, auch die Betreiberfirma „Lindenlab“ selber, soviel ich weiss, aber in meinem Fall ist es kommerziell vernachlässigbar, bzw hilft, Nebenkosten wie Stream, laufende Musik-Käufe usw. auszugleichen.

CF: Gibt es auch virtuelle Star-DJs?

hEIN! Bin da wohl einer der bekannten Namen, so wie es auch in der virtuellen Kunstszene bekannte Namen gibt, und bei den Licht/Visual/Partikel-designern, die immer wieder virtuelle Shows machen und die das Medium optisch wirklich ausreizen!

CF: In den etablierten Medien gibt es keine Rankinglisten und Reviews über die bekannten Namen in der virtuellen Kunst- und DJ-Szene. Wie kann ich in Erfahrung bringen, ob es sich lohnt, den virtuellen Club, die virtuelle Ausstellung zu besuchen?

hEIN! Am einfachsten und schnellsten ist es , SL einfach auszuprobieren. Die Basic-Anmeldung kostet nichts, und man merkt schnell, ob es Spaß macht. Man trifft dort Menschen quer durch alle Gesellschaftsschichten und Nationen, denen gemeinsam ist, dass sie das Interesse für digitale Medien, Kultur, virtuelle Abenteuer und Kreativität teilen.

CF: Ich will mir ein DJ-Set in SL von dir ansehen. Was muss ich da machen? Wo erfahre ich davon? Ist es nur eine gewisse Zeitspanne online, oder überhaupt nur in realtime?

hEIN! Es ist realtime. In SL nehme ich zwar gelegentlich meine Sets auf und wenn ich sie für gut befinde, dann verwende für sie meine Radio Sendung „hEIN! In The Mix“ auf CCR 94.4 bzw veröffentliche sie auf Mixcloud, oder auf meiner website www.hein.vision
Zum virtuellen Teilnehmen brauchst du einen „Avatar“, eine Anmeldung auf der SL Website, einen Basis-gratis- Account, und schon gehts los in-World.
Man erfährt von den Events eigentlich über Vernetzung, persönlichen Kontakt mit anderen, über Facebook, über Veranstaltungsseiten innerhalb SL und über Blogs außerhalb von SL.
Wenn man meine Stream-URL kennt, kann man mich dann live hören. Ich habe Fans, die das so machen.
In-World informiere ich meine follower über „Group-messages“, das heißt: wenn jemand möchte, trägt er sich in meinen Verteiler ein. Auffindbar bin ich über meinen Klarnamen „Heinrich Mader“. Ich habe mich als einer der wenigen bei der Kreation meiner Kunstfigur dazu entschieden, meinen echten Namen anzugeben. Es gibt eine Namenssuche, und man kann mich und jeden anschreiben/IMen – instant messagen.

CF: Gibt es im SL einen „Kulturführer“, der die Besucher auf Events hinweist?

hEIN! Da gibt es etliche, auch z.B. in Facebook.

CF: Wie viele virtuelle DJ-Auftritte hast du dort schon absolviert?

hEIN!  Ich habe ca 10 Jahre lang zunächst als virtueller Resident DJ einmal die Woche gespielt. Das macht 50 Sets pro Jahr, also  500 in zehn Jahren plus seit zwei Jahren weniger häufig und an verschiedenen virtuellen Locations. Macht in Summe vielleicht 550 Auftritte.

CF: Wie lange dauert ein Set? Bekommst du einen Slot zugeteilt? Oder kannst du solange auflegen, wie du willst?

hEIN!  Alles ist möglich. Selbst spiele ich in Clubs meist zwei Stunden, manchmal 90 Minuten, oft in Slots, wenn hinter mir keiner kommt dann gelegentlich open End. Früher habe ich öfter bis 4-Stunden-Sets gespielt. Lustigerweise ist mein Längenrekord als DJ aber in real live (RL) passiert, 8 Stunden nonstop.
Ich suche mir aus wo spiele. Gern mag ich mittlerweile die Kunstszene mit virtuellen Ausstellungseröffnungen.

