Jangoony: das St. Pöltner Trio setzt auf die 90er

Jangoony sind v.l.n.r.: Julian (bass, voc.) und Phillip Neuhauser (voc., guit.) und Jonathan Idinger (dr.) Foto: privat
Jangoony sind v.l.n.r.: Julian (bass, voc.) und Phillip Neuhauser (voc., guit.) und Jonathan Idinger (dr.) Foto: privat

Die St. Pöltner Dreier-Formation Jangoony will den Spaß in den Rock zurück bringen. Phillip Neuhauser und Jonathan Idinger ließen bereits bei der Alternative-Rock-Band NFMS die Sau raus. NFMS, abgeleitet aus dem ursprünglichen Bandnamen Infamous, spielten punkig/grungigen Teenager-Rock. Mit Bruder Julian Neuhauser am Bass haben sich die beiden Twens mit der aktuellen Band Jangoony neu erfunden.

Interview: Werner Harauer
Foto: privat

City-Flyer: Wie alt seid ihr und woher kommt ihr?

Phillip: Wir sind im besten Alter 😉

Julian: Wir kommen aus St. Pölten und haben Bezug zu Wien.

CF: Was macht ihr beruflich?

Jonny: Phillip ist Gastronom, Julian Publizistik-Student und ich bin (arbeitsloser) Veranstaltungs-Techniker.

CF: Lässt sich das alles unter einen Hut bringen?

Phillip: Manchmal sind die Nächte kurz, aber ich würde sagen, dass das eine ohne das andere gar nicht so gut funktionieren könnte. Der Ausgleich in der Abwechslung passt sehr gut.

Julian: Als junger Publizistik Student hat man nie wirklich einen Stress, deshalb war es vorteilhaft, zu Lockdownzeiten die ganze freie Zeit in die Musik investieren zu können. So ist mir zum Glück nie fad geworden.

Jonny: Manchmal ist es schwierig, aber wenn alle motiviert sind geht schon g’scheit was weiter.

CF: Ihr habt Ende März die Debüt-EP „Arctic Blue“ veröffentlicht. Klingt sehr „grungig“. Wie sehr hat euch der Seattle-Sound der späten 80er und frühen 90er beeinflusst?

Phillip: Wir würden weniger „grungig“ sagen, eher UK, als Seattle, aber klar haben uns die Sounds der großen Grunge Bands beeinflusst. Chris Cornell, Eddie Vedder, Kurt Cobain,… haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Jonny: Mich sehr, vor allem die Drums von Nirvana. Aber auch viel Stone Temple Pilots, Soundgarden oder Alice in Chains.

CF: Die Ep heißt „Arctic Blue“, ihr selbst setzt euch im kräftigen Blau in Szene: was hat das zu bedeuten? Ich assoziiere damit „kalte“ Musik, was aber überhaupt nicht zum Stil eurer Musik passt.

Phillip: Mit „Arctic Blue“ wird das akustische Eis gebrochen. Ein neuer Weg, neues Gebiet, neuer Sound. Wir haben einen Gedanken dahinter, die Farben symbolisch für unsere musikalische Richtungen zu verwenden.
Das wird schon noch offensichtlich Sinn ergeben.

CF: Ein weiteres Rätsel ist für mich euer Name. Was hat dieser zu bedeuten?

Phillip: Jangoony ist eigentlich ein Insider-Wort, den ein enger Freund erfunden und in die Welt hinausgetragen hat. Es stand immer für „Mach was du dir denkst, hab Spaß daran und steh dazu“. Über die Zeit und für uns hat es sich gewandelt zu einem Hakuna Matata der Rock-Musik.

Jonny: Geh’s locker an. Alles akzeptieren, so nehmen wie’s kommt und das Beste daraus machen. Leb’ dein Leben, alles gut.
Bitte liebe Duden Redaktion, nehmt unseren Namen in euer Buch auf!

CF: Ist der Name zynisch aufzufassen? Schließlich gibt es nicht gerade wenig Probleme auf der Welt?

Phillip: Nein! Wenn überhaupt soll unsere Musik Spaß in die Welt bringen.

CF: Die Texte auf „Arctic Blue“ handeln von persönlichen Befindlichkeiten. Die Nabelbeschau ist ein schon lang anhaltender Trend in der (Rock)Musik. Haben diese Selbstreflexionen eurer Meinung nach eine Zukunft? Werden bald wieder Texte geschrieben, die über den persönlichen Bezug hinaus weisen?

Phillip: Meiner Meinung nach ist das kein Trend, eher ein bewährtes Basic für so gut wie alles. Menschen, die etwas erlebt haben, erzählen von dem Erlebten. In der Musik ist es sogar intensiver, weil du mit einer Gitarre in der Hand deine Geschichte erzählen darfst.

