Hüter des “Sonnenpark – Park der Vielfalt”

Markus Weidmann-Krieger im Sonnenpark - Park der Vielfalt, Foto Sophie Schilcher, z.V.g.
Markus Weidmann-Krieger im Sonnenpark - Park der Vielfalt, Foto Sophie Schilcher, z.V.g.

Markus Weidmann-Krieger weiß nicht viel anzufangen mit den „Segnungen“ der spätmodernen Gesellschaft. Als Grün­­dungsmitglied des Kunstvereins LAMES, ehemaliger Obmann des Vereins Sonnenpark – Park der Vielfalt und jetziger Leiter des Parks kämpft er fast sein halbes Leben um dessen Erhalt. Jetzt, wo wir wissen, wie es um das Klima bestellt ist, gibt ihm die Zeit recht. Der City-Flyer stellte Fragen zu seinem Befinden, dem Befinden des Vereins und dem der Welt.

Interview: Werner Harauer
Fotos: Sophie Schilcher und Snezana Liensbauer

City-Flyer: Ihr habt 15 anstrengende Jahre bis 2018 um den Vertrag gekämpft. War dir bewusst, welche Aufgaben auf dich zukommen würden und fing die tatsächliche Arbeit mit der Übernahme des Sonnenparks nicht erst richtig an?

Markus: Es war lange ein Zustand der Ungewissheit, das ist richtig. Der Vertrag regelt Rechte und Pflichten auf beiden Seiten. Mir war nach den vielen Jahren der Kultur- und Naturarbeit am Spratzerner Kirchenweg klar, welche Verantwortung wir als Verein für diesen öffentlich zugänglichen Raum tragen. Alle Bäume müssen zum Beispiel regelmäßig professionell begutachtet und gepflegt werden. Erfreulicherweise bekommen wir seit zwei Jahren Unterstützung durch die Stadt (Stabsabteilung Zukunftsentwicklung), sodass der Verein die gefährlichsten Arbeiten nicht selbst durchführen muss. Eine klare Verbesserung durch den Pachtvertrag ist in der Umsetzung von aufwändigen Infrastruktur-Projekten gegeben.

CF: Kannst du uns kurz die Vereinsstruktur erklären? Es gibt einen Dachverein, unter dem der Verein Sonnenpark – Park der Vielfalt und der Verein LAMES untergebracht sind. Stimmt das?

Markus: Seit Beginn des Jahres haben sich die Vereine zu einem Verband zusammengeschlossen, was eine Verbesserung der internen Kommunikation mit sich bringt und auch von den Fördergebern aus strategischen Gründen verlangt wurde. Dieser Verband ist eine Übergangsform, denn wir haben das Ziel, beide Vereine noch in diesem Jahr unter dem Arbeitstitel „Kultur und Natur am Spratzerner Kirchenweg“ zu fusionieren. In diesem sensiblen Prozess befinden wir uns gerade und wir führen mit Mitgliedern beider Vereine verschiedene professionell angeleitete Coachings, Aufstellungen oder Werte-Workshops durch, um besser vorwärts zu kommen. Wie ihr euch vorstellen könnt, gibt es viele Meinungen, die alle ihre Berechtigung haben. An oberster Stelle steht, die aufgebauten Identitäten und Wirkungen zu bewahren und den Ort vielfältig und behutsam zu öffnen.

CF: Welche Funktion hast du derzeit bei Verein „Sonnenpark – Park der Vielfalt“? Bist du nach wie vor Obmann des Vereins?

Markus: Seit Jahresanfang hat sich einiges in der Struktur des Vereins geändert. Ich bin vorerst mit 20 Stunden als Leiter für „Parkerhaltung und Parkentwicklung“ angestellt und seither aus rechtlichen Gründen auch deshalb nicht mehr Obmann. Zu meinen Aufgaben zählt zum Beispiel die aktive Teilhabe durch Bürger_innen zu fördern, das Jahresprogramm zusammenzutragen, das Grünraummanagement zu organisieren oder gemeinsam Ideen für zukünftige Nutzungen zu entwickeln oder Projekte zu planen und umzusetzen. Es ist eine spannendes Feld aus „grüner Praxis“, Kulturarbeit und Office – allerdings komme ich mit dem Stundenkontingent nicht so gut zurecht, die Arbeit kann manchmal ein Fass ohne Boden sein. Das hätte ich gerne anders, ist aber derzeit eine Geldfrage. Insgesamt ist das ein riesiger Erfolg für den Verein und auch für mich persönlich.