CF: Werden die Daten von dir im Vorfeld vorbereitet? Hast du die Reihenfolge der Tracks schon festgelegt? Sind die Überblendungen der Tracks schon aufgezeichnet? Oder machst du das „live“?

hEIN!  In meinen DJ-Anfängen, bei den allerersten Sets hab ich ein paarmal aufwendige Intros vorproduziert, :), Mixes aus Klassik und Beats. Mittlerweile ist es ausschliesslich live. Ich habe viel mehr Routine darin. Meist bereite ich eine Playlist vor, manchmal mache ich vorher Probedurchläufe, manchmal funkt es auch wenig vorbereitet und spontan sehr gut. Live ist alles immer möglich. Bei der Kunst der Überblendungen fängt der Spass an, die Herausforderung, etwas Gutes zu kreieren, sowie 2- oder 3-Deck mixing. Klassik oder Soundtrack mit beats zu mixen ist immer noch meine Leidenschaft.

CF: In real Life kann ich als DJ anhand der Reaktionen des Publikums abschätzen, wie ich an dem Abend ankomme. Wie weiß ich in der VR, ob mein Set Anklang findet?

hEIN!  Anhand des öffentlichen Chats der Location, an der Frequenz/Kommen, Bleiben, Gehen und an der Anzahl der Leute/Avatare, sowie der Anzahl der virtuellen Booking-Anfragen.

CF: Im RL kommt es nicht nur darauf an, welcher DJ auflegt, sondern welches Publikum sich im Club befindet. Gibt es so etwas wie eine einsehbare Gästeliste? Damit ich hingehe, wenn ich eine bestimmte Person / einen bestimmte Avatar treffen will?

hEIN!  Es gibt unterschiedliche Gründe, ein (virtuelles) Event zu besuchen, Musik ist eines davon, aber es muss nicht das einzige sein! Eine RL/SL Clubmanagerin sagte mal zu mir, der DJ ist das Zugpferd für einen Club, RL wie SL. In SL gibt es viele unterschiedliche „Szenen“. Ich glaube, man kann da gar nicht alle kennen. Ich selber kenne die Kunstszene und paar Clubs mit unterschiedlichem Publikum. Einige wenige Locations haben auch Zugangsbeschränkungen.

CF: Angenommen jemand ist so begeistert von deinem Set, dass er dich als „real“-DJ buchen will. Geht das auch?

hEIN!  Kommt auf die Zeiten an, in denen wir leben, mein letztes RL-Set war coronabedingt 2019!

CF: Wie kriegt man in der VR so ein Styling wie deines hin?

hEIN!  Wenn wir über das Aussehen des Avatars reden: SL ist die virtuelle Plattform, die das detaillierteste Editing deines Avatars erlaubt.
Ich hab mich bemüht, mich an meinen RL-Look anzulehnen.

CF: Wie viele „Linden-Dollar“ muss ich hinblättern, dass ich stylingmäßig in den Club rein darf?

hEIN!  Jeder kommt in die meisten Clubs rein, aber es gibt auch einige, die wählerisch sind. Und Dresscodes für ein bestimmtes Thema an einem Abend sind bei vielen Events durchaus beliebt.
Es ist mehr eine Zeit- als Geldfrage, einen „gut“ aussehenden Avatar zu kreieren. Es existieren in-World viele Freebie- und Billigstangebote für Outfits, aber man braucht die Leidenschaft und Geduld, das zu machen. Die Damenwelt ist im Durchschnitt enthusiastischer als die Jungs, was ich mitbekomme. Frauen verbringen bemerkenswert viel Zeit mit ihrem virtuellen Aussehen.
Ich selber bin kein Shopping- oder Editing-Fan, mein letztes grosses Avatar-Update war auf freundliche Anregung von rundherum. Man meinte, es wäre Zeit, aussehensmäßig besser zu werden, 🙂 aber solcherlei Gestaltung kann so richtig in Arbeit ausarten.

CF: Apropos Türpolitik: ein Clubabend besteht nicht nur aus guter Musik. Es müssen die richtigen Leute zusammenfinden, die Deko muss passen, das Licht ebenso, … agierst du bei deinen Auftritten alleine, oder hast du einen Lightjockey? Jemanden, der für die Deko zuständig ist?

hEIN!  Ich bin in der glücklichen Situation, dass mir aussuchen kann, wo ich spiele, und ich mag locatons, die stylisch gestaltet sind.
Wenn ich Arbeit in PR stecke, kann ich in „meinem“ virtuellen Club spielen. Mir wurde eine Co-ownership geschenkt, da kommen auch viele Leute, aber mir reicht die rein musikalische Arbeit. Deshalb bevorzuge ich andere Locations, weil dann Einladungen und PR von anderen gemacht werden.
Manchmal machen Leute lightshows, in manchen Clubs ist Licht installiert, ich selber hab zwar die neuesten Licht-Tools und Steuerungen, aber benutze sie nur selten, weil dann bist Du richtig busy, und eigentlich ist das live-Mixen schon genug. 🙂