Jonny: Selbstreflexion wird immer ein zu besingendes Thema bleiben. Das ist schließlich ein unerschöpfliches Gebiet, das jeden beschäftigt.

CF: Was steht bei euch im Vordergrund? Die Musik oder die Texte?

Phillip: Music comes first, lyrics are secondary.
Wir spielen immer unsere neuen Musikideen und ich singe erfundene, englisch klingende Wörter dazu. Irgendwann kommt mir ein echter Satz aus, der die Stimmung des Songs gut beschreibt und mit diesem Satz wird der gesamte Text aufgebaut. Bis dahin haben wir schon oft den frei erfundenen Text gesungen, um uns eben auf die Musik konzentrieren zu können.
Der Text ist für uns nicht unwichtiger, als die Musik aber wir fokussieren uns erst auf die passenden Worte, wenn die Musik schon ein gutes Fundament dafür liefern kann.

Julian: Du kannst die schönsten und berührendsten Texte schreiben, wenn die Musik nicht passt, solltest du lieber Lyriker werden. Wenn die Musik aber gut klingt, ist es fast schon egal was du dazu singst – siehe „Die Ärzte“.

Jonny: Beides soll sich gut ergänzen. Ich würde es mit einem Bild vergleichen: du bemalst die Leinwand mit Musik und rahmst es mit dem Text ein. Wobei diese Grenzen auch mal verschwimmen.

CF: Phillip, du hast bei den Bands Infamous und bei NFMS mitgewirkt. Waren da Julian und Jonathan auch mit von der Partie?

Phillip: Jonny und ich haben bei NFMS gemeinsam gespielt.

CF: Bei welchen Bands habt ihr bisher gespielt bzw. spielt ihr?

Phillip: Manchmal leg ich Live-Alben von coolen Bands ganz laut auf und spiel mit der Gitarre dazu. Dann fühl ich mich als würde ich bei den FooFighters oder Pixies spielen. Zählt das?

CF: Äh, nein. Das war nicht gemeint. Andere Frage: Was unterscheidet Infamous und NFMS von Jangoony?

Phillip: Vieles, bis auf den Proberaum, der ist geblieben. Bei der NFMS-Gründung war ich 15, da ist über die Jahre schon viel passiert. Mit Jangoony hat sich noch viel mehr geändert, im Vergleich zu davor. Die Musik ist eine ganz andere, die Herangehensweise ans Proben und Aufnehmen, sowie die Arbeitsteilung sind meiner Meinung nach viel gruppendynamischer. Also Infamous und Jangoony sind zwei verschiedene Paar Schuhe.
Jangoony ist, so gesehen, ein Neustart und hat mich wieder zu dem Gedanken zurückgeführt, um den es eigentlich in der Musik gehen sollte – den Spaß daran, kreativ zu sein.

Jonny: Ich würde sagen das Mindset. Viele Sachen laufen jetzt innerhalb der Band anders ab, als bei nfms. Natürlich versuchen wir auch unseren Level an Musik-Output zu steigern bzw. in puncto Genre auch mal einen Ausflug zu wagen.

CF: Eine Dreierformation ist nicht die Norm, damit sind aber schon einige Bands gut gefahren. Ich denke da z.B. an Hüsker Dü als berühmtes Beispiel. Steckt hinter eurer Entscheidung strategisches Kalkül, oder hat sich die Dreierformation aus Mangel eines vierten Mannes / einer Frau ergeben?

Phillip: Interessante Frage. Wir fahren ganz gut zu dritt, aber eigentlich sind die Songs für zwei Gitarristen geschrieben. Ich weiß noch gar nicht, wie ich das live bei allen Songs umsetzen werde. Wenn wir wieder raus dürfen und Kontakte knüpfen können, werden wir nach eine zweiten Gitarristen / einer Gitarristin Ausschau halten.

CF: Ihr habt ein eigenes Tonstudio. Phillip, du hast seit 2014 auch ein eigenes Label. Habt ihr bisher alles alleine auf die Beine gestellt?

Phillip: Wir sind grundsätzlich Menschen, die gerne alles Mögliche ausprobieren und an die Grenzen gehen wollen.
Gemeinsam pushen wir uns so, dass ich mich manchmal selbst frage, wie wir so Einiges schaffen konnten.
Außerdem haben wir Freunde und Familie, von Fred, Hannes, Felix bis zum Johnny, ohne die Vieles unmöglich gewesen wäre.

Julian: Für die grafischen Arbeiten haben uns Michi und Valerie immer tatkräftig unterstützt, das Mastering hat glücklicherweise Johnny übernommen und selbst beim Schreiben der Musik waren wir nicht wirklich alleine, weil wir immer großartiges Feedback von unseren Freunden und Musikerkolleg*innen bekommen haben und uns damit weiter entfalten konnten.

CF: Habt ihr in Zukunft vor, noch mehr Leute in euer Projekt miteinzubeziehen?