CF: Hätte der Verein die Kraft, auch ohne dich weiterzumachen?

Markus: Für mich geht es nicht darum festzuhalten, sondern loszulassen. Das Schiff ist auf einem sehr guten Kurs und ich sage daher besten Gewissens: ja! Der neue 5-köpfige Vorstand, der im Februar gewählt wurde, ist sehr ausgewogen und bringt neue Kompetenzen mit sich. Wir sind ein sehr gutes Team auf Augenhöhe, das permanent in Verbindung steht, jede/r arbeitet auch sehr selbständig. Diese Dynamik fühlt sich gut und richtig an.

Es gibt ein Leben neben dem Sonnenpark

CF: Im Grunde warst du vor die Wahl gestellt, zum Wohle des Sonnenparks und damit indirekt zum Wohle von uns allen ein Aussteigerleben zu führen, oder dem Sonnenpark den Rücken zu kehren, mit der möglichen Konsequenz, dass er sich in eine falsche Richtung entwickelt. Haderst du manchmal mit deinem „Schicksal“?

Markus: Ein Aussteigerleben musste ich dafür nie führen. Ich war zehn Jahre als Werbeagentur selbständig und war danach lange in einer Montessori-Schule tätig, das war jeweils kompatibel. Vielmehr habe ich im Sonnenpark Arbeit in menschen-verbindende Projekte und Visionen gesteckt, die mir schon vor langer Zeit als äußerst sinnvoll und nachhaltig erschienen sind: Steigerung der Lebensqualität, Sonnenparkfest und Feierkultur, (Bio-)Diversität, interkulturelle Gemeinschaftsgärten, Patenschaften für Pflanzen und Plätze etc.
Es ist auch gut zu wissen, dass viele identitätsstiftende Gedanken auch von anderen Menschen weitergetragen und geteilt werden. Dass es tausende ehrenamtliche Stunden, viel Geduld und Beharrlichkeit meinerseits und partnerschaftliches als auch familiäres Verständnis gebraucht hat, dorthin zu kommen, wo der Park heute steht, möchte ich nicht außer Acht lassen. Diese 20 jährige freiwillige Arbeit hat mich auch mitgeprägt mit allen Höhenflügen und Tiefschlägen. Deshalb hadere ich nicht mit meinem Schicksal, sondern ich erkenne es als zu-meiner-Geschichte-gehörig an.
Aufgrund meiner Tätigkeiten im Sonnenpark und im Privatbereich habe ich mich außerdem in den vergangenen Jahren zu zwei Ausbildungen in Facharbeit für Land- und Forstwirtschaft entschlossen und diese auch abgeschlossen. Den Beginn des Masterstudiums an der DonauUni in „Ökologisches Garten- und Grünraummanagement“ habe ich mit zweijähriger Verschiebung nun für diesen Herbst geplant – das passt mir gut.

CF: Nachhaltige Bewirtschaftung liegt im Trend und wird viele Befürworter und Unterstützer finden. Aber es macht einen Unterschied, davon zu sprechen und Nachhaltigkeit einzufordern und dann als Freiwilliger die eigene Zeit auch tatsächlich zu opfern und mitzuhelfen. Wie gehst du damit um, wenn zuerst der Enthusiasmus ausbricht und wenn dann die schweißtreibende Arbeit beginnt, sich viele mit anderen Verpflichtungen entschuldigen?

Markus: Wenn wir einen Beitrag dazu leisten können, dass sich St. Pöltner_innen eher zutrauen, ihre Umwelt mitzugestalten, dann haben wir viel erreicht. Es geht dabei nicht um Berge, die versetzt werden sollen, sondern um die vielen kleinen positiven Impulse, die dabei spürbar werden, mit anderen Worten – kollektive Verantwortung wird übernommen.
Bei unseren Arbeitseinsätzen der Gruppen zählt: „Wer kommt, ist da.“, Quantität und Zeit spielen dabei keine große Rolle. Unaufschiebbare oder gefährliche Tätigkeiten werden auf professioneller Ebene gelöst.