CF: Gibt es im Club auch fesche Avatare, die umschwärmt werden?

hEIN!  Ja, das Soziale scheint vergleichbar abzulaufen wie in RL, und jeder hat ein anklickbares Profil, wo man wahlweise auch ein RL Foto reinstellen kann.
Persönlich fallen mir zwei Paare ein, die sich in SL gefunden haben und nun in RL verheiratet sind, auch kontinentübergreifend.

Eines der Phänomene, das dir sicher aufgefallen ist: der Avatar altert nicht im Lauf der Jahre. Er verändert sich im Gegensatz zu Deinem RL Körper nicht von selbst. Meiner war Anfangs in RL ziemlich genauso sportlich wie der Avatar, aber ich schaffe es nicht, konstant so in Form zu bleiben wie virtuell.
Das hat beinahe eine philosophische Komponente. Du stellst dir Fragen wie: Was ist virtuell, was real? Ist das ganze Leben virtuell auf einer anderen Ebene usw..
Spirituell bin ich beeinflusst vom Buch „Kurs in Wunder“, und der „Kurs“ sagt, das ganze Leben ist Illusion, ein Traum.

CF: Meinst du: „Kurs in Wundern“, das Buch von Helen Schucman?

hEIN!  Ganz genau das! Als extrem belesener Mensch kennst Du es ja vielleicht!?

CF: Hab noch nie von der Autorin gehört. Hab schnell gegoogelt 🙂 Zur Idee, das ganze Leben sei ein Traum, tat René Descartes bereits im Buch „Prinzipien der Philosophie“ seine Meinung kund: „cogito, ergo sum“.
Die Frage, die du aufwirfst, erinnert mich sofort an „Matrix“ und im Anschluss an die Folge „San Junipero“ aus der Serie „Black Mirror“.

hEIN!  Ja, der Descartes Spruch ist ein bekannter. Ich dachte meinerseits schon öfters, Matrix muss vom „Kurs in Wundern“ Inspiriert sein, weil sich viele Aussagen so decken. Allerdings habe ich den/die Filme schon jahrelang nicht mehr angeschaut; wird wohl wieder mal Zeit.
„Black Mirror“ wurde mir empfohlen, hab’s aber leider noch nicht geschafft , die Serie zu sehen. Ich werde mit deiner Empfehlung anfangen!

CF: Ich finde den ersten Teil der Matrix-Filme extrem gelungen. Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist die Handlung wie Wasser auf die Mühlen der Verschwörungstheoretiker. Wenn ich alles in Frage stelle, so kann ich auch alles machen. Weil es eh egal ist. Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für ein gedeihliches gesellschaftliches Zusammenleben. Wird man in der VR zum Egomanen?

hEIN!  Ich kann nur vermuten, jeder macht auf jedem Level von Realität genau sein Ding, und glaube nicht, dass sich Menschen in einer sogenannten virtuellen Umgebung total verändern.

CF: Die Frage, die sich mir dabei stellt: kann ein Clubabend in der virtuellen Welt jemals so spannend sein, wie einer in der realen Welt?

hEIN!  Ich würde subjektiv sagen: Es ist anders, mit Vor- und Nachteilen. Und es muss keinesfalls weniger spannend sein!
Für etliche ist SL ein „escape“, die aus verschiedensten Gründen viel Zeit in SL verbringen. Da gibt es z.B. gelähmte Menschen, die Steuerungen haben, mit denen Sie ihren Computer dirigieren, und solchermaßen ein „zweites Leben“ durch SL geschenkt bekommen. Oder viele tun die Dinge, die sie in RL nicht tun können. Ich erinnere mich noch, anfangs stand ich auf virtuelle schnelle Autos! 🙂
SL ist ja sehr international, und auch gut geeignet für das erlernen oder Üben von Sprachen. Ich habe mein english vocabular ziemlich aufgefrischt.
In dem Zusammenhang soll der Bildungsaspekt nicht unerwähnt bleiben. Momentan beobachte ich im Bekanntenkreis, dass viele an „Blender“-Klassen teilnehmen. Das ist eine Software zum Erstellen von 3D-Objekten, die man z.B. dann auch in SL importieren kann.
Aber auch Universitäten usw dürften nach wie vor in SL vertreten sein.