Phillip: Wir arbeiten mit einigen großartigen Leuten zusammen, um unsere Projekte realisieren zu können, auch wenn wir das Endresultat gerne selbst in der Hand haben. Da werden noch viele Leute dazu kommen, mit denen wir gemeinsame Sache machen wollen.

CF: Wie teilt ihr euch die Arbeit auf. Wer schreibt die Songs? Wie entsteht die Musik?

Phillip: Mein nächtliches Gitarrenspiel liefert meistens die Grundidee, festgehalten mit einer Handy-Aufnahme. Dann spielen wir die Idee bei einer Probe. Wenn es gut klingt machen wir daraus ein neues Projekt.
Dann wird der Song so lange im Kreis weitergegeben, bis wir selbst nicht mehr wissen, was wir spielen sollen, haha.
Irgendwann proben wir das Lied wieder und wissen nichts mehr daran zu ändern, denn jeder findet es geil.

Julian: Bei der letzten EP hatte Phillip eine gewisse Grundidee für alle Lieder. Dann haben wir sie tagelang gespielt, jeder hat seinen eigenen Stil hinzugefügt und zum Schluss haben wir alles aufeinander abgestimmt.
Manchmal ist aber auch schon aus einem Jam heraus ein neuer Song geboren worden.

Jonny: Stück für Stück wird dann an dem Song gebastelt, gefeilt, umgeschrieben, bis es für uns alle passt.

CF: Ihr habt zwei weitere EPs angekündigt, die sich formal und inhaltlich von “Arctic Blue” unterscheiden werden. Lässt sich schon genaueres sagen, wie sie sich unterscheiden werden?

Phillip: EP1 Arctic Blue war die „british Vein“, unsere Alternative Rock Ansage zur Begrüßung, aber wir sind ja, wie schon erwähnt eine Rock Band, die für Spaß steht und genau da setzt die zweite EP „Mint Green“ an.

Jonny: Mint Green wird eine akustische Hängematte. Aber doch auch bisschen crazy. EP3 wird fetzen. Das ist versprochen!

CF: Wie viel Material habt ihr bereits beisammen? Wann können wir mit den weiteren EPs rechnen?

Phillip: Der Lockdown hat es gut gemeint mit uns, Rohmaterial an Songs gibt es viel zu viel. Da werden wir noch Zeit brauchen, um uns darauf fokussieren zu können. Die letzten Wochen haben wir damit verbracht unsere nächste EP fertig zu stellen. Unsere zweite EP „Mint Green“ haben wir am 29. Mai auf Bloombox-Records veröffentlicht.

CF: Auch von einem Album ist die Rede. 
Wird das Album die drei EPs zusammenfassen? Oder werden auf diesem völlig neue Songs zu hören sein?

Phillip: Die EP’s sind Teil des Albums und es wird auch viel Neues dazu kommen. An dem Punkt werden unsere musikalischen Seiten zusammenströmen und das Farbenspiel bunt.

CF: Ihr plant schon weit in die Zukunft. Was wollt ihr mit der Band erreichen? Wie schauen eure Ziele hinsichtlich der Band aus?

Phillip: Tun wir das? Wir haben Ziele, jede Band träumt doch davon auf großen Bühnen zu stehen, aber wir sind immer sehr fokussiert auf das Gegenwärtige.

Julian: Ich finde, dass man immer träumen darf und auch sollte, aber bestimmte Ziele hab’ ich persönlich keine. Ich lass mich da eher überraschen. Natürlich haben wir bestimmte Städte im Hinterkopf, in denen wir unbedingt mal live spielen wollen und wenn wir unsere Songs im Radio hören dürfen, würd‘ uns das auch nicht stören. Das Wichtigste ist aber, dass Einem das Musizieren Spaß macht.

Jonny: Ich würde sagen, viele Songs veröffentlichen, live spielen ist fix, und schauen, wie weit und wohin uns das alles treibt.

CF: Nachdem langsam wieder Normalität einkehrt, plant ihr schon die ersten Live-Auftritte, um eure EP zu bewerben?

Phillip: Wir freuen uns schon wahnsinnig darauf endlich unsere Musik live spielen zu können und gemeinsam mit unseren Leuten zu feiern.

Julian: Das wird ein Spaß!

Jonny: Wir sind mit ein paar Veranstaltern im Gespräch. Kann sein, dass es bald dazu kommt!

Jangoony Besetzung:
Phillip Neuhauser – Gesang & Gitarre
Julian Neuhauser – Bass & Gesang
Jonathan Idinger – Schlagzeug

hier geht’s zur aktuellen EP auf Spotify.

www.facebook.com/jangoony.tunes

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

City-Flyer – die Stadt bei Tag und Nacht Foren Jangoony: Ein Trio setzt auf die 90er

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