CF: Der Spratzerner Kirchenweg steht für Kunst, Kultur, Natur und Kommunikation. LAMES ist für die Kunst und Kultur zuständig, der Verein Sonnenpark – Park der Vielfalt für die Natur (und für die Kommunikation beide). Du bist auch sehr kulturaffin. Hast du noch ausreichend Zeit dich auch künstlerisch zu betätigen? Geht dir das nicht ab bei der vielen Gartenarbeit? Hast du noch Zeit, neben dem Sonnenpark-Projekt etwas anderes zu tun?

Markus: Ja, auch ich führe ein Privatleben, wie alle anderen Menschen. Meinen Verlängerten mit Sojaschaum genieße ich allzu gerne im Café Schubert, wenn hier Schleichwerbung erlaubt ist. Ich spiele Schlagzeug und ein bisschen Gitarre, gelegentlich singe ich sogar. Das Tanzbein schwinge ich am liebsten im Schwarzen Raum im Sonnenpark.
Visuals und Videoproduktion, wie ihr das aus früheren Zeiten kennt, wurden allerdings durch gestaltende Naturarbeit abgelöst, das ist heute meine hauptsächliche künstlerische bzw. schaffende Tätigkeit. Meine Tochter Lia Quirina ist dafür umso aktiver im Kunstbereich geworden und liefert spannende zeitadäquate Beiträge in Form von Performances, Ausstellungen und Gedichten. Ansonsten beschäftige ich mich auch viel mit meinem inneren Kosmos und bin meinen Sehnsüchten und Wünschen auf der Spur.

Wer zahlt für eine lebenswerte Umwelt?

CF: Wie viel kann die Öffentlichkeit einer einzelnen Person bzw. einer Personengruppe zumuten mit der Begründung „ihr macht’s das ja eh freiwillig“. Wie lässt sich ein 40.000m2 großes Areal von Freiwilligen bewirtschaften?

Markus: Dass der Sonnenpark durch Bürger_innen bewirtschaftet und dabei professionell unterstützt wird, ist ein Alleinstellungsmerkmal unter den regionalen Parks. Das bedarf viel Steuerungsarbeit und Zufriedenheit auch über kleine Schritte. Kürzlich haben wir begonnen regelmäßige „Sonnendecktreffen“ zu etablieren, die jeden Freitag ab 15:00 Uhr immer an einem anderen Ort im Sonnenpark stattfinden. Möglichst viele Leute aus unseren Arbeitsgruppen sollen die vielfältigen Orte und Zonen besser kennenlernen und wissen, was bereits geschehen ist und was noch in Planung ist. Wir entscheiden spontan, ob wir einen Arbeitseinsatz oder eine gemütliche Runde hinlegen.
Die GARTENgruppe und die BASISgruppe organisieren sich außerhalb dieser regelmäßigen Treffen hauptsächlich via WhatsApp. Von ihren Taten wird auf der Website, instagram und facebook berichtet. Bei Interesse zum Mitmachen uns bitte einfach anschreiben. Jede/r ist willkommen!

CF: Von welchen Institutionen erhält der Verein Unterstützung?

Markus: Der Verein Sonnenpark – Park der Vielfalt erhält von Stadt und Land finanzielle Unterstützung, was in diesem Jahr über den bereits erwähnten Verband abgewickelt wird. Mittelfristig verfolgen wir aber mit LAMES gemeinsam die Renovierung der Häuser voranzubringen und einen mehrjährigen Fördervertrag für die Gesamtfläche auf die Beine zu stellen, der mehr Planungssicherheit und ein vielfältiges ganzjähriges Angebot für Besucher_innen sicherstellt. Deshalb ist gerade die Fusionierung auch so ein wichtiges Thema.
Für die Umsetzung weiterer Projekte halten wir nach Sponsoren und Investoren die Augen offen. Auch Fundraising und alternative Finanzierungswege werden noch beschritten werden.

CF: Hast du eine Ahnung, was der Stadt die Bewirtschaftung eines so großen Areals kosten würde?