CF: Die Nutzung des PC im Haushalt hat in den letzten beiden Jahren stark zugenommen. Die Menschen bestellen ihr Essen über das Internet, sie unterhalten sich via Zoom, schauen Kinofilme nurmehr über die Streaming-Plattformen, … Hast du den Eindruck, dass auch SL durch die Pandemie mehr Zulauf bekommen hat?

hEIN!  In meinem subjektiven Gesichtsfeld nicht, obwohl ich es eigentlich erwartet hätte. Als ich das letzte Mal vor Jahren diesbezügliche Zahlen recherchierte, hieß es, dass immer rund um die Uhr ca 50.000 Leute aus aller Welt in SL online sind. Eine kurze online Recherche sagt mir grad: 2007 erreichte „Second Life“ das erste Mal eine Spielerzahl von einer Million monatlicher Spieler, was laut The Atlantic der Höhepunkt gewesen sei. Anschließend seien die Zahlen auf rund 800.000 gesunken.

CF:  Mark Zuckerberg hat Facebook in Meta umbenannt. Er will das Metaversum vorantreiben. Wie muss man sich die Zukunft im Metaversum vorstellen? Ist das „Second Life“ zum Quadrat? Mit Datenhandschuhen und -helm, Virtual Reality-Brillen und Kopfhörern?

hEIN!  Von der Firma Apple weiss man, dass sie in diese Richtung forscht, also an einer Weiterentwicklung des iPhones, sodass das iPhone als Gadget selbst obsolet wird, und das Nachfolgeding AR – Augmented Reality bieten soll. Ob das letztendlich eine Brille wird, die in die Gläser Information spiegelt, oder etwas anderes, ist angeblich noch nicht entschieden.

CF: Worin besteht dann noch der Unterschied zwischen virtueller und realer Welt?

hEIN!  Gute Frage. Wenn man sich viel virtuell bewegt, denkt man schon darüber nach. Für mich persönlich sind RL und SL lediglich zwei verschiedene Dream-Layer, beides aus Gedanken erzeugt und die „wirkliche“ Wirklichkeit woanders, womit wir wieder bei Matrix, Kurs in Wundern, Descartes und bei Paul Watzlawick mit seinem Satz: „Wir sind Architekten unserer Wirklichkeit“ usw wären. Ich muss eben an den Film „Inception“ denken: „Dream within a dream“… AR oder auch MR (mixed Reality) ist in dem Zusammenhang wohl eine Verschmelzung von beidem und eher praktisch als philosophisch.

CF: Wie lange wird es noch dauern, bis virtuelle DJs dasselbe Gehalt bekommen, wie die jetzigen Star-DJs?

hEIN!  In Japan gibt es mit Hatsune Miku eine virtuelle Kunstfigur als Popstar. Da steckt aber nicht ein Mensch in realtime dahinter, sondern eine Computeranimation, die auch schon bei uns aufgetreten ist.

In SL sehe ich so eine kommerzielle Entwicklung aus derzeitiger Sicht nicht, weil da nicht der Umsatz generiert wird, wo sich solche RL Gagen ausgehen könnten, wie z.B. in Ibiza, wo 10.000 Leute 50.- Eintritt in den größten Club an einem Abend zahlen. Aber wir wollen ja nichts ausschließen, und an zukünftigen virtuellen Environments und Entwicklungen wird wohl einiges kommen, das man sich jetzt nichtmal vorstellen kann, siehe auch Transhumanismus.

CF: So weit in die Zukunft wollen wir hier nicht blicken. Willst du uns zum Abschluss nochmals kurz zusammenfassen, welche künstlerischen Aktivitäten du in NAHER Zukunft vom Stapel lässt?

hEIN!  Als nächstes kommt ein Remix-Album von „Wir Sind“! Und danach elektronisches Populäreres. Mein Focus pro futura liegt auf Ausproduzieren und Veröffentlichen von dem was ich so auf Harddisk habe.

CF: Vielen Dank für das Interview. Es macht Lust, SL mal anzutesten. Wir wünschen dir noch viel Erfolg, sowohl in RL, als auch im SL.

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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