Markus: Nein, weiß ich leider nicht. Ich hätte allzu gerne Zahlen, was ein Quadratmeter in der Erhaltung städtischer Parkflächen im Jahr kostet. Was der Sonnenpark tatsächlich gesellschaftlich und monetär leistet, würde ich gerne in den Händen von Studierenden im Rahmen eines Forschungsprojekts (SROI-Analyse, Social Return On Investment) sehen. Ich kenne da eine spannende Studie aus Schottland, die verschieden bewirtschaftete Parks gegenüber stellt und ihre Wirkung misst. Sie hat mich zu dieser Idee inspiriert.

CF: Würde sich die Stadt dieses Naherholungsgebiet leisten, wenn sie alles in Eigenregie machen müsste?

Markus: Wenn wir nicht in absehbarer Zeit in heißen Betonwüsten leben möchten, sollte möglichst schnell eine kollektive Kurskorrektur stattfinden – bei uns in St. Pölten und weltweit. Städte haben die Verpflichtung, Grünräume zu schaffen und zu erhalten. Was gerne vergessen wird, ist, dass ebenso viel Engagement durch Bürger_innen und der Wille nach Vernetzung gefragt ist, den Stadtraum mitzugestalten. Das ist meine Kernaussage. Einige spürbare Zeichen gibt es bereits: Neuanlegung eines Parks in der Nähe des Krankenhauses, Verein Smart Pölten Bürger_Innenbeteiligung als Schnittstelle für innovative grüne Projektideen und der Verein Sonnenpark – Park der Vielfalt selbst leistet auch einen wertvollen Beitrag.

Wir schaffen Bewusstsein

CF: Der Verein hat viel Überzeugungsarbeit geleistet, damit der Wert des Areals erkannt wird. Wie ist deine Einschätzung, die BREITE Öffentlichkeit wirklich erreicht zu haben? Habt ihr nicht nur jene überzeugt, die sowieso schon auf der „grünen“ Seite stehen, während die bildungsferne Bevölkerung keine Ahnung vom Sonnenpark hat? Und hätte sie eine, würde sie dafür Steuergeld springen lassen?

Markus: Die „grüne Seite“ – also Lebensqualität – geht ALLE etwas an! Sie ist keine exklusive Angelegenheit, sondern ein Grundrecht, auch wenn das momentan noch nicht von allen Menschen so wahrgenommen werden kann.
In den sozialen Netzwerken haben wir tausende Follower, das Sonnenparkfest wird üblicherweise von über 1000 Menschen aller Altersgruppen, Herkünfte und Interessen besucht. Da fühlen wir uns bestätigt, dass wir diesen sehr guten Querschnitt haben. Dennoch stimmt es, dass noch nicht mehr als geschätzte 20% der St. Pöltner_innen den Sonnenpark kennen. Wer allerdings einmal hier war, kommt zu 99% wieder. : )

CF: Lassen sich eure Anliegen durch die sensibilisierte Bevölkerung jetzt besser verkaufen?

Markus: Wir wollen niemandem etwas verkaufen, wir entwickeln gemeinsam Projektideen oder bieten Workshops an. Jede/r darf sich jederzeit gerne ein- und ausklinken. Hinter dem Begriff Partizipation steht Teilhabe, also sich auch als ein Teil eines Projekts wahrnehmen!

CF: Das Nachhaltigkeitsthema ist in vieler Munde. Ihr habt das schon vor Jahrzehnten propagiert. Fühlst du dich da bestätigt?

Markus: Richtig, dieses Ziel verfolgen wir schon seit Beginn und stellt die Basis des Vereins Sonnenpark – Park der Vielfalt dar. Wir sind da sozusagen schon lange vor dem Nachhaltigkeitshype auf der Bildfläche gewesen. Wie gut, dass es ihn jetzt gibt, denn diesen Wandel sollen wir alle offensichtlich gerade durchleben.

Viel zu tun im Sonnenpark – Park der Vielfalt

CF: Auf der Facebook-Seite von Sonnenpark befinden sich aktuell Fotos, auf denen zu sehen ist, wie ihr den ganzen Park „umdreht“. Was habt ihr vor?

Markus: Im Rahmen der SonnenparkGESTALTUNG im April haben wir eine große Baumpflanzaktion und verschiedene Neugestaltungen durchgezogen, zum Beispiel Böschungsbeete mit Zier- und Nutzpflanzen, Neubau der Sonnen-Liegeflächen oder eine Mini-Bühne gegenüber der Hofbar. 400 Bäume und 70 Sträucher konnten wir trotz Corona unter Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen in Einzelarbeit bzw. von Familienverbänden standortgerecht setzen.
Ursprünglich hatten wir eine große öffentliche Aktion mit vielen Bürger_innen geplant. Wir holen dies im Herbst mit weiteren 100 Bäumen – teilweise mit Pflanzenpatenschaften – nach.
Es handelt sich um besonders trockenheitsresistente Pflanzen, die an den Klimawandel angepasst sind und gleichzeitig ein hohes Maß an Biodiversität und bodenverbessernden Eigenschaften mit sich bringen. Feldahorn, Baumhasel, Eiche, Schwarzerle, Flatterulme, Salweide, Mehlbeere, Tanne, Dirndl, Kreuzdorn, Sanddorn, um die wichtigsten zu nennen.
Notwendig macht diese Waldumbau-Aktivitäten vor allem das Ausfallen unserer Hauptbaumart, der Esche und die zunehmende Trockenheit in den letzten 10 Jahren. Es mussten jährlich ca. 20 große Eschen bzw. andere vertrocknete Bäume in der Nähe von Wegen aus Sicherheitsgründen gefällt werden.

CF: Wie weit seid ihr mit der Park-Infrastruktur? Was soll noch mittelfristig geschehen?

Markus: Die Sonnenpark BASISgruppe (Baum Strauch InfraStruktur) arbeitet permanent an Infrastruktur-Verbesserungen im Park, manchmal sind die Projekte sehr auffällig, manchmal werden sie kaum wahrgenommen.
Was heuer noch geschehen soll? Wir werden ein Gerätehaus für den Gemeinschaftsgarten Nord aufstellen. Wir errichten ein Klimaforschungslabor und einen Speisepilzkeller und planen Workshops dazu. Die Wasser- und Elektroleitungen im Freien müssen aktiviert und überdachte und beleuchtete Orientierungspläne angelegt werden.
Weiters sind 5 Kilometer-Heckenschnitt zu machen,  50 Raummeter Brennholz zu spalten und regional zu verkaufen (bitte melden!) und einen temporären Raum (Container) für die bevorstehenden Renovierungsarbeiten der Häuser aufzustellen.
Nächstes Jahr möchten wir – bereits fusionierter Weise – eine durchgehende Eingangsbeschilderung, Orte für Kunstobjekte und zusammen mit der Stadt zwei Brücken über den Mühlbach realisieren.

CF: Ihr hattet Mitte Juni geplant, das oben erwähnte Kinder-Klimaforschungslabor zu eröffnen. Worum geht es da konkret?

Markus: Das Klimaforschungslabor dient dazu, gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen Klima- und Energieforschung bzw. Aktivitäten zu Klima und Energie durchzuführen. Ziel ist es, mehr Umweltwissen und Bewusstsein, sowie ein umfassenderes Gesamtbild zu erreichen und ein aktives Netzwerk an Schulen, Bildungseinrichtungen, Lehrkräften sowie Kindern und Jugendlichen auszubauen.
Das Labor besteht aus zwei Bürocontainern mit zukunftsweisender Bauwerksbegrünung – sozusagen als lebendiges, praxisnahes Anschauungsobjekt – ausgestattet mit altersgerechten Klima-Messinstrumenten und Zubehör für Klima-Experimente. Auch für Interessierte erwachsene Menschen wird es Angebote an Nachmittagen geben.
COVID-19 hatte der Errichtung des Klimaforschungslabors ein temporäres Ende gesetzt, wir sind aber bereits mit neuen, alten Partner_innen dabei, weiterführende Finanzierungsmöglichkeiten auszuloten.

CF: Hängt das Labor mit dem geplanten Kinderkunstlabor bei der Körner-Hauptschule zusammen?

Markus: Nein tut es nicht. Das Kinderkunstlabor wurde im Bewerbungsprozess zur europäischen Kulturhauptstadt geplant. Was den momentane Status betrifft, gebe ich die Frage an Bürgermeister Stadler oder das Büro 2024 weiter.

CF: Wird es heuer ein Sonnenparkfest geben? Wird es einen Parque del Sol geben?

Markus: Beides ja!
Parque del Sol wird es allerdings in der gewohnten Form heuer nicht geben. LAMES hat für dieses Jahr das Konzept den Umständen angepasst und den Fokus von 3.bis 9. August auf den künstlerischen Prozess vor Ort gerichtet. Im Sonnenpark wird interdisziplinär gearbeitet, in Outdoor-Ateliers Kunst geschaffen und an „postcoronalen“ Konzepten gefeilt und darüber diskutiert. Teilweise wird auch für Gäste geöffnet sein.
Das Sonnenparkfest wurde von Juni auf das letzte Ferienwochenende, den 5. September verschoben, wir sind voll in der Planung und arbeiten an neuen Konzepten und spannenden Programmpunkten, wenngleich wir derzeit nicht genau wissen, wie die gesetzlichen Bestimmungen dann aussehen werden. Wir hoffen diesbezüglich noch auf eine bundesweite Lockerung. Denn wir wollen dieses besondere Fest gemeinsam mit allen Menschen feiern. Mehr dazu in Kürze auf den Websites von LAMES und Sonnenpark – Park der Vielfalt!

Nachdenken über die inneren und äußeren Krisen

CF: Befürchtest du durch die bevorstehende coronabedingte Wirtschaftskrise ein Abflauen des Interesses am Sonnenpark? Ein Einfrieren der Geldmittel, weil sie woanders gebraucht werden?

Markus: Da sprichst du zwei verschiedene Dinge an: das Interesse am Sonnenpark _ Park der Vielfalt und das Geld dafür. Ich glaube, dass gerade jetzt eine Chance besteht, dass sich Orte wie der Sonnenpark gut entwickeln können. Alles wurde vom Lockdown durcheinander gebeutelt, wir alle mussten neue Verbindungen zu unserem inneren Raum herstellen und haben uns oft in der Natur wieder neu geordnet. Dabei hat der Sonnenpark eine wichtige Funktion erfüllt und erfüllt sie weiterhin, auch wenn wir vorübergehend den Park vier Wochen offiziell sperren mussten.
Zur zweiten Frage, dem Einfrieren der Geldmittel: Wir alle werden die Auswirkungen für das was noch kommt, tragen müssen. Wie und wo der Sparstift konkret angesetzt wird, liegt außerhalb meines Wirkungsbereichs, wenngleich ich mir natürlich wünsche und dazu ermutigen möchte, dass die Chance ergriffen wird, vieles neu gedacht wird und es bei Ungerechtigkeit auch Widerstand geben wird. Es geht um Menschen und Existenzen. Was konkret die geplanten Geldmittel für den Ort Sonnenpark betrifft, werden wir erst sehen, ob es Veränderungen geben wird. Wir nehmen höchst motivierte und unterstützende Stimmung seitens der Geldgeber wahr und die Krise wird irgendwann auch wieder überwunden sein.

CF: Die Politik versucht mit riesigen Geldspritzen die Wirtschaft zu dopen. Wie verträgt sich das mit der Umwelt?

Markus: Mögen viele Gelder für sinnvolle Maßnahmen im Umgang mit dem Klimawandel frei gemacht werden und möge sich die sogenannte Wirtschaft aus unpraktikablen bzw. unfairen Systemen befreien. Gegenfrage: Wer glaubt ihr, soll das wohl in die Wege leiten? 😉

CF: Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast, die vielen Fragen zu beantworten. Willst du den Leser_innen noch was mitgeben?

Markus: Ich glaube, ich habe mich ausreichend erklärt. Abschließend möchte ich mich noch bei unseren Sponsoren der Sonnenparkgestaltung bedanken, die den Großteil der Gesamtkosten übernommen und somit beigetragen haben, dass der Sonnenpark klimafit wird!
– alle Pflanzen: Verein Smart Pölten Bürgerbeteiligung
– alle Baumpflöcke: Stadt St. Pölten, Abteilung Umweltschutz und Lebensraum
– Baumaschinen: Stadt St. Pölten, Stabsabteilung Zukunftsentwicklung
– Transporte, Erdbohrer: Schubert Bau- u. Projektmanagement GmbH
– Erde: Stadt St. Pölten, Bau-Planungsbüro
Und einen großen Dank an die  Mitglieder und Freund_innen des Sonnenparks, die die Sonnenparkgestaltung 2020 trotz Einschränkungen so erfolgreich gemacht haben!

www.lames.at
www.sonnenpark-stp.at

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Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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